← Ratgeber

Workation und Ferienimmobilien

Workation, die Kombination aus Arbeit und Urlaub, gewinnt an Beliebtheit. Wir beleuchten, wie Ferienimmobilien dabei eine Rolle spielen können und welche Aspekte bei der Integration von Workation in das Geschäftsmodell berücksichtigt werden sollten.

7 min Lesezeit
Workation und Ferienimmobilien

Die moderne Arbeitswelt wird zunehmend flexibler, und das Konzept der Workation, ein Kofferwort aus 'Work' (Arbeit) und 'Vacation' (Urlaub), hat sich als attraktives Modell etabliert. Es ermöglicht Angestellten und Selbstständigen, ihre beruflichen Aufgaben von einem inspirierenden Reiseziel aus zu erledigen, anstatt ausschließlich im Büro oder Homeoffice tätig zu sein. Diese Entwicklung stellt auch Immobilienbesitzer und -investoren vor neue Chancen, insbesondere im Bereich der Ferienimmobilien. Eine Ferienimmobilie, die für Workation-Aufenthalte optimiert ist, kann neue Zielgruppen erschließen und die Auslastung außerhalb traditioneller Urlaubssaisons steigern. Doch welche Voraussetzungen muss eine solche Immobilie erfüllen und welche rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten?

Was ist Workation und warum ist es relevant?

Workation beschreibt eine Arbeitsform, bei der Beruf und Freizeit miteinander verbunden werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder Selbstständige verlagern ihren Arbeitsplatz für eine gewisse Zeit an einen Urlaubsort. Dies kann ein paar Tage, aber auch mehrere Wochen oder Monate dauern. Der Hauptgedanke dahinter ist die Steigerung der Kreativität, der Produktivität und der Mitarbeiterzufriedenheit durch einen Tapetenwechsel und die Möglichkeit, nach der Arbeit die Vorzüge des Urlaubsortes zu genießen. Für Unternehmen bietet es eine Möglichkeit, die Mitarbeiterbindung zu erhöhen und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Die Relevanz für Immobilienbesitzer liegt in der Entstehung eines neuen Bedarfssegments für temporäres Wohnen, das über den reinen Tourismus hinausgeht.

  • Workation fördert die Work-Life-Balance und reduziert Stress.
  • Potenzial zur Steigerung der Produktivität durch neue Umgebungen.
  • Attraktives Angebot für Unternehmen zur Mitarbeitergewinnung und -bindung.
  • Eröffnet neue Marktchancen für Ferienimmobilienanbieter.
  • Ermöglicht Nutzung von Immobilien in Nebensaisonzeiten.

Anforderungen an eine Workation-Ferienimmobilie

Eine Ferienimmobilie, die für Workation-Gäste attraktiv sein soll, muss spezifische Anforderungen erfüllen, die über die Ausstattung einer reinen Urlaubsunterkunft hinausgehen. Der Arbeitsplatz steht im Mittelpunkt und muss professionellen Ansprüchen genügen. Dies beginnt bei einer stabilen und schnellen Internetverbindung, die für Videokonferenzen und Datenaustausch unerlässlich ist. Ein ergonomischer Arbeitsplatz mit Schreibtisch, Bürostuhl und gegebenenfalls einem externen Monitor gehört ebenso zur Basisausstattung. Darüber hinaus sind Ruhe und ungestörte Arbeitsmöglichkeiten von großer Bedeutung. Lärmschutzmaßnahmen und die Verfügbarkeit von Rückzugsorten sind daher wichtige Kriterien.

Auch die Lage der Immobilie spielt eine Rolle. Während im klassischen Urlaub oft Abgeschiedenheit gesucht wird, bevorzugen Workation-Gäste oft eine gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Restaurants in der Nähe. Die Erreichbarkeit von Freizeitmöglichkeiten nach der Arbeit, wie Sportanlagen oder kulturelle Angebote, erhöht ebenfalls die Attraktivität. Flexibilität bei den Mietzeiten ist ein weiterer Pluspunkt, da Workation-Aufenthalte oft individuell geplant werden und nicht immer in starre Wochenraster passen.

  • Stabile und schnelle Internetverbindung (mindestens 50 Mbit/s Upload/Download).
  • Ergonomischer Arbeitsplatz (Schreibtisch, Bürostuhl, ausreichend Licht).
  • Ruhe und Privatsphäre für konzentriertes Arbeiten.
  • Gute lokale Infrastruktur (Einkauf, Gastronomie, Nahverkehr).
  • Anbindung an Freizeitmöglichkeiten und Natur.
  • Flexible Mietdauern und Ankunfts-/Abreisezeiten.

