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Wie funktioniert der Brückenkredit?

Ein Brückenkredit schließt die finanzielle Lücke, die entsteht, wenn eine Immobilie verkauft wird, aber der Kaufpreis für eine neue Immobilie bereits fällig ist. Er sichert den reibungslosen Übergang zwischen zwei Immobilienfinanzierungen.

7 min Lesezeit
Wie funktioniert der Brückenkredit?

Für viele Immobilieneigentümer ist es ein vertrautes Szenario: Die Familie wächst, die aktuelle Wohnung wird zu klein oder ein Umzug in eine andere Stadt steht an. Man möchte eine neue Immobilie erwerben, aber der Verkauf der bestehenden Immobilie ist noch nicht abgeschlossen. Diese Situation führt oft zu einer zeitlichen und finanziellen Überbrückungslücke. Genau hier kommt der Brückenkredit ins Spiel. Er ermöglicht es, den Kaufpreis für die neue Immobilie zu bezahlen, obwohl die liquiden Mittel aus dem Verkauf der alten Immobilie noch nicht zur Verfügung stehen. Dieser umfassende Ratgeber beleuchtet detailliert, wie ein Brückenkredit funktioniert, für wen er geeignet ist, welche Voraussetzungen bestehen und welche Kosten damit verbunden sind.

Was ist ein Brückenkredit?

Ein Brückenkredit, auch als Zwischenfinanzierung oder Überbrückungskredit bezeichnet, ist ein kurzfristiges Darlehen. Seine Hauptfunktion besteht darin, die Zeitspanne zu überbrücken, in der eine Person bereits eine neue Immobilie erwerben möchte, der Verkaufserlös der alten Immobilie aber noch aussteht. Im Kern handelt es sich um eine Form des Immobilienkredites, der in der Regel durch die zu verkaufende Immobilie oder auch die zukünftige Immobilie besichert wird. Sobald der Verkauf der alten Immobilie erfolgreich abgeschlossen ist und der Kaufpreis auf dem Konto des Verkäufers eingeht, wird der Brückenkredit in der Regel in einem Zug getilgt.

Dieser Kredit schafft finanzielle Flexibilität und verhindert, dass man den Kauf einer attraktiven Immobilie verpasst, weil die eigenen Mittel gebunden sind. Er ist ein wichtiges Instrument im Immobiliengeschäft, insbesondere in einem dynamischen Markt, in dem gute Objekte schnell vergriffen sein können.

Wann ist ein Brückenkredit sinnvoll?

Die Notwendigkeit eines Brückenkredits ergibt sich in erster Linie aus der Asynchronität von Kauf und Verkauf. Typische Situationen, in denen ein Brückenkredit eine vorteilhafte Lösung darstellt, sind:

  • Sie haben eine neue Immobilie gefunden, Ihr Kaufangebot wurde angenommen, aber der Verkauf Ihrer aktuellen Immobilie ist noch nicht abgeschlossen oder der Notartermin steht noch aus.
  • Sie möchten Ihre neue Immobilie bereits beziehen oder sanieren, bevor die alte Immobilie verkauft ist, um doppelte Umzugsarbeiten oder Mietkosten zu vermeiden.
  • Der Käufer Ihrer alten Immobilie zahlt den Kaufpreis erst zu einem späteren Zeitpunkt, Sie benötigen den Betrag für die neue Immobilie aber bereits früher.
  • Sie möchten eine attraktive Kaufgelegenheit für eine neue Immobilie nutzen, die nur für kurze Zeit verfügbar ist.

Ein Brückenkredit ist primär für Eigentümer gedacht, die bereits eine Immobilie besitzen und deren Verkaufserlös die Grundlage für die Finanzierung der neuen Immobilie bildet. Ohne diese gesicherte Einnahmequelle ist die Aufnahme eines Brückenkredits in der Regel nicht möglich.

