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Baufinanzierung ohne Eigenkapital: Chancen und Risiken

Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist eine Möglichkeit, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, birgt jedoch spezifische Chancen und Risiken, die sorgfältig abgewogen werden sollten.

6 min Lesezeit
Baufinanzierung ohne Eigenkapital: Chancen und Risiken

Für viele Menschen ist der Erwerb einer eigenen Immobilie ein großer Traum. Die größte Hürde dabei ist oft das benötigte Eigenkapital. Traditionell wird ein erheblicher Anteil des Kaufpreises sowie der Nebenkosten durch eigene Ersparnisse finanziert. Doch was, wenn diese Mittel nicht oder nur unzureichend vorhanden sind? Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital, auch als Vollfinanzierung oder 100-Prozent-Finanzierung, manchmal sogar 110-Prozent-Finanzierung bezeichnet, rückt in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten und Fallstricke einer solchen Finanzierungsform, damit Interessenten eine fundierte Entscheidung treffen können.

Was bedeutet "Baufinanzierung ohne Eigenkapital"?

Grundsätzlich versteht man unter einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital, dass der gesamte Kaufpreis der Immobilie durch ein Darlehen der Bank finanziert wird. Bei einer sogenannten 110-Prozent-Finanzierung werden zusätzlich auch die anfallenden Nebenkosten in die Finanzierung eingeschlossen. Diese Nebenkosten können erheblich sein und machen in Deutschland in der Regel zwischen 9 und 15 Prozent des Kaufpreises aus, abhängig vom Bundesland und der Art der Immobilie.

Zu den typischen Nebenkosten zählen die Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten für die Eigentumsumschreibung und die Eintragung der Grundschuld, sowie gegebenenfalls Maklerprovisionen.

  • Grunderwerbsteuer: Je nach Bundesland 3,5 % bis 6,5 % des Kaufpreises.
  • Notar- und Gerichtskosten: Üblicherweise 1,5 % bis 2,0 % des Kaufpreises.
  • Maklerprovision: Falls ein Makler beauftragt wurde, meist zwischen 3 % und 7 % zzgl. Mehrwertsteuer, je nach Region und Vereinbarung.

Zielgruppe und Voraussetzungen für eine Vollfinanzierung

Eine Finanzierung ohne Eigenkapital ist nicht für jeden Darlehensnehmer geeignet. Banken gehen hier ein höheres Risiko ein und stellen daher strengere Anforderungen. Die Zielgruppe sind in der Regel Personen mit einem hohen Einkommen, einem sicheren Arbeitsplatz und einer ausgezeichneten Bonität. Auch ein geringer Verschuldungsgrad und die Möglichkeit, hohe monatliche Raten zu tragen, sind entscheidende Faktoren.

Die Bank prüft sehr genau die finanzielle Situation und die Zukunftsfähigkeit des Antragstellers, um das erhöhte Ausfallrisiko zu kompensieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch sogenannte weiche Faktoren, wie die berufliche Entwicklungsperspektive oder die Branche, in der der Darlehensnehmer tätig ist. Eine Festanstellung in einem zukunftssicheren Bereich wird dabei oft bevorzugt.

  • Hohes, gesichertes Einkommen.
  • Einwandfreie SCHUFA-Auskunft und Bonität.
  • Stabiler Arbeitsplatz und geringes Berufsrisiko.
  • Fähigkeit, höhere Monatsraten zu bedienen.
  • Geringe oder keine bestehenden Schulden.

Chancen einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital

Der offensichtlichste Vorteil einer Vollfinanzierung ist, dass der Traum vom Eigenheim auch ohne angespartes Eigenkapital in greifbare Nähe rückt. Dies kann besonders attraktiv sein für jüngere Menschen, die noch keine großen Ersparnisse bilden konnten, aber bereits ein hohes Einkommen erzielen, oder für Personen, die ihr Kapital lieber in andere Anlagen investieren möchten.

Eine weitere Chance besteht darin, von aktuell niedrigen Bauzinsen zu profitieren und sich diese für die gesamte Laufzeit der Zinsbindung zu sichern. Das erspart das Warten auf angesparte Eigenmittel und die mögliche Erhöhung der Zinsen in der Zwischenzeit. Wer eine attraktive Immobilie gefunden hat und schnell handeln muss, profitiert ebenfalls.

  • Realisierung des Eigentumswunsches ohne Wartezeit.
  • Nutzung niedriger Zinsphasen ohne vorherige Ansparphase.
  • Kapital bleibt für andere Investitionen oder Notfälle verfügbar.
  • Möglichkeit, eine attraktive Immobilie nicht verpassen zu müssen.

Risiken und Nachteile der Vollfinanzierung

Die Nachteile und Risiken einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital sind jedoch beträchtlich und sollten nicht unterschätzt werden. Der erste und wichtigste Punkt sind die deutlich höheren Zinsen. Banken kalkulieren für das höhere Ausfallrisiko einen Zinsaufschlag. Dies kann die monatliche Belastung und die Gesamtkosten des Darlehens signifikant erhöhen.

Zudem ist die monatliche Rate höher, da der gesamte Betrag – oft inklusive der Nebenkosten – finanziert werden muss. Dies schränkt den finanziellen Spielraum des Darlehensnehmers ein und macht ihn anfälliger für unvorhergesehene Ausgaben oder Einkommenseinbußen. Ein weiterer Nachteil ist, dass bei einer 110-Prozent-Finanzierung die Immobilie im Anfangswert unter dem Darlehensbetrag liegt, da die Nebenkosten mitfinanziert wurden. Bei einem möglichen Verkauf in den ersten Jahren könnte dies zu einem Verlust führen, wenn der Verkaufspreis nicht ausreicht, um die Restschuld zu tilgen.

