Bereitstellungszins: Die häufigsten Fehler
Bereitstellungszinsen können bei Baufinanzierungen teuer werden. Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden, erfahren Sie hier im Ratgeber.

Bei der Finanzierung von Immobilien, sei es beim Neubau, der Sanierung oder der Modernisierung einer bestehenden Immobilie, spielen Bereitstellungszinsen eine oft unterschätzte Rolle. Sie entstehen, wenn eine Bank ein Darlehen bereitstellt, dieses aber nicht oder nur teilweise abgerufen wird. Viele Bauherren und Käufer unterschätzen die Kosten, weil sie sich vor allem auf den Sollzins und die Zinsbindung konzentrieren. In diesem Ratgeber zeigen wir, welche typischen Fehler bei Bereitstellungszinsen gemacht werden und wie Sie diese vermeiden können, um die Gesamtkosten Ihrer Baufinanzierung zu senken.
Was sind Bereitstellungszinsen und wie entstehen sie?
Bereitstellungszinsen sind Zinsen, die eine Bank für die Bereithaltung eines Darlehens verlangt, das noch nicht vollständig abgerufen wurde. Bei Baufinanzierungen wird das Darlehen meist in mehreren Tranchen ausgezahlt, je nach Baufortschritt. Bis der Bau beginnt oder die einzelnen Bauphasen abgeschlossen sind, steht das Geld der Bank zur Verfügung, ohne dass sie Zinsen darauf verdient. Um diesen entgangenen Gewinn auszugleichen, erhebt sie Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Teil des Darlehens.
Die Höhe der Bereitstellungszinsen variiert je nach Bank und Vertrag, liegt aber in der Regel zwischen 1,8 und 3 Prozent pro Jahr, was etwa 0,15 bis 0,25 Prozent pro Monat entspricht. Viele Banken gewähren zunächst eine bereitstellungszinsfreie Zeit von drei bis zwölf Monaten, in der keine zusätzlichen Zinsen anfallen. Danach werden Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Betrag berechnet, während für den bereits abgerufenen Teil die regulären Sollzinsen gelten.
Fehler 1: Unzureichende Planung der Bauphase
Ein häufiger Fehler ist die mangelnde oder unrealistische Planung der Bauphase. Bauherren gehen oft davon aus, dass der Bau pünktlich beginnt und die einzelnen Etappen wie geplant abgeschlossen werden. In der Praxis kommt es jedoch regelmäßig zu Verzögerungen durch behördliche Genehmigungen, Lieferengpässe oder unvorhergesehene Bauprobleme. Diese Verzögerungen führen dazu, dass das Darlehen nicht wie geplant abgerufen wird und Bereitstellungszinsen anfallen.
Um diesen Fehler zu vermeiden, sollte eine detaillierte und realistische Planung der Bauphase erstellt werden. Dazu gehören die genaue Festlegung der Bauphasen, die voraussichtlichen Fertigstellungstermine und die entsprechenden Zahlungstermine. Eine genaue Planung hilft, den Zeitpunkt des Darlehensabrufs besser abzustimmen und unnötige Bereitstellungszinsen zu vermeiden.
- —Erstellen Sie einen detaillierten Bauplan mit klar definierten Phasen und Fertigstellungsterminen.
- —Berücksichtigen Sie mögliche Verzögerungen durch Genehmigungen oder Lieferengpässe.
- —Planen Sie die Zahlungstermine so, dass sie mit den Bauphasen übereinstimmen.
- —Halten Sie regelmäßige Abstimmungen mit dem Bauunternehmen oder Bauträger.
- —Dokumentieren Sie alle Verzögerungen und deren Ursachen.
