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Wie funktioniert das Immobilien-Crowdinvesting?

Immobilien-Crowdinvesting bietet eine innovative Möglichkeit, in Immobilien zu investieren, auch mit kleineren Beträgen. Erfahren Sie, wie dieses Finanzierungsmodell funktioniert und welche Chancen und Risiken es birgt.

7 min Lesezeit
Wie funktioniert das Immobilien-Crowdinvesting?

Der Immobilienmarkt gilt traditionell als sichere und renditestarke Anlageklasse. Allerdings waren Direktinvestitionen in Immobilien bisher oft mit hohen Kaufpreisen, komplexen Prozessen und einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden. Für Privatanleger, die nicht über das Kapital für eine gesamte Immobilie verfügen oder das Risiko streuen möchten, war der direkte Zugang daher erschwert. Hier setzt das Immobilien-Crowdinvesting an: Es ermöglicht einer Vielzahl von Investoren, sich gemeinschaftlich an einem Immobilienprojekt zu beteiligen. Durch die Bündelung kleinerer individueller Investitionssummen wird es möglich, auch große Immobilienprojekte zu finanzieren. Dieses Modell hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen, da es Anlegern die Chance bietet, im Immobiliensegment aktiv zu werden, ohne die Rolle eines alleinigen Immobilienbesitzers oder Direktentwicklers übernehmen zu müssen. Dabei kommen digitale Plattformen zum Einsatz, die den gesamten Investitionsprozess transparent und zugänglich gestalten.

Was ist Immobilien-Crowdinvesting?

Immobilien-Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung, bei der eine Vielzahl von Anlegern (die 'Crowd') über eine Online-Plattform Kapital für Immobilienprojekte bereitstellt. Im Gegensatz zum klassischen Bankkredit, bei dem ein einzelnes Institut die Finanzierung übernimmt, wird das benötigte Kapital hier von vielen Kleinanlegern zusammengetragen. Die Investition erfolgt dabei meist in Form von Nachrangdarlehen, seltener durch den Erwerb von Anteilen an einer Projektgesellschaft. Die Plattform fungiert als Mittler zwischen den Projektentwicklern, die Kapital suchen, und den Investoren, die nach Anlagemöglichkeiten suchen. Für Investoren entfällt der direkte Kontakt zu Mietern oder die Verwaltung der Immobilie; stattdessen investieren Sie in ein spezifisches Projekt und erhalten im Gegenzug eine festgelegte Verzinsung ihres Kapitals sowie gegebenenfalls eine Beteiligung am Erfolg des Projekts.

Die Bandbreite der Projekte, die über Crowdinvesting finanziert werden, ist groß. Sie reicht von Neubauprojekten über die Revitalisierung bestehender Objekte bis hin zur Finanzierung von Bestandsimmobilien. Für Projektentwickler bietet Crowdinvesting eine zusätzliche Finanzierungsquelle, die oft schneller und flexibler als traditionelle Bankkredite sein kann. Für Anleger wiederum öffnet es den Immobilienmarkt für kleinere Investitionsbeträge, in der Regel ab einigen hundert oder tausend Euro.

Wie funktioniert der Prozess einer Crowdinvesting-Immobilienanlage?

Der Ablauf eines Immobilien-Crowdinvestments ist in der Regel klar strukturiert und läuft meist über spezialisierte Online-Plattformen ab. Zunächst identifiziert ein Projektentwickler ein geeignetes Immobilienprojekt und erstellt einen detaillierten Businessplan. Er tritt dann an eine Crowdinvesting-Plattform heran, die das Projekt einer sorgfältigen Prüfung (Due Diligence) unterzieht. Ist das Projekt für die Plattform tragfähig und attraktiv genug, wird es auf der Plattform veröffentlicht.

  • Projektprüfung: Die Plattform prüft die Bonität des Projektentwicklers und die Wirtschaftlichkeit des Immobilienprojekts.
  • Veröffentlichung: Das Projekt wird mit allen relevanten Informationen (Businessplan, Finanzierungsziele, Laufzeit, Zinsertrag, Risiken) auf der Plattform präsentiert.
  • Investitionsphase: Anleger können sich über die Plattform mit individuellen Beträgen beteiligen. Sobald die Zielsumme erreicht ist, schließt die Finanzierungsphase ab.
  • Finanzierung und Realisierung: Das gesammelte Kapital wird an den Projektentwickler ausgezahlt, der damit das Immobilienprojekt umsetzt.
  • Laufzeit und Rückzahlung: Während der Laufzeit erhalten die Anleger Zinszahlungen, in der Regel jährlich oder am Ende der Laufzeit. Nach Projektende erfolgt die Rückzahlung des investierten Kapitals plus eventueller Zusatzrenditen.

