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Baukindergeld – Gibt es Alternativen?

Das Baukindergeld ist ausgelaufen. Dieser Artikel beleuchtet die ausgelaufene Förderung, ihre Bedeutung für Familien und zeigt alternative staatliche Unterstützungsmöglichkeiten auf, um den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

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Baukindergeld – Gibt es Alternativen?

Der Erwerb einer Immobilie stellt für viele Familien den größten finanziellen Schritt ihres Lebens dar. Um diesen Schritt zu erleichtern und besonders Familien mit Kindern zu unterstützen, wurde in der Vergangenheit das Baukindergeld eingeführt. Diese staatliche Förderung war darauf ausgelegt, die Kauf- oder Baukosten zu mindern und den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern. Doch obwohl das Baukindergeld eine wichtige Rolle spielte, ist es inzwischen ausgelaufen. Dies wirft bei vielen die Frage auf, welche Möglichkeiten zur Förderung von Wohneigentum es nun gibt. Dieser Ratgeber beleuchtet die Details des ehemaligen Baukindergeldes, analysiert die Beweggründe für seine Einführung und sein Ende und zeigt auf, welche aktuellen Alternativen und Unterstützungsprogramme Familien beim Erwerb von Wohneigentum in Deutschland zur Verfügung stehen. Das Ziel ist es, Ihnen einen umfassenden Überblick zu verschaffen und praktische Hinweise für Ihre individuelle Situation zu geben.

Was war das Baukindergeld eigentlich?

Das Baukindergeld war eine staatliche Subvention, die Familien und Alleinerziehenden mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren beim Erwerb von Wohneigentum helfen sollte. Es wurde im Jahr 2018 eingeführt und lief Ende 2020 für Neuanträge aus, wobei die Antragsfrist für bestimmte Neubauten bis zum 31. März 2021 verlängert wurde. Die Förderung erfolgte in Form eines Zuschusses, der nicht zurückgezahlt werden musste. Sie war als Entlastung für Familien konzipiert, deren Einkommen zwar über den Grenzen für Sozialleistungen lag, aber dennoch Schwierigkeiten hatte, aus eigenen Mitteln den Immobilienkauf vollständig zu finanzieren. Die Einführung des Baukindergeldes war eine Reaktion auf die steigenden Immobilienpreise und die damit verbundenen Herausforderungen für Familien, eigenen Wohnraum zu schaffen.

Die Gestaltung des Baukindergeldes war spezifisch auf die Bedürfnisse von Familien zugeschnitten. Es sollte einen Anreiz schaffen, um langfristig in Wohneigentum zu investieren und somit auch die Familienbildung im Eigenheim zu fördern. Die Bedingungen für den Erhalt waren klar definiert und stellten sicher, dass die Mittel zielgerichtet eingesetzt wurden. Die Idee dahinter war, die Eigenkapitalquote zu erhöhen und somit die Finanzierungskosten zu senken, da ein höherer Eigenkapitaleinsatz oft zu günstigeren Konditionen bei der Kreditvergabe führt. Es war eine Maßnahme, die darauf abzielte, den Traum vom Eigenheim für breitere Schichten der Bevölkerung zugänglicher zu machen.

  • Jährlicher Zuschuss pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren.
  • Einkommensgrenzen für die Antragsberechtigung, um eine zielgerichtete Förderung zu gewährleisten.
  • Förderung sowohl für den Kauf als auch für den Neubau einer selbst genutzten Immobilie.
  • Nicht rückzahlbarer Zuschuss, der direkt das Eigenkapital stärkte.

Das Ende des Baukindergeldes: Warum und wann?

Das Baukindergeld endete offiziell für Neuanträge am 31. Dezember 2020. Für Familien, die bis zu diesem Zeitpunkt einen Kaufvertrag unterzeichnet oder eine Baugenehmigung erhalten hatten, gab es eine verlängerte Antragsfrist bis zum 31. März 2021. Danach war die Beantragung dieser spezifischen Förderung nicht mehr möglich. Die Gründe für das Auslaufen des Baukindergeldes waren vielfältig. Einerseits gab es politische Debatten über die Effektivität und die Gerechtigkeit der Maßnahme. Kritiker bemängelten, dass das Baukindergeld in erster Linie den Immobilienpreisen Auftrieb verlieh, anstatt den Familien tatsächlich langfristig zu helfen, da die Zuschüsse oft durch höhere Kaufpreise relativiert wurden. Andererseits spielten auch fiskalische Überlegungen eine Rolle, da die Förderung erhebliche Haushaltsmittel band.

