Wie lange dauert die Anschlussfinanzierung?
Wie lange dauert eine Anschlussfinanzierung wirklich? Von der ersten Planung bis zur Auszahlung – was Sie wissen sollten, um Zeitdruck zu vermeiden und bessere Konditionen zu bekommen.

Eine Anschlussfinanzierung ist ein wichtiger Schritt bei der langfristigen Finanzierung einer Immobilie. Wenn die Zinsbindung Ihres bestehenden Baudarlehens endet, stellt sich die Frage, wie lange es dauert, bis ein neuer Kredit steht und die laufende Finanzierung nahtlos weiterläuft. Viele Eigentümer unterschätzen die Dauer dieses Prozesses und geraten in Zeitdruck, obwohl sich die Anschlussfinanzierung in der Regel gut planen lässt. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, wie lange die einzelnen Phasen dauern können, welche Faktoren die Dauer beeinflussen und wie Sie sich optimal vorbereiten, um Zeitverlust und teure Prolongationsangebote zu vermeiden.
Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Eine Anschlussfinanzierung ist die Fortführung einer bestehenden Baufinanzierung mit einem neuen Darlehen, das nach Ablauf der Zinsbindungsfrist des ursprünglichen Kredits greift. Häufig wird der Begriff auch für die Umschuldung auf eine andere Bank verwendet. Im Gegensatz zur Prolongation – also der Verlängerung des bestehenden Vertrags bei derselben Bank – kann eine Anschlussfinanzierung bei einem neuen Kreditinstitut abgeschlossen werden, um bessere Konditionen zu erhalten. Wichtig ist, dass die neue Finanzierung rechtzeitig steht, damit keine Lücke entsteht und keine teuren Überbrückungslösungen nötig sind.
Typische Zinsbindungen liegen bei 5, 10 oder 15 Jahren. Danach endet die feste Zinsphase, und die Bank ist gesetzlich verpflichtet, spätestens drei Monate vor Ablauf ein Angebot zur Prolongation zu machen. Wer diese Frist verpasst, kann in eine teurere Standardzinsphase rutschen. Eine Anschlussfinanzierung ermöglicht es, bereits vorher neue Konditionen zu vereinbaren und so von günstigen Zinsen zu profitieren oder die Tilgung anzupassen.
Von der Planung bis zur Auszahlung: Die typischen Zeiträume
Die Dauer einer Anschlussfinanzierung lässt sich in mehrere Phasen unterteilen: Informationsphase, Angebotsvergleich, Vertragsabschluss und Auszahlung. Insgesamt kann der Prozess von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern, je nachdem, ob Sie bei Ihrer bisherigen Bank bleiben oder die Bank wechseln. Wer frühzeitig plant, kann sich in der Regel mehrere Monate vor Ablauf der Zinsbindung mit Angeboten beschäftigen und sich günstige Konditionen sichern.
Bei einer Prolongation bei der bisherigen Bank ist der Prozess meist schnell: Die Bank kennt Ihre Daten, hat bereits alle Unterlagen geprüft und muss nur die neuen Konditionen vereinbaren. In der Regel dauert dieser Schritt nur wenige Tage. Wechseln Sie hingegen die Bank, kann der Prozess deutlich länger dauern, da das neue Kreditinstitut das Objekt prüfen, ein Wertgutachten anfordern, Ihre Kreditwürdigkeit überprüfen und das Grundbuch einsehen muss. In Extremfällen können bis zur Auszahlung mehrere Wochen vergehen.
- —Informationsphase: 3–12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung
- —Angebotsvergleich: 1–3 Monate vor Ablauf
- —Vertragsabschluss: wenige Tage bis mehrere Wochen
- —Auszahlung: direkt nach Vertragsabschluss oder nach Bereitstellungsfreier Zeit
Wie lange dauert eine Prolongation bei der Hausbank?
Eine Prolongation ist die Verlängerung des bestehenden Darlehensvertrags bei derselben Bank. Die Bank ist gesetzlich verpflichtet, spätestens drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung ein Angebot zur Prolongation zu unterbreiten. In der Praxis geschieht dies oft noch früher, um Zeitdruck zu vermeiden. Die Prolongation ist in der Regel der schnellste Weg, da die Bank Ihre Daten bereits kennt und keine neuen Unterlagen einholen muss.