Die gesamte Kommunikation, Vertragsabwicklung und die Verwaltung der Investition erfolgt in der Regel digital über die Plattform. Dies erleichtert den Zugang und macht den Prozess effizienter.

Welche Anlageinstrumente werden genutzt?

Die meisten Immobilien-Crowdinvesting-Angebote in Deutschland basieren auf sogenannten qualifizierten Nachrangdarlehen. Dies ist eine spezielle Form des Darlehens, die bestimmte Eigenschaften aufweist:

  • Nachrangigkeit: Im Falle einer Insolvenz des Projektentwicklers oder der Projektgesellschaft werden die Forderungen der Crowdinvestoren erst nachrangig, also nach den Forderungen anderer Gläubiger (z.B. Banken), bedient. Dies erhöht das Risiko für die Anleger erheblich.
  • Qualifizierung: Die Nachrangigkeit ist in der Regel 'qualifiziert', was bedeutet, dass die Rückzahlung des Darlehens und die Zinszahlungen dann gestundet oder gekürzt werden, wenn dies zur Sicherung der Liquidität des Projektentwicklers notwendig ist. Dies soll sicherstellen, dass die Projektgesellschaft nicht aufgrund einer Überschuldung in die Insolvenz gerät.
  • Eigentümerähnliche Partizipation: Obwohl es sich um ein Darlehen handelt, tragen die Anleger durch die Nachrangigkeit ein gewisses unternehmerisches Risiko mit.

Neben Nachrangdarlehen gibt es auch seltenere Konstruktionen wie partiarische Darlehen, bei denen Anleger zusätzlich zur Verzinsung am Gewinn eines Projekts beteiligt werden, oder Genussrechte. Der direkte Anteilserwerb an einer Objektgesellschaft ist im Immobilien-Crowdinvesting für Kleinanleger eher unüblich, da er mit deutlich höherem Aufwand und komplexeren rechtlichen Strukturen verbunden wäre. Es ist entscheidend, die genaue Ausgestaltung des jeweiligen Anlageinstruments im Vorfeld genau zu prüfen und die damit verbundenen Risiken zu verstehen.

Chancen des Immobilien-Crowdinvestings

Immobilien-Crowdinvesting bietet für Anleger eine Reihe von attraktiven Möglichkeiten, die es von anderen Anlageformen abheben:

  • Niedrige Einstiegshürden: Oft sind Investitionen bereits ab 250 Euro bis 1.000 Euro möglich, was den Zugang zum Immobilienmarkt erheblich erleichtert.
  • Attraktive Renditen: Die angebotenen Zinsen liegen häufig über denen von klassischen Sparprodukten oder Anleihen, oft im Bereich von 5% bis 8% p.a., teilweise auch höher.
  • Transparenz: Plattformen bieten detaillierte Projektinformationen, Businesspläne und Einblicke in die Entwicklerhistorie.
  • Diversifikation: Anleger können ihr Portfolio um Immobilieninvestitionen erweitern, ohne große Einzelbeträge investieren zu müssen. Es ist auch möglich, in mehrere Projekte gleichzeitig zu investieren.
  • Kurze bis mittlere Laufzeiten: Viele Projekte haben Laufzeiten von 12 bis 36 Monaten, was das Kapital im Vergleich zu einem direkten Immobilienkauf schneller wieder verfügbar macht.

Für Projektentwickler eröffnet diese Finanzierungsform eine schnellere und flexiblere Kapitalbeschaffung, besonders für Projekte, die traditionelle Banken als zu risikoreich einstufen oder für die eine Zwischenfinanzierung benötigt wird.

Risiken des Immobilien-Crowdinvestings

Trotz der attraktiven Chancen birgt Immobilien-Crowdinvesting auch spezifische Risiken, die Anleger unbedingt verstehen und berücksichtigen sollten:

  • Totalverlustrisiko: Das höchste Risiko ist der vollständige Verlust des investierten Kapitals. Bei Insolvenz des Projektentwicklers können die Nachrangdarlehen der Anleger unter Umständen nicht zurückgezahlt werden.
  • Nachrangigkeit: Wie bereits erwähnt, werden die Forderungen der Crowdinvestoren im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Projektentwicklers erst nach anderen Gläubigern bedient. Das bedeutet, dass sie im schlimmsten Fall leer ausgehen, während andere Gläubiger noch bedient werden.
  • Projektrisiko: Jedes Immobilienprojekt birgt Risiken, sei es durch Bauverzögerungen, Kostenüberschreitungen, unerwartete Marktentwicklungen oder Fehler in der Planung.
  • Emittentenrisiko: Die Bonität, Erfahrung und Seriosität des Projektentwicklers sind entscheidend. Eine genaue Prüfung des Emittenten und seiner Historie ist unerlässlich.
  • Liquiditätsrisiko: Das investierte Kapital ist in der Regel für die gesamte Laufzeit des Projekts gebunden. Eine vorzeitige Rückzahlung ist meist nicht möglich, und die Schaffung eines Zweitmarktes ist noch nicht bei allen Plattformen etabliert.
  • Plattformrisiko: Auch die Crowdinvesting-Plattform selbst kann in Schwierigkeiten geraten, was die Abwicklung der Projekte und die Kommunikation mit den Anlegern beeinflussen kann.

