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Bonitätsprüfung der Bank: Ablauf Schritt für Schritt

Wie eine Bank Ihre Bonität für eine Immobilienfinanzierung prüft – Schritt für Schritt erklärt, mit Praxisbeispielen und Tipps zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit.

7 min Lesezeit
Bonitätsprüfung der Bank: Ablauf Schritt für Schritt

Bevor eine Bank eine Immobilienfinanzierung, einen Umbaukredit oder eine Aufstockung für eine Sanierung freigibt, prüft sie sorgfältig die Bonität der Kreditnehmer. Diese Bonitätsprüfung ist im Immobilienkontext besonders wichtig, weil es um hohe Beträge, lange Laufzeiten und oft zusätzliche Sicherheiten wie Grundpfandrechte geht. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, wie eine Bank die Bonität im Rahmen einer Immobilienfinanzierung ermittelt, welche Unterlagen benötigt werden, welche Rolle Schufa und andere Auskunfteien spielen und wie sich die Bonität positiv beeinflussen lässt.

Was ist Bonität im Immobilienkontext?

Bonität ist ein Synonym für Kreditwürdigkeit und beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kreditnehmer seine finanziellen Verpflichtungen – etwa Raten für ein Baudarlehen, einen Umbaukredit oder eine Aufstockung – fristgerecht erfüllt. Im Immobilienbereich geht es dabei nicht nur um die Fähigkeit, monatliche Raten zu zahlen, sondern auch um die langfristige Stabilität der Einkommenssituation und die vorhandenen Sicherheiten wie Grundstücke oder bestehende Immobilien.

Die Bank unterscheidet zwischen Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit. Die Kreditfähigkeit bezieht sich auf die wirtschaftlichen Verhältnisse: Einkommen, Vermögen, bestehende Kredite, Mieten oder Pachten. Die Kreditwürdigkeit umfasst zusätzlich den Zahlungswillen und die Zahlungsmoral, also ob der Kreditnehmer in der Vergangenheit Zahlungsverpflichtungen zuverlässig erfüllt hat. Beide Aspekte fließen in die Bonitätsprüfung für eine Immobilienfinanzierung ein.

  • Bonität = Kreditwürdigkeit im Immobilienkontext
  • Kreditfähigkeit: wirtschaftliche Fähigkeit, Raten zu zahlen
  • Kreditwürdigkeit: Zahlungswille und Zahlungsmoral
  • Sicherheiten wie Grundstücke oder Immobilien erhöhen die Bonität
  • Bonitätsprüfung ist gesetzlich vorgeschrieben bei Kreditvergabe

Warum ist die Bonitätsprüfung bei Immobilien so wichtig?

Bei Immobilienfinanzierungen handelt es sich um langfristige Verträge mit hohen Summen. Eine Bank muss daher sicherstellen, dass die Kreditnehmer auch in schwierigen Zeiten – etwa bei einem Jobwechsel, einem Anbau oder einer umfangreichen Sanierung – ihre Raten zahlen können. Eine gründliche Bonitätsprüfung hilft, das Risiko von Zahlungsausfällen und Zwangsversteigerungen zu minimieren.

Zudem beeinflusst die Bonität die Konditionen der Finanzierung. Ein positiver Bonitätsstatus kann zu niedrigeren Zinsen, höheren Darlehensbeträgen oder flexibleren Tilgungsplänen führen. Umgekehrt kann eine schwache Bonität dazu führen, dass die Bank zusätzliche Sicherheiten wie eine höhere Eigenkapitalquote, eine zusätzliche Grundschuld oder einen Bürgen verlangt.

  • Hohe Kreditsummen und lange Laufzeiten erhöhen das Risiko
  • Bonität beeinflusst Zinsen, Tilgung und Sicherheiten
  • Schutz vor Zahlungsausfällen und Zwangsversteigerungen
  • Banken sind gesetzlich verpflichtet, die Bonität zu prüfen
  • Positive Bonität erleichtert Umbau-, Sanierungs- oder Aufstockungskredite

Schritt 1: Erstkontakt und Informationsanfrage

Der erste Schritt der Bonitätsprüfung beginnt mit dem Erstkontakt zwischen Kreditnehmer und Bank. In der Regel wird ein Beratungsgespräch vereinbart, in dem die Bank die geplante Immobilienfinanzierung, den Umbau oder die Sanierung bespricht. Dabei werden erste Informationen über das Projekt, den gewünschten Kreditbetrag und die geplante Laufzeit erfragt.

