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Wie funktioniert die Wärmepumpe?

Die Wärmepumpe gewinnt Energie aus Umweltquellen wie Luft, Erde oder Wasser und wandelt diese effizient in Heizwärme um. Erfahren Sie, wie diese zukunftsweisende Technologie funktioniert und welche Vorteile sie bietet.

9 min Lesezeit
Wie funktioniert die Wärmepumpe?

Die Wärmepumpe hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Technologien für nachhaltiges Heizen entwickelt. Angesichts steigender Energiepreise und des Wunsches nach einer Reduzierung von CO2-Emissionen rückt sie immer stärker in den Fokus von Hauseigentümern und Modernisierern. Doch wie genau funktioniert eine Wärmepumpe eigentlich, und welche Prinzipien liegen ihrer Funktionsweise zugrunde? Dieser Ratgeber erklärt detailliert die Technik hinter der Wärmepumpe, von der Energiegewinnung bis zur Wärmeabgabe, und beleuchtet die verschiedenen Arten sowie deren Einsatzmöglichkeiten. Ziel ist es, Ihnen ein umfassendes Verständnis für diese innovative Heiztechnik zu vermitteln und Ihnen aufzuzeigen, wie sie einen Beitrag zur Energieeffizienz Ihres Zuhauses leisten kann.

Das Grundprinzip der Wärmepumpe: Von der Kälte zur Wärme

Das Funktionsprinzip einer Wärmepumpe mag auf den ersten Blick paradox erscheinen: Sie entzieht der Umgebung, die oft kälter ist als die gewünschte Raumtemperatur, Wärmeenergie und nutzt diese zum Heizen. Dies ist möglich, weil die Wärmepumpe das physikalische Prinzip des Wärmeaustauschs und der Verdampfung bei niedrigem Siedepunkt ausnutzt. Im Grunde ähnelt die Technik der eines Kühlschranks, nur dass der Prozess umgekehrt abläuft. Während der Kühlschrank Wärme aus seinem Inneren nach außen transportiert, zieht die Wärmepumpe Wärme von außen nach innen.

Für diesen Prozess benötigt die Wärmepumpe lediglich eine geringe Menge elektrischen Stroms, um den Verdichter zu betreiben. Der Großteil der benötigten Heizenergie stammt hingegen direkt aus der Umwelt. Dies macht die Wärmepumpe zu einem äußerst effizienten Heizsystem, das pro Einheit eingesetzter elektrischer Energie ein Vielfaches an Wärmeenergie bereitstellen kann. Die Effizienz wird maßgeblich durch die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ) ausgedrückt, die das Verhältnis von abgegebener Wärme zu aufgenommener elektrischer Energie über ein ganzes Jahr beschreibt.

Die vier Hauptbestandteile einer Wärmepumpe

Jede Wärmepumpe besteht aus denselben vier grundlegenden Komponenten, die zusammen einen geschlossenen Kreislauf bilden. Diese Komponenten arbeiten harmonisch zusammen, um der Umwelt Wärme zu entziehen, diese auf ein höheres Temperaturniveau zu bringen und dann an das Heizsystem abzugeben. Ein spezielles Kältemittel zirkuliert in diesem Kreislauf und wechselt dabei mehrfach seinen Aggregatzustand.

  • Verdampfer (Wärmeübertrager): Hier nimmt das flüssige Kältemittel Wärmeenergie aus der Umwelt auf und verdampft. Selbst bei niedrigen Temperaturen, beispielsweise bei 0 Grad Celsius, kann flüssiges Kältemittel durch die aufgenommene Umweltwärme verdampfen.
  • Verdichter (Kompressor): Der gasförmige Kältemitteldampf wird hier komprimiert, wodurch sein Druck und seine Temperatur stark ansteigen. Für diesen Vorgang wird elektrische Energie benötigt.
  • Verflüssiger (Kondensator): Das nun heiße, hochdruckverdichtete Kältemittelgas gibt seine Wärmeenergie an das Heizsystem (z.B. Fußbodenheizung oder Heizkörper) ab. Dabei kühlt es ab und verflüssigt sich wieder.
  • Expansionsventil (Entspannungsventil): Das flüssige Kältemittel wird auf sein ursprüngliches, niedriges Druckniveau entspannt. Dabei sinkt seine Temperatur stark ab, und es ist bereit, im Verdampfer erneut Wärme aufzunehmen.

