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Beleihungswert: Ablauf Schritt für Schritt

Der Beleihungswert ist entscheidend für Immobilienfinanzierungen. Erfahren Sie Schritt für Schritt, wie diese wichtige Wertermittlung erfolgt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

6 min Lesezeit
Beleihungswert: Ablauf Schritt für Schritt

Der Beleihungswert einer Immobilie stellt einen zentralen Faktor bei der Vergabe von Immobilienfinanzierungen dar. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Kaufpreis oder dem Verkehrswert, sondern definiert den Wert, den eine Bank als langfristige Sicherstellung eines Darlehens akzeptiert. Für Immobilienkäufer und Bauherren ist das Verständnis des Beleihungswertes unerlässlich, da er maßgeblich die Höhe des möglichen Darlehens sowie die Konditionen der Finanzierung beeinflusst. In diesem Artikel beleuchten wir detailliert den Ablauf der Beleihungswertermittlung, die beteiligten Parteien und die Kriterien, die zugrunde gelegt werden. So erhalten Sie ein umfassendes Verständnis dieses komplexen Themas, das für eine erfolgreiche Immobilienfinanzierung von größter Bedeutung ist.

Was ist der Beleihungswert und warum ist er wichtig?

Der Beleihungswert ist ein spezieller Wert, der im Rahmen einer Immobilienfinanzierung durch Kreditinstitute ermittelt wird. Er repräsentiert den Wert, der nach Ansicht des Kreditgebers auch langfristig – und unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen – Bestand hat und bei einer Zwangsversteigerung erzielt werden könnte. Gemäß § 16 des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) muss der Beleihungswert auf einer vorsichtigen Schätzung basieren und darf den nachhaltig erzielbaren Marktwert nicht überschreiten. Die Banken nutzen diesen Wert als Obergrenze für die Beleihung, das heißt, den Anteil des Kaufpreises oder der Baukosten, den sie über ein Darlehen finanzieren werden. In der Regel beträgt die Beleihungsobergrenze 60 bis 80 Prozent des Beleihungswertes.

Die Bedeutung des Beleihungswertes ergibt sich aus mehreren Gründen:

  • Sicherheit für die Bank: Er minimiert das Risiko des Kreditgebers im Falle eines Zahlungsausfalls des Darlehensnehmers.
  • Grundlage der Finanzierungshöhe: Er legt fest, bis zu welcher Summe eine Immobilie beliehen werden kann und welchen Eigenkapitalanteil der Darlehensnehmer einbringen muss.
  • Konditionen des Darlehens: Ein niedriger Beleihungswertanteil (Verschuldung im Verhältnis zum Beleihungswert) kann zu besseren Zinskonditionen führen.
  • Unabhängigkeit von Kaufpreis: Der Beleihungswert ist nicht direkt an den notariellen Kaufpreis gebunden, sondern an einem objektiven, zukunftsorientierten Wert.
  • Transparenz: Er bietet eine standardisierte Methode zur Bewertung von Immobiliensicherheiten.

Der Antrag auf Finanzierung und die erste Vorprüfung

Der erste Schritt im Prozess der Beleihungswertermittlung beginnt mit dem Finanzierungsantrag des Kunden bei einer Bank. Hierbei werden zunächst grundlegende Informationen zur Immobilie und zur finanziellen Situation des Darlehensnehmers abgefragt. Die Bank führt auf dieser Basis eine erste Vorprüfung durch, um abzuschätzen, ob eine Finanzierung grundsätzlich in Frage kommt und welche Rahmendaten realistisch sind. In dieser Phase können bereits erste grobe Schätzungen des Beleihungswertes auf Basis verfügbarer Daten oder Erfahrungswerten erfolgen, um dem Kunden eine erste Orientierung zu geben.

