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Welche Rolle spielt der Beleihungswert bei der Finanzierung?

Der Beleihungswert bestimmt, wie viel Banken für eine Immobilie finanzieren und welche Zinsen sie verlangen. Er ist die zentrale Sicherheitsgröße bei jeder Baufinanzierung.

7 min Lesezeit
Welche Rolle spielt der Beleihungswert bei der Finanzierung?

Beim Kauf einer Immobilie entscheidet nicht nur der Kaufpreis, sondern vor allem der Beleihungswert darüber, wie viel Geld eine Bank bereit ist zu verleihen und zu welchen Konditionen. Viele Käuferinnen und Käufer unterschätzen, wie stark dieser Wert die Finanzierung beeinflusst – von der Höhe des Darlehens über die Eigenkapitalanforderungen bis hin zu den Zinsen. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, was der Beleihungswert ist, wie er berechnet wird, welche Rolle er bei der Beleihungsgrenze und beim Beleihungsauslauf spielt und wie sich das auf die eigene Finanzierung auswirkt.

Was ist der Beleihungswert?

Der Beleihungswert ist der Wert, den eine Bank einer Immobilie für die Zwecke der Kreditvergabe zuschreibt. Er dient als Grundlage dafür, wie hoch das Darlehen ausfallen darf, das die Bank bereit ist zu gewähren. Anders als der Verkehrswert, also der aktuelle Marktwert, bezieht sich der Beleihungswert auf einen langfristig gesicherten Wert – also darauf, welchen Preis die Immobilie voraussichtlich auch in den nächsten Jahren erzielen würde, etwa bei einer Zwangsversteigerung oder einem späteren Verkauf.

Banken rechnen beim Beleihungswert bewusst konservativ. Sie ziehen einen Sicherheitsabschlag vom Verkehrswert ab, um Risiken wie Wertverluste, Leerstände oder Instandhaltungsrückstände abzufedern. Dadurch liegt der Beleihungswert in der Regel deutlich unter dem aktuellen Marktwert oder dem Kaufpreis. Typischerweise liegt er zwischen etwa 70 und 90 Prozent des Verkehrswerts, je nach Bank, Region und Objektart.

  • Der Beleihungswert ist der von der Bank angesetzte Sicherheitswert einer Immobilie.
  • Er liegt meist unter dem aktuellen Verkehrswert oder Kaufpreis.
  • Er bildet die Basis für die maximale Darlehenshöhe und die Zinskonditionen.
  • Banken ermitteln ihn auf Basis anerkannter Bewertungsverfahren und eigener Richtlinien.
  • Der Beleihungswert soll langfristig gesichert sein, nicht nur den aktuellen Markt widerspiegeln.

Beleihungswert vs. Verkehrswert: Wo liegt der Unterschied?

Verkehrswert und Beleihungswert werden oft verwechselt, sind aber nicht identisch. Der Verkehrswert ist der realistische Preis, den eine Immobilie auf dem freien Markt erzielen würde, wenn sie heute verkauft wird. Er wird von Gutachtern oder Maklern ermittelt und orientiert sich an vergleichbaren Objekten, Lage, Zustand und Marktbedingungen.

Der Beleihungswert hingegen ist ein konservativer, bankinterner Wert, der zusätzlich Risiken und zukünftige Entwicklungen berücksichtigt. Die Bank geht davon aus, dass der Wert über die gesamte Laufzeit des Kredits – häufig 10 bis 30 Jahre – stabil bleiben soll. Deshalb wird ein Sicherheitsabschlag vorgenommen, der je nach Bank und Objekt 10 bis 30 Prozent oder mehr betragen kann.

  • Verkehrswert = aktueller Marktwert, wie er auf dem freien Markt erzielt würde.
  • Beleihungswert = konservativer, langfristig gesicherter Wert für die Kreditvergabe.
  • Der Beleihungswert liegt meist 10–30 % unter dem Verkehrswert.
  • Der Verkehrswert dient als Ausgangspunkt für die Berechnung des Beleihungswerts.
  • Banken nutzen den Beleihungswert, um Kreditrisiken zu begrenzen.

Wie berechnen Banken den Beleihungswert?

Die Berechnung des Beleihungswerts folgt in der Regel einem einfachen Schema: Verkehrswert minus Sicherheitsabschlag ergibt den Beleihungswert. Der Sicherheitsabschlag berücksichtigt Faktoren wie Lagequalität, Baujahr, Zustand, Vermietungssituation und allgemeine Marktentwicklung. Je höher das Risiko, desto größer der Abschlag.

