Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2025 einen Rückgang der Baufertigstellungen um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer umgehenden Adressierung der zugrunde liegenden Herausforderungen im Bausektor. Dr. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH), mahnt angesichts dieser Zahlen ein koordiniertes Handeln von Bund und Ländern an, um die derzeitigen Hemmnisse im Bauwesen zu beseitigen.
Laut Dr. Ohnesorge sind neben steigenden Bauzinsen vor allem politisch definierte Vorschriften und bürokratische Hürden für die Verteuerung des Bauens verantwortlich. Er betont die Notwendigkeit, der föderalen Zersplitterung der Landesbauordnungen entgegenzuwirken. Um dies zu erreichen, sei es essentiell, dass Bund und Länder gemeinsame Mechanismen etablieren, die eine automatische Überführung bundesweiter Musterregelwerke in das Landesrecht gewährleisten.
Herausforderungen bei Beschleunigungsgesetzen und Gebäudetyp E
Die von einzelnen Bundesländern implementierten sogenannten „Schneller-Bauen-Gesetze“ werden als provisorische Lösungen kritisiert. Sie schaffen laut HDH einen fragmentierten Rahmen, der für bundesweit operierende, seriell bauende Unternehmen einen Flickenteppich an unterschiedlichen Beschleunigungsregeln und Anforderungen darstellt. Diese Situation gleicht den strukturellen Problemen der Landesbauordnungen und führt zu einem föderalen Wildwuchs. Der HDH fordert daher den Bund auf, koordinierend einzugreifen und gemeinsam mit den Ländern verbindliche Mindeststandards für Beschleunigungsmaßnahmen zu definieren.
Der im Parlament diskutierte Gebäudetyp E bietet potentiell eine Möglichkeit für kostengünstigeres Bauen. Eine Realisierung dieses Potenzials hängt jedoch maßgeblich von einer klaren und verlässlichen Regelung der damit verbundenen Haftungsrisiken für bauausführende Unternehmen ab. Solange diese rechtliche Frage ungeklärt bleibt, wird eine breite Nutzung des vereinfachten Bauens durch Unternehmen nicht erfolgen können. Hier ist der Gesetzgeber aufgefordert, zügig Rechtssicherheit zu schaffen.
Verpasste Chancen im Vergaberecht
Als weitere verpasste Chance wird die ausstehende Flexibilisierung der Losbindung bei der öffentlichen Vergabe hervorgehoben. Das Vergabebeschleunigungsgesetz hätte die Möglichkeit geboten, durch angepasste Vergaberegeln das serielle Bauen signifikanter zu fördern. Diese Chance wurde seitens der Bundesregierung bisher nicht genutzt. Eine Anpassung der Vergaberichtlinien könnte hier zu einer effizienteren Projektabwicklung beitragen und somit den Bauprozess positiv beeinflussen.




