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Was prüft die Bank bei einer Baufinanzierung wirklich?

Die Bankprüfung bei einer Baufinanzierung ist entscheidend. Wir erklären detailliert, welche Aspekte genau unter die Lupe genommen werden, um den Traum von den eigenen vier Wänden zu realisieren.

6 min Lesezeit
Was prüft die Bank bei einer Baufinanzierung wirklich?

Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben. Um diesen Traum zu verwirklichen, ist in der Regel eine Baufinanzierung notwendig. Doch bevor die Bank die gewünschten Mittel freigibt, wird sie eine umfassende Prüfung vornehmen. Diese sogenannte Kreditwürdigkeitsprüfung oder Bonitätsprüfung dient dazu, das Ausfallrisiko für die Bank zu minimieren und sicherzustellen, dass der Kreditnehmer in der Lage ist, die monatlichen Raten über die gesamte Laufzeit zuverlässig zu bedienen. Es ist von zentraler Bedeutung, die Kriterien und Prozesse dieser Prüfung zu verstehen, um sich optimal auf das Finanzierungsgespräch vorzubereiten und die Chancen auf eine Zusage zu erhöhen. Dieser Ratgeber beleuchtet detailliert, welche Faktoren die Bank bei der Vergabe einer Baufinanzierung genau unter die Lupe nimmt und worauf es dabei ankommt.

Die Bedeutung der Bonität: Ihre Kreditwürdigkeit im Fokus

Die Bonität ist das Herzstück jeder Kreditentscheidung. Sie beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft eines Kreditnehmers, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Banken analysieren hierfür eine Vielzahl von Informationen, um sich ein umfassendes Bild Ihrer finanziellen Situation zu machen. Eine gute Bonität signalisiert der Bank ein geringes Ausfallrisiko und kann sich positiv auf die Konditionen – insbesondere den Zinssatz – Ihrer Baufinanzierung auswirken. Eine schlechte Bonität hingegen kann eine Ablehnung des Kreditantrags oder deutlich ungünstigere Konditionen zur Folge haben.

  • Regelmäßiges und ausreichend hohes Einkommen
  • Stabile Anstellung und Berufsperspektive
  • Positive Schufa-Auskunft ohne Negativmerkmale
  • Solides Eigenkapital
  • Verantwortungsvoller Umgang mit bestehenden Verbindlichkeiten

Einkommensprüfung: Was zählt zum verfügbaren Einkommen?

Das Einkommen ist ein entscheidender Faktor für die Rückzahlungsfähigkeit. Die Bank prüft nicht nur die Höhe, sondern auch die Art und Stabilität der Einkünfte. Dabei werden in der Regel die Nettoeinkünfte herangezogen. Neben dem Gehalt aus unselbständiger Arbeit können unter bestimmten Voraussetzungen auch weitere Einkommensarten berücksichtigt werden, sofern diese regelmäßig und nachhaltig zur Verfügung stehen. Die Bank benötigt in der Regel Gehaltsnachweise der letzten drei bis sechs Monate sowie die letzten Steuerbescheide, um die Einkommenssituation zu beurteilen. Bei Selbstständigen ist die Einkommensprüfung komplexer, da Banken hier meist die Geschäftstätigkeit der letzten zwei bis drei Jahre mittels betriebswirtschaftlicher Auswertungen (BWAs) und Steuerbescheiden detailliert analysieren.

Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen dem Brutto- und Nettoeinkommen und was nach Abzug aller Fixkosten tatsächlich übrigbleibt. Banken verwenden oft Haushaltsrechnungen, um zu ermitteln, ob die monatlichen Darlehensraten tragbar sind. Beispiel: Familie Müller hat ein Nettoeinkommen von 4.500 Euro. Ihre monatlichen Fixkosten (Miete/Nebenkosten vor Finanzierung, Versicherungen, Lebenshaltungskosten, etc.) belaufen sich auf 2.500 Euro. Es verbleiben 2.000 Euro, von denen die Finanzierungsrate bedient werden muss. Die Bank wird prüfen, ob diese 2.000 Euro für eine adäquate Rate ausreichen und zusätzlich einen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben bieten.

Eigenkapital: Das Fundament Ihrer Finanzierung

Das Eigenkapital spielt eine große Rolle bei der Bewilligung einer Baufinanzierung und beeinflusst maßgeblich die Konditionen. Je mehr Eigenkapital Sie einbringen können, desto geringer ist das Finanzierungsrisiko für die Bank, und desto attraktiver sind in der Regel die angebotenen Zinssätze. Als Richtwert gelten oft 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises als sinnvolles Eigenkapital, idealerweise sollten jedoch auch die Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten, Maklerprovision) aus eigenen Mitteln bestritten werden. Diese können je nach Bundesland und Kaufpreis zwischen 10 und 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen.

  • Barguthaben und Bankeinlagen
  • Wertpapiere und Fondsanteile
  • Bausparverträge
  • Beleihbare vorhandene Immobilien (zweite Hypothek)
  • Geschenke oder Erbschaften (oft mit Nachweis der Herkunft)

Schufa-Abfrage und weitere Auskunfteien: Ein Blick in die Zahlungshistorie

Die Schufa-Auskunft (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist ein Standardinstrument zur Bonitätsprüfung in Deutschland. Sie sammelt Informationen über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern. Eine positive Schufa-Auskunft ohne Negativmerkmale ist für die Bewilligung einer Baufinanzierung unerlässlich. Negative Einträge, wie beispielsweise nicht beglichene Forderungen, titulierte Schulden oder die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, führen in den meisten Fällen zur Ablehnung des Darlehensantrags. Auch die Anzahl der Konten, Kreditkarten oder bestehenden Kredite (z.B. Ratenkredite, Leasingverträge) werden dort registriert und können die Bonität beeinflussen.