Fehler 2: Falsche Einschätzung der bereitstellungszinsfreien Zeit
Viele Bauherren unterschätzen die Bedeutung der bereitstellungszinsfreien Zeit. Sie gehen davon aus, dass die drei bis zwölf Monate ausreichen, um das Darlehen vollständig abzurufen. In der Realität kann es jedoch zu Verzögerungen kommen, die über diese Frist hinausgehen. Sobald die bereitstellungszinsfreie Zeit abgelaufen ist, fallen Bereitstellungszinsen an, auch wenn der Bau noch nicht abgeschlossen ist.
Es ist wichtig, die bereitstellungszinsfreie Zeit realistisch einzuschätzen und gegebenenfalls zu verlängern. Einige Banken bieten die Möglichkeit, die bereitstellungszinsfreie Zeit zu verlängern, meist bis zu 24 Monaten. Dies kann jedoch mit einem Zinsaufschlag verbunden sein, der auf den noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag angerechnet wird. Eine sorgfältige Abwägung der Kosten und Nutzen ist daher erforderlich.
- —Prüfen Sie die Länge der bereitstellungszinsfreien Zeit im Darlehensvertrag.
- —Berücksichtigen Sie mögliche Verzögerungen bei der Einschätzung der Frist.
- —Fragen Sie bei der Bank nach einer Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit.
- —Bewerten Sie den Zinsaufschlag für eine Verlängerung.
- —Halten Sie die Bank über den Baufortschritt auf dem Laufenden.
Fehler 3: Unzureichende Abstimmung mit dem Bauträger oder Bauunternehmen
Eine weitere häufige Fehlerquelle ist die mangelnde Abstimmung mit dem Bauträger oder Bauunternehmen. Bauherren gehen oft davon aus, dass der Bauträger die Termine einhält und die Bauphasen wie geplant abgeschlossen werden. In der Praxis kann es jedoch zu Verzögerungen kommen, die nicht im Vertrag geregelt sind. Diese Verzögerungen führen dazu, dass das Darlehen nicht wie geplant abgerufen wird und Bereitstellungszinsen anfallen.
Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten klare Vereinbarungen mit dem Bauträger oder Bauunternehmen getroffen werden. Dazu gehören die Festlegung der Bauphasen, die voraussichtlichen Fertigstellungstermine und die entsprechenden Zahlungstermine. Zudem sollte im Vertrag eine Klausel über die Kostenübernahme von Bereitstellungszinsen bei Nichteinhaltung der Bautermine aufgenommen werden. Dies kann helfen, die Kosten im Falle von Verzögerungen zu minimieren.
- —Vereinbaren Sie klare Bauphasen und Fertigstellungstermine mit dem Bauträger.
- —Regeln Sie die Zahlungstermine im Vertrag.
- —Nehmen Sie eine Klausel über die Kostenübernahme von Bereitstellungszinsen bei Verzögerungen auf.
- —Halten Sie regelmäßige Abstimmungen mit dem Bauträger.
- —Dokumentieren Sie alle Verzögerungen und deren Ursachen.
Fehler 4: Falsche Einschätzung der Darlehenssumme
Ein weiterer häufiger Fehler ist die falsche Einschätzung der Darlehenssumme. Bauherren nehmen oft ein Darlehen in einer höheren Summe auf, als sie tatsächlich benötigen, um Puffer für unvorhergesehene Kosten zu haben. Dies führt dazu, dass ein Teil des Darlehens nicht abgerufen wird und Bereitstellungszinsen anfallen. Zudem kann die höhere Darlehenssumme zu höheren Sollzinsen führen, was die Gesamtkosten erhöht.
Es ist wichtig, die Darlehenssumme realistisch zu kalkulieren und nur das aufzunehmen, was tatsächlich benötigt wird. Dazu gehören die genaue Berechnung der Baukosten, die Berücksichtigung von Nebenkosten und die Einplanung eines angemessenen Puffers. Eine genaue Kalkulation hilft, unnötige Bereitstellungszinsen und höhere Sollzinsen zu vermeiden.
- —Berechnen Sie die Baukosten genau und berücksichtigen Sie alle Nebenkosten.
