← Ratgeber

Maklerprovision in Deutschland: Welche Alternativen gibt es?

Die Maklerprovision in Deutschland ist ein wesentlicher Kostenfaktor beim Immobilienkauf oder -verkauf. Dieser Artikel beleuchtet Alternativen und Strategien, um diese Kosten zu minimieren oder zu umgehen.

8 min Lesezeit
Maklerprovision in Deutschland: Welche Alternativen gibt es?

Der Kauf oder Verkauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben. Neben dem eigentlichen Kaufpreis oder Verkaufserlös spielen dabei auch Nebenkosten eine erhebliche Rolle. Einer der prominentesten Posten auf der Kostenseite ist in Deutschland oft die Maklerprovision, auch Courtage genannt. Sie bezeichnet das Entgelt, das ein Immobilienmakler für die erfolgreiche Vermittlung einer Immobilie erhält. Bis vor einigen Jahren war die Aufteilung dieser Kosten regional sehr unterschiedlich geregelt. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2020 gibt es jedoch bundeseinheitliche Regelungen, die das Bestellerprinzip für Käufer und Verkäufer bei Wohnimmobilien festlegen. Trotz dieser Anpassung bleibt die Maklerprovision ein nicht unerheblicher Kostenfaktor, der für Käufer und Verkäufer gleichermaßen relevant ist. Viele Eigentümer und Interessenten suchen daher nach Wegen, diese Kosten zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Dieser Ratgeber beleuchtet die aktuelle Rechtslage, die Höhe der Provision und stellt verschiedene Alternativen vor, wie Immobilienangelegenheiten auch ohne oder mit reduzierten Maklerkosten abgewickelt werden können.

Grundlagen der Maklerprovision in Deutschland

Um die Alternativen zur Maklerprovision zu verstehen, ist es zunächst wichtig, die Grundlagen der Provision selbst zu kennen. Bis zum 23. Dezember 2020 gab es bei der Verteilung der Maklerprovision erhebliche regionale Unterschiede. In einigen Bundesländern war es üblich, dass der Käufer die gesamte Provision trug, in anderen teilten sich Käufer und Verkäufer die Kosten, oder der Verkäufer übernahm sie vollständig. Mit der Einführung des Gesetzes über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser wurde eine bundesweite Regelung geschaffen. Dieses Gesetz besagt, dass, wenn der Makler für beide Parteien tätig ist (was meist der Fall ist), die Provision zu gleichen Teilen zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt werden muss. Es ist nicht mehr zulässig, die gesamte Provision dem Käufer aufzubürden, wenn der Verkäufer den Makler beauftragt hat.

Die Höhe der Maklerprovision ist in Deutschland nicht gesetzlich festgeschrieben und variiert je nach Bundesland und Verhandlungsgeschick. Üblicherweise liegt sie für Wohnimmobilien zwischen 3,57 % und 7,14 % des Kaufpreises inklusive der jeweils gültigen Mehrwertsteuer. Bei gewerblichen Immobilien können diese Sätze abweichen. Seit der Gesetzesänderung ist der Anteil für Käufer und Verkäufer im Standardfall identisch, meist also jeweils zwischen 1,785 % und 3,57 % des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer.

  • Gesetzliche Regelung seit 23. Dezember 2020: "Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser".
  • Bestellerprinzip (eingeschränkte Form): Wenn der Makler für Käufer und Verkäufer tätig ist, teilen sie sich die Provision hälftig.
  • Die Höhe der Provision ist regional unterschiedlich, liegt aber oft zwischen 3,57 % und 7,14 % inklusive Mehrwertsteuer vom gesamten Kaufpreis.
  • Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro und einer Gesamtprovision von 7,14 % (inkl. MwSt.) zahlen Käufer und Verkäufer jeweils 14.280 Euro.

Immobilienverkauf in Eigenregie: Der Direktverkauf

Die naheliegendste Alternative zur Beauftragung eines Maklers ist der Direktverkauf der Immobilie, auch als Privatverkauf bekannt. Hierbei übernimmt der Eigentümer alle Aufgaben, die normalerweise ein Makler erledigen würde. Dies erfordert jedoch ein hohes Maß an Engagement, Zeit und Fachwissen. Der Hauptvorteil besteht in der vollständigen Einsparung der Maklerprovision, was den Verkaufspreis für den Verkäufer effektiv erhöht oder dem Käufer einen günstigeren Preis ermöglicht. Allerdings sind damit auch zahlreiche Aufgaben und Verantwortlichkeiten verbunden, die nicht unterschätzt werden sollten.

Zu den Aufgaben eines privaten Verkäufers gehören die Immobilienbewertung, die Erstellung professioneller Fotos und eines ansprechenden Exposés, die Festlegung des Angebotspreises, die Vermarktung auf relevanten Portalen, die Beantwortung von Anfragen, die Durchführung von Besichtigungsterminen, die Prüfung der Bonität potenzieller Käufer, die Verhandlungsführung und die Vorbereitung des Kaufvertrags in Zusammenarbeit mit einem Notar. Jeder dieser Schritte erfordert Sorgfalt und Kenntnisse, um Fehler zu vermeiden, die zeitlichen oder finanziellen Schaden verursachen könnten.

