← Ratgeber

Was kostet das Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen kann vor Zinsbindungsende des aktuellen Darlehens abgeschlossen werden und verschafft Planungssicherheit. Doch welche Kosten sind damit verbunden und welche Faktoren beeinflussen den Zinssatz?

8 min Lesezeit
Was kostet das Forward-Darlehen?

Die Planung der Immobilienfinanzierung ist eine Entscheidung von großer Tragweite, die oft über Jahrzehnte hinweg bindend ist. Wer ein Darlehen mit längerer Zinsbindung abgeschlossen hat, steht irgendwann vor der Frage, wie es nach dem Ablauf dieser Bindung weitergeht. Ein Forward-Darlehen bietet hier eine interessante Option: Es ermöglicht die Sicherung der aktuellen Zinsen für eine Anschlussfinanzierung bereits weit vor dem Ende der laufenden Zinsbindung. Doch wie jeder finanzielle Baustein ist auch das Forward-Darlehen mit Kosten verbunden. Diese Kosten und die Faktoren, die sie beeinflussen, beleuchten wir in diesem Artikel detailliert.

Was ist ein Forward-Darlehen genau?

Ein Forward-Darlehen ist eine spezielle Form der Anschlussfinanzierung für Immobilien. Im Gegensatz zu einer regulären Umschuldung, die erst bei Fälligkeit des alten Darlehens abgeschlossen wird, können Sie ein Forward-Darlehen schon bis zu 60 Monate, manchmal sogar mehr, vor dem eigentlichen Ablauf der Zinsbindung Ihres bestehenden Darlehens vereinbaren. Der Darlehensbetrag wird jedoch erst zum späteren Zeitpunkt, dem sogenannten "Valutatag" oder "Auszahlungsdatum", ausgezahlt. Bis dahin "ruht" das Darlehen sozusagen. Dieses Finanzprodukt ist vor allem dann attraktiv, wenn zukünftig steigende Zinsen erwartet werden und man sich die aktuell noch niedrigeren Konditionen sichern möchte. Es bietet somit eine hohe Planungssicherheit, da der Zinssatz für die Anschlussfinanzierung feststeht, lange bevor das alte Darlehen ausläuft.

Die Hauptmotivation für die Wahl eines Forward-Darlehens liegt in der Zinsspekulation oder Zinsabsicherung. Sollten die Zinsen bis zum Ablauf des alten Darlehens wie erwartet steigen, profitiert der Darlehensnehmer von dem bereits gesicherten, günstigeren Zinssatz. Fallen die Zinsen hingegen, kann der Abschluss eines Forward-Darlehens nachteilig sein, da der höhere, vereinbarte Zinssatz gezahlt werden muss. Ein Rücktritt vom Vertrag ist in der Regel nicht ohne Weiteres möglich oder mit erheblichen Kosten verbunden.

Der Zinsaufschlag: Die Hauptkostenkomponente

Die offensichtlichste und wichtigste Kostenkomponente eines Forward-Darlehens ist der sogenannte Zinsaufschlag. Da die Bank das Zinsrisiko für den Zeitraum zwischen Abschluss des Forward-Darlehens und der tatsächlichen Auszahlung (auch Forward-Periode genannt) trägt, verlangt sie hierfür einen Risikoaufschlag. Dieser Aufschlag wird auf den aktuellen Marktzins für einen vergleichbaren sofort abrufbaren Kredit addiert. Die Höhe des Aufschlags hängt maßgeblich von der Länge der Forward-Periode ab: Je länger der Zeitraum bis zur Auszahlung ist, desto höher fällt in der Regel der Zinsaufschlag aus. Dies ist eine Entschädigung für das Zinsänderungsrisiko, das die Bank in diesem Zeitraum übernimmt.

Die Berechnung des Zinsaufschlags ist keine transparente Formel, die für alle Banken gleichermaßen gilt. Jedes Kreditinstitut kalkuliert diesen Aufschlag individuell basierend auf der eigenen Risikoeinschätzung, den aktuellen Kapitalmarkterwartungen und der jeweiligen Zinspolitik. Häufig beginnt der Aufschlag bei einer Forward-Periode von 12 Monaten bei etwa 0,05 bis 0,10 Prozentpunkten pro Monat. Bei einer Forward-Periode von beispielsweise 36 Monaten könnte der Aufschlag somit bereits 0,15 bis 0,30 Prozentpunkte oder mehr betragen. Dies bedeutet, dass ein Darlehen, das heute mit 3,0 % Zinsen angeboten wird, als Forward-Darlehen für eine Periode von 24 Monaten möglicherweise mit 3,2 % oder 3,3 % Zinsen kalkuliert wird.

  • Der Zinsaufschlag deckt das Zinsrisiko der Bank für die Wartezeit ab.
  • Die Höhe des Aufschlags steigt mit der Länge der Forward-Periode.
  • Banken kalkulieren den Aufschlag individuell.
  • Der Aufschlag kann pro Monat der Forward-Periode berechnet werden (z.B. 0,05 % pro Monat).

