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Wie viel Eigenkapital empfehlen Banken realistisch?

Wie viel Eigenkapital ist beim Immobilienkauf wirklich nötig? Erfahren Sie, welche Empfehlungen Banken geben und welche Faktoren die optimale Höhe beeinflussen.

7 min Lesezeit
Wie viel Eigenkapital empfehlen Banken realistisch?

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für viele Menschen ein zentrales Lebensziel. Doch bevor dieser Traum Wirklichkeit werden kann, steht eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben an: die Immobilienfinanzierung. Eine entscheidende Rolle dabei spielt das Eigenkapital. Immer wieder stellt sich die Frage, wie viel Eigenkapital Banken realistisch empfehlen und welche Bedeutung es für die Kreditvergabe sowie die langfristige finanzielle Belastung hat. Dieser Artikel beleuchtet die gängigen Empfehlungen von Finanzinstituten, die Vorteile einer soliden Eigenkapitalbasis und die Faktoren, die bei der individuellen Festlegung der Eigenkapitalhöhe zu berücksichtigen sind. Wir erklären relevante Fachbegriffe und geben Ihnen praxisnahe Einblicke, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Was ist Eigenkapital und warum ist es so wichtig?

Eigenkapital bezeichnet jenen Teil des Kaufpreises einer Immobilie, der aus eigenen Mitteln finanziert wird und nicht durch ein Darlehen gedeckt ist. Es handelt sich um liquideres Vermögen, das für den Immobilienerwerb eingesetzt wird. Dazu zählen beispielsweise Ersparnisse auf Sparbüchern, Festgeldkonten, Bausparguthaben, der Wert von Wertpapierdepots (nach Veräußerung), eventuell auch bereits abbezahlte Immobilien oder Schenkungen. Die Banken sehen Eigenkapital als einen wichtigen Indikator für die Bonität eines Kreditnehmers und die Solidität der Finanzierung. Es reduziert das Risiko für das Kreditinstitut und signalisiert die Fähigkeit des Kreditnehmers, finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen.

Ein höherer Eigenkapitalanteil hat mehrere positive Auswirkungen. Erstens verringert er die Höhe des benötigten Darlehens, was direkt zu geringeren monatlichen Raten und einer kürzeren Gesamtlaufzeit der Finanzierung führen kann. Zweitens verbessert er die sogenannte Beleihungsauslaufquote, welche das Verhältnis zwischen dem Darlehensbetrag und dem Wert der Immobilie ausdrückt. Je niedriger diese Quote ist, desto besser sind in der Regel die Konditionen des Darlehens. Banken schätzen dieses geringere Risiko und bieten dafür oft deutlich günstigere Zinssätze an. Drittens dient Eigenkapital als Sicherheitspuffer für unvorhergesehene Ereignisse. Sollten beispielsweise Reparaturen anfallen oder sich die persönliche Einkommenssituation ändern, bietet eine solide Eigenkapitalbasis eine größere finanzielle Resilienz.

Die übliche Empfehlung: 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital

Die gängige Empfehlung der meisten Kreditinstitute im deutschsprachigen Raum liegt bei etwa 20 bis 30 Prozent des reinen Kaufpreises der Immobilie als Eigenkapital. Diese Spanne hat sich über Jahre als Richtwert etabliert und dient als Basis für eine risikoarme und wirtschaftlich tragfähige Finanzierung. Diese Empfehlung berücksichtigt, dass ein substanzieller Eigenkapitalanteil die monatliche Belastung für den Kreditnehmer reduziert und gleichzeitig das Ausfallrisiko für die Bank minimiert.

  • 20% Eigenkapital: Oft als Mindestanforderung für gute Konditionen betrachtet.
  • 30% Eigenkapital oder mehr: Führt in der Regel zu den besten Zinssätzen und hoher Genehmigungswahrscheinlichkeit.
  • Weniger als 20% Eigenkapital: Erschwert die Finanzierung und führt zu höheren Zinskosten.

Die Bedeutung der Nebenkosten: Der versteckte Kostenfaktor

Ein entscheidender Punkt, der oft unterschätzt wird, sind die Kaufnebenkosten. Diese können je nach Bundesland und individuellen Gegebenheiten zwischen etwa 9 und 13 Prozent des Kaufpreises betragen und fallen zusätzlich zum reinen Immobilienwert an. Es ist ratsam, diese Nebenkosten vollständig aus Eigenkapital zu bestreiten. Wer also die empfohlenen 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital mitbringt, sollte darüber hinaus noch genügend Reserven für die Nebenkosten haben.

