Das blackprint Institut, Teil der blackprint Gruppe, hat den blackprint PropTech Report H1/2026 veröffentlicht. Dieser halbjährlich erscheinende Bericht analysiert den deutschen PropTech-Markt als Innovationsmotor der Bau- und Immobilienwirtschaft, wobei er Marktgröße, Struktur und Kapitalflüsse als ein zusammenhängendes System darstellt. Die Untersuchung des ersten Halbjahres 2026 offenbart eine ambivalente Entwicklung: Der Markt wächst signifikant und verzeichnet eine hohe Gründungsaktivität, jedoch bleibt die Kapitalzufuhr aus der eigenen Branche zunehmend aus.
Marktwachstum und Gründungsdynamik
Zum Stichtag 30. Juni 2026 erreichte der deutsche PropTech-Markt ein neues Allzeithoch von 1.568 aktiven Unternehmen. Dies entspricht einem Anstieg von 7 Prozent gegenüber dem Jahresende 2025 und einer mehr als Verdreifachung seit dem letzten Vor-Corona-Jahr. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 144 neue PropTechs gegründet, was den stärksten Auftakt seit Beginn der Erhebungen darstellt und einem Zuwachs von 74 Prozent gegenüber H1/2025 entspricht. Dieses Wachstum wird überwiegend von kleinen, agilen Teams getragen. Die kleinste Größenklasse (bis 5 Beschäftigte) verzeichnete dabei eine Zunahme von 19 Prozent. Die Konsolidierungsrate durch wirtschaftliche Schwierigkeiten blieb mit rund 7 Prozent des Bestands stabil. Gründungsaktivitäten und Kapitalflüsse verlagern sich zunehmend in Segmente, die Bestands-, Sanierungs- und Betriebsmanagement betreffen, was auf den gestiegenen regulatorischen und operativen Handlungsdruck in diesen Bereichen zurückzuführen ist.
Diskrepanz bei der Finanzierung
Im Bereich des Wagniskapitals zeigt sich ein abweichendes Bild. Mit 272,3 Millionen Euro wurde im ersten Halbjahr der schwächste Wert seit Erhebungsbeginn verzeichnet, was einem Rückgang von 42 Prozent gegenüber H1/2025 entspricht und den dritten jährlichen Rückgang in Folge markiert. Das Fremdkapital lag mit 1.128 Millionen Euro weiterhin über dem Wagnis- beziehungsweise Eigenkapital. Allerdings war ein Großteil, rund 94 Prozent, dieses Fremdkapitals durch einen einzelnen Fall geprägt, was eher die Bedeutung projekt- und anlagennaher Finanzierungen als eine breite Dynamik im Markt widerspiegelt. Abseits dieses Großfalls konzentrierte sich das investierte Kapital auf anlagennahe Modelle mit stabilen Cashflows.
Gleichzeitig schrumpfte die Geberbasis auf 126 Kapitalgeber, ein Rückgang von 37 Prozent. An der Spitze der aktivsten Investoren standen öffentlich getragene Frühphaseninvestoren. Strategisches Kapital aus der Immobilienbranche selbst machte lediglich rund acht Prozent der Investitionen aus. Annika Wagner, Chief Development Officer und Managing Partner des blackprint Instituts, kommentierte die Datenlage und stellte fest, die Finanzierung konzentriere sich nicht mehr auf Marktbreite, sondern auf nachweisbare Wirksamkeit und Skalierungsreife. Der Markt reife, selektiere aber stärker. Gründungen und Kapital verschöben sich in Segmente, die Bestand, Sanierung und Betrieb direkt betreffen. Sie merkte an, die Entkopplung vom Gesamtmarkt sei auffällig, da der Sog der KI-Welle, der den Wagniskapitalmarkt national und global antreibe, den PropTech-Sektor bislang kaum erreiche.
Sarah Schlesinger, CEO und Managing Partner der blackprint Gruppe, betonte, eine Branche, die Investitionslogiken im Kerngeschäft perfekt beherrsche, wende diese auf ihren eigenen Innovationssektor kaum an. Sie warte auf fertige Lösungen, die ohne Kapital nicht entstehen könnten. Der dritte Wagniskapital-Rückgang in Folge sei daher nicht als Konjunktursignal, sondern als Aufforderung an die Branche zu verstehen: Ein Innovationssektor sei nur so stark, wie er von der eigenen Branche finanziert werde. Investitionen heute sicherten den Zugang zu Lösungen von morgen sowie zu den daraus resultierenden Renditechancen.
Blackprint hat zudem die zugrunde liegende PropTech-Definition überarbeitet. Diese Überarbeitung basierte auf einer mehrmonatigen Marktabgrenzung unter Einbeziehung von Forschungsergebnissen zu branchenrelevanten Veränderungstreibern und Marktrückmeldungen. Neu in die Definition aufgenommen wurden nun explizit gebäude- und liegenschaftsgebundene Energielösungen, von Mieterstrom über Speicher bis hin zu Submetering, die jedoch klar von der reinen Energiewirtschaft abgegrenzt werden. Diese Anpassung trägt den großen Veränderungstreibern wie der ESG-Regulatorik, der Energiewende und Künstlicher Intelligenz Rechnung. Die Überarbeitung der Definition dient der Vergleichbarkeit von Zeitreihen und bildet die reale Verschiebung des Sektors unter diesen Treibern ab.