Das Auslaufen des Baukindergeldes war Teil einer Neubewertung der staatlichen Förderpolitik im Wohnungsbereich. Der Fokus verlagerte sich stärker auf andere Mechanismen, die als nachhaltiger und effektiver für die breite Bevölkerung angesehen wurden. Dies umfasste beispielsweise die Förderung von Mietwohnungsbau, die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden oder die Unterstützung von Wohneigentumsbildung durch andere Kreditprogramme. Auch die Komplexität der Förderlandschaft und der Wunsch nach einer Vereinfachung der staatlichen Hilfen spielten eine Rolle bei der Entscheidung, das Baukindergeld einzustellen. Es war ein politischer Kompromiss, der darauf abzielte, die zur Verfügung stehenden Mittel anders und potenziell wirksamer einzusetzen.

Staatliche Förderungen über die KfW-Bank

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist ein zentraler Akteur bei der staatlichen Förderung von Wohneigentum in Deutschland. Auch nach dem Auslaufen des Baukindergeldes bietet die KfW eine Vielzahl von Programmen an, die den Immobilienkauf oder -bau finanziell unterstützen. Diese Programme sind in der Regel zinsgünstige Darlehen oder Tilgungszuschüsse, die den Bauherren oder Käufern eine spürbare Entlastung bieten können. Die Förderungen der KfW konzentrieren sich häufig auf spezielle Aspekte wie Energieeffizienz, barrierefreies Bauen oder die Sanierung bestehender Immobilien, aber auch der Neubau und Ersterwerb werden adressiert. Es ist essenziell, sich frühzeitig über die verschiedenen KfW-Programme zu informieren, da sie miteinander kombinierbar sein können und unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringen.

Ein bekanntes Programm ist beispielsweise das Wohneigentumsprogramm (KFW 124), welches Personen, die erstmals selbstgenutztes Wohneigentum erwerben oder bauen, mit einem zinsgünstigen Darlehen unterstützt. Für Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz gibt es spezialisierte Förderungen, etwa für das Erreichen eines bestimmten KfW-Effizienzhausstandards nach neuesten Vorgaben. Dies kann nicht nur die Finanzierung erleichtern, sondern sich auch langfristig durch niedrigere Energiekosten auszahlen. Die KfW-Förderungen sind ein wichtiger Baustein in der Finanzierungsstrategie vieler Immobilienkäufer und -bauer und sollten unbedingt in die Planung einbezogen werden. Ein Gespräch mit der Hausbank oder einem unabhängigen Finanzberater ist hierbei unerlässlich, um die optimalen Förderungen zu identifizieren und zu beantragen.

  • KfW-Wohneigentumsprogramm (Programm 124): Zinsgünstige Kredite für den Ersterwerb oder Neubau von selbstgenutztem Wohneigentum.
  • KfW-Kredit für energieeffizientes Bauen oder Sanieren (z.B. Programm 261, 262): Attraktive Zinsen und Tilgungszuschüsse für Bauvorhaben, die hohe Energieeffizienzstandards erfüllen.
  • Wohneigentum für Familien (Programm 300): Speziell für Familien mit Kindern, die selbstgenutzten Wohnraum energieeffizient bauen oder kaufen wollen.
  • Altersgerecht Umbauen (Programm 159): Unterstützung für Maßnahmen, die Barrierefreiheit schaffen oder die Sicherheit im Eigenheim erhöhen.

Regionale und lokale Förderprogramme

Neben den bundesweiten Förderungen durch die KfW bieten auch viele Bundesländer, Landkreise und Kommunen eigene Programme zur Unterstützung des Wohneigentumserwerbs an. Diese regionalen Förderungen sind oft auf die spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse der jeweiligen Region zugeschnitten und können eine wertvolle Ergänzung zu den bundesweiten Programmen darstellen. Die Art der Förderung ist vielfältig: Sie kann von zinsverbilligten Darlehen über Zuschüsse bis hin zu vergünstigten Grundstücken oder kostenlosen Beratungsleistungen reichen. Es ist ratsam, sich bei den zuständigen Landesbanken, Wohnungsämtern, Stadt- oder Kreisverwaltungen über aktuelle Angebote zu informieren.

