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Erdwärmepumpe vs. Luft-Wasser-Wärmepumpe: Vor- und Nachteile im Vergleich

Wir vergleichen Erdwärmepumpen und Luft-Wasser-Wärmepumpen und beleuchten deren Vor- und Nachteile. Informieren Sie sich über Effizienz, Kosten und Installation der Systeme.

6 min Lesezeit
Erdwärmepumpe vs. Luft-Wasser-Wärmepumpe: Vor- und Nachteile im Vergleich

Die Entscheidung für ein Heizsystem ist wegweisend für die Energieeffizienz und die Betriebskosten einer Immobilie. In Zeiten steigender Energiekosten und zunehmenden Umweltbewusstseins rücken Wärmepumpen immer stärker in den Fokus. Sie nutzen thermische Energie aus der Umgebung, um Wärme für Heizung und Warmwasser zu erzeugen. Besonders populär sind Erdwärmepumpen und Luft-Wasser-Wärmepumpen, die sich in ihrer Funktionsweise, Effizienz und den Installationsanforderungen grundlegend unterscheiden. Dieser Ratgeber beleuchtet die jeweiligen Vor- und Nachteile beider Systeme, um Immobilieneigentümern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Funktionsweise von Erdwärmepumpen (Geothermie)

Erdwärmepumpen, auch als Sole-Wasser-Wärmepumpen bekannt, beziehen ihre Energie aus dem Erdreich. Dort herrschen in bestimmten Tiefen ganzjährig relativ konstante Temperaturen. Diese thermische Energie wird mithilfe eines Solekreislaufs — einer Flüssigkeit, die Frostschutzmittel enthält — über Erdkollektoren oder Erdonden aufgenommen und zur Wärmepumpe transportiert. Die Wärmepumpe entzieht der Sole die Wärme und gibt sie an den Heizkreislauf ab. Das abgekühlte Sole-Gemisch fließt zurück ins Erdreich, wo es sich erneut erwärmt. Dieser kontinuierliche Kreislauf macht die Erdwärmenutzung besonders effizient und witterungsunabhängig.

Für die Wärmeentnahme aus dem Erdreich gibt es hauptsächlich zwei Methoden: Erdkollektoren und Erdonden. Erdkollektoren werden horizontal in einer Tiefe von etwa 1,2 bis 1,5 Metern verlegt und benötigen eine vergleichsweise große Fläche im Garten. Erdonden hingegen werden vertikal in Bohrlöcher bis zu 100 Meter oder tiefer eingebracht und benötigen deutlich weniger Platz an der Oberfläche.

  • Nutzung konstanter Bodentemperaturen
  • Hohe Effizienz das ganze Jahr über
  • Zwei Hauptmethoden: Erdkollektoren und Erdonden
  • Witterungsunabhängiger Betrieb

Funktionsweise von Luft-Wasser-Wärmepumpen

Luft-Wasser-Wärmepumpen sind die am häufigsten installierten Wärmepumpen, da sie vergleichsweise einfach zu installieren sind und keine Erdarbeiten erfordern. Sie entziehen die benötigte Wärmeenergie der Umgebungsluft. Ein Ventilator saugt die Außenluft an und leitet sie über einen Verdampfer. Dort wird die Wärmeenergie an ein Kältemittel abgegeben, welches verdampft. Dieser Dampf wird anschließend in einem Kompressor verdichtet, wodurch seine Temperatur stark ansteigt. Die so gewonnene Wärme wird über einen Wärmetauscher an das Heizsystem des Gebäudes abgegeben. Nach der Wärmeabgabe wird das Kältemittel entspannt und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Ein wesentlicher Unterschied zur Erdwärmepumpe ist die Abhängigkeit von der Außentemperatur. Je kälter die Umgebungsluft, desto mehr elektrische Energie benötigt die Luft-Wasser-Wärmepumpe, um die gleiche Heizleistung zu erbringen. Moderne Geräte sind jedoch auch bei niedrigen Außentemperaturen sehr effizient und können gegebenenfalls durch einen elektrischen Heizstab unterstützt werden.