- —Planen Sie einen angemessenen Puffer für unvorhergesehene Kosten ein.
- —Nehmen Sie nur das Darlehen auf, was tatsächlich benötigt wird.
- —Halten Sie die Bank über Änderungen der Baukosten auf dem Laufenden.
- —Prüfen Sie regelmäßig die Darlehenssumme und passen Sie sie gegebenenfalls an.
Fehler 5: Unzureichende Dokumentation von Verzögerungen
Eine weitere häufige Fehlerquelle ist die mangelnde Dokumentation von Verzögerungen. Bauherren gehen oft davon aus, dass die Bank oder der Bauträger die Verzögerungen kennt und berücksichtigt. In der Praxis kann es jedoch zu Streitigkeiten kommen, wenn die Verzögerungen nicht dokumentiert sind. Dies kann dazu führen, dass Bereitstellungszinsen nicht zurückgefordert werden können.
Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten alle Verzögerungen genau dokumentiert werden. Dazu gehören die Ursachen der Verzögerungen, die betroffenen Bauphasen und die entsprechenden Fristen. Zudem sollten alle Kommunikationen mit der Bank und dem Bauträger schriftlich festgehalten werden. Eine sorgfältige Dokumentation hilft, im Falle von Verzögerungen die Bereitstellungszinsen zurückzufordern.
- —Dokumentieren Sie alle Verzögerungen und deren Ursachen.
- —Halten Sie die betroffenen Bauphasen und Fristen fest.
- —Speichern Sie alle schriftlichen Kommunikationen mit der Bank und dem Bauträger.
- —Führen Sie ein Bauprojekt-Tagebuch.
- —Halten Sie die Bank über den Baufortschritt auf dem Laufenden.
Fehler 6: Fehlende Verhandlung mit der Bank
Ein weiterer häufiger Fehler ist die fehlende Verhandlung mit der Bank. Bauherren gehen oft davon aus, dass die Konditionen des Darlehensvertrags nicht verhandelbar sind. In der Praxis können jedoch viele Punkte verhandelt werden, darunter die Länge der bereitstellungszinsfreien Zeit, die Höhe der Bereitstellungszinsen und die Möglichkeit einer Verlängerung. Eine sorgfältige Verhandlung kann dazu beitragen, die Kosten zu senken und unnötige Bereitstellungszinsen zu vermeiden.
Es ist wichtig, die Konditionen des Darlehensvertrags genau zu prüfen und gegebenenfalls zu verhandeln. Dazu gehören die Länge der bereitstellungszinsfreien Zeit, die Höhe der Bereitstellungszinsen und die Möglichkeit einer Verlängerung. Zudem sollte die Bank über den Baufortschritt informiert werden, um im Falle von Verzögerungen Kulanz zu erhalten.
- —Prüfen Sie die Konditionen des Darlehensvertrags genau.
- —Verhandeln Sie die Länge der bereitstellungszinsfreien Zeit.
- —Verhandeln Sie die Höhe der Bereitstellungszinsen.
- —Fragen Sie nach einer Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit.
- —Informieren Sie die Bank über den Baufortschritt.
Fazit
Bereitstellungszinsen können bei Baufinanzierungen erhebliche Kosten verursachen, wenn sie nicht richtig geplant und verwaltet werden. Häufige Fehler wie mangelnde Planung der Bauphase, falsche Einschätzung der bereitstellungszinsfreien Zeit, unzureichende Abstimmung mit dem Bauträger, falsche Einschätzung der Darlehenssumme, mangelnde Dokumentation von Verzögerungen und fehlende Verhandlung mit der Bank können dazu führen, dass unnötige Kosten anfallen. Durch eine sorgfältige Planung, klare Vereinbarungen, genaue Kalkulation und regelmäßige Abstimmung mit der Bank und dem Bauträger können diese Fehler vermieden und die Gesamtkosten der Baufinanzierung gesenkt werden.

