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Was passiert nach Ablauf der Sollzinsbindung?

Die Sollzinsbindung läuft ab – und nun? Erfahren Sie, welche Optionen Sie haben, welche Kosten auf Sie zukommen könnten und wie Sie die beste Entscheidung für Ihre Anschlussfinanzierung treffen.

7 min Lesezeit
Was passiert nach Ablauf der Sollzinsbindung?

Für viele Immobilienbesitzer ist der Abschluss eines Immobiliendarlehens mit einer langfristigen Sollzinsbindung verbunden. Diese Bindung gibt Planungs- und Kostensicherheit für einen bestimmten Zeitraum. Doch was geschieht, wenn diese Phase nach typischerweise 5, 10 oder 15 Jahren endet und noch eine Restschuld besteht? Der sogenannte 'Ablauf der Sollzinsbindung' ist ein entscheidender Moment in der Finanzierungsphase einer Immobilie, der vorausschauende Planung und die richtige Strategie erfordert. Dieser Ratgeber beleuchtet umfassend die verschiedenen Szenarien, Möglichkeiten und potenziellen Herausforderungen, die sich Immobilienbesitzern bei diesem Übergang stellen.

Was ist die Sollzinsbindung eigentlich?

Die Sollzinsbindung bezeichnet den Zeitraum, für den der Zinssatz eines Darlehens vertraglich festgeschrieben ist. Während dieser Zeit bleiben die monatlichen Raten, die sich aus Zins und Tilgung zusammensetzen, konstant. Dies bietet dem Darlehensnehmer eine hohe Planungssicherheit und schützt vor unerwarteten Zinserhöhungen. Gleichzeitig kann der Darlehensnehmer in diesem Zeitraum aber auch nicht von sinkenden Marktzinsen profitieren, sollte er seinen Vertrag nicht ordentlich kündigen. Die Dauer der Sollzinsbindung wird zu Beginn der Finanzierung individuell vereinbart und kann je nach individueller Präferenz und Marktlage zwischen wenigen Jahren und bis zu 30 Jahren oder länger variieren.

Nach Ablauf dieser Frist ist der vereinbarte Zinssatz nicht länger gültig. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Darlehen automatisch endet; vielmehr muss für die verbleibende Restschuld eine neue Vereinbarung getroffen werden. Dieser Zeitpunkt ist kritisch, denn unvorbereitete Darlehensnehmer könnten sich sonst ungünstigen Konditionen ausgesetzt sehen oder sogar in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Die Restschuld und ihre Bedeutung

Die Restschuld ist der Betrag des ursprünglichen Darlehens, der zum Zeitpunkt des Ablaufs der Sollzinsbindung noch nicht durch Tilgungsleistungen zurückgezahlt wurde. Sie bildet die Grundlage für die sogenannte Anschlussfinanzierung. Die Höhe der Restschuld hängt maßgeblich von der ursprünglichen Darlehenshöhe, dem anfänglichen Tilgungssatz und der Laufzeit der Sollzinsbindung ab. Ein höherer anfänglicher Tilgungssatz führt zu einer schnelleren Reduzierung der Restschuld.

Es ist essenziell, die Höhe der Restschuld genau zu kennen, da sie die Basis für alle weiteren finanziellen Überlegungen bildet. Viele Banken informieren ihre Kunden einige Monate vor Ablauf der Sollzinsbindung über die verbleibende Restschuld und unterbreiten erste Angebote für eine Weiterfinanzierung. Es ist ratsam, diese Informationen nicht nur als gegeben hinzunehmen, sondern aktiv zu prüfen und zu vergleichen.

  • Ursprüngliche Darlehenssumme
  • Anfänglicher Zinssatz
  • Laufzeit der ersten Sollzinsbindung
  • Höhe des anfänglichen Tilgungssatzes
  • Sondertilgungen, falls getätigt

Optionen nach Ablauf der Sollzinsbindung

Nach dem Ablauf der Sollzinsbindung stehen Immobilienbesitzern grundsätzlich mehrere Wege offen, um die Restschuld zu finanzieren. Die Wahl der besten Option hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die aktuelle Marktlage, die persönliche finanzielle Situation und zukünftige Pläne.

Die gängigsten Optionen sind die Prolongation, die Umschuldung und die Volltilgung. Jede dieser Möglichkeiten hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die es sorgfältig abzuwägen gilt, um die optimale Entscheidung zu treffen.