Einige Bundesländer legen Schwerpunkte auf bestimmte Zielgruppen, beispielsweise Familien mit geringerem Einkommen, oder fördern den Bau in ländlichen Gebieten, um der Landflucht entgegenzuwirken. Andere Programme zielen auf die Revitalisierung von Stadtkernen oder die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien ab. Die Vielfalt der regionalen Förderlandschaft macht eine umfassende Recherche unerlässlich. Oftmals lassen sich diese Programme hervorragend mit den KfW-Darlehen kombinieren, was die gesamte Finanzierung erheblich entlasten kann. Die Förderbedingungen können sich jedoch stark unterscheiden, und es ist wichtig, alle Voraussetzungen genau zu prüfen, bevor ein Antrag gestellt wird. Eine frühzeitige Information und Beratung kann hier den entscheidenden Unterschied machen.

  • Zinsgünstige Darlehen, beispielsweise über Landesbanken oder Förderinstitute.
  • Direkte Zuschüsse, etwa für Eigenkapital oder bei der Sanierung von Bestandsimmobilien.
  • Vergünstigte Kaufpreise für Grundstücke der Gemeinde oder des Landes.
  • Beratungsleistungen oder technische Unterstützung bei Bauvorhaben.
  • Spezielle Familienförderungen, die an die Anzahl der Kinder gekoppelt sind.

Lohnt sich die Riester-Förderung für Eigenheimbesitzer?

Die Riester-Förderung, ursprünglich zur privaten Altersvorsorge gedacht, kann auch für den Erwerb oder die Entschuldung von selbstgenutztem Wohneigentum genutzt werden. Dies wird als "Wohn-Riester" oder auch "Eigenheimrente" bezeichnet. Dabei werden die staatlichen Zulagen und die Steuervorteile des Riester-Vertrags direkt für wohnwirtschaftliche Zwecke eingesetzt. Dies kann sich in Form von Ansparen für den Kaufpreis, Tilgung eines Darlehens oder die Ablösung eines bestehenden Darlehens äußern. Die Vorteile liegen in den staatlichen Zuschüssen (Grundzulage und Kinderzulage) und den Möglichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit der Eigenbeiträge. Dadurch kann das Eigenkapital gestärkt oder die monatliche Belastung durch die Immobilienfinanzierung reduziert werden.

Die Nutzung von Wohn-Riester ist jedoch mit einigen Besonderheiten verbunden, die es zu beachten gilt. Die Beträge, die aus dem Riester-Vertrag entnommen oder zur Tilgung verwendet werden, müssen später versteuert werden. Dies geschieht in der Ansparphase über ein sogenanntes "Wohnförderkonto" und später im Rentenalter durch eine nachgelagerte Besteuerung. Daher ist es wichtig, die langfristigen Auswirkungen auf die Altersvorsorge und die steuerliche Belastung genau zu kalkulieren. Für viele Familien kann Wohn-Riester dennoch eine attraktive Option sein, um die Finanzierung ihres Eigenheims zu stemmen, insbesondere da die Zulagen pro Kind die Einzahlung erheblich aufstocken können. Es empfiehlt sich eine detaillierte Beratung, um die individuellen Vor- und Nachteile abzuwägen und die optimale Strategie für die eigene Finanzierung zu finden.

  • Staatliche Grundzulage für jeden Riester-Sparer.
  • Zusätzliche Kinderzulagen, die pro Kind gezahlt werden.
  • Möglichkeiten zur steuerlichen Absetzbarkeit der Riester-Beiträge.
  • Verwendung des angesparten Kapitals für den Erwerb oder die Entschuldung von selbstgenutztem Wohneigentum.
  • Nachgelagerte Besteuerung der entnommenen und geförderten Beträge im Rentenalter.

Bausparverträge als Finanzierungsbaustein

Bausparverträge sind eine bewährte Methode, um langfristig Kapital für den Erwerb, Bau oder die Modernisierung einer Immobilie anzusparen. Sie bieten nicht nur eine feste Verzinsung für das angesparte Guthaben, sondern auch die Möglichkeit, später ein zinsgünstiges Bauspardarlehen zu erhalten. Das Prinzip eines Bausparvertrags besteht aus zwei Phasen: der Ansparphase und der Darlehensphase. In der Ansparphase zahlen Sie regelmäßig Beiträge ein, bis ein bestimmter Anteil der Bausparsumme erreicht ist. Anschließend wird der Vertrag zugeteilt, und Sie können das günstige Bauspardarlehen in Anspruch nehmen. Oft wird ein Bausparvertrag auch durch staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage unterstützt, was die Attraktivität weiter erhöht.