Voraussetzungen und Konditionen eines Brückenkredits

Banken prüfen genau, ob ein Antragsteller die Voraussetzungen für einen Brückenkredit erfüllt, da das Darlehen kurzfristig und in der Regel komplett zurückgeführt werden soll. Die wichtigsten Voraussetzungen sind:

  • Nachweis einer zu verkaufenden Immobilie: Es muss ein konkreter Verkaufsauftrag oder idealerweise bereits ein unterschriebener Kaufvertrag für die alte Immobilie vorliegen.
  • Feststehender oder realistisch einschätzbarer Verkaufspreis: Der erwartete Verkaufserlös der alten Immobilie muss den Brückenkredit vollständig decken können. Oftmals wird der Kredit nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz des erwarteten Verkaufspreises gewährt.
  • Klarer Finanzierungsbedarf für die neue Immobilie: Es muss ersichtlich sein, wofür der Brückenkredit benötigt wird, also in der Regel für den Kaufpreis der neuen Immobilie.
  • Bonität des Kreditnehmers: Auch wenn der Kredit durch den Immobilienverkauf gesichert ist, prüfen Banken die allgemeine Kreditwürdigkeit des Antragstellers.
  • Kurze Laufzeit: Brückenkredite sind für eine temporäre Überbrückung konzipiert, die Laufzeit beträgt meist zwischen sechs und zwölf, selten bis zu 24 Monaten.

Die Konditionen für einen Brückenkredit sind in der Regel anders als bei einer langfristigen Baufinanzierung. Oftmals sind die Zinsen etwas höher, da es ein kurzfristiges Engagement für die Bank darstellt. Es gibt normalerweise keine klassischen Tilgungsraten; stattdessen werden während der Laufzeit nur die Zinsen gezahlt, und die gesamte Kreditsumme wird am Ende der Laufzeit mit den Erlösen aus dem Immobilienverkauf beglichen.

Ablauf und Beispielrechnung

Der Ablauf eines Brückenkredits lässt sich wie folgt skizzieren:

  • Ermittlung des Finanzierungsbedarfs: Der potenzielle Kreditnehmer stellt fest, wie viel Geld für die neue Immobilie benötigt wird, bevor der Verkaufserlös der alten Immobilie zur Verfügung steht.
  • Immobilienbewertung: Die zu verkaufende Immobilie wird bewertet, um den erwarteten Verkaufserlös zu ermitteln und die maximale Höhe des Brückenkredits zu definieren.
  • Antrag und Prüfung: Bei der Bank wird ein Antrag gestellt. Die Bank prüft die Unterlagen, die Bonität und die Verkaufsfähigkeit der Immobilie.
  • Kreditbewilligung und Auszahlung: Nach positiver Prüfung wird der Brückenkredit bewilligt und die Summe zur fristgerechten Zahlung des Kaufpreises der neuen Immobilie ausgezahlt.
  • Zinszahlung: Während der Laufzeit des Brückenkredits werden in der Regel nur die anfallenden Zinsen gezahlt.
  • Tilgung: Sobald der Verkauf der alten Immobilie abgeschlossen ist und der Kaufpreis geflossen ist, wird der Brückenkredit vollständig zurückgezahlt.

Beispielrechnung (vereinfacht):

Familie Müller möchte eine neue Immobilie für 500.000 Euro kaufen. Ihre alte Immobilie wird voraussichtlich für 400.000 Euro verkauft. Sie benötigen daher einen Brückenkredit von 400.000 Euro, um den Kaufpreis der neuen Immobilie zu decken, bis der Verkaufserlös der alten Immobilie eintrifft. Sie gehen von einer Überbrückungszeit von sechs Monaten aus und erhalten einen Brückenkredit zu einem Zinssatz von beispielsweise 4,5 % p.a.

  • Kreditsumme: 400.000 Euro
  • Zinssatz: 4,5 % p.a.
  • Laufzeit: 6 Monate
  • Zinsbetrag pro Jahr: 400.000 Euro * 4,5 % = 18.000 Euro
  • Zinsbetrag für 6 Monate: 18.000 Euro / 12 * 6 = 9.000 Euro

Während der sechsmonatigen Laufzeit zahlt Familie Müller monatlich einen reduzierten Zinsbetrag oder die gesamte Summe am Ende. Sobald die alte Immobilie verkauft ist, tilgt sie die 400.000 Euro Hauptschuld plus die insgesamt 9.000 Euro Zinsen.

Kosten und Risiken eines Brückenkredits

Die Kosten eines Brückenkredits setzen sich hauptsächlich aus den Zinsen zusammen. Wie bereits erwähnt, können diese Zinsen über denen einer langfristigen Baufinanzierung liegen. Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühren oder Schätzgebühren für die Immobilie können ebenfalls anfallen, diese sind jedoch von Bank zu Bank unterschiedlich und sollten vorab erfragt werden. Ein transparentes Angebot informiert über alle anfallenden Kosten.