Der Kreislauf im Detail: So entsteht die Heizwärme

Stellen wir uns den Prozess Schritt für Schritt vor: Zunächst fließt das flüssige Kältemittel, das einen sehr niedrigen Siedepunkt besitzt (oft weit unter 0 Grad Celsius), durch den Verdampfer. Hier trifft es auf die aus der Umwelt gewonnene Wärmeenergie – sei es aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Selbst bei niedrigen Außentemperaturen reicht diese Umweltenergie aus, um das Kältemittel zu erhitzen und es in einen gasförmigen Zustand zu überführen. Dieser Phasenwechsel bei geringem Energieeinsatz ist entscheidend für die Effizienz der Wärmepumpe.

Der entstandene Kältemitteldampf wird anschließend vom Verdichter angesaugt. Der Verdichter ist das Herzstück der Wärmepumpe und wird elektrisch angetrieben. Seine Aufgabe ist es, den Druck des Kältemitteldampfes stark zu erhöhen. Gemäß den physikalischen Gesetzen führt eine Druckerhöhung bei Gasen zu einer deutlichen Temperaturerhöhung. Das vormals nur leicht angewärmte Kältemittelgas erreicht nun eine Temperatur von 40 bis 60 Grad Celsius oder sogar höher, je nach Art der Wärmepumpe und Bedarf des Heizsystems. Diese hohe Temperatur ist notwendig, um das Heizwasser im Haus effizient erwärmen zu können.

Das heiße, hochdruckverdichtete Kältemittelgas strömt nun zum Verflüssiger. Dort gibt es seine Wärmeenergie an das Heizungswasser ab, das durch das Gebäude zirkuliert. Während es die Wärme abgibt, kühlt das Kältemittel ab und kondensiert wieder zu einer Flüssigkeit. Dies ist der Moment, in dem die Umweltwärme nutzbar gemacht wird. Im letzten Schritt durchläuft das nun wieder flüssige Kältemittel ein Expansionsventil. Dieses Ventil reduziert den Druck des Kältemittels schlagartig, wodurch auch seine Temperatur stark absinkt. Das Kältemittel ist wieder kalt und flüssig und kann erneut zum Verdampfer strömen, um den Kreislauf von Neuem zu beginnen. Dieser kontinuierliche Zyklus ermöglicht eine effiziente und umweltschonende Wärmeversorgung.

Arten von Wärmepumpen: Die Umwelt als Wärmequelle

Wärmepumpen unterscheiden sich primär in der Art der Umweltwärmequelle, die sie nutzen. Die Wahl der geeigneten Wärmepumpenart hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die geografischen Gegebenheiten des Grundstücks, die Größe des Hauses, der persönliche Wärmebedarf und das zur Verfügung stehende Budget. Jede Art hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile in Bezug auf Effizienz, Installationsaufwand und Kosten.

