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Wie funktioniert der Beleihungswert?

Der Beleihungswert ist entscheidend für Immobilienfinanzierungen. Er definiert den Wert, den eine Bank dauerhaft für die Besicherung eines Darlehens zugrunde legt.

7 min Lesezeit
Wie funktioniert der Beleihungswert?

Wer eine Immobilie finanzieren möchte, kommt am Begriff des Beleihungswertes nicht vorbei. Dieser spezielle Wert spielt eine zentrale Rolle bei der Kreditvergabe durch Banken und Kreditinstitute. Er ist nicht gleichzusetzen mit dem Kaufpreis oder dem Verkehrswert einer Immobilie, sondern stellt eine konservativ ermittelte Größe dar, die der Absicherung des Kreditgebers dient. Das Verständnis des Beleihungswertes ist daher für Immobilienkäufer, Bauherren und Immobilienbesitzer, die eine Anschlussfinanzierung planen, von großer Bedeutung, um die Machbarkeit und die Konditionen ihrer Finanzierung einschätzen zu können. In diesem Ratgeber erfahren Sie detailliert, was der Beleihungswert ist, wie er ermittelt wird und welche Auswirkungen er auf Ihre Immobilienfinanzierung hat.

Was ist der Beleihungswert?

Der Beleihungswert ist ein Begriff aus dem deutschen Kreditwesen, der in § 16 des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) und der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) geregelt ist. Er wird als der Wert definiert, der nach vorsichtiger Einschätzung der zukünftigen Verwertbarkeit einer Immobilie und unter Berücksichtigung langfristiger und nachhaltiger Eigenschaften des Objekts ermittelt wird. Ziel ist es, einen Wert zu finden, der unter normalen Marktbedingungen jederzeit und über einen langen Zeitraum erzielbar sein sollte, selbst bei einer potenziellen Zwangsversteigerung. Der Beleihungswert ist somit bewusst defensiv angesetzt und soll die Bank vor Wertschwankungen und Risiken schützen.

Im Gegensatz zum Verkehrswert (auch Marktwert genannt), der den aktuellen Verkaufspreis einer Immobilie zum Zeitpunkt der Bewertung widerspiegelt, nimmt der Beleihungswert eine langfristige und risikoarme Perspektive ein. Er berücksichtigt keine kurzfristigen Preisschwankungen oder spekulative Wertansätze. Der Beleihungswert ist die Grundlage für die Höhe des maximal möglichen Hypothekendarlehens, das eine Bank gewähren kann, und beeinflusst zudem die Zinskonditionen des Kredits.

  • Definiert als der Wert, der als Basis für die Beleihung von Grundstücken dient.
  • Muss nach den Vorgaben des Pfandbriefgesetzes und der BelWertV ermittelt werden.
  • Sollte auch bei ungünstigen Marktentwicklungen überdauern können.
  • Ist oft niedriger als der tatsächliche Kaufpreis oder der aktuelle Verkehrswert.
  • Wichtige Größe für die Besicherung von Hypothekendarlehen.

Unterschied zum Verkehrswert und Kaufpreis

Um die Bedeutung des Beleihungswertes vollständig zu erfassen, ist es wichtig, ihn von anderen Immobilienwerten abzugrenzen. Der Kaufpreis ist der Preis, der zwischen Käufer und Verkäufer vertraglich vereinbart wird. Er kann durch individuelle Faktoren wie besondere emotionale Bindungen, Zeitdruck beim Verkauf oder persönliche Verhandlungsgeschick beeinflusst werden.

Der Verkehrswert, auch Marktwert genannt, wird nach § 194 Baugesetzbuch (BauGB) definiert. Er ist der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks oder des sonstigen Gegenstands der Wertermittlung ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse zu erzielen wäre. Er wird oft durch Gutachter ermittelt und spiegelt den aktuellen Markt wider. Der Beleihungswert ist hingegen eine noch konservativere Größe, die von diesen Werten abweichen kann. Er liegt fast immer unter dem aktuell erzielbaren Kaufpreis oder dem Verkehrswert, oft sogar um 10 bis 20 Prozent.

  • Kaufpreis: Der tatsächlich gezahlte Preis zwischen Käufer und Verkäufer.
  • Verkehrswert (Marktwert): Der am Markt erzielbare Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt.
  • Beleihungswert: Ein langfristig stabiler, konservativer Wert zur Absicherung einer Bank.

Wer ermittelt den Beleihungswert und wie?

