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Beleihungsauslauf: Ablauf Schritt für Schritt

Der Beleihungsauslauf zeigt, wie hoch ein Immobilienkredit im Verhältnis zum Bankwert der Immobilie ist – und beeinflusst Zinsen und Kreditchancen deutlich.

7 min Lesezeit
Beleihungsauslauf: Ablauf Schritt für Schritt

Beim Kauf oder Bau einer Immobilie spielt der Beleihungsauslauf eine zentrale Rolle – auch wenn der Begriff für viele Erwerber zunächst abstrakt wirkt. Er beschreibt, zu welchem prozentualen Anteil eine Immobilie über Fremdkapital finanziert ist, bezogen auf den von der Bank festgelegten Beleihungswert. Je niedriger dieser Wert ausfällt, desto geringer ist das Risiko für die Bank und umso besser sind in der Regel die Konditionen für den Kreditnehmer. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, was der Beleihungsauslauf ist, wie er berechnet wird, welche Faktoren ihn beeinflussen und wie sich Käufer und Bauherren gezielt auf einen günstigen Auslauf vorbereiten können.

Was ist der Beleihungsauslauf?

Der Beleihungsauslauf ist ein Kennwert aus der Immobilienfinanzierung und gibt an, wie hoch die Summe aller benötigten Darlehen im Verhältnis zum Beleihungswert der Immobilie liegt. Er wird in Prozent angegeben und dient der Bank als Risikomaßstab: Je höher der Beleihungsauslauf, desto größer das Verlustrisiko für die Bank, falls die Immobilie zwangsversteigert werden müsste. Umgekehrt bedeutet ein niedriger Auslauf, dass die Immobilie deutlich höher bewertet wird als der Kreditbetrag – das schafft Sicherheit und verbessert die Chancen auf attraktive Zinsen.

Der Beleihungsauslauf bezieht sich ausschließlich auf den Beleihungswert, nicht auf den Kaufpreis oder den Verkehrswert. Der Beleihungswert ist der langfristig erwartbare Wert, den die Bank bei einer Zwangsverwertung erzielen könnte, und liegt in der Regel unter dem aktuellen Marktwert. Typischerweise wird ein Sicherheitsabschlag von etwa 10 bis 30 Prozent vom Verkehrswert abgezogen, um den Beleihungswert zu ermitteln. Der Beleihungsauslauf zeigt dann, welcher Anteil dieses Bankwerts durch Fremdkapital abgedeckt wird.

  • Der Beleihungsauslauf ist ein prozentualer Wert zwischen Fremdkapital und Beleihungswert.
  • Er dient der Bank als Risikokennzahl für die Immobilienfinanzierung.
  • Ein niedriger Auslauf verbessert in der Regel die Konditionen und die Kreditchancen.
  • Der Beleihungswert liegt meist unter dem Verkehrswert der Immobilie.
  • Der Auslauf wird vor allem bei erstrangigen Baufinanzierungen verwendet.

Berechnung des Beleihungsauslaufs – Schritt für Schritt

Die Berechnung des Beleihungsauslaufs erfolgt in wenigen Schritten und ist grundsätzlich einfach nachvollziehbar. Zunächst wird der Finanzierungsbedarf ermittelt, also die Summe aller Darlehen, die für den Kauf oder Bau der Immobilie benötigt werden. Dazu gehören in der Regel die Erstfinanzierung, KfW-Förderkredite sowie eventuell bestehende Vorlasten auf dem Grundstück. Diese Gesamtsumme wird dann durch den Beleihungswert der Immobilie geteilt und mit 100 multipliziert, um den prozentualen Beleihungsauslauf zu erhalten.

Als Beispiel: Ein Käufer benötigt 300.000 Euro Fremdkapital für ein Haus, der Beleihungswert liegt bei 400.000 Euro. Die Berechnung lautet: (300.000 / 400.000) × 100 = 75 Prozent. Der Beleihungsauslauf beträgt also 75 Prozent. Das bedeutet, dass 75 Prozent des Bankwerts der Immobilie durch Fremdkapital abgedeckt sind. Ein Auslauf von 100 Prozent würde bedeuten, dass der Kreditbetrag genau dem Beleihungswert entspricht – ein Bereich, in dem die Bank kaum noch Sicherheit sieht.

  • Schritt 1: Finanzierungsbedarf ermitteln (Erstfinanzierung + KfW-Darlehen + Vorlasten).
  • Schritt 2: Beleihungswert der Immobilie feststellen (Verkehrswert minus Sicherheitsabschlag).
  • Schritt 3: Finanzierungsbedarf durch Beleihungswert teilen.
  • Schritt 4: Ergebnis mit 100 multiplizieren, um den Beleihungsauslauf in Prozent zu erhalten.