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: Diese Art entzieht der Außenluft die benötigte Wärmeenergie. Sie ist die am häufigsten installierte Variante, da sie keine aufwendigen Erdarbeiten oder Bohrungen erfordert und somit relativ einfach und kostengünstig zu installieren ist. Sie kann sowohl im Außen- als auch im Innenbereich des Hauses aufgestellt werden. Ihre Effizienz ist bei sehr niedrigen Außentemperaturen leicht reduziert, oft benötigen sie dann einen elektrischen Heizstab zur Unterstützung, oder die Leistungsaufnahme des Verdichters steigt.
  • Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe): Diese Wärmepumpen nutzen die konstante Wärme des Erdreichs. Die Energie wird entweder über Flächenkollektoren, die in geringer Tiefe verlegt werden, oder über Erdsonden, die über Tiefenbohrungen installiert werden, gewonnen. Erdwärmepumpen sind aufgrund der konstanten Erdtemperatur sehr effizient und erreichen in der Regel eine hohe Jahresarbeitszahl. Die Installation ist jedoch aufwendiger und teurer.
  • Wasser-Wasser-Wärmepumpe (Grundwasserwärmepumpe): Diese Wärmepumpen beziehen ihre Energie aus dem Grundwasser, das über das Jahr hinweg eine sehr konstante Temperatur aufweist. Sie gelten als besonders effizient, stellen aber hohe Anforderungen an die Wasserqualität und -menge. Es sind zwei Brunnen erforderlich: ein Förderbrunnen zur Entnahme des Grundwassers und ein Schluckbrunnen zur Rückführung. Die Genehmigungsprozesse sind oft komplexer als bei anderen Systemen.
  • Brauchwasserwärmepumpe: Diese kleinere Wärmepumpe dient ausschließlich der Warmwasserbereitung. Sie entzieht in der Regel der Raumluft (z.B. im Keller) Wärme oder nutzt die Abluft. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Heizsystemen, wenn der Warmwasserbedarf separat und energieeffizient gedeckt werden soll.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen

Die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe wird maßgeblich durch ihre Effizienz bestimmt. Diese wird durch die Leistungszahl (COP – Coefficient of Performance) und die Jahresarbeitszahl (JAZ) ausgedrückt. Der COP beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärmeleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung unter spezifischen Testbedingungen. Die JAZ hingegen reflektiert dieses Verhältnis über ein komplettes Heizjahr unter realen Betriebsbedingungen und ist somit aussagekräftiger für den tatsächlichen Energieverbrauch.

Eine hohe Jahresarbeitszahl bedeutet, dass die Wärmepumpe mit relativ wenig Stromeinsatz viel Wärme erzeugt. Moderne Wärmepumpen erreichen oft Jahresarbeitszahlen von 3,5 bis über 5. Das bedeutet: Für jede Kilowattstunde (kWh) Strom, die die Wärmepumpe verbraucht, erzeugt sie 3,5 bis 5 kWh Heizenergie. Zum Vergleich: Eine Gaskesselheizung weist eine Effizienz von höchstens 1 auf (beziehungsweise leicht darüber bei Brennwerttechnik, bezogen auf den Heizwert des Gases), da sie die Energie nicht vervielfältigt, sondern lediglich umwandelt.

Die Betriebskosten einer Wärmepumpe hängen somit stark von der JAZ und den Strompreisen ab. Bei einer JAZ von 4 und einem Strompreis von beispielsweise 30 Cent pro kWh würde eine kWh Heizwärme im Schnitt 7,5 Cent kosten. Eine Beispielrechnung könnte dies verdeutlichen: Für einen Jahreswärmebedarf von 15.000 kWh würde eine Wärmepumpe mit JAZ 4 einen Stromverbrauch von 3.750 kWh (15.000 / 4) verursachen. Bei 30 Cent/kWh Stromkosten wären das 1.125 Euro pro Jahr. Dies ist eine vereinfachte Rechnung, die Einflussfaktoren wie Wartung und Heizsystem (Flächenheizung vs. Heizkörper) nicht berücksichtigt, aber das Potenzial der Einsparungen aufzeigt.

Voraussetzungen für den optimalen Betrieb

Um die maximale Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe zu gewährleisten, sind bestimmte Voraussetzungen im Gebäude von Vorteil. Obwohl Wärmepumpen auch in sanierten Altbauten eingesetzt werden können, profitieren sie am stärksten von einem gut gedämmten Gebäude und einem passenden Heizsystem. Ein niedriger Heizenergiebedarf des Hauses ist ein Schlüsselfaktor, da er die benötigte Wärmeleistung reduziert und somit die Betriebskosten senkt.