Die Ermittlung des Beleihungswertes erfolgt durch sachkundige Gutachter oder Immobilienspezialisten der kreditgebenden Bank. Diese müssen bestimmte Qualifikationen nachweisen und unabhängig agieren. Die Verfahren und Kriterien für die Beleihungswertermittlung sind detailliert in der BelWertV vorgeschrieben. Hierbei werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, die die langfristige Wertbeständigkeit der Immobilie beeinflussen.

Grundlegend für die Ermittlung sind in der Regel das Sachwertverfahren (besonders bei Eigenheimen und selbstgenutzten Immobilien), das Ertragswertverfahren (bei Renditeobjekten wie Mietshäusern oder Gewerbeimmobilien) und das Vergleichswertverfahren (wenn ausreichend vergleichbare Kaufpreise vorliegen). Oft werden mehrere dieser Verfahren kombiniert, um ein umfassendes Bild zu erhalten und eine realistische Einschätzung vorzunehmen. Die Gutachter müssen dabei alle wertbeeinflussenden Faktoren objektiv würdigen und dokumentieren.

  • Erfolgt durch qualifizierte Sachverständige oder interne Gutachter der Bank.
  • Basierend auf den Vorgaben der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV).
  • Berücksichtigt Sachwert-, Ertragswert- und/oder Vergleichswertverfahren.
  • Fokus liegt auf einer langfristigen und risikoarmen Bewertung.
  • Umfassende Dokumentation aller wertrelevanten Faktoren ist erforderlich.

Faktoren, die den Beleihungswert beeinflussen

Die Ermittlung des Beleihungswertes ist komplex und berücksichtigt zahlreiche Aspekte der Immobilie und ihres Umfelds. Dabei stehen Faktoren im Vordergrund, die eine langfristige und nachhaltige Wertstabilität gewährleisten. Dazu gehören insbesondere die Lage der Immobilie, die Bausubstanz, die Ausstattung und der Zustand sowie die Art der Nutzung. Aber auch rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine Rolle.

Eine Top-Lage in einem stabilen Wohngebiet mit guter Infrastruktur und hoher Nachfrage wird den Beleihungswert tendenziell positiv beeinflussen. Eine solide Bausubstanz, eine moderne und gepflegte Ausstattung sowie ein guter energetischer Zustand sind ebenfalls ausschlaggebend. Umgekehrt können Mängel, ein hoher Sanierungsbedarf oder eine ungünstige Lage den Beleihungswert mindern. Auch objektspezifische Risiken, wie spezielle Nutzungsbeschränkungen oder Altlasten, werden in die Bewertung einbezogen und können den Wert herabsetzen.

  • Lage der Immobilie (Mikro- und Makrolage).
  • Bausubstanz, Baujahr und Zustand des Gebäudes.
  • Ausstattung (Heizung, Fenster, Bäder etc.).
  • Grundstücksgröße und -zuschnitt.
  • Rechtliche Gegebenheiten (Baurecht, Denkmalschutz, Wegerechte etc.).
  • Wirtschaftliche Nutzbarkeit und Vermietbarkeit (bei Renditeobjekten).

Beleihungsauslauf und seine Bedeutung für die Finanzierung

Der Beleihungswert ist untrennbar mit dem Beleihungsauslauf verbunden, welcher maßgeblichen Einfluss auf die Höhe des Darlehens und die Zinskonditionen hat. Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis des tatsächlich gewährten Darlehensbetrags zum Beleihungswert, ausgedrückt in Prozent. Banken sind in der Regel bereit, einen bestimmten Prozentsatz des Beleihungswertes als Darlehen zu vergeben. Dieser Prozentsatz liegt üblicherweise zwischen 60 und 80 Prozent, kann aber je nach Bank und Risikoeinschätzung variieren.

Ein niedriger Beleihungsauslauf bedeutet, dass ein größerer Teil des Kaufpreises durch Eigenkapital abgedeckt wird. Dies reduziert das Risiko für die Bank erheblich und führt in den meisten Fällen zu besseren Zinskonditionen. Umgekehrt bedeutet ein hoher Beleihungsauslauf (nahe 100 Prozent des Beleihungswertes oder sogar mehr unter Einbeziehung des Kaufpreises), dass die Bank ein höheres Risiko trägt, was sich in höheren Zinsen widerspiegeln kann. Man spricht dann von einer „Vollfinanzierung“ oder „100-Prozent-Finanzierung“, wobei hier oft der Kaufpreis, nicht der Beleihungswert, die Referenz ist.

  • Verhältnis von Darlehensbetrag zum Beleihungswert.
  • Gibt an, wie stark die Immobilie belastet ist.
  • Niedriger Auslauf = geringeres Risiko für die Bank = bessere Zinsen.
  • Hoher Auslauf = höheres Risiko für die Bank = höhere Zinsen.
  • Wichtiger Indikator für Bonität und Kreditkonditionen.