Einflussfaktoren auf den Zinssatz und damit die Kosten

Neben dem Forward-Aufschlag gibt es weitere entscheidende Faktoren, die den effektiven Zinssatz und damit die Gesamtkosten eines Forward-Darlehens beeinflussen. Diese Faktoren sind im Wesentlichen dieselben, die auch bei einem herkömmlichen Annuitätendarlehen eine Rolle spielen. Ein tieferes Verständnis dieser Punkte hilft, die Angebote besser zu vergleichen und die für die eigene Situation passende Finanzierung zu finden.

  • Die Bonität des Darlehensnehmers: Eine hohe Kreditwürdigkeit (gemessen an Schufa-Score, Einkommen, Sicherheiten) führt in der Regel zu besseren Konditionen.
  • Die Beleihungsgrenze der Immobilie: Der Zins ist oft niedriger, wenn der Darlehensbetrag einen geringeren Anteil des Immobilienwertes ausmacht (z.B. 60 % oder 80 % des Beleihungswertes).
  • Die Länge der Zinsbindungsfrist: Längere Zinsbindungen (z.B. 15 oder 20 Jahre) sind meist etwas teurer als kürzere (z.B. 5 oder 10 Jahre), da die Bank hierfür ein höheres Zinsänderungsrisiko trägt.
  • Die Höhe des Tilgungssatzes: Ein höherer anfänglicher Tilgungssatz (z.B. 2 % statt 1 %) führt zu einer schnelleren Rückführung des Darlehens und kann ebenfalls zu besseren Konditionen führen.
  • Die aktuelle Marktzinslage: Wenn die allgemeinen Marktzinsen niedrig sind, sind auch die Forward-Darlehenszinsen tendenziell günstiger.

Weitere mögliche Kosten und Gebühren

Auch wenn der Zinsaufschlag die prominenteste Zusatzkostenposition ist, können im Zusammenhang mit einem Forward-Darlehen weitere Gebühren oder Kosten entstehen. Es ist wichtig, diese bei der Gesamtbetrachtung zu berücksichtigen, auch wenn sie oft weniger ins Gewicht fallen als der Zins selbst. Transparenz über alle anfallenden Kosten ist hier das A und O.

Einige Banken erheben möglicherweise eine Bearbeitungsgebühr für die Einrichtung des Darlehens, auch wenn diese bei Baufinanzierungen in Deutschland seit einem Gerichtsurteil von 2014 unüblich geworden ist. Ein Blick in die Vertragsbedingungen schafft hier Klarheit. Des Weiteren können Kosten für eine erneute Wertermittlung der Immobilie anfallen, wenn sich der Wert in der langen Forward-Periode signifikant geändert haben könnte oder die Bank dies zur Risikoeinschätzung für die neue Zinsbindungsfrist verlangt. Auch Bereitstellungszinsen sind ein potenzielles Thema, jedoch nicht im klassischen Sinne eines Forward-Darlehens. Da das Kapital erst am Valutatag ausgezahlt wird, fallen vor diesem Termin keine Bereitstellungszinsen an. Sollte es jedoch zu einer deutlichen Verzögerung der Auszahlung durch den Darlehensnehmer nach dem Valutatag kommen, könnten hierfür möglicherweise Zinsen anfallen. Dies ist jedoch eher eine Ausnahme als die Regel.

Vergleich zu anderen Anschlussfinanzierungsoptionen

Um die Attraktivität und die Kosten eines Forward-Darlehens realistisch einschätzen zu können, ist es wichtig, es mit alternativen Anschlussfinanzierungsoptionen zu vergleichen. Jede Option hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die je nach persönlicher Situation und Markterwartung unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.

  • Annuitätendarlehen zum Zeitpunkt der Fälligkeit: Hier sichern Sie sich die dann aktuellen Marktzinsen. Vorteil: Kein Forward-Aufschlag. Nachteil: Keine Zinssicherheit bis zur Fälligkeit.
  • KfW-Darlehen oder öffentliche Fördermittel: Diese können oft mit anderen Darlehen kombiniert werden und bieten unter Umständen besonders günstige Konditionen oder Tilgungszuschüsse. Voraussetzung sind jedoch bestimmte energetische oder soziale Kriterien.
  • Bausparvertrag: Wer frühzeitig einen Bausparvertrag abgeschlossen und angespart hat, kann sich die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gültigen Darlehenszinsen sichern. Vorteil: Langfristige Zinssicherung. Nachteil: Oft längere Ansparphase und ggf. geringe Flexibilität.
  • Volltilgerdarlehen: Hier ist das Darlehen am Ende der Zinsbindungsfrist vollständig getilgt. Vorteil: Maximale Planungssicherheit. Nachteil: In der Regel höhere monatliche Raten.