  • Geringer Wärmebedarf: Eine gute Wärmedämmung von Dach, Wänden und Fenstern minimiert die Heizlast und erlaubt der Wärmepumpe, mit geringerer Leistung effizienter zu arbeiten.
  • Niedrige Vorlauftemperatur: Wärmepumpen arbeiten am effizientesten, wenn sie Wasser auf möglichst geringe Temperaturen erwärmen müssen. Daher sind Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen ideal, da sie mit Vorlauftemperaturen von 25-35 Grad Celsius auskommen. Aber auch gut dimensionierte Heizkörper können in sanierten Häusern mit niedriger Vorlauftemperatur betrieben werden.
  • Hydraulischer Abgleich: Ein korrekt durchgeführter hydraulischer Abgleich des Heizungssystems stellt sicher, dass alle Heizflächen gleichmäßig mit Wärme versorgt werden und optimiert die Effizienz des Gesamtsystems.
  • Integration in das System: Eine vorausschauende Planung berücksichtigt die Integration der Wärmepumpe in das bestehende System, gegebenenfalls auch mit einem Pufferspeicher, um Lastspitzen abzufangen und die Effizienz des Systems weiter zu steigern.
  • Passende Dimensionierung: Die korrekte Dimensionierung der Wärmepumpe auf den individuellen Wärmebedarf des Gebäudes ist entscheidend, um Überdimensionierung (führt zu teureren Anschaffungskosten und weniger Effizienz im Teillastbereich) oder Unterdimensionierung (führt zu unzureichender Heizleistung und häufigem Zuschalten eines elektrischen Heizstabs) zu vermeiden.

Förderung und Kosten

Die Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe sind in der Regel höher als für konventionelle Heizsysteme. Diese Investition amortisiert sich jedoch über die Jahre durch die deutlich geringeren Betriebskosten. Hinzu kommen attraktive staatliche Förderprogramme, die die Investition in eine Wärmepumpe erheblich erleichtern. In Deutschland gibt es beispielsweise im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umfassende Fördermöglichkeiten für den Einbau und die Modernisierung von Heizungsanlagen mit erneuerbaren Energien. Die genauen Förderhöhen und -bedingungen können variieren und sollten stets aktuell bei den zuständigen Stellen recherchiert werden.

Die Kosten für eine Wärmepumpe variieren stark je nach Art, Leistung und Installationsaufwand. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ist in der Regel kostengünstiger in der Anschaffung und Installation als eine Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpe, da keine aufwendigen Erdarbeiten oder Brunnenbohrungen notwendig sind. Die Gesamtkosten müssen immer im Kontext der langfristigen Einsparungen bei den Betriebskosten und der staatlichen Förderung betrachtet werden.

Fazit

Wärmepumpen sind eine zukunftsfähige und umweltfreundliche Heiztechnologie, die erhebliche Potenziale zur Senkung von Heizkosten und CO2-Emissionen bietet. Durch die Nutzung kostenloser Umweltenergie und den cleveren Einsatz eines physikalischen Prinzips können sie Häuser effizient und nachhaltig beheizen. Obwohl die Anfangsinvestition höher sein kann, machen staatliche Förderungen und die langfristig niedrigen Betriebskosten sie zu einer attraktiven Option für Neubauten und Bestandsgebäude. Eine sorgfältige Planung, die Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten des Gebäudes und die Wahl des passenden Systems sind entscheidend für den optimalen Betrieb und den wirtschaftlichen Erfolg einer Wärmepumpe. Die Technologie ist ausgereift und bietet eine verlässliche Alternative zu fossilen Brennstoffen, um Ihr Zuhause komfortabel und energieeffizient zu heizen.

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