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Checkliste für die Grundstücksbesichtigung

Eine sorgfältige Grundstücksbesichtigung ist entscheidend, um die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Unsere Checkliste hilft Ihnen, alle wichtigen Aspekte im Blick zu behalten.

6 min Lesezeit
Checkliste für die Grundstücksbesichtigung

Der Kauf eines Grundstücks ist eine weitreichende Entscheidung, die oft den Grundstein für das zukünftige Zuhause oder ein Investitionsprojekt legt. Bevor Sie sich jedoch auf ein bestimmtes Grundstück festlegen, ist eine gründliche Besichtigung unverzichtbar. Sie dient nicht nur dazu, den ersten Eindruck zu gewinnen, sondern auch, um potenzielle Risiken und verborgene Mängel zu identifizieren. Eine strukturierte Herangehensweise mit einer umfassenden Checkliste bewahrt Sie vor unliebsamen Überraschungen und stellt sicher, dass Sie alle relevanten Punkte berücksichtigen. Dieser Ratgeber führt Sie detailliert durch die verschiedenen Aspekte einer erfolgreichen Grundstücksbesichtigung, damit Sie eine fundierte und sichere Entscheidung treffen können.

Vorbereitung ist alles: Was Sie vor der Besichtigung klären sollten

Eine gründliche Vorbereitung ist der Schlüssel zu einer effektiven Grundstücksbesichtigung. Bevor Sie das Grundstück überhaupt betreten, sollten Sie grundlegende Informationen einholen und erste Recherchen anstellen. Dies spart nicht nur Zeit vor Ort, sondern ermöglicht es Ihnen auch, gezielte Fragen zu stellen und bestimmte Aspekte genauer zu prüfen. Sammeln Sie alle verfügbaren Unterlagen und machen Sie sich mit der Umgebung vertraut.

  • Grundbuchauszug: Er gibt Aufschluss über Eigentumsverhältnisse, Belastungen (z.B. Hypotheken, Wegerechte) und eventuelle Lasten und Beschränkungen des Grundstücks.
  • Bebauungsplan: Er definiert die zulässige Art und Weise der Bebauung (z.B. Geschossflächenzahl, GRZ, GFZ, Dachform, Bauweise).
  • Flurkarte/Lageplan: Zeigt die genaue Lage, Größe und Form des Grundstücks sowie angrenzende Wege und Nachbargrundstücke an.
  • Erschließungsbescheid: Informiert über den Status der Erschließung (Wasser, Abwasser, Strom, Gas, Telefon/Internet, Straßenanbindung) und eventuell noch zu zahlende Beiträge.
  • Bodengutachten: Falls vorhanden, gibt es Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und mögliche Altlasten. Dies ist besonders wichtig für die spätere Bebauung.

Lage und Infrastruktur: Mehr als nur der erste Eindruck

Die Lage eines Grundstücks ist oft das wichtigste Kriterium und beeinflusst maßgeblich dessen Wert und die Lebensqualität. Nehmen Sie sich Zeit, die Umgebung nicht nur an einem sonnigen Nachmittag, sondern zu verschiedenen Tageszeiten und an verschiedenen Wochentagen zu erkunden. Der Lärmpegel kann beispielsweise an einem Werktag ganz anders sein als am Wochenende. Die Infrastruktur bewirkt zudem die Alltagstauglichkeit des Standorts.

  • Verkehrsanbindung: Wie gut ist das Grundstück an Straßen, Autobahnen und den öffentlichen Nahverkehr angebunden? Gibt es Lärmbelästigung durch Verkehr?
  • Einkaufsmöglichkeiten: Sind Supermärkte, Ärzte, Apotheken und andere wichtige Geschäfte gut erreichbar?
  • Bildungs- und Freizeiteinrichtungen: Gibt es Schulen, Kindergärten, Parks oder Sportmöglichkeiten in der Nähe?
  • Nachbarschaft: Machen Sie sich ein Bild von der umliegenden Bebauung und der sozialen Struktur der Nachbarschaft.
  • Sonneneinstrahlung und Himmelsausrichtung: Berücksichtigen Sie, wie die Sonne im Laufe des Tages auf das Grundstück fällt, um die spätere Ausrichtung Ihres Hauses optimal planen zu können.