  • Deutlich höhere Zinsen aufgrund des erhöhten Risikos.
  • Geringerer finanzieller Spielraum durch hohe monatliche Raten.
  • Längere Tilgungsdauer und höhere Gesamtkosten des Darlehens.
  • Geringerer Puffer bei unvorhergesehenen Ausgaben oder Einkommensverlusten.
  • Erhöhtes Risiko eines Wertverlustes der Immobilie gegenüber der Restschuld in den ersten Jahren.

Beispielrechnung: Der Zinsaufschlag

Um die Auswirkungen des Zinsaufschlags zu verdeutlichen, betrachten wir ein Beispiel. Angenommen, eine Immobilie kostet 300.000 Euro. Die Nebenkosten betragen 10 %, also 30.000 Euro. Insgesamt müssen also 330.000 Euro finanziert werden.

Variante A (mit 20 % Eigenkapital): Bei 60.000 Euro Eigenkapital (20 % des Kaufpreises) und 30.000 Euro für Nebenkosten, müsste ein Darlehen von 270.000 Euro aufgenommen werden (300.000 Euro Kaufpreis + 30.000 Euro Nebenkosten - 60.000 Euro Eigenkapital). Angenommen, die Bank verlangt hierfür einen Sollzinssatz von 3,0 % pro Jahr bei einer anfänglichen Tilgung von 2,0 %.

Variante B (ohne Eigenkapital): Bei einer 110-Prozent-Finanzierung und einem Darlehen von 330.000 Euro (300.000 Euro Kaufpreis + 30.000 Euro Nebenkosten) könnte die Bank aufgrund des erhöhten Risikos einen Sollzinssatz von 3,5 % verlangen, ebenfalls bei 2,0 % anfänglicher Tilgung.

Die monatliche Rate in Variante A wäre (3,0 % Zins + 2,0 % Tilgung) * 270.000 Euro / 12 Monate = 5 % * 270.000 Euro / 12 = 1.125 Euro. In Variante B wäre die Rate (3,5 % Zins + 2,0 % Tilgung) * 330.000 Euro / 12 Monate = 5,5 % * 330.000 Euro / 12 = 1.512,50 Euro. Dieser Unterschied von fast 400 Euro pro Monat verdeutlicht die Mehrkosten erheblich und summiert sich über die Laufzeit zu einer hohen Zusatzbelastung.

Alternativen und ergänzende Finanzierungsmodelle

Wer kein Eigenkapital für eine Baufinanzierung aufbringen kann, sollte auch alternative Wege prüfen, bevor eine Vollfinanzierung in Betracht gezogen wird. Eine Möglichkeit ist die Einbeziehung staatlicher Förderprogramme, wie beispielsweise Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese Darlehen sind oft zinsgünstiger und können den gesamten Finanzierungsplan entlasten, auch wenn sie in der Regel nicht den gesamten Finanzierungsbedarf abdecken.

Eine weitere Option kann die Familie sein. Ein Darlehen von Verwandten, möglicherweise zu günstigeren Konditionen als von der Bank, kann die Eigenkapitallücke schließen. Solche privaten Darlehen sollten jedoch stets schriftlich festgehalten werden, um Missverständnisse zu vermeiden und rechtliche Sicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.

  • KfW-Förderprogramme für energieeffizientes Bauen oder Kaufen.
  • Private Darlehen von Familienangehörigen.
  • Bausparverträge als Option zur Ansparung von Eigenkapital (jedoch mit Ansparphase verbunden).
  • Prüfung von Immobilien mit geringeren Nebenkosten (z.B. direkte Käufe ohne Makler).

Wichtige Überlegungen vor der Entscheidung

Bevor man sich für eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital entscheidet, sind einige grundlegende Fragen zu klären. Welche monatliche Belastung kann der Haushalt tatsächlich stemmen, auch wenn unvorhergesehene Ausgaben auftreten? Ist ein Notgroschen vorhanden, um Reparaturen oder Einkommensausfälle abzufedern? Eine Vollfinanzierung reduziert hier den finanziellen Puffer erheblich.

Es ist zudem ratsam, verschiedene Angebote von Banken einzuholen und diese sorgfältig zu vergleichen. Ein unabhängiger Finanzierungsberater kann hier wertvolle Unterstützung leisten und die individuellen Gegebenheiten umfassend analysieren. Auch die langfristige berufliche und private Planung sollte in die Entscheidung einfließen, da eine Vollfinanzierung eine Bindung über viele Jahre darstellt.

  • Realistische Einschätzung der persönlichen finanziellen Belastbarkeit.
  • Vorhandensein eines Notgroschens für unvorhergesehene Ereignisse.
  • Detaillierter Vergleich mehrerer Finanzierungsangebote.
  • Langfristige Planung der Lebensumstände (Familie, Karriere).
  • Das Bewusstsein für die längere Schuldentilgungsdauer.

Fazit

Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital kann den Weg zum Eigenheim ebnen, wenn keine ausreichenden Ersparnisse vorhanden sind. Sie ist jedoch mit erheblichen Risiken und höheren Kosten verbunden, die nur von Darlehensnehmern mit überdurchschnittlicher Bonität und einem stabilen, hohen Einkommen getragen werden können. Eine detaillierte Analyse der persönlichen finanziellen Situation, eine unabhängige Beratung und ein Vergleich verschiedener Angebote sind unerlässlich, um eine fundierte und nachhaltige Entscheidung zu treffen. Nur so lässt sich der Traum vom Eigenheim auch ohne Eigenkapital langfristig sicher verwirklichen.

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