Für die Vorprüfung sind in der Regel folgende Dokumente und Informationen erforderlich:

  • Grundbuchauszug der Immobilie (aktuelle und frühere Eintragungen)
  • Baupläne, Grundrisse, Schnittzeichnungen und Ansichten
  • Wohnflächenberechnung und Kubaturberechnung
  • Kaufvertrag oder Kaufvertragsentwurf
  • Fotos der Immobilie (Außen- und Innenansichten)
  • Energieausweis
  • Wohngebäudeversicherungspolice

Die Beauftragung des Gutachters und die Wertermittlung

Nach der positiven Vorprüfung beauftragt die Bank einen unabhängigen Sachverständigen oder einen internen Gutachter mit der detaillierten Beleihungswertermittlung. Dieser Gutachter ist dafür verantwortlich, einen detaillierten und belastbaren Wert zu ermitteln, der den gesetzlichen Vorgaben des Pfandbriefgesetzes entspricht. Die Unabhängigkeit des Gutachters ist dabei entscheidend, um eine objektive Bewertung zu gewährleisten und Interessenkonflikte zu vermeiden. Der Gutachter beginnt seine Arbeit mit der sorgfältigen Prüfung aller zur Verfügung gestellten Dokumente und vereinbart in der Regel einen Besichtigungstermin vor Ort.

Die Wertermittlung erfolgt nach spezifischen Verfahren, die auch in der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) verankert sind. Am häufigsten kommen dabei folgende Methoden zum Einsatz:

  • Sachwertverfahren: Hierbei werden die Herstellungskosten der baulichen Anlagen sowie der Bodenwert ermittelt. Abgezogen werden altersbedingte Wertminderungen.
  • Ertragswertverfahren: Dieses Verfahren ist besonders bei vermieteten oder gewerblich genutzten Immobilien relevant. Es basiert auf den nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen oder Erträgen der Immobilie.
  • Vergleichswertverfahren: Hierbei wird der Wert der Immobilie mit den Kaufpreisen vergleichbarer Objekte in der näheren Umgebung verglichen. Dieses Verfahren benötigt eine ausreichende Anzahl an Vergleichstransaktionen.

Besichtigung der Immobilie und weitere Faktoren

Ein wesentlicher Bestandteil der Beleihungswertermittlung ist eine umfassende Vor-Ort-Besichtigung der Immobilie durch den Gutachter. Während dieser Begehung verschafft sich der Sachverständige einen persönlichen Eindruck vom Zustand der Immobilie, der Ausstattung, eventuellen Mängeln oder Schäden sowie der allgemeinen Lage. Er überprüft die Angaben in den Unterlagen und dokumentiert seine Feststellungen mit Fotos. Auch die Umgebung der Immobilie, die Infrastruktur und die Bausubstanz werden dabei berücksichtigt. Die Besichtigung dient dazu, ein vollständiges Bild der Immobilie zu erhalten und alle wertrelevanten Aspekte zu erfassen, die sich nicht ausschließlich aus Plänen oder Dokumenten ergeben.

Bei der Bewertung fließen neben den reinen Gebäudedaten und den gewählten Wertermittlungsverfahren weitere wichtige Faktoren ein:

  • Lage der Immobilie: Makrolage (Region, Stadt, Stadtteil) und Mikrolage (direktes Umfeld, Infrastruktur, Lärmbelastung).
  • Zustand und Alter: Baujahr, Modernisierungsgrad, Sanierungsbedarf, technische Ausstattung (Heizung, Fenster, etc.).
  • Nutzbarkeit und Potential: Grundrissgestaltung, Erweiterungsmöglichkeiten, spezielle Besonderheiten des Grundstücks.
  • Rechtliche Gegebenheiten: Baulasten, Wegerechte, Denkmalschutz, Mietverträge, Erbbaurecht.
  • Umwelteinflüsse: Bodengutachten, Altlasten, Überschwemmungsrisiken, Lärmimmissionen.