Der eigentliche Abschluss einer Prolongation kann in wenigen Tagen erfolgen. Die Bank prüft lediglich die neuen Konditionen und passt den Vertrag an. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Prolongationsangebote oft teurer sind als Angebote anderer Banken. Es lohnt sich daher, auch bei einer Prolongation Angebote zu vergleichen und gegebenenfalls eine Anschlussfinanzierung bei einer anderen Bank in Betracht zu ziehen.
- —Bank kontaktiert Sie spätestens 3 Monate vor Ablauf
- —Prolongation meist innerhalb weniger Tage möglich
- —Konditionen oft teurer als bei Umschuldung
- —Daten und Unterlagen bereits vorhanden
Wie lange dauert eine Anschlussfinanzierung bei einer anderen Bank?
Wenn Sie die Bank wechseln, dauert der Prozess in der Regel länger. Die neue Bank muss das Objekt prüfen, ein Wertgutachten anfordern, Ihre Kreditwürdigkeit überprüfen und das Grundbuch einsehen. Zudem müssen alle Unterlagen neu aufgenommen und geprüft werden. Je nach Umfang der Prüfung und den individuellen Verhältnissen können bis zur Auszahlung mehrere Wochen vergehen, im Extremfall bis zu zwölf Wochen oder länger.
Um Zeitverlust zu vermeiden, sollten Sie sich frühzeitig um Angebote kümmern. Viele Banken ermöglichen es, Anschlussfinanzierungen bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung zu planen. So können Sie sich bei niedrigen Zinsen ein Forward-Darlehen sichern, das erst nach Ablauf der Zinsbindung ausgezahlt wird. Dies vermeidet Vorfälligkeitsentschädigungen und sichert günstige Konditionen.
- —Prüfung des Objekts und Wertgutachten nötig
- —Kreditwürdigkeit und Unterlagen müssen neu geprüft werden
- —Dauer bis zur Auszahlung: mehrere Wochen bis 12 Wochen
- —Frühzeitige Planung bis zu 5 Jahre vor Ablauf möglich
Was ist ein Forward-Darlehen und wie lange dauert es?
Ein Forward-Darlehen ist eine besondere Form der Anschlussfinanzierung, bei der Sie sich Zinsen im Voraus sichern. Das Darlehen wird erst nach einer bestimmten Vorlaufzeit ausgezahlt, die bis zu fünf Jahre betragen kann. So können Sie sich bei niedrigen Zinsen attraktive Konditionen sichern, ohne die bestehende Finanzierung vorzeitig zu kündigen. Forward-Darlehen sind besonders sinnvoll, wenn Sie mit steigenden Zinsen rechnen.
Die Dauer eines Forward-Darlehens hängt von der vereinbarten Vorlaufzeit ab. In der Regel beträgt diese bis zu 60 Monate. Während dieser Zeit fallen Bereitstellungszinsen an, die je nach Länge des Bereitstellungszeitraums einen Aufschlag auf den aktuellen Zins darstellen. Diese Bereitstellungszinsen betragen meist 0,02 Prozent und erhöhen sich, je weiter der Beginn der Anschlussfinanzierung in der Zukunft liegt.
- —Zinsen im Voraus sichern
- —Auszahlung erst nach Vorlaufzeit
- —Vorlaufzeit bis zu 5 Jahre möglich
- —Bereitstellungszinsen je nach Länge des Bereitstellungszeitraums
Wie lange dauert die Kündigung des bestehenden Darlehens?
Nach zehn Jahren besteht ein Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB. Sie können das Darlehen mit einer Frist von sechs Monaten kündigen und zu besseren Konditionen neu finanzieren. Dies gilt unabhängig davon, ob die Zinsbindung länger als zehn Jahre vereinbart wurde. Die Kündigungsfrist von sechs Monaten bedeutet, dass Sie sich spätestens sechs Monate vor Ablauf der Zinsbindung um eine neue Finanzierung kümmern sollten.
