Was ist ein Volltilgerdarlehen und für wen lohnt es sich?
Ein Volltilgerdarlehen tilgt den Kredit innerhalb der Zinsbindung vollständig – ohne Restschuld und ohne Anschlussfinanzierung. Für wen es sich lohnt, erklärt dieser Ratgeber ausführlich und praxisnah.

Ein Volltilgerdarlehen gehört zu den besonders planungssicheren Formen der Baufinanzierung. Es ermöglicht es, einen Immobilienkredit innerhalb einer festen Zinsbindungsfrist vollständig zurückzuzahlen, sodass am Ende keine Restschuld mehr besteht. Damit entfällt die Notwendigkeit einer Anschlussfinanzierung und das Zinsrisiko für die Zukunft wird weitgehend ausgeschlossen. In diesem Ratgeber wird erklärt, wie ein Volltilgerdarlehen funktioniert, welche Vor- und Nachteile es bietet und für welche Zielgruppen diese Finanzierungsform besonders sinnvoll sein kann.
Was ist ein Volltilgerdarlehen?
Ein Volltilgerdarlehen ist eine spezielle Variante des Annuitätendarlehens, bei der die vereinbarte Zinsbindungsfrist zugleich die gesamte Laufzeit des Kredits ist. Während dieser Zeit werden Zinsen und Tilgung so kombiniert, dass der Darlehensbetrag am Ende der Laufzeit vollständig getilgt ist. Anders als bei einem klassischen Annuitätendarlehen, bei dem nach Ablauf der Zinsbindung meist noch eine Restschuld besteht, bleibt beim Volltilgerdarlehen kein offener Betrag übrig.
Die monatliche Rate bleibt über die gesamte Laufzeit gleich hoch. Sie setzt sich aus einem Zinsanteil und einem Tilgungsanteil zusammen. Da die Restschuld mit jeder Zahlung sinkt, verringert sich der Zinsanteil der Rate, während der Tilgungsanteil entsprechend steigt. Diese Verschiebung geschieht automatisch, ohne dass sich die Gesamthöhe der Rate verändert. Dadurch entsteht eine hohe Planungssicherheit, da die monatliche Belastung über Jahre hinweg konstant bleibt.
- —Vollständige Tilgung innerhalb der Zinsbindungsfrist
- —Keine Restschuld am Ende der Laufzeit
- —Feste monatliche Rate über die gesamte Laufzeit
- —Keine Anschlussfinanzierung erforderlich
- —Hohe Zins- und Planungssicherheit
Wie unterscheidet sich ein Volltilgerdarlehen vom Annuitätendarlehen?
Beim klassischen Annuitätendarlehen werden ebenfalls gleichbleibende monatliche Raten gezahlt, die aus Zins- und Tilgungsanteil bestehen. Allerdings wird der Kredit in der Regel nicht innerhalb der Zinsbindungsfrist vollständig getilgt. Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld bestehen, die dann über eine Anschlussfinanzierung weiter bedient werden muss. Diese Anschlussfinanzierung kann zu einem höheren Zinssatz erfolgen, was das Zinsrisiko erhöht.
Beim Volltilgerdarlehen hingegen ist die Zinsbindungsfrist identisch mit der Laufzeit bis zur vollständigen Tilgung. Dadurch entfällt die Restschuld und damit auch die Notwendigkeit einer Anschlussfinanzierung. Die monatliche Rate ist in der Regel höher als bei einem klassischen Annuitätendarlehen, da der Tilgungsanteil größer ist. Dafür wird der Kredit schneller abbezahlt und insgesamt weniger Zinsen gezahlt.
- —Volltilgerdarlehen: Vollständige Tilgung innerhalb der Zinsbindung, keine Restschuld
- —Annuitätendarlehen: Teilweise Tilgung, Restschuld bleibt bestehen
- —Volltilgerdarlehen: Höhere monatliche Rate, aber weniger Zinsen insgesamt
- —Annuitätendarlehen: Niedrigere Rate, aber Zinsrisiko bei Anschlussfinanzierung
Wie funktioniert die Tilgung bei einem Volltilgerdarlehen?
Bei einem Volltilgerdarlehen wird die Tilgung so berechnet, dass der gesamte Darlehensbetrag innerhalb der vereinbarten Laufzeit zurückgezahlt wird. Der Tilgungssatz ist nicht vorgegeben, sondern ergibt sich aus der gewählten Laufzeit. Je kürzer die Laufzeit, desto höher ist der Tilgungssatz und damit auch die monatliche Rate. Umgekehrt führt eine längere Laufzeit zu einem niedrigeren Tilgungssatz und einer geringeren monatlichen Belastung.
