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Immobilien mit wenig Startkapital kaufen

Der Traum vom Eigenheim oder einer Investmentimmobilie muss nicht an fehlendem Startkapital scheitern. Erfahren Sie, wie der Erwerb einer Immobilie auch mit begrenzten Eigenmitteln gelingt.

7 min Lesezeit
Immobilien mit wenig Startkapital kaufen

Der Immobilienmarkt erscheint vielen Menschen oft als undurchdringlich und nur für jene zugänglich, die über ein hohes Eigenkapital verfügen. Doch die Realität bietet auch für Käufer mit begrenzten finanziellen Mitteln Wege, den Traum von der eigenen Immobilie zu verwirklichen oder in ein vielversprechendes Immobilieninvestment einzusteigen. Dies erfordert jedoch eine besonders sorgfältige Planung, Kreativität bei der Finanzierung und eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Unser Ratgeber beleuchtet verschiedene Strategien und Optionen, wie der Immobilienkauf auch mit wenig Startkapital gelingen kann, und worauf dabei besonders zu achten ist.

Die Bedeutung des Eigenkapitals – eine realistische Einschätzung

Traditionell wird beim Immobilienkauf empfohlen, mindestens 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital aufzubringen. Dies dient nicht nur als Sicherheit für die Bank, sondern deckt in der Regel auch die Kaufnebenkosten ab. Zu den Kaufnebenkosten zählen die Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten sowie gegebenenfalls die Maklerprovision. Diese Kosten fallen sofort und in voller Höhe an und können zusammen schnell 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises erreichen. Wer wenig Eigenkapital besitzt, muss bedenken, dass ein größerer Teil des Kaufpreises und eventuell auch der Nebenkosten fremdfinanziert werden muss.

Ein geringer Eigenkapitaleinsatz führt in der Regel zu einem höheren Darlehensbetrag. Dies wiederum hat zur Folge, dass die monatlichen Raten steigen und die Bank möglicherweise einen Zinsaufschlag verlangt, da das Risiko für sie höher eingeschätzt wird. Es ist daher entscheidend, die eigenen finanziellen Grenzen genau zu kennen und eine Finanzierung zu wählen, die auch langfristig tragbar ist. Eine konservative Budgetplanung ist hierbei unerlässlich, um finanzielle Engpässe zu vermeiden.

  • Eigenkapital reduziert den Kreditbedarf und die monatlichen Raten.
  • Banken sehen ein höheres Eigenkapital als Zeichen für finanzielle Stabilität.
  • Die Kaufnebenkosten müssen in der Regel immer aus Eigenmitteln beglichen werden.
  • Geringes Eigenkapital kann zu höheren Zinssätzen führen.
  • Eine realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Situation ist grundlegend.

Kaufnebenkosten – der größte Stolperstein bei wenig Eigenkapital

Die Kaufnebenkosten sind ein Posten, der oft unterschätzt wird. Sie fallen zusätzlich zum reinen Kaufpreis der Immobilie an und müssen meist sofort und vollständig aus eigenen Mitteln beglichen werden. Eine Finanzierung dieser Kosten allein durch die Bank ist in der Regel schwierig und nur in Ausnahmefällen möglich, da diese Ausgaben keine direkten Werte im Sinne der Beleihung darstellen. Die genaue Höhe der Kaufnebenkosten variiert je nach Bundesland und ob ein Makler involviert ist. Es ist wichtig, diese Kosten vorab exakt zu kalkulieren.

Als Faustregel gilt, dass man für die Kaufnebenkosten etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises einplanen sollte. Ein Großteil davon entfällt auf die Grunderwerbsteuer, deren Satz je nach Bundesland zwischen 3,5 Prozent und 6,5 Prozent des Kaufpreises liegt. Notar- und Gerichtskosten belaufen sich zusammen auf etwa 1,5 bis 2 Prozent. Kommt ein Makler zum Einsatz, kann dessen Provision bis zu 3,57 Prozent (inkl. Mehrwertsteuer) betragen, wobei die Höhe zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird oder eine der Parteien diese teilweise oder ganz übernimmt.