  • Vorteile: Keine Maklerprovision, volle Kontrolle über den Verkaufsprozess.
  • Nachteile: Hoher Zeitaufwand, juristische Fallstricke, möglicherweise geringere Reichweite bei der Vermarktung, fehlende Erfahrung in Preisverhandlungen.
  • Erforderliche Schritte: Marktanalyse und Wertermittlung, professionelle Objektpräsentation, Nutzung von Immobilienportalen und sozialen Medien, Koordination von Besichtigungen, Bonitätsprüfung, Verhandlungsführung, Notarvorbereitung.

Teilbeauftragung eines Maklers: Unterstützung nach Bedarf

Eine weitere Option ist die sogenannte Teilbeauftragung eines Maklers. Hierbei werden dem Makler nicht alle Aufgaben des Verkaufsprozesses übertragen, sondern nur spezifische Leistungen, für die der Verkäufer oder Käufer Unterstützung benötigt. Dies kann beispielsweise die professionelle Immobilienbewertung, die Erstellung eines hochwertigen Exposés oder auch nur die Durchführung von Besichtigungsterminen umfassen. Im Gegenzug zahlt der Auftraggeber ein Honorar, das sich nach dem Umfang der erbrachten Dienstleistungen richtet und in der Regel deutlich unterhalb einer vollen Maklerprovision liegt.

Diese Variante bietet Flexibilität und kann eine gute Lösung sein, wenn man bestimmte Aspekte des Verkaufs selbst übernehmen, in anderen Bereichen aber auf die Expertise eines Profis zurückgreifen möchte. Wichtig ist hier eine klare vertragliche Vereinbarung über den Leistungsumfang und die Vergütung. Man sollte sich im Vorfeld genau überlegen, welche Leistungen man selbst erbringen kann und wo externer Support sinnvoll ist. Manche Makler bieten solche modularen Dienstleistungen aktiv an, bei anderen muss man explizit danach fragen.

  • Definition: Einzelne Leistungen eines Maklers werden beauftragt, statt der Vollservice-Vermittlung.
  • Mögliche Leistungen: Immobilienbewertung, Erstellung von Exposés, Durchführung von Besichtigungen, Erstellung von Grundrissen, Bonitätsprüfung von Interessenten.
  • Vorteile: Kostenersparnis im Vergleich zur Vollprovision, professionelle Hilfe in spezifischen Bereichen, dennoch weitgehende Kontrolle über den Prozess.
  • Wichtiger Punkt: Klare Beauftragung und detaillierte Leistungsbeschreibung im Vertrag sind essenziell.

Online-Makler und Flatrate-Angebote

In den letzten Jahren hat sich eine wachsende Zahl von Online-Maklern und Plattformen etabliert, die alternative Vergütungsmodelle anbieten. Diese Modelle zielen darauf ab, die fixen Kosten für den Verkäufer zu reduzieren, indem sie oft eine Pauschale (Flatrate) für ihre Dienstleistungen verlangen oder deutlich geringere provisionsbasierte Sätze anbieten. Das Prinzip ist hier, dass viele Standardprozesse des Verkaufs durch digitale Tools und eine zentralisierte Abwicklung effizienter gestaltet werden können.

Bei Online-Maklern werden viele Kommunikations- und Vermarktungsschritte digital abgewickelt. Der persönliche Kontakt ist oft reduziert, was zu Kosteneinsparungen führt, die an den Kunden weitergegeben werden. Die Dienstleistungspalette kann variieren – von der reinen Listung auf Portalen bis hin zu einem nahezu vollständigen Servicepaket, bei dem jedoch Besichtigungen und Verhandlungen oft noch vom Eigentümer selbst durchgeführt werden. Es ist entscheidend, das Leistungspaket genau zu prüfen und zu vergleichen, um herauszufinden, ob es den eigenen Bedürfnissen entspricht und welche Aufgaben letztlich doch selbst übernommen werden müssen.

  • Konzept: Nutzung digitaler Prozesse zur effizienteren und günstigeren Immobilienvermittlung.
  • Vergütungsmodelle: Häufig Pauschalpreise (Flatrates) oder deutlich reduzierte Provisionssätze.
  • Leistungsumfang: Variiert stark, von grundlegender Online-Vermarktung bis zu umfangreichen Paketen (jedoch oft mit Selbstbeteiligung bei Besichtigungen).
  • Vorteile: Geringere Kosten als bei traditionellen Maklern, breite Online-Reichweite.
  • Nachteil: Oft reduzierter persönlicher Service, mehr Eigeninitiative des Verkäufers notwendig.