Ein Beispiel: Angenommen, ein Darlehen von 200.000 Euro wird mit einer Zinsbindung von 20 Jahren als Volltilgerdarlehen abgeschlossen. Die Bank berechnet eine monatliche Rate, die so hoch ist, dass nach 20 Jahren der Kredit vollständig getilgt ist. In den ersten Jahren besteht die Rate hauptsächlich aus Zinsen, während der Tilgungsanteil relativ gering ist. Mit fortschreitender Laufzeit sinkt der Zinsanteil und der Tilgungsanteil steigt, bis der Kredit am Ende der Laufzeit vollständig abbezahlt ist.
- —Tilgung wird so berechnet, dass der Kredit innerhalb der Laufzeit vollständig getilgt wird
- —Je kürzer die Laufzeit, desto höher der Tilgungssatz und die monatliche Rate
- —Zinsanteil sinkt, Tilgungsanteil steigt im Laufe der Laufzeit
- —Monatliche Rate bleibt über die gesamte Laufzeit gleich hoch
Welche Vorteile bietet ein Volltilgerdarlehen?
Ein Volltilgerdarlehen bietet mehrere Vorteile, die es für bestimmte Zielgruppen besonders attraktiv machen. Der größte Vorteil ist die vollständige Tilgung innerhalb der Zinsbindungsfrist, was bedeutet, dass am Ende der Laufzeit keine Restschuld mehr besteht. Dadurch entfällt die Notwendigkeit einer Anschlussfinanzierung und das Zinsrisiko für die Zukunft wird weitgehend ausgeschlossen. Dies ist besonders vorteilhaft in Zeiten niedriger Zinsen, da die Konditionen für eine Anschlussfinanzierung ungewiss sind.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Planungssicherheit. Da die monatliche Rate über die gesamte Laufzeit gleich bleibt, können die Finanzplanung und das Haushaltsbudget langfristig geplant werden. Zudem wird der Kredit schneller abbezahlt als bei einem klassischen Annuitätendarlehen, was insgesamt weniger Zinsen bedeutet. Viele Banken bieten zudem Zinsrabatte für höhere Tilgungsraten, was die Finanzierung zusätzlich günstiger machen kann.
- —Vollständige Tilgung innerhalb der Zinsbindungsfrist, keine Restschuld
- —Keine Anschlussfinanzierung erforderlich, kein Zinsrisiko
- —Hohe Planungssicherheit durch feste monatliche Rate
- —Schnellere Tilgung, weniger Zinsen insgesamt
- —Mögliche Zinsrabatte für höhere Tilgungsraten
Welche Nachteile gibt es bei einem Volltilgerdarlehen?
Trotz der Vorteile gibt es auch Nachteile, die bei der Entscheidung für ein Volltilgerdarlehen berücksichtigt werden sollten. Der größte Nachteil ist die höhere monatliche Rate im Vergleich zu einem klassischen Annuitätendarlehen. Da der Tilgungsanteil höher ist, kann die monatliche Belastung für einige Haushalte zu hoch sein, insbesondere wenn das Einkommen nicht ausreichend ist oder unerwartete Ausgaben auftreten.
Ein weiterer Nachteil ist die geringere Flexibilität. Da die Laufzeit und die Tilgung festgelegt sind, ist es schwieriger, die Finanzierung an veränderte Lebensumstände anzupassen. Zudem kann eine längere Laufzeit zu einem höheren Gesamtbetrag führen, obwohl die monatliche Rate niedriger ist. Es ist daher wichtig, die eigene finanzielle Situation genau zu prüfen und sicherzustellen, dass die monatliche Rate langfristig tragbar ist.
- —Höhere monatliche Rate im Vergleich zu einem Annuitätendarlehen
- —Geringere Flexibilität bei veränderten Lebensumständen
- —Möglicherweise höherer Gesamtbetrag bei längerer Laufzeit
- —Weniger Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben
Für wen lohnt sich ein Volltilgerdarlehen?
