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Immobilienkauf mit ausländischem Einkommen

Der Kauf einer Immobilie in Deutschland, finanziert durch ausländisches Einkommen, ist für viele eine attraktive Option. Dieser Ratgeber beleuchtet die Herausforderungen und zeigt Wege auf, wie dieses Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden kann.

7 min Lesezeit
Immobilienkauf mit ausländischem Einkommen

Der Traum von der eigenen Immobilie in Deutschland ist auch für Personen mit ausländischem Einkommen oft greifbar. Sei es für Eigennutzung, als Alterswohnsitz oder als Kapitalanlage – der deutsche Immobilienmarkt bietet verschiedene Anreize. Allerdings stellt die Finanzierung und Abwicklung eines Immobilienkaufs mit Einkünften aus dem Ausland eine Reihe spezifischer Herausforderungen dar. Banken bewerten die Bonität und das Risiko anders, wenn das Einkommen nicht eurobasiert ist oder aus einem Drittstaat stammt. Dieser Ratgeber soll Ihnen eine umfassende Orientierung geben, welche Aspekte Sie berücksichtigen müssen, welche Voraussetzungen in der Regel gelten und wie Sie den Prozess optimal gestalten können, um Ihr Ziel erfolgreich zu erreichen.

Grundlegende Voraussetzungen für den Immobilienkauf in Deutschland

Für den Erwerb einer Immobilie in Deutschland gibt es, im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, keine speziellen Beschränkungen für ausländische Käufer. Sowohl EU-Bürger als auch Nicht-EU-Bürger können grundsätzlich Eigentum an Grundstücken und Gebäuden in Deutschland erwerben. Dies gilt sowohl für private als auch für gewerbliche Zwecke. Die Herausforderung liegt weniger in rechtlichen Restriktionen, sondern vielmehr in der Finanzierung durch deutsche Kreditinstitute, die strenge Vorschriften bezüglich der Geldwäscheprävention und der Bonitätsprüfung einhalten müssen.

Ein wesentlicher Punkt ist der Nachweis der Herkunft der Gelder. Dies ist eine gesetzliche Anforderung im Rahmen des Geldwäschegesetzes (GwG), die alle Finanzinstitute und auch Notare betrifft. Käufer müssen in der Lage sein, die legale Herkunft ihres Eigenkapitals und gegebenenfalls des Einkommens, das zur Finanzierung des Kaufpreises oder zur Kreditrückzahlung dient, lückenlos nachzuweisen.

  • Keine generellen Beschränkungen für ausländische Käufer.
  • Erwerb von Eigentum für private und gewerbliche Zwecke freigegeben.
  • Notwendigkeit des Nachweises der Geldherkunft (Geldwäschegesetz).
  • Wohnsitz in Deutschland ist für den Kauf nicht zwingend, kann aber die Kreditvergabe erleichtern.

Die Rolle des ausländischen Einkommens bei der Finanzierung

Wenn Ihr Einkommen primär aus dem Ausland stammt, betrachten deutsche Banken dies in der Regel als ein erhöhtes Risiko. Dies liegt an verschiedenen Faktoren, darunter Wechselkursrisiken, unterschiedliche Rechtssysteme bezüglich der Pfändbarkeit von Einkommen und der Schwierigkeit, die Bonität einer Person, deren finanzielle Historie außerhalb Deutschlands liegt, umfassend zu prüfen. Es ist entscheidend, ein stabiles und verifizierbares Einkommen nachzuweisen, das als ausreichend hoch für die gewünschte Finanzierung erachtet wird.

Banken bevorzugen oft Einkommen aus Ländern, die als politisch und wirtschaftlich stabil gelten und deren Währung als robust eingestuft wird. Ein Einkommen in Euro von einem Arbeitgeber innerhalb der Eurozone wird beispielsweise anders bewertet als ein Einkommen in einer nicht-konvertiblen Währung aus einem Land mit hoher Inflation oder politischer Instabilität. Eine lange und stabile Beschäftigungs- oder Geschäftshistorie im Ausland kann jedoch Vertrauen schaffen.

  • Erhöhtes Risiko für Banken durch Wechselkursrisiken und Prüfung der Bonität.
  • Stabiles und verifizierbares Einkommen ist essentiell.
  • Banken präferieren oft politisch und wirtschaftlich stabile Länder.
  • Einkommen in Euro oder einer stabilen Währung von Vorteil.