Banken nutzen neben der Schufa auch andere Auskunfteien oder eigene Scoring-Systeme, um ein umfassendes Bild Ihrer finanziellen Zuverlässigkeit zu erhalten. Es empfiehlt sich, vor dem Finanzierungsgespräch eine Selbstauskunft bei der Schufa einzuholen, um mögliche Fehler zu korrigieren oder sich auf etwaige Erklärungen vorzubereiten.

Sicherheiten: Die Absicherung des Darlehens

Eine Baufinanzierung ist in der Regel ein langfristiges und hochvolumiges Darlehen. Daher verlangt die Bank entsprechende Sicherheiten, um ihr Ausfallrisiko zu minimieren. Die wichtigste Sicherheit bei einer Baufinanzierung ist die Immobilie selbst. Diese wird in Form einer Grundschuld oder Hypothek im Grundbuch eingetragen. Die Höhe der Grundschuld entspricht in der Regel der Darlehenssumme und gibt der Bank das Recht, bei einem Zahlungsausfall die Immobilie zu verwerten, um ihre Forderungen zu begleichen. Die Bank ermittelt den sogenannten Beleihungswert der Immobilie, der meist unter dem Kaufpreis liegt und auf dem auch die Beleihungsgrenze für die Kreditvergabe basiert.

  • Grundschuld oder Hypothek auf die zu finanzierende Immobilie
  • Abtretung von Lebensversicherungen oder Bausparverträgen
  • Bürgschaften (selten bei Privatpersonen, eher im gewerblichen Bereich)
  • Pfändung von bestehenden Forderungen

Objektprüfung: Die Immobilie unter der Lupe

Nicht nur der Kreditnehmer, sondern auch die zu finanzierende Immobilie wird von der Bank genauestens bewertet. Diese Objektprüfung dient dazu, den Wert und die Verwertbarkeit der Immobilie im Falle eines Zahlungsausfalls einzuschätzen. Die Bank möchte sicherstellen, dass der Kaufpreis dem Wert der Immobilie entspricht und die Immobilie als Sicherheit ausreichend ist. Hierfür werden in der Regel folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Lage und Infrastruktur (Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen)
  • Art und Zustand der Immobilie (Baujahr, Energieeffizienz, Modernisierungen)
  • Größe und Aufteilung der Wohnfläche
  • Grundbuchauszug (Lastenfreiheit, Wegerechte etc.)
  • Baurechtliche Genehmigungen und eventuelle Auflagen

Die Bank erstellt auf Basis dieser Informationen oft eine eigene Wertermittlung, den sogenannten Beleihungswert. Dieser ist für die Bank ausschlaggebend und kann vom tatsächlichen Kaufpreis abweichen. Ist der Beleihungswert deutlich niedriger als der Kaufpreis, muss der Kreditnehmer die Differenz durch zusätzliches Eigenkapital ausgleichen.

Zukunftsfähigkeit und Risikobetrachtung

Banken werfen bei der Kreditvergabe auch einen Blick in die Zukunft und bewerten mögliche Risiken, die die Rückzahlung des Darlehens gefährden könnten. Hierbei spielen nicht nur individuelle Faktoren eine Rolle, sondern auch gesamtwirtschaftliche Entwicklungen oder branchenspezifische Risiken. Bei jungen Familien wird beispielsweise oft geprüft, wie sich ein mögliches Elterngeld oder eine Teilzeitbeschäftigung auf die finanzielle Belastbarkeit auswirken würde. Auch das Alter des Kreditnehmers kann relevant sein, insbesondere im Hinblick auf den Renteneintritt während der Kreditlaufzeit. Es gehört zur Sorgfaltspflicht der Bank, eine langfristige Tragfähigkeit der Finanzierung zu prüfen.

  • Berufliche Stabilität und Perspektiven (z.B. Befristung des Arbeitsverhältnisses)
  • Zukünftige Lebensplanung (Familienzuwachs, Elternzeit)
  • Absicherung bei unvorhergesehenen Ereignissen (Arbeitslosigkeit, Krankheit)
  • Allgemeine konjunkturelle Risiken
  • Immobilienmarktentwicklung in der Region

Fazit

Die Prüfung einer Baufinanzierung durch die Bank ist ein komplexer und mehrschichtiger Prozess, der sowohl die finanzielle Situation des Kreditnehmers als auch den Wert und die Beschaffenheit der Immobilie umfasst. Eine gründliche Vorbereitung, das Sammeln aller notwendigen Unterlagen und eine realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten sind entscheidend für den Erfolg. Wer die Kriterien der Banken versteht und proaktiv handelt, kann den Ablauf beschleunigen und die Chancen auf eine Finanzierungszusage zu attraktiven Konditionen erheblich verbessern. Es empfiehlt sich außerdem, mehrere Angebote von Banken zu vergleichen, da die Konditionen und Prioritäten bei der Prüfung variieren können.

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