Beispiel: Eine Immobilie hat einen Verkehrswert von 400.000 Euro. Die Bank zieht einen Sicherheitsabschlag von 20 Prozent ab, also 80.000 Euro. Der Beleihungswert liegt damit bei 320.000 Euro. Dieser Wert wird dann für die weitere Finanzierungsberechnung verwendet. In der Praxis können Banken je nach internen Richtlinien und Produkten auch andere Abschläge oder Bewertungsverfahren anwenden.

  • Ausgangspunkt ist der Verkehrswert der Immobilie.
  • Banken ziehen einen Sicherheitsabschlag ab, typischerweise 10–30 %.
  • Der resultierende Wert ist der Beleihungswert.
  • Der Abschlag berücksichtigt Lage, Zustand, Baujahr und Marktrisiken.
  • Der Beleihungswert wird für die gesamte Kreditlaufzeit als stabiler Wert angenommen.

Beleihungsgrenze: Bis zu welchem Betrag wird finanziert?

Die Beleihungsgrenze ist der maximale Anteil des Beleihungswerts, den eine Bank bereit ist zu finanzieren. Sie schützt die Bank vor Verlusten, falls der Immobilienwert während der Kreditlaufzeit sinkt oder die Immobilie zwangsversteigert werden muss. In der Regel liegt die Beleihungsgrenze bei etwa 60 bis 80 Prozent des Beleihungswerts, je nach Kreditgeber und Konditionen.

Fortsetzung des Beispiels: Der Beleihungswert beträgt 320.000 Euro. Die Bank legt eine Beleihungsgrenze von 70 Prozent fest. Das bedeutet, maximal 224.000 Euro (320.000 × 0,7) können als Darlehen gewährt werden. Der Rest muss über Eigenkapital oder andere Finanzierungsquellen gedeckt werden. Bei besonders risikoreichen Objekten oder schwächerer Bonität kann die Beleihungsgrenze auch niedriger ausfallen.

  • Die Beleihungsgrenze ist der maximale Kreditbetrag in Prozent des Beleihungswerts.
  • Typische Grenzen liegen bei 60–80 % des Beleihungswerts.
  • Sie schützt die Bank vor Wertverlusten und Zwangsversteigerungsrisiken.
  • Je höher die Beleihungsgrenze, desto weniger Eigenkapital ist erforderlich.
  • Die Grenze kann je nach Bonität, Objektart und Bank variieren.

Beleihungsauslauf: Wie viel Prozent des Beleihungswerts werden genutzt?

Der Beleihungsauslauf beschreibt das Verhältnis zwischen dem tatsächlich aufgenommenen Darlehen und dem Beleihungswert. Er wird in Prozent angegeben und beeinflusst die Zinsen: Je höher der Beleihungsauslauf, desto höher das Risiko für die Bank und in der Regel auch der Zinssatz. Ein niedriger Beleihungsauslauf bedeutet mehr Eigenkapital und bessere Konditionen.

Beispiel: Der Beleihungswert liegt bei 320.000 Euro. Wird ein Darlehen von 224.000 Euro gewährt, beträgt der Beleihungsauslauf 70 Prozent (224.000 ÷ 320.000 × 100). Viele Banken bieten besonders günstige Zinsen bei Beleihungsausläufen bis etwa 60 Prozent, da das Risiko für sie deutlich geringer ist. Wird der Beleihungsauslauf erhöht, steigen die Zinsen in der Regel schrittweise an.

  • Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis von Darlehenssumme zu Beleihungswert in Prozent.
  • Er beeinflusst direkt die Zinskonditionen des Darlehens.
  • Niedrige Ausläufe (z.B. 50–60 %) führen meist zu besseren Zinsen.
  • Hohe Ausläufe (z.B. 80–90 %) erhöhen das Risiko und die Zinsen.
  • Der Auslauf kann im Laufe der Zeit durch Tilgung sinken und die Zinsen verbessern.

Welche Rolle spielt der Beleihungswert für Eigenkapital und Vollfinanzierung?

Der Beleihungswert bestimmt maßgeblich, wie viel Eigenkapital für eine Immobilienfinanzierung erforderlich ist. Liegt der Beleihungswert deutlich unter dem Kaufpreis, muss die Differenz sowie die Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler, Instandhaltungsrücklagen) über Eigenkapital oder andere Finanzierungsquellen gedeckt werden. Das kann dazu führen, dass eine sogenannte Vollfinanzierung – also die Finanzierung von 100 Prozent des Kaufpreises – nicht möglich ist.