  • Prolongation bei der Hausbank
  • Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut
  • Abschluss eines Forward-Darlehens (bereits vor dem Ablauf)
  • Volltilgung der Restschuld aus Eigenmitteln

Die Prolongation: Verlängerung bei der Hausbank

Die Prolongation ist die einfachste und oft erste Option, die Banken ihren Kunden anbieten. Hierbei wird das bestehende Darlehen bei derselben Bank zu neuen Konditionen fortgesetzt. Vorteile sind der geringe bürokratische Aufwand, da keine Bonitätsprüfung oder erneute Wertermittlung der Immobilie notwendig ist. Die Bank kennt den Kunden und die Immobilie bereits.

Allerdings besteht bei einer reinen Prolongation die Gefahr, dass die Hausbank nicht die besten Marktkonditionen anbietet. Sie profitiert von der Bequemlichkeit des Kunden. Daher ist es unerlässlich, das Prolongationsangebot der eigenen Bank kritisch zu prüfen und mit Angeboten anderer Anbieter zu vergleichen. Verhandlungsbereitschaft kann sich hier auszahlen, und es ist legitim, auf bessere Konditionen zu pochen, die im Markt erhältlich sind.

  • Geringer Bearbeitungsaufwand
  • Keine erneute Bonitätsprüfung oft notwendig
  • Schneller und einfacher Prozess
  • Potenziell nicht die besten Zinskonditionen am Markt

Die Umschuldung: Wechsel des Kreditgebers

Eine Umschuldung bedeutet, dass die Restschuld nicht bei der bisherigen Bank, sondern bei einem neuen Kreditinstitut finanziert wird. Dies bietet oft die Chance auf deutlich bessere Zinskonditionen, da der Wettbewerb der Banken genutzt wird. Eine Umschuldung ist besonders attraktiv, wenn die eigene Bank kein konkurrenzfähiges Prolongationsangebot unterbreitet.

Allerdings ist die Umschuldung mit einem höheren bürokratischen Aufwand verbunden. Es fallen Kosten für die Löschung der alten Grundschuld und die Eintragung einer neuen Grundschuld im Grundbuch an. Zudem wird eine erneute Bonitätsprüfung durchgeführt, und die Immobilie wird oft neu bewertet. Trotz dieser Kosten können die Einsparungen durch einen niedrigeren Zinssatz über die gesamte Laufzeit erheblich sein.

  • Möglichkeit auf deutlich bessere Zinskonditionen
  • Hoher Einsparungswert über die Restlaufzeit
  • Fallen Notar- und Grundbuchkosten an
  • Erneute Bonitätsprüfung und Immobilienbewertung
  • Aufwendigerer Prozess

Das Forward-Darlehen: Zinsen sichern vorab

Ein Forward-Darlehen ermöglicht es Darlehensnehmern, die Konditionen für ihre Anschlussfinanzierung bereits Monate oder sogar Jahre vor dem eigentlichen Ablauf der Sollzinsbindung festzuschreiben. Dies ist besonders sinnvoll, wenn mit steigenden Zinsen zu rechnen ist und man sich das aktuell günstige Zinsniveau sichern möchte. Die "Forward-Periode" ist der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und dem eigentlichen Auszahlungsdatum des Darlehens.

Für die Zinsfestschreibung verlangen die Banken in der Regel einen geringen Zinsaufschlag, den sogenannten Forward-Aufschlag. Dieser kompensiert das Risiko der Bank, dass die Zinsen bis zum Auszahlungszeitpunkt fallen könnten. Ein Forward-Darlehen ist eine Absicherung gegen steigende Zinsen, birgt aber auch das Risiko, dass man von sinkenden Zinsen nicht mehr profitieren kann. Eine sorgfältige Einschätzung der Zinsentwicklung ist daher geboten.

  • Sichert aktuelle Zinsen lange im Voraus
  • Schutz vor steigenden Marktzinsen
  • Planungssicherheit für die Anschlussfinanzierung
  • Kleiner Zinsaufschlag für die Forward-Periode
  • Man profitiert nicht von potenziell sinkenden Zinsen

Volltilgung: Restschuld auf einen Schlag begleichen

Wenn ausreichend Eigenkapital vorhanden ist, kann die Restschuld auch komplett getilgt werden. Dies beendet die Finanzierung der Immobilie und macht den Darlehensnehmer schuldenfrei. Diese Option ist oft die attraktivste, da sie zukünftige Zinszahlungen komplett eliminiert und die Immobilie vollständig dem Eigentümer gehört. Es entfallen alle Kosten für eine Anschlussfinanzierung.