Die Kündigung des bestehenden Darlehens ist ein wichtiger Schritt bei der Anschlussfinanzierung. Sie sollten die Kündigung rechtzeitig einreichen, um sicherzustellen, dass die neue Finanzierung rechtzeitig steht. In der Regel dauert der Kündigungsprozess wenige Tage, da die Bank die Kündigung bestätigt und die notwendigen Schritte einleitet.
- —Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren
- —Kündigungsfrist von 6 Monaten
- —Kündigung rechtzeitig einreichen
- —Bestätigung durch die Bank innerhalb weniger Tage
Wie lange dauert die Auszahlung der Anschlussfinanzierung?
Die Auszahlung der Anschlussfinanzierung erfolgt in der Regel direkt nach Vertragsabschluss oder nach einer bereitstellungsfreien Zeit. Viele Banken bieten eine bereitstellungsfreie Zeit von bis zu zwölf Monaten an, in der keine Bereitstellungszinsen anfallen. Sechs Monate sind ein problemlos zu erzielender Wert. Wenn Sie wegen der Zinssituation keine Eile sehen, sind Sie mit einem halben Jahr Vorlauf auf der sicheren Seite.
Die Auszahlung kann je nach Bank und individuellen Verhältnissen einige Tage bis mehrere Wochen dauern. Es ist wichtig, die Auszahlung rechtzeitig zu planen, um sicherzustellen, dass die neue Finanzierung rechtzeitig steht und keine Lücke entsteht. In der Regel dauert der Auszahlungsprozess wenige Tage, wenn alle Unterlagen vollständig sind und keine zusätzlichen Prüfungen nötig sind.
- —Auszahlung direkt nach Vertragsabschluss oder nach bereitstellungsfreier Zeit
- —Bereitstellungsfreie Zeit bis zu 12 Monaten möglich
- —6 Monate Vorlauf sind problemlos zu erzielen
- —Auszahlung in der Regel innerhalb weniger Tage
Wie lange dauert die Planung einer Anschlussfinanzierung?
Die Planung einer Anschlussfinanzierung sollte idealerweise rund sechs bis zwölf Monate vor Ende der Zinsbindung beginnen. In diesem Zeitraum können Sie die Zinsentwicklung beobachten, Angebote vergleichen und sich bei niedrigen Zinsen ein Forward-Darlehen sichern. Viele Banken ermöglichen es, Anschlussfinanzierungen bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung zu planen.
Die Planungsphase umfasst die Informationsbeschaffung, den Vergleich von Angeboten und die Entscheidung für eine bestimmte Finanzierungsform. Je früher Sie planen, desto besser können Sie von günstigen Zinsen profitieren und Zeitdruck vermeiden. In der Regel dauert die Planungsphase einige Wochen bis mehrere Monate, je nachdem, wie intensiv Sie Angebote vergleichen und welche Finanzierungsform Sie wählen.
- —Planung idealerweise 6–12 Monate vor Ablauf
- —Zinsentwicklung beobachten und Angebote vergleichen
- —Forward-Darlehen bei niedrigen Zinsen sichern
- —Planungsphase einige Wochen bis mehrere Monate
Fazit
Die Dauer einer Anschlussfinanzierung hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Wahl der Bank, die Art der Finanzierung und die individuellen Verhältnisse. Eine Prolongation bei der Hausbank ist in der Regel der schnellste Weg und kann innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden. Wechseln Sie die Bank, kann der Prozess deutlich länger dauern, da das neue Kreditinstitut das Objekt prüfen, ein Wertgutachten anfordern und Ihre Kreditwürdigkeit überprüfen muss. In Extremfällen können bis zur Auszahlung mehrere Wochen vergehen. Eine frühzeitige Planung, idealerweise sechs bis zwölf Monate vor Ablauf der Zinsbindung, ermöglicht es, Angebote zu vergleichen, günstige Konditionen zu sichern und Zeitdruck zu vermeiden. Forward-Darlehen bieten die Möglichkeit, Zinsen im Voraus zu sichern und sind besonders sinnvoll, wenn mit steigenden Zinsen gerechnet wird. Insgesamt ist eine Anschlussfinanzierung gut planbar und sollte nicht in letzter Sekunde angegangen werden, um teure Prolongationsangebote und Zeitverlust zu vermeiden.