  • Grunderwerbsteuer: Abhängig vom Bundesland, meist zwischen 3,5% und 6,5% des Kaufpreises.
  • Notar- und Gerichtskosten: In der Regel ca. 1,5% bis 2% des Kaufpreises für die Beurkundung des Kaufvertrags und die Eintragung ins Grundbuch.
  • Maklerprovision: Falls ein Makler beauftragt wurde, teilt man sich die Provision in Deutschland meist mit dem Verkäufer, sie beträgt zusammen typischerweise bis zu 7,14% des Kaufpreises (inkl. MwSt.).
  • Ggf. Gutachterkosten: Für eine unabhängige Wertermittlung der Immobilie.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro für eine Immobilie und angenommenen Nebenkosten von 10% (30.000 Euro), sollten optimalerweise 60.000 bis 90.000 Euro (20-30% des Kaufpreises) plus die 30.000 Euro Nebenkosten, also insgesamt 90.000 bis 120.000 Euro eigenes Kapital, vorhanden sein. Dies stellt sicher, dass die eigentliche Finanzierung des Kaufpreises auf einer soliden Basis steht und die Bank ein geringeres Risiko eingeht, da der Kredit nicht die gesamten Kaufnebenkosten mitfinanzieren muss.

Warum weniger Eigenkapital das Darlehen teurer macht

Banken kalkulieren Zinsen auf Basis des Risikos, das sie mit einer Kreditvergabe eingehen. Je höher der Beleihungsauslauf, also der Anteil des Darlehens am Wert der Immobilie, desto höher die Risikoeinstufung für die Bank. Ein niedriger Eigenkapitalanteil bedeutet, dass die Bank einen größeren Teil des Werts der Immobilie finanzieren muss und im Falle eines Kreditausfalls ein höheres Verlustrisiko trägt. Dieses erhöhte Risiko wird durch höhere Zinsaufschläge kompensiert. Man spricht dann von einem 'Aufschlag auf den risikofreien Zins'.

Die Praxis zeigt, dass es oft deutliche Zinsunterschiede gibt, je nachdem, ob beispielsweise 80 Prozent oder 90 Prozent des Kaufpreises finanziert werden. Schon ein geringerer Eigenkapitalanteil kann die monatliche Rate spürbar erhöhen und die Gesamtkosten der Finanzierung über die gesamte Laufzeit signifikant steigern. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der bei der Planung der Finanzierung berücksichtigt werden sollte, um langfristig nicht unnötig viel Geld zu verlieren.

Sonderfälle: Vollfinanzierung und KfW-Darlehen

In Ausnahmefällen ist auch eine sogenannte Vollfinanzierung möglich, bei der der gesamte Kaufpreis, teilweise sogar inklusive der Kaufnebenkosten, über ein Darlehen bestritten wird. Solche Finanzierungen sind jedoch selten und setzen in der Regel eine außergewöhnlich gute Bonität des Kreditnehmers, ein sehr hohes und sicheres Einkommen sowie zusätzliche Sicherheiten wie beispielsweise Bürgschaften oder weitere Immobilien voraus. Die Zinskonditionen sind bei Vollfinanzierungen meist deutlich höher, da das Risiko für die Bank maximal ist. Sie eignen sich nur für sehr wenige, speziell gelagerte Fälle und sollten nur nach sorgfältiger Abwägung genutzt werden.

Eine andere Möglichkeit, den Eigenkapitalanteil zu 'strecken', sind Förderdarlehen, beispielsweise von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese Darlehen sind oft zinsgünstiger als klassische Bankdarlehen und können einen Teil der Finanzierung abdecken. Sie werden in der Regel für energieeffiziente Bauweisen, altersgerechte Umbauten oder den Kauf von Wohneigentum für Familien angeboten und können die Gesamtbelastung senken. Dennoch ist auch bei der Nutzung von KfW-Darlehen ein gewisser Eigenkapitalanteil von Vorteil, um die gesamte Finanzierung auf eine solide Basis zu stellen.