Anleger sollten daher nur Geld investieren, dessen Verlust sie verschmerzen können und niemals den gesamten Notgroschen in ein einzelnes Projekt stecken. Eine breite Streuung auf mehrere Projekte und Plattformen kann helfen, das Risiko zu mindern.

Worauf sollte man vor einer Investition achten?

Bevor eine Investition in ein Immobilien-Crowdinvesting-Projekt getätigt wird, ist eine gründliche Prüfung von größter Bedeutung. Wir empfehlen, die folgenden Punkte sorgfältig zu evaluieren:

  • Projektinformationen: Studieren Sie den Businessplan, die Standortanalyse, die Kalkulation und die Prognosen. Sind die Zahlen plausibel und nachvollziehbar?
  • Projektentwickler: Prüfen Sie die Erfahrung, die Erfolgsbilanz und die Reputation des Projektentwicklers. Hat er bereits ähnliche Projekte erfolgreich abgeschlossen?
  • Laufzeit und Zinsen: Vergleichen Sie die gebotenen Zinsen mit der Laufzeit und dem inhärenten Risiko. Erscheint die Rendite realistisch für das eingegangene Risiko?
  • Sicherheiten: Welche Sicherheiten gibt es für das Darlehen? Sind es grundbuchliche Sicherheiten oder eher abstrakte Patronatserklärungen? Die Art und den Umfang von Sicherheiten sind entscheidend für den Schutz der Investoren.
  • Plattform: Wählen Sie eine etablierte Plattform mit einer guten Historie, transparenten Prozessen und einem kompetenten Kundenservice. Prüfen Sie, ob die Plattform reguliert ist und den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
  • Rechtliche Dokumente: Lesen Sie sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den Darlehensvertrag und das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VAI) sorgfältig durch. Verstehen Sie die darin enthaltenen Klauseln, insbesondere die zur Nachrangigkeit und zu möglichen Ausfallrisiken.

Es kann ratsam sein, bei Unsicherheiten eine professionelle Beratung durch einen Finanzexperten in Anspruch zu nehmen, um die individuellen Risiken und Chancen besser einschätzen zu können.

Steuerliche Aspekte

Die Erträge aus Immobilien-Crowdinvesting, in der Regel die Zinszahlungen, unterliegen in Deutschland der Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) von 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Diese wird meist direkt von der Plattform oder einem beauftragten Emittenten abgeführt. Für in Deutschland steuerpflichtige Anleger sind die Zinserträge daher entsprechend zu versteuern.

Es besteht die Möglichkeit, einen Freistellungsauftrag bei der Plattform einzureichen, um den Sparer-Pauschbetrag (aktuell 1.000 Euro für Alleinstehende, 2.000 Euro für Verheiratete) zu nutzen und somit bis zu dieser Höhe steuerfreie Kapitalerträge zu generieren. Es ist ratsam, sich bei spezifischen Fragen zur Besteuerung an einen Steuerberater zu wenden, da die individuelle Situation immer berücksichtigt werden muss und sich steuerliche Regelungen ändern können.

Fazit

Immobilien-Crowdinvesting ist eine moderne und zugängliche Möglichkeit, am Immobilienmarkt zu partizipieren. Es bietet attraktive Renditechancen, erfordert jedoch ein umfassendes Verständnis der zugrundeliegenden Risikostruktur, insbesondere der Nachrangigkeit. Sorgfalt bei der Auswahl der Projekte und Plattformen sowie eine Risikodiversifikation sind entscheidend für den Erfolg dieser Anlageform. Für Anleger, die bereit sind, ein höheres Risiko für potenziell höhere Renditen einzugehen und die individuellen Projektmerkmale genau zu prüfen, kann Immobilien-Crowdinvesting eine sinnvolle Ergänzung im Anlageportfolio darstellen. Es ist jedoch keine risikofreie Alternative zu klassischen Sparprodukten, sondern eine Form der unternehmerischen Beteiligung mit den entsprechenden Chancen und Risiken.

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Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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