Grundstücksbeschaffenheit: Was der Boden verrät

Die Beschaffenheit des Bodens ist ein kritischer Faktor, der erhebliche Auswirkungen auf die Baukosten und die Stabilität des späteren Gebäudes haben kann. Ein Bodengutachten, auch Baugrundgutachten genannt, ist hierbei Gold wert, da es detaillierte Informationen über die Tragfähigkeit und Zusammensetzung des Untergrunds liefert. Fehlt ein solches, sollten Sie zumindest erste eigene Beobachtungen machen und dies bei der späteren Planung berücksichtigen.

  • Topografie: Ist das Grundstück eben oder hat es ein Gefälle? Hanglagen können höhere Erschließungs- und Fundamentkosten verursachen.
  • Bodenart: Ist der Boden lehmig, sandig, steinig? Lehmiger Boden kann beispielsweise排水問題を aufwerfen, während felsiger Untergrund höhere Kosten für Ausschachtungen bedeutet.
  • Feuchtigkeit: Gibt es Anzeichen für Staunässe oder hohe Grundwasserstände? Feuchte Bereiche können aufwendigere Kellerabdichtungen nötig machen.
  • Vegetation: Welche Art von Pflanzen wächst auf dem Grundstück? Ein dichter Baumbestand könnte zum Beispiel Rodungsarbeiten oder Probleme mit Baumschutzsatzungen mit sich bringen.
  • Altlasten/Kontaminationen: Auch wenn die Anzeichen für einen Laien schwer zu erkennen sind, achten Sie auf ungewöhnliche Gerüche, Verfärbungen des Bodens oder sichtbare Ablagerungen. Dies kann ein Hinweis auf frühere Nutzungen (z.B. Industriegebiet) und potenzielle Altlasten sein und ein spezielles Bodengutachten erfordern.

Erschließung und Versorgung: Die Lebensadern des Grundstücks

Ein Grundstück gilt als erschlossen, wenn es an die öffentliche Versorgungs- und Entsorgungsinfrastruktur angeschlossen ist oder die Möglichkeit dazu besteht. Dazu gehören in erster Linie Wasser, Abwasser, Strom, Gas und die Anbindung an öffentliche Straßen. Ein nicht erschlossenes Grundstück ist in der Regel günstiger im Kauf, verursacht aber erhebliche zusätzliche Kosten für die Erschließung, die leicht mehrere Zehntausende Euro betragen können. Es ist essentiell, den Erschließungszustand genau zu prüfen und sich über eventuell noch anfallende Kosten zu informieren.

  • Wasser- und Abwasseranschluss: Sind diese bereits vorhanden und bis zur Grundstücksgrenze geführt? Gibt es Anschlusszwang oder wäre eine Kleinkläranlage nötig?
  • Stromversorgung: Ist ein Stromanschluss verfügbar? Wo genau befindet sich der nächste Anschlusspunkt für die Baustromversorgung und später den Hausanschluss?
  • Gasanschluss: Besteht die Möglichkeit eines Gasanschlusses oder müssen Sie auf andere Heizsysteme (Öl, Wärmepumpe) ausweichen?
  • Telefon/Internet: Ist eine Breitbandversorgung (Glasfaser, DSL) möglich und in welcher Qualität?
  • Straßenanbindung: Ist das Grundstück über eine öffentliche Straße erreichbar? Sind die Zugangswege befestigt oder handelt es sich um Privatwege mit Wegerechten?