Individuelle Faktoren für die Eigenkapitalplanung

Die optimale Höhe des Eigenkapitals ist nicht nur eine Frage der Bankempfehlungen, sondern auch eine individuelle Abwägung, die von verschiedenen persönlichen Faktoren abhängt. Dazu gehören die allgemeine wirtschaftliche Situation, das geplante monatliche Einkommen und Ausgaben, die berufliche Sicherheit sowie persönliche Zukunftspläne wie Familienzuwachs oder geplante größere Anschaffungen.

  • Einkommenssicherheit: Ein stabiles und hohes Einkommen kann unter Umständen einen etwas geringeren Eigenkapitalanteil kompensieren, führt aber selten zu den besten Konditionen.
  • Ratenhöhe: Eine niedrige monatliche Rate, ermöglicht durch mehr Eigenkapital, schafft finanzielle Freiräume.
  • Altersvorsorge: Nicht das gesamte Ersparte sollte in die Immobilie fließen; es ist wichtig, auch Reserven für andere Zwecke zu behalten.
  • Zukunftspläne: Eventuelle Kinder, ein Jobwechsel oder andere Lebensereignisse sollten in der Planung berücksichtigt werden.

Eine Faustregel besagt, dass auch nach dem Immobilienerwerb ein finanzieller Puffer für unvorhergesehene Ausgaben, wie beispielsweise Reparaturen am Haus oder der Ausfall eines Einkommens, vorhanden sein sollte. Experten empfehlen hier oft einen Notgroschen in Höhe von drei bis sechs Monatsausgaben, der auch noch nach dem Einzug bestehen bleiben sollte.

Rechenbeispiel und Szenarien

Um die Auswirkungen unterschiedlicher Eigenkapitalanteile zu veranschaulichen, betrachten wir ein fiktives Beispiel. Angenommen, eine Immobilie kostet 400.000 Euro. Die Nebenkosten betragen pauschal 10%, also 40.000 Euro. Die Zinsen für das Darlehen seien fiktiv 3,5% und die Tilgung 2% p.a. (anfänglich).

Szenario 1: 30% Eigenkapital auf den Kaufpreis + Nebenkosten.

  • Benötigtes Eigenkapital: 30% von 400.000 € = 120.000 € (Kaufpreisanteil) + 40.000 € (Nebenkosten) = 160.000 €.
  • Darlehensbetrag: 400.000 € - 120.000 € = 280.000 €.
  • Monatliche Rate (fiktiv, ohne realistische Konditionen): ca. 1.283 € (bei 3,5% Zins + 2% Tilgung).

Szenario 2: 10% Eigenkapital auf den Kaufpreis + Nebenkosten.

  • Benötigtes Eigenkapital: 10% von 400.000 € = 40.000 € (Kaufpreisanteil) + 40.000 € (Nebenkosten) = 80.000 €.
  • Darlehensbetrag: 400.000 € - 40.000 € = 360.000 €.
  • Monatliche Rate (fiktiv, ohne realistische Konditionen): ca. 1.650 € (oft mit höherem Zinsaufschlag, z.B. 4% Zins + 2% Tilgung).

Dieses Beispiel zeigt deutlich: Während im ersten Szenario 160.000 Euro Eigenkapital benötigt werden, verringert sich die monatliche Belastung und die Laufzeit des Darlehens voraussichtlich erheblich. Im zweiten Szenario sind zwar nur 80.000 Euro Eigenkapital erforderlich, doch die monatliche Rate steigt stark an und langfristig sind durch Zinsaufschläge deutlich höhere Gesamtkosten zu erwarten. Dies verdeutlicht, dass die anfängliche Investition in Form von Eigenkapital langfristig zu erheblichen Einsparungen führen kann.

Fazit

Die Empfehlungen der Banken bezüglich des Eigenkapitals von 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises, idealerweise zuzüglich der Nebenkosten, sind nicht willkürlich gewählt, sondern basieren auf fundierten Risikoanalysen. Eine solide Eigenkapitalbasis bietet nicht nur bessere Darlehenskonditionen und senkt die monatliche Belastung, sondern erhöht auch die finanzielle Sicherheit des Kreditnehmers. Es ist ratsam, vor der Immobilienfinanzierung eine detaillierte Finanzplanung vorzunehmen und alle verfügbaren Eigenmittel sorgfältig zu prüfen. Eine unabhängige Finanzberatung kann dabei helfen, die optimale Eigenkapitalstrategie für die individuelle Lebenssituation zu finden und den Traum vom Eigenheim auf eine wirtschaftlich tragfähige Basis zu stellen.

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