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Disagio bei Immobilienkrediten: So funktioniert es in der Praxis

Was ein Disagio bei Immobilienkrediten ist, wie es die Finanzierung beeinflusst und wann es sich steuerlich lohnt, erklärt dieser Ratgeber Schritt für Schritt und praxisnah.

5 min Lesezeit
Disagio bei Immobilienkrediten: So funktioniert es in der Praxis

Beim Thema Immobilienfinanzierung stößt man immer wieder auf den Begriff Disagio. Doch was bedeutet das genau, und wie wirkt sich ein Disagio auf die Baufinanzierung oder die Finanzierung einer vermieteten Wohnung aus? In diesem Ratgeber wird erklärt, wie ein Disagio funktioniert, welche Auswirkungen es auf Zinsen, Tilgung und Steuern hat und wann es sich für Eigennutzer oder Kapitalanleger lohnen kann.

Was ist ein Disagio bei Immobilienkrediten?

Ein Disagio, auch Abgeld oder Damnum genannt, ist ein Abschlag vom vereinbarten Darlehensbetrag, den die Bank bei der Auszahlung einbehält. Der Kreditnehmer erhält also weniger Geld ausgezahlt als im Vertrag als Kreditsumme vereinbart ist. Dennoch muss die volle Darlehenssumme zuzüglich der vereinbarten Zinsen zurückgezahlt werden. Das Disagio wird daher als eine Art Zinsvorauszahlung verstanden, die die Bank bereits zu Beginn der Laufzeit erhält.

In der Praxis wird das Disagio in Prozent des Darlehensbetrags angegeben. Typische Werte liegen im Bereich von einigen Prozentpunkten, etwa 3 bis 5 Prozent der Finanzierungssumme. Je höher das Disagio, desto geringer ist der tatsächlich ausgezahlte Betrag, während die Rückzahlungsverpflichtung unverändert bleibt. Das Disagio ist damit eine zusätzliche Kostenposition, die sich neben den laufenden Zinsen und der Tilgung auf die Gesamtbelastung auswirkt.

  • Disagio = Abschlag vom Darlehensnominalbetrag bei Auszahlung
  • Der Kreditnehmer erhält weniger Geld als vereinbart
  • Die volle Darlehenssumme muss trotzdem zurückgezahlt werden
  • Disagio wird als Zinsvorauszahlung verstanden
  • Wird in Prozent des Darlehensbetrags angegeben

Wie funktioniert ein Disagio in der Praxis?

Stellen Sie sich vor, Sie finanzieren den Kauf einer Eigentumswohnung mit einem Darlehen von 200.000 Euro. Die Bank bietet Ihnen ein Disagio von 4 Prozent an. Das bedeutet, dass 4 Prozent der Darlehenssumme, also 8.000 Euro, bei der Auszahlung einbehalten werden. Sie erhalten somit nur 192.000 Euro ausgezahlt, obwohl Sie vertraglich 200.000 Euro schulden. Die Bank rechnet die 8.000 Euro als vorweggezahlte Zinsen an, weshalb der Nominalzins in der Regel niedriger ausfällt als bei einem Darlehen ohne Disagio.

Die Rückzahlung erfolgt weiterhin auf Basis der 200.000 Euro. Monatlich zahlen Sie Zinsen und Tilgung auf den vollen Nominalbetrag, auch wenn der effektiv zur Verfügung stehende Betrag niedriger ist. Dadurch ist der Kreditnehmer von Beginn an mit der gesamten Darlehenssumme verpflichtet, obwohl er nur einen Teil davon tatsächlich erhalten hat. Das Disagio erhöht den Effektivzins, da die Bank weniger Kapital zur Verfügung stellt, aber die gleiche Rückzahlung verlangt.

  • Disagio wird bei Auszahlung vom Darlehensbetrag abgezogen
  • Auszahlungsbetrag ist geringer als der vereinbarte Kreditbetrag
  • Rückzahlung erfolgt auf Basis des vollen Nominalbetrags
  • Disagio wirkt als Zinsvorauszahlung
  • Effektivzins steigt durch das Disagio

Vorteile und Nachteile eines Disagios

Ein Disagio kann sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen. Zu den Vorteilen gehört, dass der Nominalzins in der Regel niedriger ist als bei einem Darlehen ohne Disagio. Dies kann die monatliche Belastung reduzieren und die Finanzierung insgesamt günstiger erscheinen lassen. Zudem kann das Disagio bei vermieteten Immobilien steuerliche Vorteile bieten, da es als Werbungskosten abgesetzt werden kann.