  • Nutzt Wärme aus der Umgebungsluft
  • Ventilator saugt Außenluft an
  • Effizienz abhängig von der Außentemperatur
  • Einfache Installation ohne Erdarbeiten

Effizienz im Vergleich: Jahresarbeitszahl (JAZ)

Die Effizienz einer Wärmepumpe wird maßgeblich durch die Jahresarbeitszahl (JAZ) ausgedrückt. Die JAZ gibt an, wie viele Einheiten an Wärmeenergie die Wärmepumpe pro Einheit aufgewandter elektrischer Energie erzeugt. Eine JAZ von 4 bedeutet beispielsweise, dass aus einer Kilowattstunde (kWh) Strom vier kWh Heizenergie gewonnen werden. Je höher die JAZ, desto effizienter und kostengünstiger ist der Betrieb der Wärmepumpe.

Erdwärmepumpen profitieren von den konstanten Bodentemperaturen und erreichen in der Regel höhere Jahresarbeitszahlen, oft im Bereich von 4,0 bis 5,0 und darüber. Luft-Wasser-Wärmepumpen haben systembedingt eine geringere JAZ, die je nach Klima und Gerätetyp meist zwischen 3,0 und 4,0 liegt. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen kann die JAZ sinken. Diese Unterschiede in der Effizienz wirken sich direkt auf die jährlichen Betriebskosten aus.

  • JAZ = Wärmeenergie / aufgewandte Stromenergie
  • Erdwärmepumpen: JAZ oft 4,0 bis 5,0+
  • Luft-Wasser-Wärmepumpen: JAZ meist 3,0 bis 4,0
  • Höhere JAZ bedeutet niedrigere Betriebskosten

Installationsaufwand und Kosten

Die Initialkosten und der Installationsaufwand sind ein entscheidendes Kriterium bei der Systemwahl. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind in der Anschaffung und Installation meist günstiger. Sie benötigen keinen großen Eingriff ins Erdreich. Die Kosten für das Gerät selbst liegen je nach Leistung und Hersteller in einem bestimmten Bereich, hinzu kommen die Installationskosten, die sich typischerweise im mittleren vierstelligen Bereich bewegen. Die Installation ist vergleichsweise schnell abgeschlossen.

Erdwärmepumpen erfordern aufgrund der notwendigen Erschließung des Erdreichs höhere Investitionen. Für Erdkollektoren muss eine große Fläche ausgehoben werden. Bei Erdonden sind aufwendige Bohrungen notwendig, die sowohl Genehmigungen von der Unteren Wasserbehörde erfordern als auch spezialisierte Bohrunternehmen. Diese Kosten für die Erdarbeiten und Bohrungen können die Gesamtkosten deutlich in die Höhe treiben. Dennoch können die langfristig niedrigeren Betriebskosten die höhere Anfangsinvestition über die Lebensdauer des Systems amortisieren.

  • Luft-Wasser-Systeme: Geringere Anschaffungs- und Installationskosten
  • Erdwärmepumpen: Höhere Investitionen durch Erdarbeiten/Bohrungen
  • Bohrungen benötigen Genehmigung
  • Langfristige Amortisation durch niedrigere Betriebskosten bei Erdwärme

Platzbedarf und Ästhetik

Der Platzbedarf ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Luft-Wasser-Wärmepumpen bestehen aus einer Außeneinheit, die im Garten oder an der Hauswand aufgestellt wird, und einer Inneneinheit, die meist im Technikraum Platz findet. Die Außeneinheit kann je nach Größe und Modell mehr oder weniger auffällig sein und erzeugt Betriebsgeräusche, die bei der Standortwahl berücksichtigt werden müssen, um Nachbarn nicht zu stören.