Die Bank stellt eine Liste der benötigten Unterlagen zusammen. Diese umfasst in der Regel Einkommensnachweise, Ausgabenübersichten, bestehende Kreditverträge, Mietverträge oder Pachtverträge sowie Unterlagen zur Immobilie wie Kaufvertrag, Grundbuchauszug oder Baukostenvoranschlag. Je nach Projekt können auch weitere Unterlagen wie Baupläne, Genehmigungen oder Gutachten erforderlich sein.

  • Beratungsgespräch zur Klärung des Finanzierungsbedarfs
  • Erstellung einer Checkliste für erforderliche Unterlagen
  • Erfassung von Projektbeschreibung und geplantem Kreditbetrag
  • Klärung von Sicherheiten wie Grundpfandrechte oder Bürgschaften
  • Erstbewertung der Bonität auf Basis der vorliegenden Informationen

Schritt 2: Prüfung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse

Im zweiten Schritt prüft die Bank die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Kreditnehmer. Dazu gehören Angaben zum Familienstand, Beruf, Wohnort, Beschäftigungsverhältnis und Alter. Diese Informationen helfen der Bank, die Stabilität der Einkommenssituation und die langfristige Zahlungsfähigkeit einzuschätzen.

Die Bank analysiert das Einkommen und die Ausgaben der Kreditnehmer. Dazu gehören Gehaltsabrechnungen, Steuererklärungen, Miet- oder Pachtverträge, bestehende Kredite, Versicherungen und andere regelmäßige Ausgaben. Ein Beispiel: Ein Kreditnehmer mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.000 Euro und monatlichen Ausgaben von 2.500 Euro hat ein verfügbares Einkommen von 1.500 Euro, das für die Finanzierung einer Immobilie oder eines Umbaus genutzt werden kann.

  • Prüfung von Familienstand, Beruf und Beschäftigungsverhältnis
  • Analyse von Einkommen und Ausgaben
  • Bewertung der Stabilität der Einkommenssituation
  • Berücksichtigung von bestehenden Krediten und Verpflichtungen
  • Einbeziehung von Vermögen und Sicherheiten

Schritt 3: Abfrage bei Auskunfteien (z.B. Schufa)

Ein wesentlicher Bestandteil der Bonitätsprüfung ist die Abfrage bei Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif Bürgel. Diese Auskunfteien sammeln Informationen über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern und Unternehmen. Die Bank erhält einen Score, der die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls angibt.

Die Auskunftei prüft unter anderem die fristgerechte Rückzahlung von Krediten, Leasingverträgen und Kreditkarten, die Anzahl der Kreditkarten und die Bewegungen auf Girokonten. Negative Einträge wie Mahnungen, Insolvenzen oder Zahlungsausfälle können die Bonität erheblich beeinträchtigen. Kreditnehmer können ihre eigene Bonitätsauskunft bei den Auskunfteien einholen und auf Fehler oder veraltete Einträge prüfen.

  • Abfrage bei Auskunfteien wie Schufa, Creditreform oder Crif Bürgel
  • Erhalt eines Scores zur Einschätzung des Zahlungsausfallsrisikos
  • Prüfung von Zahlungsverhalten und bestehenden Krediten
  • Berücksichtigung von Negativmerkmalen wie Mahnungen oder Insolvenzen
  • Möglichkeit zur Einholung einer kostenlosen Selbstauskunft

Schritt 4: Bewertung der Immobilie und der Sicherheiten

Bei Immobilienfinanzierungen spielt die Bewertung der Immobilie eine zentrale Rolle. Die Bank prüft den Wert der Immobilie, ihre Lage, den Zustand und die Marktentwicklung. Dazu werden Gutachten, Kaufverträge, Grundbuchauszüge und Baupläne herangezogen. Der Wert der Immobilie dient als Sicherheit für den Kredit.

Die Bank berechnet den Beleihungswert der Immobilie, also den Betrag, der im Falle einer Zwangsversteigerung erzielt werden kann. Der Beleihungswert wird in Relation zum Kreditbetrag gesetzt. Ein Beispiel: Eine Immobilie mit einem Beleihungswert von 300.000 Euro kann als Sicherheit für einen Kredit von 250.000 Euro dienen, was einem Beleihungswert von 83 Prozent entspricht. Höhere Beleihungswerte können zu strengeren Bonitätsanforderungen führen.