Zu den Nachteilen gehört, dass der Kreditnehmer weniger Geld zur Verfügung hat, obwohl die Rückzahlungsverpflichtung unverändert bleibt. Dies kann insbesondere dann problematisch sein, wenn die Finanzierungslücke nicht durch Eigenkapital oder andere Quellen gedeckt werden kann. Zudem erhöht das Disagio den Effektivzins, was die Gesamtkosten des Kredits steigern kann. Es ist daher wichtig, die Auswirkungen des Disagios sorgfältig zu prüfen und mit anderen Finanzierungsvarianten zu vergleichen.

  • Niedrigerer Nominalzins durch Disagio
  • Mögliche Steuervorteile bei vermieteten Immobilien
  • Geringerer Auszahlungsbetrag trotz gleicher Rückzahlungsverpflichtung
  • Erhöhung des Effektivzinses
  • Mögliche Finanzierungslücke durch reduzierte Auszahlung

Steuerliche Aspekte des Disagios

Bei vermieteten Immobilien kann das Disagio als Werbungskosten abgesetzt werden, sofern es als marktüblich gilt. Dies bedeutet, dass der Disagio-Betrag in der Regel im Jahr der Zahlung vollständig von der Steuer abgesetzt werden kann. Seit 2004 gilt jedoch eine Einschränkung: Bei Krediten mit einer Zinsfestschreibung von mindestens fünf Jahren kann ein Disagio nur bis zu 5 Prozent der Darlehenssumme sofort als Werbungskosten abgezogen werden. Höhere Disagios müssen über die Laufzeit verteilt werden.

Ein Disagio von 10 Prozent bei einer 10-jährigen Kreditlaufzeit kann durchaus als marktüblich gelten und somit in voller Höhe absetzbar sein. Es ist jedoch ratsam, sich bei der konkreten Ausgestaltung des Kredits mit einem Steuerberater abzustimmen, um sicherzustellen, dass die steuerlichen Vorteile optimal genutzt werden. Für Eigennutzer lohnt sich ein Disagio in der Regel nur, wenn die Zinsen deutlich niedriger sind als bei einem Darlehen ohne Disagio.

  • Disagio kann bei vermieteten Immobilien als Werbungskosten abgesetzt werden
  • Marktüblichkeit des Disagios ist entscheidend
  • Bis 5 Prozent Disagio können sofort abgesetzt werden
  • Höhere Disagios müssen über die Laufzeit verteilt werden
  • Beratung durch Steuerberater empfehlenswert

Wann lohnt sich ein Disagio?

Ein Disagio kann sich insbesondere dann lohnen, wenn die Zinsen deutlich niedriger sind als bei einem Darlehen ohne Disagio. Dies ist häufig bei langfristigen Finanzierungen der Fall, bei denen die Bank durch das Disagio eine höhere Sicherheit erhält. Zudem kann das Disagio bei vermieteten Immobilien steuerliche Vorteile bieten, da es als Werbungskosten abgesetzt werden kann.

Für Eigennutzer ist ein Disagio eher vorsichtig zu betrachten, da die reduzierte Auszahlung die Finanzierungslücke vergrößern kann. Es ist wichtig, die Gesamtkosten des Kredits zu vergleichen und zu prüfen, ob die niedrigeren Zinsen die höheren Gesamtkosten durch das Disagio ausgleichen. Eine detaillierte Berechnung der Effektivzinsen und der Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit ist daher unerlässlich.

  • Lohnt sich bei deutlich niedrigeren Zinsen
  • Besonders attraktiv bei langfristigen Finanzierungen
  • Steuerliche Vorteile bei vermieteten Immobilien
  • Für Eigennutzer vorsichtig prüfen
  • Vergleich der Gesamtkosten und Effektivzinsen notwendig

Fazit

Ein Disagio bei Immobilienkrediten ist ein Abschlag vom vereinbarten Darlehensbetrag, der bei der Auszahlung einbehalten wird. Es wirkt als Zinsvorauszahlung und kann den Nominalzins senken, erhöht jedoch den Effektivzins und die Gesamtkosten des Kredits. Bei vermieteten Immobilien kann das Disagio steuerliche Vorteile bieten, während für Eigennutzer eine sorgfältige Prüfung der Gesamtkosten und der Finanzierungslücke erforderlich ist. Eine detaillierte Berechnung und Beratung durch einen Finanzexperten sind empfehlenswert, um die beste Finanzierungslösung zu finden.

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