Ein Volltilgerdarlehen ist besonders für Personen geeignet, die Wert auf Planungssicherheit und eine schnelle Tilgung legen. Es eignet sich für Haushalte mit einem stabilen und ausreichenden Einkommen, die die höhere monatliche Rate langfristig tragen können. Auch für Personen, die in Niedrigzinsphasen finanzieren, kann ein Volltilgerdarlehen sinnvoll sein, da sie von niedrigen Zinsen profitieren und das Zinsrisiko für die Zukunft minimieren.
Ein Volltilgerdarlehen kann auch für ältere Kreditnehmer attraktiv sein, die bis zum Ende ihrer beruflichen Laufzeit schuldenfrei sein möchten. Da die Laufzeit bis zur vollständigen Tilgung festgelegt ist, können sie sicher planen, wann sie die Immobilie vollständig abbezahlt haben. Zudem ist es für Personen geeignet, die keine Anschlussfinanzierung wünschen und die Sicherheit einer festen Rate über die gesamte Laufzeit schätzen.
- —Personen mit stabilem und ausreichendem Einkommen
- —Haushalte, die Wert auf Planungssicherheit legen
- —Kreditnehmer in Niedrigzinsphasen
- —Ältere Kreditnehmer, die bis zum Ende ihrer beruflichen Laufzeit schuldenfrei sein möchten
- —Personen, die keine Anschlussfinanzierung wünschen
Wie wählt man die richtige Laufzeit für ein Volltilgerdarlehen?
Die Wahl der richtigen Laufzeit ist entscheidend für die Tragfähigkeit eines Volltilgerdarlehen. Eine kürzere Laufzeit führt zu einem höheren Tilgungssatz und einer höheren monatlichen Rate, aber zu einer schnelleren Tilgung und weniger Zinsen insgesamt. Eine längere Laufzeit senkt die monatliche Rate, verlängert aber die Tilgung und kann zu einem höheren Gesamtbetrag führen.
Bei der Entscheidung sollte die eigene finanzielle Situation genau geprüft werden. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die monatliche Rate auch in schwierigen Zeiten tragbar ist. Zudem sollte die Laufzeit so gewählt werden, dass sie mit den persönlichen Zielen und Lebensumständen übereinstimmt. Eine Beratung durch einen Finanzexperten kann dabei helfen, die optimale Laufzeit zu finden.
- —Kürzere Laufzeit: Höhere Rate, schnellere Tilgung, weniger Zinsen
- —Längere Laufzeit: Niedrigere Rate, längere Tilgung, möglicherweise höherer Gesamtbetrag
- —Laufzeit sollte zur finanziellen Situation passen
- —Beratung durch einen Finanzexperten kann helfen
Wie beeinflusst die Zinsbindung die Entscheidung?
Die Zinsbindung spielt eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für ein Volltilgerdarlehen. Da die Zinsbindungsfrist identisch mit der Laufzeit bis zur vollständigen Tilgung ist, ist es wichtig, die aktuelle Zinssituation zu berücksichtigen. In Niedrigzinsphasen kann ein Volltilgerdarlehen besonders attraktiv sein, da die niedrigen Zinsen über die gesamte Laufzeit gesichert sind.
In Zeiten steigender Zinsen kann ein Volltilgerdarlehen ebenfalls sinnvoll sein, da die Zinsen für die gesamte Laufzeit festgelegt sind und das Zinsrisiko für die Zukunft minimiert wird. Es ist jedoch wichtig, die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu prüfen und sicherzustellen, dass die monatliche Rate auch bei steigenden Zinsen tragbar ist.
- —Zinsbindung ist identisch mit der Laufzeit bis zur vollständigen Tilgung
- —In Niedrigzinsphasen besonders attraktiv
- —In Zeiten steigender Zinsen Zinsrisiko minimiert
- —Monatliche Rate sollte auch bei steigenden Zinsen tragbar sein
Fazit
Ein Volltilgerdarlehen bietet eine hohe Planungssicherheit und ermöglicht es, einen Immobilienkredit innerhalb der Zinsbindungsfrist vollständig zu tilgen. Es eignet sich besonders für Personen mit einem stabilen Einkommen, die Wert auf Sicherheit und eine schnelle Tilgung legen. Die höhere monatliche Rate kann eine Herausforderung sein, bietet aber den Vorteil, dass keine Restschuld und keine Anschlussfinanzierung bestehen. Bei der Entscheidung sollte die eigene finanzielle Situation genau geprüft und die Laufzeit sorgfältig gewählt werden, um die Vorteile eines Volltilgerdarlehen optimal zu nutzen.