Beispiel: Kaufpreis 400.000 Euro, Nebenkosten 40.000 Euro, Beleihungswert 320.000 Euro, Beleihungsgrenze 70 Prozent (224.000 Euro). In diesem Fall müssten rund 216.000 Euro (440.000 – 224.000) über Eigenkapital oder andere Quellen finanziert werden. Je höher der Beleihungswert im Verhältnis zum Kaufpreis, desto geringer ist der Eigenkapitalbedarf und desto eher ist eine Vollfinanzierung möglich.

  • Der Beleihungswert beeinflusst die Höhe des erforderlichen Eigenkapitals.
  • Je niedriger der Beleihungswert im Verhältnis zum Kaufpreis, desto mehr Eigenkapital ist nötig.
  • Eine Vollfinanzierung ist nur möglich, wenn Beleihungswert und Beleihungsgrenze ausreichen.
  • Eigenkapital senkt das Risiko für die Bank und verbessert die Konditionen.
  • Nebenkosten müssen zusätzlich zum Kaufpreis berücksichtigt werden.

Wie wirkt sich der Beleihungswert auf Zinsen und Konditionen aus?

Der Beleihungswert ist ein zentraler Faktor für die Zinsgestaltung. Banken verwenden den Beleihungsauslauf als Risikomesslatte: Je höher der Anteil des Beleihungswerts, der durch das Darlehen genutzt wird, desto höher das Risiko und desto höher die Zinsen. Umgekehrt profitieren Käuferinnen und Käufer mit hohem Eigenkapital und niedrigem Beleihungsauslauf von besonders günstigen Konditionen.

Typischerweise gelten Beleihungsausläufe bis etwa 60 Prozent als besonders risikoarm, während Ausläufe von 80 Prozent und mehr als risikoreicher eingestuft werden. Banken können hierfür Zuschläge verlangen oder nur eingeschränkte Konditionen anbieten. Zudem kann ein niedriger Beleihungsauslauf die Bonitätsprüfung erleichtern, da die Immobilie als stärkere Sicherheit gilt.

  • Der Beleihungswert beeinflusst den Beleihungsauslauf und damit die Zinsen.
  • Niedrige Ausläufe (z.B. 50–60 %) führen zu besseren Zinskonditionen.
  • Hohe Ausläufe (z.B. 80–90 %) erhöhen Zinsen und Risiko.
  • Eigenkapital senkt den Beleihungsauslauf und verbessert die Konditionen.
  • Banken können bei hohen Ausläufen zusätzliche Sicherheiten verlangen.

Praktische Tipps: Wie kann der Beleihungswert beeinflusst werden?

Der Beleihungswert wird von der Bank festgelegt, aber es gibt Möglichkeiten, ihn positiv zu beeinflussen. Eine gute Vorbereitung der Unterlagen, eine realistische Einschätzung des Kaufpreises und eine sorgfältige Auswahl der Immobilie können helfen, einen möglichst hohen Beleihungswert zu erzielen. Zudem kann eine professionelle Bewertung oder ein Gutachten die Bank bei der Einschätzung unterstützen.

Wichtig ist, den Kaufpreis nicht deutlich über dem erwarteten Verkehrswert anzusetzen, da Banken dann einen höheren Sicherheitsabschlag vornehmen können. Auch der Zustand der Immobilie, die Lagequalität und die Vermietungssituation spielen eine Rolle. Eine gepflegte, gut gelegene Immobilie mit stabilen Mieten wird in der Regel einen höheren Beleihungswert erhalten als ein Objekt mit Sanierungsbedarf oder schwacher Lage.

  • Kaufpreis realistisch zum Markt halten, um hohe Abschläge zu vermeiden.
  • Immobilie in gutem Zustand und attraktiver Lage wählen.
  • Vollständige Unterlagen (Pläne, Energieausweis, Mietverträge) bereitstellen.
  • Bei Bedarf ein Gutachten oder Wertgutachten einholen.
  • Eigenkapital einplanen, um den Beleihungsauslauf zu senken.

Fazit

Der Beleihungswert ist eine zentrale Größe bei jeder Immobilienfinanzierung und beeinflusst sowohl die Höhe des möglichen Darlehens als auch die Zinsen und den erforderlichen Eigenkapitalanteil. Er stellt den langfristig gesicherten Wert einer Immobilie dar, der unter dem aktuellen Verkehrswert liegt und durch einen Sicherheitsabschlag konservativ berechnet wird. Über die Beleihungsgrenze und den Beleihungsauslauf leitet sich ab, wie viel Prozent des Beleihungswerts tatsächlich finanziert werden und welche Konditionen die Bank bietet. Wer den Beleihungswert versteht und gezielt beeinflusst, kann seine Finanzierung deutlich verbessern und günstigere Zinsen sowie eine stabilere Kreditstruktur erreichen.

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