Rechtliche Aspekte der Workation für Arbeitnehmer

Für Arbeitnehmer gibt es einige rechtliche Fallstricke, die vor einer Workation geklärt werden sollten. Zunächst ist die Zustimmung des Arbeitgebers unerlässlich. Eine Workation ohne offizielle Genehmigung kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Des Weiteren muss geklärt werden, welches Arbeitsrecht Anwendung findet. Bleibt der Wohnsitz und der Sitz des Arbeitgebers in Deutschland, gilt in der Regel weiterhin deutsches Arbeitsrecht. Bei längeren Aufenthalten im Ausland kann sich dies jedoch ändern, insbesondere wenn der Arbeitnehmer am ausländischen Ort einen 'gewöhnlichen Arbeitsort' begründet. Dies betrifft Aspekte wie Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Kündigungsschutz.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Klärung der Sozialversicherungspflicht. Innerhalb der EU/EWR-Staaten und der Schweiz gibt es in der Regel Regelungen zur Entsendung, die eine Weiterführung der deutschen Sozialversicherung ermöglichen. Hierfür ist normalerweise eine A1-Bescheinigung erforderlich. Bei Aufenthalten in Drittstaaten kann die Situation komplexer sein. Zudem muss die Krankenversicherung abgeklärt werden; eine reguläre Auslandskrankenversicherung kann notwendig sein. Diese Faktoren müssen sowohl vom Arbeitnehmer als auch vom Arbeitgeber sorgfältig geprüft und dokumentiert werden, um rechtliche Unsicherheiten zu vermeiden.

  • Einholung der Genehmigung des Arbeitgebers.
  • Klärung des anwendbaren Arbeitsrechts (oftmals deutsches Arbeitsrecht, bei längeren Auslandsaufenthalten kann sich dies ändern).
  • Regelung der Sozialversicherung (A1-Bescheinigung innerhalb der EU/EWR und Schweiz).
  • Prüfung der Krankenversicherung und ggf. Abschluss einer Auslandskrankenversicherung.
  • Vertragliche Regelung der Workation-Bedingungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Steuerliche Aspekte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Die steuerliche Behandlung einer Workation kann komplex sein, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber. Für Arbeitnehmer bleibt die Einkommensteuerpflicht in Deutschland in der Regel unberührt, solange der Lebensmittelpunkt und die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland bestehen und die Auslandsaufenthalte nicht zu einer Begründung einer zweiten Ansässigkeit führen. Bei längeren Aufenthalten im Ausland kann es zu einer sogenannten 'doppelten Besteuerung' kommen, d.h., das Einkommen könnte sowohl im Gastland als auch in Deutschland besteuert werden. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) sollen dies verhindern und regeln, welchem Staat das Besteuerungsrecht zusteht.

Für Arbeitgeber können sich ebenfalls neue steuerliche Verpflichtungen ergeben, insbesondere wenn durch die Anwesenheit des Arbeitnehmers im Ausland eine Betriebsstätte im Gastland begründet wird. Dies ist ein eher seltener Fall bei temporären Workation-Aufenthalten, sollte aber bei längeren oder wiederholten Aufenthalten geprüft werden. Auch die Lohnsteuer muss korrekt abgeführt werden. Reisekosten, die im Rahmen einer Workation entstehen, können unter Umständen als Werbungskosten abgesetzt werden, jedoch ist hier strenge Abgrenzung zwischen beruflich und privat veranlassten Kosten notwendig. Eine detaillierte Beratung durch einen Steuerberater ist in diesen Fällen dringend anzuraten.

  • Unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland bleibt in der Regel bestehen.
  • Prüfung von Doppelbesteuerungsabkommen bei Auslandsaufenthalten.
  • Vermeidung der Begründung einer Betriebsstätte im Ausland durch den Arbeitgeber.
  • Abgrenzung von beruflich und privat veranlassten Kosten für den Werbungskostenabzug.
  • Notwendigkeit einer individuellen steuerlichen Beratung für komplexe Fälle.

Marketing und Management von Workation-Immobilien

Für Anbieter von Ferienimmobilien erfordert die Zielgruppe Workation ein angepasstes Marketing und Management. Die Kommunikation sollte die spezifischen Vorteile für digitale Nomaden und Remote Worker hervorheben: schnelle Internetverbindung, ruhiger Arbeitsplatz, gute Infrastruktur. Fotos, die den Arbeitsbereich klar darstellen, sind ebenso wichtig wie klare Angaben zur Internetgeschwindigkeit. Das Marketing kann über spezielle Plattformen für digitale Nomaden, soziale Medien und gezielte Partnerschaften mit Unternehmen erfolgen, die Workation als Mitarbeiter-Benefit anbieten.