Die Vorteile von Bausparverträgen liegen in der Planungssicherheit. Die Darlehenszinsen sind für die gesamte Laufzeit festgeschrieben, was eine hohe Kalkulationssicherheit bietet und vor steigenden Marktzinsen schützt. Dies ist besonders in Phasen unsicherer Zinsentwicklung ein großer Pluspunkt. Auch wenn die Zinsen in der Ansparphase oft niedriger sind als bei anderen Anlageformen, kann das spätere günstige Darlehen diese Differenz mehr als ausgleichen. Bausparverträge eignen sich sowohl als alleiniger Finanzierungsbaustein, insbesondere für kleinere Projekte oder Modernisierungen, als auch in Kombination mit anderen Darlehen zur Reduzierung der Gesamtzinslast. Es ist wichtig, den Bausparvertrag an die eigenen Bedürfnisse anzupassen und die jeweiligen Konditionen genau zu vergleichen. Eine individuelle Beratung durch einen Fachmann hilft, den passenden Tarif und die optimale Strategie zu finden.

  • Planungssicherheit durch festgeschriebene Darlehenszinsen.
  • Möglichkeit der staatlichen Förderung durch Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage.
  • Flexibilität bei der Verwendung des Guthabens und Darlehens (Kauf, Bau, Modernisierung).
  • Aufteilung in Anspar- und Darlehensphase.
  • Kann als Baustein in einer umfassenden Immobilienfinanzierung dienen.

Steuerliche Aspekte beim Immobilienerwerb

Neben direkten Förderungen spielen steuerliche Aspekte eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Erwerb von Wohneigentum. Auch wenn es keine expliziten Steuererleichterungen mehr gibt, die dem Baukindergeld direkt nachfolgen, sollten die verschiedenen Posten, die sich steuerlich geltend machen lassen, genau betrachtet werden. Hierzu gehören beispielsweise die sogenannten "haushaltsnahen Dienstleistungen" und "Handwerkerleistungen". Wenn Sie nach dem Erwerb Umbau- oder Modernisierungsmaßnahmen an Ihrer selbstgenutzten Immobilie vornehmen, können Sie einen Teil der Arbeitskosten von der Steuer absetzen. Dies gilt für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, aber auch für Dienstleistungen im Haushalt wie Gartenpflege oder Reinigung.

Des Weiteren können in bestimmten Fällen die Kosten für die Finanzierung, wie zum Beispiel die Bereitstellungszinsen für ein Immobiliendarlehen oder die Fahrtkosten zum Kreditgespräch, steuerlich berücksichtigt werden, insbesondere wenn die Immobilie teilweise vermietet wird oder für berufliche Zwecke genutzt wird. Die Grunderwerbsteuer, die beim Kauf einer Immobilie anfällt, ist in der Regel nicht direkt absetzbar, es sei denn, die Immobilie wird vermietet. Es ist jedoch wichtig, sich über die spezifischen Regelungen und Höchstgrenzen im aktuellen Steuerrecht zu informieren, da diese sich ändern können. Eine professionelle Beratung durch einen Steuerberater ist hierbei unerlässlich, um alle steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen und keine Potenziale ungenutzt zu lassen.

  • Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen (Lohnkosten) für Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.
  • Steuerlicher Abzug für haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Reinigung, Gartenpflege).
  • Berücksichtigung von Finanzierungskosten in bestimmten Fällen, insbesondere bei vermieteten Objekten.
  • Keine direkte Absetzbarkeit der Grunderwerbsteuer für selbstgenutztes Wohneigentum.
  • Potenziell weitere steuerliche Vorteile bei vermieteter Wohnfläche oder beruflicher Nutzung.

Fazit

Auch wenn das Baukindergeld für Neuanträge der Vergangenheit angehört, besteht für Familien der Traum vom Eigenheim fort und wird durch eine Vielzahl anderer Förderinstrumente weiterhin aktiv unterstützt. Die umfassende Förderlandschaft in Deutschland, bestehend aus KfW-Programmen, regionalen und lokalen Zuschüssen, der Wohn-Riester-Förderung sowie steuerlichen Vorteilen, bietet nach wie vor attraktive Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung beim Erwerb von Wohneigentum. Der Schlüssel liegt in einer frühzeitigen und gründlichen Information sowie einer individuellen Beratung. Indem alle verfügbaren Optionen sorgfältig geprüft und sinnvoll miteinander kombiniert werden, lässt sich die Finanzierung des Eigenheims auch ohne das Baukindergeld auf eine solide Basis stellen. Familien sollten sich nicht entmutigen lassen, sondern aktiv die vielseitigen Unterstützungsprogramme in Anspruch nehmen, um ihren Wohntraum zu verwirklichen.