Obwohl ein Brückenkredit eine praktische Lösung ist, birgt er auch Risiken:

  • Verzögerung des Immobilienverkaufs: Wenn der Verkauf der alten Immobilie länger dauert als geplant, verlängert sich die Laufzeit des Brückenkredits. Das führt zu höheren Zinskosten und in manchen Fällen zu zusätzlichen Verlängerungsgebühren.
  • Reduzierung des Verkaufspreises: Sollte die alte Immobilie nicht zum erwarteten Preis verkauft werden können, könnte eine Unterdeckung der Brückenkreditsumme entstehen. Dies würde bedeuten, dass ein Teil des Brückenkredits nicht durch den Verkaufserlös gedeckt ist und aus anderen Mitteln finanziert werden muss.
  • Zinsänderungsrisiko: Obwohl kurzfristig, kann sich in Zeiten volatiler Märkte auch der Referenzzinssatz ändern, was sich auf die Zinskonditionen bei einer Verlängerung auswirken kann.
  • Verzugszinsen: Bei Nichtzahlung der Zinsen oder Nicht-Tilgung der Hauptschuld nach Ablauf der Frist fallen hohe Verzugszinsen an.

Es ist daher empfehlenswert, die Verkaufsstrategie für die alte Immobilie sorgfältig zu planen und einen realistischen Zeitrahmen sowie Verkaufspreis anzusetzen.

Alternativen zum Brückenkredit

Obwohl der Brückenkredit in vielen Fällen ideal ist, gibt es unter Umständen Alternativen, die geprüft werden sollten:

  • Vorabverkauf der alten Immobilie: Ideal wäre es, die alte Immobilie zu verkaufen und den Kaufpreis zu erhalten, bevor die neue Immobilie bezahlt werden muss. Dies erfordert jedoch oft eine Zwischenmiete, was wiederum zusätzliche Kosten verursacht.
  • Privatkredit oder Ratenkredit: Für kleinere Summen oder sehr kurze Überbrückungszeiten könnte ein herkömmlicher Ratenkredit eine Option sein. Die Konditionen sind hier jedoch oft ungünstiger als bei einem immobilienbesicherten Brückenkredit.
  • Dispositionskredit: Als kurzfristige und teure Notlösung kann der Dispositionskredit des Girokontos dienen. Aufgrund der sehr hohen Zinsen ist dies jedoch nur für geringe Summen und nur für wenige Tage bis Wochen sinnvoll.
  • Verhandlung mit dem Verkäufer der neuen Immobilie: In manchen Fällen lässt sich mit dem Verkäufer eine längere Zahlungsfrist für die neue Immobilie vereinbaren. Dies ist aber oft schwierig, da auch der Verkäufer Planungssicherheit benötigt.

Anbieter und Beratung

Brückenkredite werden von verschiedenen Banken – Filialbanken wie auch Direktbanken – angeboten. Es ist ratsam, Angebote von mehreren Anbietern einzuholen und zu vergleichen. Aufgrund der speziellen Natur des Brückenkredits empfiehlt sich eine umfassende Beratung durch einen erfahrenen Finanzierungsberater. Dieser kann individuelle Situationen bewerten, die Machbarkeit prüfen und die besten Konditionen aushandeln. Der Berater hilft auch bei der Einschätzung potenzieller Risiken und der Erstellung eines realistischen Zeitplans.

Fazit

Der Brückenkredit ist ein wertvolles Finanzinstrument für Immobilienbesitzer, die Flexibilität beim Erwerb einer neuen Immobilie benötigen, während der Verkauf der aktuellen Immobilie noch aussteht. Er schließt finanzielle Lücken und ermöglicht es, attraktive Kaufgelegenheiten zu nutzen. Obwohl mit Kosten und Risiken verbunden, überwiegen für viele die Vorteile der gewonnenen Planungssicherheit und des reibungslosen Übergangs. Eine sorgfältige Planung, eine realistische Einschätzung des Immobilienverkaufs und eine umfassende Beratung sind entscheidend für den erfolgreichen Einsatz eines Brückenkredits.

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