  • Bewertung des Immobilienwerts und der Lage
  • Prüfung von Zustand und Marktentwicklung
  • Einbeziehung von Gutachten und Grundbuchauszügen
  • Berechnung des Beleihungswerts
  • Berücksichtigung zusätzlicher Sicherheiten wie Bürgschaften

Schritt 5: Risikoklassifizierung und Konditionenfestlegung

Nach der Analyse aller Daten wird die Bonität des Kreditnehmers in eine Risikoklasse eingestuft. Je besser die Bonität, desto günstiger die Konditionen. Die Bank legt Zinssatz, Tilgung, Laufzeit und eventuelle Sondertilgungsmöglichkeiten fest. Bei schwacher Bonität können höhere Zinsen, kürzere Laufzeiten oder zusätzliche Sicherheiten verlangt werden.

Die Bank berücksichtigt auch die Art der Immobilienfinanzierung. Ein Kredit für den Kauf einer Eigentumswohnung kann andere Konditionen haben als ein Kredit für einen Umbau oder eine Sanierung. Die Bank prüft, ob die geplante Nutzung der Immobilie die Rückzahlungsfähigkeit unterstützt, etwa durch Mieteinnahmen oder Wertsteigerung.

  • Einstufung in eine Risikoklasse
  • Festlegung von Zinssatz, Tilgung und Laufzeit
  • Berücksichtigung der Art der Immobilienfinanzierung
  • Möglichkeit zusätzlicher Sicherheiten bei schwacher Bonität
  • Einfluss der Bonität auf Konditionen und Flexibilität

Schritt 6: Entscheidung und Kreditzusage

Nach Abschluss der Bonitätsprüfung entscheidet die Bank über die Kreditzusage. Bei positiver Prüfung wird der Kreditvertrag vorbereitet. Die Bank informiert den Kreditnehmer über die Konditionen und die erforderlichen Sicherheiten. Der Kreditnehmer kann den Vertrag prüfen und bei Bedarf Fragen stellen.

Bei negativer Prüfung kann die Bank den Kredit ablehnen oder alternative Lösungen vorschlagen, etwa einen geringeren Kreditbetrag, längere Laufzeit oder zusätzliche Sicherheiten. In manchen Fällen kann eine Verbesserung der Bonität durch Tilgung bestehender Kredite, Erhöhung des Eigenkapitals oder die Hinzunahme eines Bürgen die Kreditzusage ermöglichen.

  • Entscheidung über Kreditzusage oder Ablehnung
  • Vorbereitung des Kreditvertrags bei positiver Prüfung
  • Information über Konditionen und Sicherheiten
  • Möglichkeit alternativer Lösungen bei negativer Prüfung
  • Verbesserung der Bonität durch Tilgung, Eigenkapital oder Bürgen

Wie kann die Bonität für eine Immobilienfinanzierung verbessert werden?

Die Bonität lässt sich durch verschiedene Maßnahmen positiv beeinflussen. Dazu gehört die pünktliche Zahlung bestehender Kredite und Rechnungen, die Reduzierung von Schulden und die Verbesserung der Einkommenssituation. Eine regelmäßige Prüfung der Bonitätsauskunft bei Auskunfteien hilft, Fehler oder veraltete Einträge zu erkennen und zu korrigieren.

Zusätzlich können Sicherheiten wie eine höhere Eigenkapitalquote, zusätzliche Grundpfandrechte oder ein Bürgen die Bonität stärken. Bei Umbau- oder Sanierungsprojekten kann eine detaillierte Planung mit realistischen Kosten und Nutzenabschätzungen die Bank überzeugen, dass das Projekt die Rückzahlungsfähigkeit unterstützt.

  • Pünktliche Zahlung bestehender Kredite und Rechnungen
  • Reduzierung von Schulden und Verbesserung der Einkommenssituation
  • Regelmäßige Prüfung der Bonitätsauskunft
  • Erhöhung der Eigenkapitalquote
  • Hinzunahme zusätzlicher Sicherheiten wie Bürgen oder Grundpfandrechte

Fazit

Die Bonitätsprüfung der Bank im Rahmen einer Immobilienfinanzierung ist ein umfassender Prozess, der persönliche, wirtschaftliche und immobilienbezogene Faktoren berücksichtigt. Durch eine gründliche Vorbereitung, die Bereitstellung vollständiger Unterlagen und die Verbesserung der eigenen Bonität können Kreditnehmer die Chancen auf eine positive Entscheidung erhöhen. Eine transparente Kommunikation mit der Bank und das Verständnis der Bewertungskriterien erleichtern den Weg zu einer erfolgreichen Immobilienfinanzierung, einem Umbau oder einer Sanierung.

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