Bieterverfahren und Off-Market-Deals

Ein Bieterverfahren, auch Auktionsverfahren genannt, kann eine alternative Verkaufsstrategie sein, um ohne klassische Maklerprovision einen optimalen Verkaufspreis zu erzielen. Hierbei wird die Immobilie nicht zu einem festen Preis angeboten, sondern Interessenten geben innerhalb eines bestimmten Zeitraums Gebote ab. Dies kann den Preis nach oben treiben. Das Bieterverfahren kann entweder vom Eigentümer selbstständig organisiert oder von spezialisierten Plattformen oder Dienstleistern begleitet werden, die dafür in der Regel eine feste Gebühr oder eine geringere Provision verlangen.

Off-Market-Deals sind Immobilienverkäufe, die abseits der öffentlichen Vermarktungswege stattfinden. Das bedeutet, die Immobilie wird nicht auf gängigen Immobilienportalen oder in Zeitungsanzeigen inseriert. Solche Verkäufe basieren oft auf direkten Kontakten oder Empfehlungen und werden gerne bei Luxusimmobilien oder bei Verkaufsabsichten unter Vertraulichkeit genutzt. Auch hier entfällt die klassische Maklerprovision, da der Verkauf direkt zwischen den Parteien oder durch ein Netzwerk des Verkäufers stattfindet. Dies erfordert jedoch ein gut ausgebautes Netzwerk oder das Glück, den passenden Käufer im privaten Umfeld zu finden.

  • Bieterverfahren: Verkauf der Immobilie durch Gebotsabgabe von Interessenten innerhalb eines Zeitraums.
  • Vorteile Bieterverfahren: Potenziell höhere Verkaufspreise, schnelle Abwicklung; kann mit reduzierten Kosten begleitet werden.
  • Off-Market-Deal: Verkauf ohne öffentliche Vermarktung, z.B. über persönliche Kontakte oder exklusive Netzwerke.
  • Vorteile Off-Market: Diskretion, keine klassische Maklerprovision; oft bei hochpreisigen Immobilien oder Eile genutzt.
  • Nachteile: Bieterverfahren kann Risiken bei der Preisgestaltung bergen; Off-Market-Deals erfordern ein starkes Netzwerk oder Zufall.

Immobilien an Investoren oder Aufkäufer verkaufen

Eine weitere Möglichkeit, die Maklerprovision zu umgehen, ist der direkte Verkauf der Immobilie an Investoren, Bauträger oder spezialisierte Immobilienaufkäufer. Diese Akteure sind oft daran interessiert, Immobilien schnell und unkompliziert zu erwerben, insbesondere wenn es sich um Objekte mit Entwicklungspotenzial, Sanierungsbedarf oder in attraktiven Lagen handelt. Ein solcher Direktverkauf bietet dem Verkäufer in der Regel eine schnelle Abwicklung und den Verzicht auf eine Maklerprovision.

Der Prozess ist oft unkomplizierter als ein Verkauf an private Endverbraucher, da Investoren in der Regel weniger emotionale Entscheidungen treffen und einen klaren Geschäftssinn haben. Allerdings sollte man beachten, dass der gebotene Kaufpreis unter Umständen etwas unter dem erreichen mag, was auf dem freien Markt mit einer aufwendigen Vermarktung erzielt werden könnte, da Investoren eine Marge für ihr Risiko und ihre Tätigkeit einkalkulieren. Es ist ratsam, Angebote von mehreren Investoren einzuholen und gegebenenfalls eine unabhängige Wertermittlung vorzunehmen, um sicherzustellen, dass man einen fairen Preis erzielt.

  • Zielgruppe: Investoren, Bauträger, Immobilienaufkäufer, die an schnellen Deals interessiert sind.
  • Vorteile: Sehr schnelle Abwicklung möglich, Wegfall der Maklerprovision, oft weniger Aufwand für den Verkäufer.
  • Nachteile: Kaufpreis kann unter Umständen unter dem Marktpreis liegen, da Investoren eine Gewinnmarge benötigen.
  • Empfehlung: Mehrere Angebote einholen und gegebenenfalls eine externe Bewertung nutzen.

Fazit

Die Maklerprovision ist ein fester Bestandteil des deutschen Immobilienmarktes, insbesondere seit der bundeseinheitlichen Regelung zur hälftigen Teilung der Kosten zwischen Käufer und Verkäufer bei Wohnimmobilien. Dennoch gibt es verschiedene Wege und Strategien, diese Kosten zu minimieren oder ganz zu vermeiden. Ob der Direktverkauf in Eigenregie, die modulare Beauftragung eines Maklers, die Nutzung von Online-Diensten oder der Verkauf an Investoren – jede Alternative bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich. Die Wahl der richtigen Strategie hängt stark von der individuellen Situation, dem eigenen Zeitbudget, dem Immobilienobjekt selbst und dem eigenen Risikoprofil ab. Eine sorgfältige Abwägung der Optionen und gegebenenfalls eine unabhängige Beratung sind dabei entscheidend, um die beste Entscheidung für den eigenen Immobilienverkauf oder -kauf zu treffen und letztlich finanzielle Vorteile zu erzielen.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München