Beispielrechnung: Kosten des Zinsaufschlags

Um die Auswirkungen des Zinsaufschlags greifbar zu machen, betrachten wir ein konkretes Beispiel. Angenommen, das bestehende Darlehen läuft in 36 Monaten aus und hat eine Restschuld von 200.000 Euro. Der aktuelle Marktzins für eine vergleichbare Anschlussfinanzierung mit sofortiger Auszahlung und gleicher Zinsbindung beträgt 3,0 % p.a. für 10 Jahre. Für ein Forward-Darlehen über 36 Monate verlangt die Bank einen Zinsaufschlag von 0,08 % pro Monat der Forward-Periode. Das ergibt einen kumulierten Aufschlag von 36 Monate * 0,08 %/Monat = 2,88 Prozentpunkte. Dieser Wert wird zum Basiszinssatz addiert.

Der effektive Jahreszins für das Forward-Darlehen würde demnach nicht 3,0 % betragen, sondern: 3,0 % (Marktzins) + 2,88 % (Forward-Aufschlag) = 5,88 % p.a. für das Beispiel. Mit diesem Zinssatz von 5,88 % über 10 Jahre und einer angenommenen anfänglichen Tilgung von 2 % auf 200.000 Euro Restschuld, würde die monatliche Rate (200.000 * (5,88% + 2%)) / 12 ~ 1.313 Euro betragen.

HINWEIS: Dieses Beispiel ist vereinfacht und dient lediglich der Veranschaulichung des Prinzips. In der Praxis werden die Forward-Aufschläge für längere Perioden oft gestaffelt oder die Berechnung differenziert. Es verdeutlicht jedoch, dass ein scheinbar kleiner monatlicher Aufschlag über eine längere Forward-Periode signifikante Auswirkungen auf den Gesamtzinssatz und damit auf die monatliche Rate haben kann. Ein detaillierter Vergleich der Angebote ist daher unerlässlich.

Vorteile und Risiken des Forward-Darlehens

Ein Forward-Darlehen bietet bestimmte Vorteile, birgt aber auch spezifische Risiken, die man vor dem Abschluss genau abwägen sollte.

  • Vorteile:
  • Planungssicherheit: Der Zinssatz steht für die Zukunft fest.
  • Schutz vor steigenden Zinsen: Bei einem erwarteten Zinsanstieg kann man von niedrigeren, gesicherten Konditionen profitieren.
  • Frühzeitiger Abschluss möglich: Bis zu 60 Monate vor Ablauf der Zinsbindung.
  • Nachteil/Risiken:
  • Kein Rücktritt bei fallenden Zinsen: Fällt der Marktzins bis zur Auszahlung, muss der höhere, vereinbarte Zins des Forward-Darlehens gezahlt werden.
  • Zinsaufschlag: Der Zinssatz ist höher als bei einem sofort abrufbaren Darlehen.
  • Potenzielle Zinssenkung nicht nutzbar: Man verzichtet auf die Möglichkeit, von weiter fallenden Zinsen zu profitieren.
  • Bindung an die Bank: Vorzeitige Kündigung oder Umschuldung ist in der Regel mit Vorfälligkeitsentschädigung verbunden.

Wann ist ein Forward-Darlehen sinnvoll?

Die Entscheidung für oder gegen ein Forward-Darlehen hängt stark von der individuellen finanziellen Situation, der persönlichen Risikobereitschaft und der Einschätzung der zukünftigen Zinsentwicklung ab. Ein Forward-Darlehen ist besonders dann sinnvoll, wenn man mit hoher Wahrscheinlichkeit von steigenden Zinsen ausgeht und Wert auf langfristige Planungssicherheit legt. Es ist ein Instrument zur Zinsabsicherung.

Wer große Risikobereitschaft besitzt und eine Zinssenkung in der Zukunft erwartet, könnte eher von der Option des Wartens bis zum regulären Ablauf des Darlehens profitieren. Es gilt, die eigene Situation und die Marktentwicklung kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen.

Fazit

Das Forward-Darlehen ist ein nützliches Finanzinstrument für die Anschlussfinanzierung einer Immobilie, das vor allem Planungssicherheit bietet und vor steigenden Zinsen schützt. Die Hauptkostenkomponente ist dabei der Zinsaufschlag, der als Risikoprämie für die Bank fungiert und sich mit der Länge der Forward-Periode erhöht. Weitere Faktoren wie die Bonität und die Beleihungsgrenze der Immobilie beeinflussen ebenfalls den Zinssatz. Es ist entscheidend, alle Kosten transparent aufzuschlüsseln und das Forward-Darlehen kritisch mit anderen Anschlussfinanzierungsoptionen abzuwägen. Eine fundierte Entscheidung basiert auf der genauen Kenntnis der individuellen Situation, der Markterwartung und einem sorgfältigen Vergleich der Angebote.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München