  • Grunderwerbsteuer (3,5% - 6,5% des Kaufpreises je nach Bundesland)
  • Notar- und Gerichtskosten (ca. 1,5% - 2% des Kaufpreises)
  • Maklerprovision (bis zu 3,57% für den Käufer, optional)
  • Diese Kosten müssen meist komplett aus Eigenmitteln bestritten werden.
  • Eine genaue Kalkulation ist vor dem Kauf unerlässlich.

Strategien zur Reduzierung des Eigenkapitalbedarfs

Um den Traum von der Immobilie trotz geringem Eigenkapital zu realisieren, gibt es verschiedene Strategien, die den Start erleichtern können. Ein Ansatz ist die Suche nach Immobilien, die unter dem Marktwert liegen oder durch Eigenleistung im Wert gesteigert werden können. Auch eine clevere Finanzierungsstruktur kann den Bedarf an Barvermögen reduzieren.

Eine weitere Option ist das sogenannte 'Muskelhypothek'-Modell. Hierbei werden Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten in Eigenleistung erbracht. Banken können dies als eine Art Eigenkapitalersatz anerkennen, da die selbst erbrachten Leistungen den Wert der Immobilie steigern, ohne dass dafür Barmittel aufgewendet werden müssen. Dies erfordert jedoch handwerkliches Geschick und die Bereitschaft, viel Zeit und Mühe zu investieren. Eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten ist hierbei essenziell. Nicht zu vergessen ist auch die Möglichkeit, Förderprogramme von Bund und Ländern in Anspruch zu nehmen, die unter bestimmten Voraussetzungen zinsgünstige Darlehen oder Zuschüsse anbieten können, die das benötigte Eigenkapital senken.

  • Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial durch Eigenleistung ("Muskelhypothek").
  • Nutzung staatlicher Förderprogramme und zinsgünstiger Darlehen.
  • Suche nach Immobilien unter dem Marktwert (z.B. Zwangsversteigerungen, sanierungsbedürftige Objekte).
  • Verhandlung des Kaufpreises, um die Gesamtkosten zu senken.
  • Kreative Finanzierungsmodelle, wie z.B. ein Nachrangdarlehen von Familienangehörigen.

Finanzierungsmodelle für Käufer mit wenig Eigenkapital

Neben dem klassischen Annuitätendarlehen gibt es für Käufer mit geringem Eigenkapital spezielle Finanzierungsmodelle und Herangehensweisen, die den Erwerb ermöglichen können. Eine Möglichkeit ist die sogenannte 100-Prozent-Finanzierung, bei der der gesamte Kaufpreis der Immobilie von der Bank finanziert wird. Bei dieser Variante müssen Sie jedoch die Kaufnebenkosten aus eigener Tasche bezahlen. Die 100-Prozent-Finanzierung ist meist mit höherem Risiko für die Bank verbunden, weshalb häufig deutlich höhere Zinsen und strengere Bonitätsanforderungen gestellt werden.

Eine weitere Form ist die 110-Prozent-Finanzierung, bei der neben dem Kaufpreis auch die Nebenkosten vom Kreditgeber übernommen werden. Diese ist jedoch noch seltener und an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft, da die Bank ein noch höheres Risiko eingeht. Derartige Finanzierungen erfordern in der Regel ein sehr hohes und sicheres Einkommen, wenig andere Verbindlichkeiten und eine ausgezeichnete Bonität. Alternative Finanzierungsbausteine können Bausparverträge sein, die nach einer Ansparphase zinsgünstige Darlehen bieten, oder auch private Darlehen aus dem Familien- oder Freundeskreis als Eigenkapitalersatz oder zur Deckung der Nebenkosten.

  • 100-Prozent-Finanzierung: Finanzierung des Kaufpreises, Nebenkosten aus Eigenkapital.
  • 110-Prozent-Finanzierung: Finanzierung von Kaufpreis und Nebenkosten (sehr selten und anspruchsvoll).
  • Bausparvertrag: Zinsgünstige Darlehen nach Ansparphase.
  • Private Darlehen: Von Familie oder Freunden als Eigenkapitalersatz.
  • Kombination verschiedener Darlehensformen zur Risikostreuung.