Baurecht und Bebauungsmöglichkeiten: Der Rahmen für Ihr Projekt

Das Baurecht bestimmt, was und wie viel auf einem Grundstück gebaut werden darf. Es ist einer der wichtigsten Faktoren für die Umsetzbarkeit Ihrer Baupläne. Die Informationen dazu finden sich im Bebauungsplan der Gemeinde. Falls es keinen Bebauungsplan für das Gebiet gibt, richtet sich die Bebauung nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB), was bedeutet, dass sich die Bebauung in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen muss. Eine Bauvoranfrage kann hier Klarheit schaffen.

  • Bebauungsplan: Prüfen Sie die Festsetzungen bezüglich der Art der baulichen Nutzung (z.B. reines Wohngebiet), dem Maß der baulichen Nutzung (Grundflächenzahl, Geschossflächenzahl), der Bauweise (offen, geschlossen) und der Dachform.
  • Abstandsflächen: Achten Sie auf die vorgeschriebenen Abstände zu Nachbargrundstücken, die je nach Bundesland und Gemeindesatzung variieren können.
  • Denkmalschutz: Steht das Grundstück oder Teile davon unter Denkmalschutz? Dies kann erhebliche Einschränkungen und höhere Kosten zur Folge haben.
  • Baulasten und Dienstbarkeiten: Aus dem Baulastenverzeichnis (bei der Bauaufsichtsbehörde) oder dem Grundbuchauszug (Grunddienstbarkeiten) können sich weitere Verpflichtungen oder Einschränkungen ergeben (z.B. Wegerechte für Nachbarn, Leitungsrechte).
  • Einschränkungen durch Natur- oder Landschaftsschutz: Liegt das Grundstück in einem Schutzgebiet? Dies kann die Bebauung stark limitieren oder bestimmte Bauvorhaben ausschließen.

Kosten und Nebenkosten: Die finanzielle Gesamtbetrachtung

Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gesamtkosten eines Grundstückserwerbs. Zahlreiche Nebenkosten und Folgekosten, die oft unterschätzt werden, können das Budget erheblich belasten. Eine realistische Aufstellung aller anfallenden Kosten ist unerlässlich. Denken Sie daran, dass die Erwerbsnebenkosten in Deutschland in Summe oft 10–15% des reinen Kaufpreises ausmachen können, je nach Bundesland und Region.

  • Grunderwerbsteuer: Diese variiert je nach Bundesland und liegt meistens zwischen 3,5% und 6,5% des Kaufpreises.
  • Notar- und Gerichtskosten: Für die Beurkundung des Kaufvertrags und die Eintragung ins Grundbuch fallenGebühren an, die in der Regel um die 1,5% des Kaufpreises betragen.
  • Maklerprovision: Wenn ein Makler involviert ist, kann eine Provision fällig werden, die sich nach regionalen Gepflogenheiten und gesetzlichen Regelungen richtet (oft 3,57% inkl. MwSt. für Käufer und Verkäufer zusammen bei Wohnimmobilien).
  • Erschließungskosten: Klären Sie, ob das Grundstück bereits vollständig erschlossen ist oder ob noch Beiträge für Straßen, Wasser, Abwasser etc. anfallen.
  • Bodengutachten: Falls noch nicht vorhanden und für Ihre Planung notwendig, müssen Sie die Kosten für ein solches Gutachten einkalkulieren.
  • Mögliche Abrisskosten: Sollte eine Altbebauung auf dem Grundstück stehen, müssen Sie die Kosten für den Abriss und die Entsorgung in Ihr Budget einplanen.

Fazit

Die Besichtigung eines Grundstücks ist ein vielschichtiger Prozess, der weit über einen oberflächlichen Eindruck hinausgeht. Mit einer systematischen Checkliste und gründlicher Recherche können Sie zahlreiche Risiken minimieren und eine fundierte Kaufentscheidung treffen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, stellen Sie viele Fragen und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten fachkundigen Rat einzuholen – sei es von einem Bausachverständigen, einem Architekten oder einem erfahrenen Makler. Eine sorgfältige Prüfung im Vorfeld zahlt sich langfristig aus und bewahrt Sie vor kostspieligen Fehlentscheidungen auf dem Weg zu Ihrem Bauvorhaben.

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