Beispielrechnung zur Veranschaulichung

Um die Auswirkungen des Beleihungswertes besser zu verstehen, betrachten wir ein konkretes Beispiel:

Angenommen, Sie möchten eine Immobilie für 400.000 Euro kaufen. Die Bank ermittelt einen Beleihungswert von 360.000 Euro. Dies entspricht 90 % des Kaufpreises. Die Bank ist bereit, bis zu 80 % des Beleihungswertes zu finanzieren. Ihre maximale Beleihung auf Basis des Beleihungswertes wäre somit: 360.000 Euro x 80 % = 288.000 Euro.

Das bedeutet, Sie könnten maximal 288.000 Euro als Hypothekarkredit erhalten. Der Restbetrag von 400.000 Euro (Kaufpreis) - 288.000 Euro (Kredit) = 112.000 Euro müsste durch Eigenkapital oder eine andere Finanzierungsform gedeckt werden. Zusätzlich fallen noch Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten an, die ebenfalls aus Eigenmitteln bestritten werden sollten. Diese betragen je nach Bundesland und Kaufpreis in der Regel zwischen 5 % und 12 % des Kaufpreises und werden im Beleihungswert nicht berücksichtigt.

  • Kaufpreis der Immobilie: 400.000 Euro.
  • Ermittelter Beleihungswert: 360.000 Euro (90% des Kaufpreises).
  • Maximaler Beleihungsauslauf der Bank: 80% des Beleihungswerts.
  • Maximales Darlehen: 360.000 Euro * 0,80 = 288.000 Euro.
  • Benötigtes Eigenkapital für den Kaufpreis: 400.000 Euro - 288.000 Euro = 112.000 Euro.
  • Zusätzlich Nebenkosten (z.B. 10% des Kaufpreises): 40.000 Euro.

Beleihungswert bei Modernisierung und Neubau

Auch bei umfassenden Modernisierungen oder einem Neubau spielt der Beleihungswert eine wichtige Rolle. Bei einem Neubau wird der Beleihungswert auf Basis der geplanten Baukosten und des Grundstückswertes, bereinigt um die internen Gewinnaufschläge der Bauträger und vorsichtig kalkuliert, ermittelt. Es wird eine sogenannte 'fiktive Fertigstellung' angenommen, um den Wert des zukünftigen Objekts zu bestimmen. Dabei werden die üblichen Herstellungskosten für ein solches Objekt zugrunde gelegt, nicht aber luxuriöse oder nur schwer verwertbare Ausstattungsmerkmale.

Bei einer Modernisierung oder Sanierung kann der Beleihungswert nach Durchführung der Maßnahmen steigen. Wichtig ist hierbei, dass die Bank die geplanten wertsteigernden Maßnahmen in ihre Bewertung einbezieht. Dazu müssen Sie der Bank detaillierte Pläne, Kostenschätzungen und gegebenenfalls den Modernisierungsvertrag vorlegen. Nicht jede Investition wird sich jedoch 1:1 im Beleihungswert niederschlagen; spekulative Verbesserungen oder solche, die nicht den gängigen Marktstandards entsprechen, werden von der Bank eher konservativ bewertet.

  • Neubau: Ermittlung auf Basis fiktiver Fertigstellung und nachhaltiger Herstellungskosten.
  • Modernisierung: Berücksichtigung wertsteigernder Maßnahmen nach deren Abschluss.
  • Nachweise und detaillierte Planung für die Bank sind entscheidend.
  • Luxuriöse oder nicht nachhaltige Investitionen werden oft nicht voll berücksichtigt.
  • Eine Erhöhung des Beleihungswertes kann die Finanzierungsmöglichkeiten verbessern.

Fazit

Der Beleihungswert ist ein zentraler Pfeiler in der Welt der Immobilienfinanzierung und eine maßgebliche Größe für Kreditinstitute. Er dient als konservativer Schutzmechanismus für die Bank und bestimmt maßgeblich, wie hoch ein Darlehen ausfallen kann und zu welchen Konditionen es vergeben wird. Für Immobilienkäufer ist es daher unerlässlich, diesen Wert zu verstehen und bei der Finanzierungsplanung kritisch zu hinterfragen. Eine realistische Einschätzung des eigenen Eigenkapitals im Verhältnis zum Beleihungswert – und nicht nur zum Kaufpreis – kann böse Überraschungen bei der Kreditvergabe vermeiden helfen und trägt zu einer soliden und nachhaltigen Immobilienfinanzierung bei.

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