Erstellung des Gutachtens und Festlegung des Beleihungswertes

Nach der sorgfältigen Prüfung aller Unterlagen und der Objektbesichtigung erstellt der Gutachter ein detailliertes Gutachten. Dieses Dokument fasst alle relevanten Informationen und Berechnungen zusammen und begründet die Ermittlung des Beleihungswertes. Das Gutachten ist ein rechtlich anerkanntes Dokument und dient der Bank als verbindliche Grundlage für ihre Kreditentscheidung. Es enthält in der Regel eine ausführliche Beschreibung der Immobilie, eine Analyse der Mikro- und Makrolage, die angewandten Wertermittlungsverfahren samt Berechnungen sowie diverse Anlagen wie Grundbuchauszüge, Pläne und Fotos. Schlussendlich wird der final ermittelte Beleihungswert im Gutachten ausgewiesen.

Der Beleihungswert kann in der Praxis unter dem ermittelten Marktwert liegen, da der Gutachter einen Abschlag für eventuelle Verwertungsrisiken bei einer langfristigen Betrachtung vornimmt. Dieser Sicherheitsabschlag trägt der Notwendigkeit Rechnung, dass die Bank auch in einem ungünstigen Marktumfeld ihren Forderungen durch den Verkauf der Immobilie nachkommen kann. Es ist selten, dass der Beleihungswert exakt dem Kaufpreis entspricht; meistens liegt er darunter, was die Bedeutung des Eigenkapitals für den Erwerb einer Immobilie unterstreicht.

Finanzierungsentscheidung und Beleihungsauslauf

Sobald der Beleihungswert durch das Gutachten feststeht, kann die Bank ihre finale Finanzierungsentscheidung treffen. Der sogenannte Beleihungsauslauf, auch als Beleihungsquote bezeichnet, spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Dieser drückt das Verhältnis des Darlehensbetrages zum Beleihungswert der Immobilie aus. Ein niedriger Beleihungsauslauf signalisiert der Bank ein geringeres Risiko und kann sich positiv auf die Konditionen des Darlehens auswirken. Umgekehrt bedeutet ein hoher Beleihungsauslauf ein höheres Risiko für die Bank, was sich in höheren Zinsen oder der Forderung nach zusätzlichen Sicherheiten niederschlagen kann.

Beispielrechnung (nicht als Regelwert zu verstehen): Angenommen, der Beleihungswert einer Immobilie beträgt 300.000 Euro. Gewährt die Bank ein Darlehen über 240.000 Euro, beträgt der Beleihungsauslauf 80 % (240.000 Euro / 300.000 Euro). Würde die Bank hingegen nur 180.000 Euro finanzieren, läge der Beleihungsauslauf bei 60 % (180.000 Euro / 300.000 Euro), was in der Regel günstigere Konditionen zur Folge hätte. Je niedriger der Beleihungsauslauf, desto weniger Eigenkapital muss vom Kreditnehmer eingesetzt werden, aber desto höher die Risikoeinschätzung der Bank. Die Bank wird darauf achten, dass der Beleihungswert eine ausreichende Sicherheitsmarge für das Darlehen bietet.

Fazit

Der Beleihungswert ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Immobilienfinanzierung und maßgeblich für die Entscheidungsfindung von Banken. Der Prozess der Ermittlung ist vielschichtig, erfordert eine detaillierte Prüfung durch unabhängige Sachverständige und berücksichtigt zahlreiche Faktoren, die über den reinen Kaufpreis hinausgehen. Ein fundiertes Verständnis dieses Wertes ermöglicht es Darlehensnehmern, die Angebote der Banken besser einzuordnen, die Bedeutung des eigenen Kapitals zu erkennen und somit ihre Finanzierung optimal zu planen. Eine frühzeitige Informationsbeschaffung und eine transparente Kommunikation mit der finanzierenden Bank sind essenziell, um den Weg zum Immobilienerwerb erfolgreich zu gestalten und unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

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