Im Management müssen flexible Buchungssysteme implementiert werden, die auch kurzfristige oder ungerade Mietdauern zulassen. Eine reibungslose Kommunikation vor, während und nach dem Aufenthalt ist essenziell. Dazu gehört auch die Bereitstellung von Informationen zur lokalen Infrastruktur, Freizeitmöglichkeiten und Notfalldiensten. Zusätzliche Services wie die Organisation von lokalen Co-Working-Spaces (falls die eigene Immobilie dafür nicht ausgelegt ist), Fahrradverleih oder die Vermittlung von Sprachkursen können einen Mehrwert bieten und die Attraktivität steigern. Denkbar ist auch die Schaffung von Community-Angeboten, um Netzwerkmöglichkeiten für Workation-Gäste zu schaffen.

  • Gezieltes Marketing auf Workation-Plattformen und Social Media.
  • Hervorhebung der relevanten Ausstattungsmerkmale (Internet, Arbeitsplatz).
  • Flexible Buchungssysteme für unterschiedliche Mietdauern.
  • Exzellenter Gästeservice und Informationsbereitstellung.
  • Angebote von Zusatzleistungen (z.B. Co-Working, Freizeitaktivitäten).

Wirtschaftliche Chancen und Risiken für Ferienimmobilienbetreiber

Die Ausrichtung einer Ferienimmobilie auf Workation-Gäste bietet signifikante wirtschaftliche Chancen. Eine der größten ist die Erhöhung der Auslastung, insbesondere in der Nebensaison, wenn traditionelle Touristenströme abebben. Workation-Gäste sind oft weniger an saisonale Höhepunkte gebunden und können so zu einer Stabilisierung der Einnahmen beitragen. Zudem sind sie unter Umständen bereit, für spezifische Annehmlichkeiten wie hochwertige Büromöbel, schnelles Internet und Ruhe einen höheren Preis zu zahlen. Beispiel: Eine Ferienwohnung erzielt in der Hauptsaison 150 EUR/Nacht. Durch Anpassungen für Workation kann sie in der Nebensaison zu 100 EUR/Nacht vermietet werden, anstatt leer zu stehen. Bei 30 Tagen Nebensaisonauslastung sind das 3.000 EUR Mehreinnahmen.

Allerdings gibt es auch Risiken und Herausforderungen. Die Investition in die notwendige Infrastruktur, insbesondere eine leistungsstarke Internetverbindung und ergonomische Arbeitsplätze, kann initial hoch sein. Die Zielgruppe der Workation-Gäste hat zudem hohe Erwartungen an Professionalität und Service. Ein Ausfall des Internets oder eine nicht funktionierende Heizung können schnell zu negativen Bewertungen führen. Eine kontinuierliche Wartung und schnelle Problemlösung sind daher unerlässlich. Auch die Abgrenzung zum regulären Mietrecht kann eine Rolle spielen, wenn Aufenthalte sehr langwierig werden; es handelt sich jedoch in der Regel um Kurzzeitvermietungen, die dem Beherbergungsrecht unterliegen.

  • Steigerung der Auslastung, vor allem in Nebensaisonzeiten.
  • Möglichkeit zur Erzielung höherer Preise für professionelle Ausstattung.
  • Erweiterung der Zielgruppe und Diversifizierung der Einnahmen.
  • Potenziell höhere Investitionskosten für Infrastruktur.
  • Hohe Erwartungen an Service und Zuverlässigkeit der Technik.
  • Kontinuierlicher Wartungsaufwand und schneller Support bei Problemen.

Fazit

Workation ist mehr als ein Trend; es ist eine sich entwickelnde Arbeitsweise, die neue Möglichkeiten für Immobilienbesitzer bietet. Die Anpassung von Ferienimmobilien an die Bedürfnisse digitaler Nomaden und Remote Worker kann die Auslastung und Rentabilität signifikant steigern. Entscheidend für den Erfolg sind eine durchdachte Ausstattung, ein professionelles Marketing und ein Verständnis für die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. Wer diese Aspekte berücksichtigt, kann seine Ferienimmobilie zukunftssicher positionieren und von diesem wachsenden Marktsegment profitieren.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München