Allerdings sollte die Entscheidung zur Volltilgung sorgfältig abgewogen werden, um nicht Liquiditätsengpässe in anderen Bereichen zu verursachen oder sinnvolle Anlagemöglichkeiten zu verpassen. Es ist ratsam, einen Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben und eine ausreichende Altersvorsorge zu behalten, auch wenn die Immobilie schuldenfrei ist. Hier kann eine Beratung durch einen Finanzexperten hilfreich sein, um die Gesamtfinanzstrategie zu optimieren.

  • Keine weiteren Zinskosten
  • Sofortige Schuldenfreiheit
  • Freiheit von monatlichen Raten
  • Erfordert ausreichend Liquidität
  • Kann Liquiditätsengpässe verursachen, wenn Reserven nicht beachtet werden

Wichtige Aspekte bei der Entscheidungsfindung

Unabhängig davon, für welche Option Sie sich entscheiden, gibt es eine Reihe von Faktoren, die bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden sollten. Die Zinssituation am Markt spielt hierbei eine zentrale Rolle. Sind die Zinsen aktuell niedrig, könnte eine längere Sollzinsbindung sinnvoll sein, um sich diese vorteilhaften Konditionen für einen langen Zeitraum zu sichern. Bei hohen Zinsen könnte eine kürzere Bindung oder sogar ein Darlehen mit variablem Zins in Betracht gezogen werden, sofern die Bonität dies zulässt und fallende Zinsen erwartet werden.

Auch die persönliche finanzielle Situation sollte umfassend bewertet werden. Hat sich das Einkommen verändert? Gibt es bevorstehende größere Ausgaben? Möchte man den Tilgungssatz anpassen? Ein höherer Tilgungssatz verkürzt die Gesamtlaufzeit und senkt die Zinskosten, erhöht aber auch die monatliche Belastung. Viele Darlehen bieten zudem die Möglichkeit zu Sondertilgungen, die flexibel genutzt werden können, um die Restschuld schneller zu reduzieren.

  • Aktuelle Zinsentwicklung und -prognosen
  • Persönliche Lebensplanung (z.B. Renteneintritt)
  • Gewünschte Flexibilität (Sondertilgungen, Tilgungssatzwechsel)
  • Finanzielle Belastbarkeit durch höhere/niedrigere Monatsraten
  • Nebenkosten (Notar, Grundbuch, ggf. Schätzkosten)

Der optimale Zeitpunkt für die Planung

Experten empfehlen, sich bereits 12 bis 24 Monate vor dem Ablauf der Sollzinsbindung Gedanken über die Anschlussfinanzierung zu machen. Dieser Zeitrahmen ermöglicht es, die Zinsentwicklung zu beobachten, verschiedene Angebote einzuholen und in Ruhe zu vergleichen, ohne unter Zeitdruck geraten zu müssen. Insbesondere das Forward-Darlehen muss Monate vorab abgeschlossen werden.

Frühe Planung gibt Ihnen die Möglichkeit, bei Bedarf ein Forward-Darlehen in Betracht zu ziehen oder gegebenenfalls durch Sondertilgungen die Restschuld gezielt zu senken, bevor neue Konditionen verhandelt werden. Es ist auch ein guter Zeitpunkt, um sämtliche Unterlagen zusammenzustellen, die für einen eventuellen Kreditgeberwechsel benötigt werden könnten.

Fazit

Der Ablauf der Sollzinsbindung ist ein Wendepunkt in der Immobilienfinanzierung, der weitreichende finanzielle Auswirkungen haben kann. Eine frühzeitige und umfassende Vorbereitung ist der Schlüssel, um die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung zu sichern. Vergleichen Sie Angebote, ziehen Sie gegebenenfalls externe Beratung hinzu und treffen Sie eine informierte Entscheidung, die zu Ihrer individuellen finanziellen Situation und Ihren zukünftigen Plänen passt. Ein proaktives Vorgehen sichert Ihnen langfristig finanzielle Vorteile und erspart unnötigen Ärger.

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