Beleihungsauslauf und Beleihungswert – der Unterschied

Beleihungsauslauf und Beleihungswert werden oft verwechselt, sind aber zwei unterschiedliche Größen. Der Beleihungswert ist der von der Bank ermittelte langfristige Wert der Immobilie, der als Grundlage für die Kreditvergabe dient. Er wird mit einem Sicherheitsabschlag vom Verkehrswert abgeleitet und spiegelt den erwartbaren Erlös bei einer Zwangsverwertung wider. Der Beleihungsauslauf hingegen ist das Verhältnis zwischen dem tatsächlich aufgenommenen Kreditvolumen und diesem Beleihungswert.

Während der Beleihungswert also eine Bewertungsgröße ist, ist der Beleihungsauslauf eine Kennzahl für die Finanzierungsstruktur. Ein hoher Beleihungswert bei gleichzeitig niedrigem Auslauf signalisiert der Bank eine solide Finanzierung, während ein niedriger Beleihungswert bei hohem Auslauf als riskant gilt. Beide Werte fließen in die Entscheidung ein, ob ein Kredit gewährt wird und zu welchen Zinsen.

  • Beleihungswert = Bankwert der Immobilie nach Sicherheitsabschlag.
  • Beleihungsauslauf = Verhältnis von Fremdkapital zu Beleihungswert in Prozent.
  • Der Beleihungswert ist die Basis, der Auslauf die Kennzahl der Finanzierung.
  • Ein hoher Beleihungswert bei niedrigem Auslauf gilt als sicher.
  • Ein niedriger Beleihungswert bei hohem Auslauf erhöht das Risiko für die Bank.

Warum der Beleihungsauslauf für Zinsen wichtig ist

Der Beleihungsauslauf hat direkten Einfluss auf die Zinsen einer Baufinanzierung. Banken unterteilen ihre Konditionen häufig in sogenannte Beleihungsstufen, zum Beispiel bis 60 Prozent, bis 70 Prozent oder bis 80 Prozent Beleihungsauslauf. Je niedriger der Auslauf liegt, desto günstiger sind in der Regel die Zinsen. Ab etwa 60 Prozent steigen die Zinsen in der Regel schrittweise an, da das Risiko für die Bank zunimmt.

Ein Kreditnehmer mit einem Beleihungsauslauf von 50 Prozent profitiert in der Regel von den besten Konditionen, während ein Auslauf von 80 Prozent oder mehr mit deutlich höheren Zinsen verbunden sein kann. In manchen Fällen verlangen Banken bei sehr hohen Ausläufen zusätzliche Sicherheiten oder lehnen die Finanzierung sogar ab. Wer also Zinsen sparen möchte, sollte darauf achten, den Beleihungsauslauf möglichst niedrig zu halten – etwa durch mehr Eigenkapital oder eine günstigere Immobilie.

  • Niedriger Beleihungsauslauf = geringeres Risiko = bessere Zinsen.
  • Höherer Auslauf = höheres Risiko = teurere Zinsen.
  • Banken nutzen Beleihungsstufen (z.B. bis 60 %, bis 70 %, bis 80 %).
  • Ab etwa 60 Prozent steigen die Zinsen in der Regel an.
  • Sehr hohe Ausläufe können zu zusätzlichen Sicherheiten oder Ablehnung führen.

Wie sich der Beleihungsauslauf senken lässt

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Beleihungsauslauf zu senken und damit die Finanzierung zu entspannen. Die einfachste Methode ist der Einsatz von mehr Eigenkapital. Je höher der Eigenanteil am Kaufpreis oder Baukosten ist, desto geringer fällt der Finanzierungsbedarf aus und umso niedriger wird der Beleihungsauslauf. Auch eine günstigere Immobilie oder ein Objekt in sehr guter Lage kann helfen, da der Beleihungswert in attraktiven Lagen tendenziell höher ausfällt.

Zusätzlich können Käufer und Bauherren auf unnötige Zusatzkosten verzichten, etwa auf teure Umbauten oder Erweiterungen, die den Finanzierungsbedarf erhöhen. Eine sorgfältige Planung von Kaufnebenkosten, Modernisierungen und Sanierungen hilft, den Kreditrahmen zu begrenzen. Wer bereits eine Immobilie besitzt, kann unter Umständen eine Aufstockung der bestehenden Finanzierung vermeiden und stattdessen eine separate, kleinere Finanzierung wählen, um den Auslauf nicht unnötig zu erhöhen.