Anforderungen an die Bonität und Dokumentation

Die Bonitätsprüfung ist ein Kernstück jeder Kreditvergabe. Bei ausländischem Einkommen gestalten sich die Anforderungen an die Dokumentation oft umfangreicher als bei rein inländischen Verhältnissen. Sie müssen umfassende Nachweise über Ihr Einkommen, Ihre Vermögensverhältnisse und Ihre finanzielle Stabilität erbringen. Dies umfasst in der Regel detaillierte Gehaltsabrechnungen über einen längeren Zeitraum (oft 6-12 Monate), Steuererklärungen der letzten Jahre, Kontoauszüge und gegebenenfalls Arbeitsverträge.

Zudem können Banken Nachweise über eine positive Kredithistorie in Ihrem Heimatland verlangen. Da ein Schufa-Score (die deutsche Auskunftei) in der Regel nicht existiert, müssen alternative Wege gefunden werden, um Ihre Zahlungszuverlässigkeit darzulegen. Dies können beispielsweise Referenzschreiben von Ihrer Hausbank im Ausland oder Belege über regelmäßige Kreditrückzahlungen sein. Alle Dokumente müssen in der Regel in deutscher oder englischer Sprache vorliegen und gegebenenfalls durch einen vereidigten Übersetzer übersetzt und notariell beglaubigt werden.

  • Umfassende Einkommensnachweise (Gehaltsabrechnungen, Steuererklärungen, Kontoauszüge).
  • Nachweis der Herkunft des Eigenkapitals.
  • Positive Kredithistorie im Heimatland (alternativ zur Schufa).
  • Alle relevanten Dokumente müssen übersetzt und beglaubigt sein.

Eigenkapitalquote und Absicherung

Ein höheres Eigenkapital spielt eine noch größere Rolle, wenn das Einkommen aus dem Ausland stammt. Während bei inländischen Kreditnehmern oft Finanzierungen mit 10-20% Eigenkapitalanteil möglich sind, verlangen Banken bei ausländischem Einkommen nicht selten 30-40% oder sogar mehr des Kaufpreises als Eigenkapital. Dies reduziert das Risiko für die Bank erheblich und erhöht Ihre Chancen auf eine Finanzierungszusage. Das Eigenkapital sollte zudem möglichst bereits auf einem deutschen Bankkonto vorhanden sein, um die Geldwäscheprüfung zu vereinfachen.

Zusätzlich zum Eigenkapital, das den Kaufpreis mindert, müssen Sie auch die Nebenkosten des Immobilienkaufs aus eigener Tasche bezahlen. Diese belaufen sich in Deutschland auf etwa 9-13% des Kaufpreises und umfassen die Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5% bis 6,5%), Notar- und Gerichtskosten (ca. 1,5-2%) sowie gegebenenfalls Maklerprovision (typischerweise 3-7% zzgl. Mehrwertsteuer, kann aber regional variieren und zwischen Käufer und Verkäufer geteilt werden). Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro könnten die Nebenkosten beispielsweise schnell 40.000 bis 52.000 Euro betragen, die zusätzlich zum benötigten Eigenkapital für den Kaufpreis aufgebracht werden müssen.

  • Deutlich höhere Eigenkapitalquote (oft 30-40% des Kaufpreises) erforderlich.
  • Nebenkosten (ca. 9-13% des Kaufpreises) sind immer zusätzlich zum Eigenkapital zu leisten.
  • Eigenkapital sollte idealerweise auf einem deutschen Bankkonto verfügbar sein.
  • Beispiel Nebenkosten: Für eine 400.000-Euro-Immobilie fallen ca. 40.000-52.000 Euro Nebenkosten an.

Wechselkurs- und Zinsrisiken berücksichtigen

Ein wesentlicher Aspekt bei ausländischem Einkommen ist das Wechselkursrisiko. Sollte Ihre Heimwährung gegenüber dem Euro an Wert verlieren, erhöhen sich Ihre monatlichen Kreditraten in Ihrer Heimatwährung. Dieses Risiko muss von den Banken bewertet und in der Finanzierungsentscheidung berücksichtigt werden. Einige Banken bieten möglicherweise Absicherungsprodukte an, diese sind jedoch oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Eine andere Möglichkeit ist, einen Großteil des Kaufpreises durch Eigenkapital zu decken, um die Abhängigkeit vom monatlichen Einkommen zu reduzieren.

Auch das Zinsrisiko sollte nicht unterschätzt werden. In Deutschland sind langfristige Darlehenszinsbindungen von 10, 15 oder 20 Jahren üblich. Diese bieten Planungssicherheit bezüglich der monatlichen Belastung. Bei variablen Zinsen hingegen können sich die Raten im Laufe der Zeit ändern, was bei einem bereits bestehenden Wechselkursrisiko zusätzlich ins Gewicht fallen kann. Es ist ratsam, sich umfassend über die verschiedenen Zinsbindungsmodelle zu informieren und die langfristige finanzielle Tragfähigkeit zu prüfen.