Die Rolle der Bonität und Kreditwürdigkeit

Unabhängig vom Umfang des Eigenkapitals ist die Bonität des Kreditnehmers eines der wichtigsten Kriterien für jede Bank. Eine gute Bonität signalisiert der Bank, dass der Kreditnehmer finanziell verlässlich ist und die monatlichen Raten voraussichtlich pünktlich und vollständig bedienen kann. Sie umfasst verschiedene Aspekte, wie das regelmäßige Einkommen, den Arbeitsvertrag und die Schufa-Auskunft. Bei wenig Eigenkapital kommt der Bonität eine noch größere Bedeutung zu, da sie das erhöhte Ausfallrisiko für die Bank kompensieren muss.

Vor dem Gang zur Bank sollten Sie daher sicherstellen, dass Ihre Unterlagen vollständig und aktuell sind. Dazu gehören Einkommensnachweise der letzten Monate, der aktuelle Arbeitsvertrag, Nachweise über eventuelle weitere Einnahmen (Mieteinnahmen, Kapitalerträge) sowie eine detaillierte Aufstellung Ihrer Ausgaben. Auch eine saubere Schufa-Auskunft ist essenziell. Es empfiehlt sich, diese vorab selbst einzuholen, um mögliche Fehler korrigieren zu lassen. Je transparenter und umfassender Sie Ihre finanzielle Situation darlegen können, desto besser sind Ihre Chancen auf eine Finanzierungszusage, selbst mit geringem Eigenkapital.

  • Regelmäßiges und ausreichendes Einkommen.
  • Saubere Schufa-Auskunft ohne negative Einträge.
  • Stabiles Arbeitsverhältnis (unbefristet, Vollzeit).
  • Wenig bestehende Schulden oder Verbindlichkeiten.
  • Transparente und vollständige Offenlegung der finanziellen Verhältnisse.

Immobilien als Kapitalanlage mit wenig Eigenkapital

Der Kauf einer Immobilie als Kapitalanlage mit geringem Eigenkapital ist eine anspruchsvolle, aber nicht unmögliche Strategie. Hierbei steht nicht die Eigennutzung im Vordergrund, sondern die Erzielung von Mieteinnahmen und potenzieller Wertsteigerung. Der Vorteil: Die Mieteinnahmen können zur Tilgung des Darlehens beitragen und somit die monatliche Belastung für den Käufer reduzieren. Dies setzt jedoch eine sorgfältige Analyse des Objekts und des lokalen Mietmarktes voraus.

Wichtig ist hier, eine Immobilie in einer Lage zu wählen, die eine hohe Vermietbarkeit und stabile Mietpreise verspricht. Die Kalkulation muss nicht nur die Kaufnebenkosten und die monatliche Rate berücksichtigen, sondern auch Instandhaltungsrücklagen, mögliche Leerstände und Verwaltungskosten. Ein positives Cashflow-Modell, bei dem die Mieteinnahmen die monatlichen Ausgaben übersteigen, ist das Idealziel. Bei wenig Eigenkapital steigt hier die Bedeutung eines guten Mieters, einer soliden Objektlage und eines umfassenden Businessplans für die Bank, um das Investitionsvorhaben überzeugend darzulegen.

  • Fokus auf Objekte mit hoher Vermietbarkeit und stablien Mieteinnahmen.
  • Kalkulation eines positiven Cashflows aus Mieteinnahmen.
  • Berücksichtigung von Instandhaltungskosten, Leerstand und Verwaltung.
  • Detaillierte Analyse des lokalen Mietmarktes.
  • Überzeugender Businessplan für die Bank.

Fazit

Der Erwerb einer Immobilie mit wenig Startkapital ist eine Herausforderung, die jedoch mit der richtigen Strategie, umfassender Information und realistischer Planung gemeistert werden kann. Es erfordert eine genaue Kenntnis der eigenen finanziellen Situation, Kreativität bei der Finanzierung und die Bereitschaft, sich intensiv mit dem Immobilienmarkt und den verschiedenen Finanzierungsmodellen auseinanderzusetzen. Eine gute Bonität, das Ausschöpfen von Fördermöglichkeiten und gegebenenfalls die Bereitschaft zur Eigenleistung können entscheidende Faktoren sein. Es ist ratsam, professionelle Beratung durch Finanzexperten und Immobilienmakler in Anspruch zu nehmen, um eine maßgeschneiderte Lösung zu finden und finanzielle Risiken zu minimieren. Mit Geduld und einer fundierten Vorbereitung kann der Traum von der eigenen Immobilie auch mit begrenzten Eigenmitteln Wirklichkeit werden.

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