Erdwärmepumpen haben den Vorteil, dass die Wärmequelle unsichtbar im Erdreich liegt. Bei Erdkollektoren darf die über der Kollektorfläche liegende Gartenfläche nicht überbaut oder tief verwurzelt bepflanzt werden. Bei Erdonden ist der Platzbedarf an der Oberfläche minimal, da nur die Bohrpunkte zugänglich sein müssen. Die Inneneinheit ist vergleichbar mit der einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Der Betrieb ist zudem sehr leise, da keine Außeneinheit mit Lüftergeräuschen vorhanden ist.

  • Luft-Wasser: Außeneinheit sichtbar, Lärmemissionen möglich
  • Erdwärme: Wärmequelle unsichtbar im Erdreich
  • Erdkollektoren: Großer Flächenbedarf im Garten
  • Erdonden: Minimaler Platzbedarf an der Oberfläche, leiser Betrieb

Wartung und Lebensdauer

Die Wartung beider Systeme ist vergleichsweise gering. Regelmäßige Kontrollen durch einen Fachbetrieb sind jedoch empfehlenswert, um die optimale Funktion und Effizienz zu gewährleisten. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen sollte auch die Außeneinheit regelmäßig auf Verschmutzungen oder Laub überprüft werden, um den Luftstrom nicht zu behindern.

Die Lebensdauer von Wärmepumpen ist im Allgemeinen hoch. Bei ordnungsgemäßer Installation und Wartung können beide Systeme 15 bis 25 Jahre oder länger betrieben werden. Komponenten wie Kompressoren oder Ventilatoren können bei Bedarf ausgetauscht werden. Erdsonden-Systeme gelten aufgrund der konstanten Bedingungen im Erdreich oft als besonders langlebig.

  • Regelmäßige Fachwartung empfohlen
  • Wartung bei Luft-Wasser-WP auch der Außeneinheit
  • Lebensdauer von 15 bis 25+ Jahren
  • Erdonden-Systeme gelten als besonders langlebig

Umweltaspekte und Förderung

Wärmepumpen sind grundsätzlich umweltfreundliche Heizsysteme, da sie einen Großteil ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Der Stromverbrauch ist zwar vorhanden, stammen die benötigten Kilowattstunden jedoch aus Grünstrom oder einer Photovoltaikanlage, ist der Betrieb nahezu emissionsfrei. Erdwärmepumpen gelten durch ihre konstant hohe Effizienz als besonders klimafreundlich.

Die Installation von Wärmepumpen wird in Deutschland staatlich gefördert. Die Förderprogramme können sich je nach Bundesland und den spezifischen Anforderungen ändern. Es lohnt sich, aktuelle Informationen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einzuholen. Die Förderungen können einen signifikanten Teil der Investitionskosten abdecken und die Wirtschaftlichkeit der Systeme erheblich verbessern.

  • Nutzen erneuerbare Energien
  • Nahezu emissionsfrei bei Grünstrom-Nutzung
  • Staatliche Förderungen verfügbar
  • Informationen bei KfW und BAFA einholen

Fazit

Sowohl Erdwärmepumpen als auch Luft-Wasser-Wärmepumpen bieten überzeugende Vorteile gegenüber konventionellen Heizsystemen. Die Wahl des passenden Systems hängt stark von den individuellen Gegebenheiten der Immobilie, dem Budget und den Prioritäten des Eigentümers ab. Erdwärmepumpen punkten mit sehr hoher Effizienz und geringen Betriebskosten, erfordern aber höhere Initialinvestitionen und aufwendige Erdarbeiten. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind günstiger in der Anschaffung und einfacher zu installieren, ihre Effizienz ist jedoch stärker von der Außentemperatur abhängig. Eine detaillierte Beratung durch einen Energieexperten und ein Heizungsfachbetrieb ist unerlässlich, um die optimale Lösung für Ihr Zuhause zu finden. Berücksichtigen Sie dabei auch immer die aktuellen Förderprogramme, um das Potenzial für eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Heizlösung voll auszuschöpfen.

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