  • Wechselkursrisiko: Wertverlust der Heimwährung erhöht Kreditraten in Heimatwährung.
  • Banken berücksichtigen dieses Risiko in der Finanzierungsentscheidung.
  • Zinsbindungsfristen bieten Planungssicherheit bei langfristigen Darlehen.
  • Variable Zinsen erhöhen das Risiko zusätzlich bei Wechselkursschwankungen.

Suche nach der passenden Bank und Beratung

Nicht jede Bank in Deutschland ist bereit, Finanzierungen mit ausländischem Einkommen zu vergeben. Großbanken, die international tätig sind, haben hier oft mehr Erfahrung und etabliertere Prozesse. Kleinere Regionalbanken oder Sparkassen könnten diesbezüglich zurückhaltender sein, obwohl auch hier Ausnahmen existieren. Es ist ratsam, sich nicht auf die erstbeste Bank zu verlassen, sondern Angebote von mehreren Instituten einzuholen und zu vergleichen.

Die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Finanzberater oder Kreditvermittler, der auf internationale Finanzierungen spezialisiert ist, kann von großem Vorteil sein. Solche Experten kennen die Anforderungen verschiedener Banken und können Ihnen helfen, die benötigten Dokumente zusammenzustellen und den Prozess zu navigieren. Sie können auch wertvolle Hinweise geben, welche Banken in Ihrer spezifischen Situation am ehesten eine Finanzierung gewähren würden. Die Kosten für eine solche Beratung sind in der Regel eine gute Investition angesichts der Komplexität des Themas.

  • Großbanken sind oft erste Ansprechpartner für internationale Finanzierungen.
  • Angebote von mehreren Banken einholen und vergleichen.
  • Unabhängige Finanzberater oder Kreditvermittler können wichtige Unterstützung leisten.
  • Spezialisierte Berater kennen die Anforderungen und helfen bei der Dokumentenbeschaffung.

Der Kaufprozess und rechtliche Aspekte

Der Kaufprozess einer Immobilie in Deutschland ist streng reguliert und erfordert die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags. Ohne einen Notar ist ein Immobilienkauf nicht gültig. Der Notar ist eine unparteiische Instanz und belehrt alle Parteien über die rechtliche Tragweite des Vertrags. Er kümmert sich auch um die Eintragung der Eigentumsrechte im Grundbuch. Für ausländische Käufer, die die deutsche Sprache nicht oder nicht fließend beherrschen, ist es essenziell, dass der Notar oder ein anwesender Dolmetscher den Vertrag vollständig übersetzt und verständlich erläutert.

Es ist weiterhin von großer Bedeutung, sich vorab über etwaige steuerliche Konsequenzen in Deutschland und im Heimatland zu informieren. Dazu gehören die Grunderwerbsteuer beim Kauf, aber auch potenzielle Einkommenssteuer auf Mieteinnahmen oder Spekulationsgewinne bei einem späteren Verkauf. Ein Steuerberater mit internationaler Expertise kann hier wertvolle Auskünfte geben und Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Ihrem Heimatland berücksichtigen.

  • Notarielle Beurkundung des Kaufvertrags ist zwingend erforderlich (Grundbuch, rechtliche Beratung).
  • Sicherstellung der Vertragsübersetzung und Verständlichkeit für Nicht-Deutschsprachige.
  • Steuerliche Konsequenzen im In- und Ausland prüfen (Grunderwerbsteuer, Einkommenssteuer, Spekulationssteuer).
  • Hinzuziehung eines international erfahrenen Steuerberaters wird empfohlen.

Fazit

Der Immobilienkauf in Deutschland mit ausländischem Einkommen ist ein komplexes Unterfangen, das eine sorgfältige Planung und Vorbereitung erfordert. Trotz der Herausforderungen, insbesondere bei der Finanzierung und der Bonitätsprüfung, ist dieses Vorhaben mit den richtigen Schritten und professioneller Unterstützung durchaus realisierbar. Eine hohe Eigenkapitalquote, stabile Einkommensnachweise, die Bereitschaft zur umfassenden Dokumentation und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Banken und Beratern sind Schlüsselfaktoren für einen erfolgreichen Immobilienkauf. Durch die Beachtung dieser Punkte können Interessenten aus dem Ausland ihren Traum von der eigenen Immobilie in Deutschland verwirklichen.

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