  • Mehr Eigenkapital einbringen, um den Finanzierungsbedarf zu senken.
  • Immobilie in guter Lage wählen, um einen höheren Beleihungswert zu erzielen.
  • Kaufnebenkosten und Umbauten sorgfältig planen, um den Kreditrahmen zu begrenzen.
  • Auf teure Erweiterungen oder Sanierungen verzichten, wenn sie den Auslauf stark erhöhen.
  • Bestehende Finanzierungen nicht unnötig aufstocken, um den Auslauf zu halten.

Beleihungsauslauf bei Sanierung, Umbau und Modernisierung

Bei Sanierungen, Umbauten oder Modernisierungen spielt der Beleihungsauslauf ebenfalls eine wichtige Rolle. Wer eine bestehende Immobilie energetisch sanieren oder um einen Anbau erweitern möchte, muss die zusätzlichen Kosten in die Finanzierungsplanung einbeziehen. Diese Investitionen erhöhen den Finanzierungsbedarf und können den Beleihungsauslauf nach oben treiben, wenn der Beleihungswert nicht entsprechend steigt.

In vielen Fällen können Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen den Wert der Immobilie langfristig erhöhen und damit auch den Beleihungswert. Dennoch prüfen Banken, ob der zusätzliche Kreditbedarf im Verhältnis zum erwarteten Wertzuwachs vertretbar ist. Wer eine Sanierung plant, sollte daher frühzeitig mit der Bank sprechen und klären, wie sich die Maßnahmen auf den Beleihungsauslauf auswirken. In einigen Fällen kann eine getrennte Finanzierung für die Modernisierung sinnvoll sein, um den Auslauf der Erstfinanzierung nicht zu belasten.

  • Sanierungen und Umbauten erhöhen den Finanzierungsbedarf und können den Auslauf steigern.
  • Wertsteigernde Maßnahmen können den Beleihungswert langfristig erhöhen.
  • Banken prüfen, ob zusätzlicher Kreditbedarf zum Wertzuwachs passt.
  • Getrennte Finanzierung für Modernisierung kann den Auslauf der Erstfinanzierung schonen.
  • Frühzeitige Abstimmung mit der Bank ist bei größeren Umbauten sinnvoll.

Beleihungsauslauf bei Kauf, Bau und Erweiterung

Beim Kauf einer Immobilie oder beim Bau eines Eigenheims ist der Beleihungsauslauf von Anfang an ein zentraler Planungsparameter. Wer ein Haus baut, muss nicht nur den Rohbau, sondern auch Nebenkosten, Anschlüsse und eventuelle Erweiterungen wie Carport oder Garage in die Finanzierung einbeziehen. Jede zusätzliche Investition erhöht den Kreditbedarf und damit potenziell den Beleihungsauslauf, wenn der Beleihungswert nicht entsprechend steigt.

Beim Kauf einer bestehenden Immobilie ist es wichtig, den Kaufpreis realistisch einzuschätzen und nicht überzahlen. Ein überhöhter Kaufpreis führt zu einem höheren Finanzierungsbedarf, während der Beleihungswert sich nur begrenzt anpasst. Dadurch steigt der Beleihungsauslauf und die Zinsen können sich verschlechtern. Wer eine Immobilie erweitert – etwa durch einen Anbau oder eine zusätzliche Garage – sollte prüfen, ob der Mehrwert die zusätzlichen Kreditkosten rechtfertigt und wie sich die Erweiterung auf den Beleihungsauslauf auswirkt.

  • Beim Hausbau alle Kosten (Rohbau, Nebenkosten, Erweiterungen) in die Finanzierung einbeziehen.
  • Überhöhte Kaufpreise erhöhen den Auslauf, ohne den Beleihungswert zu steigern.
  • Erweiterungen wie Anbau oder Garage erhöhen den Kreditbedarf und den Auslauf.
  • Wertsteigernde Erweiterungen können den Beleihungswert langfristig erhöhen.
  • Realistische Preisfindung und sorgfältige Planung helfen, den Auslauf zu kontrollieren.

Fazit

Der Beleihungsauslauf ist ein zentraler Baustein jeder Immobilienfinanzierung und beeinflusst sowohl die Kreditchancen als auch die Zinsen deutlich. Er zeigt, zu welchem Anteil eine Immobilie im Verhältnis zum Bankwert fremdfinanziert ist und dient der Bank als Risikomaßstab. Durch mehr Eigenkapital, eine realistische Preisfindung und eine sorgfältige Planung von Umbauten, Sanierungen und Erweiterungen lässt sich der Auslauf gezielt senken und die Finanzierung entspannen. Wer den Beleihungsauslauf frühzeitig versteht und berücksichtigt, kann langfristig Zinsen sparen und die eigene finanzielle Sicherheit bei der Immobilienfinanzierung erhöhen.

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