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Was kostet die Aufstockung?

Die Kosten für eine Dachaufstockung variieren stark und sind von vielen Faktoren abhängig. Erfahren Sie, welche Posten anfallen und wie Sie Ihr Budget planen können.

6 min Lesezeit
Was kostet die Aufstockung?

Eine Dachaufstockung kann eine attraktive Möglichkeit sein, den Wohnraum zu erweitern, ohne ein neues Grundstück erwerben zu müssen. Gerade in dicht besiedelten Gebieten oder bei steigenden Grundstückspreisen bietet diese Baumaßnahme eine lohnende Alternative zum Neubau oder Anbau. Eine Aufstockung kann nicht nur zusätzlichen Wohnraum schaffen, sondern auch den Wert der Immobilie steigern und zu einer energetischen Sanierung beitragen. Bevor jedoch mit der Planung begonnen wird, ist es entscheidend, sich einen umfassenden Überblick über die anfallenden Kosten zu verschaffen. Diese sind komplex und hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, die wir im Folgenden detailliert beleuchten werden.

Was genau ist eine Aufstockung?

Unter einer Aufstockung versteht man die Errichtung eines oder mehrerer zusätzlicher Geschosse auf einem bestehenden Gebäude. Dies ist oft der Fall bei Einfamilienhäusern, Reihenhäusern oder Mehrfamilienhäusern, die ursprünglich ein nicht ausgebautes Dachgeschoss oder eine Flachdachkonstruktion besaßen. Eine Aufstockung kann in verschiedenen Bauweisen realisiert werden, beispielsweise in Holzrahmenbauweise, Massivbauweise oder als Leichtbauweise. Die Wahl der Bauweise hat einen erheblichen Einfluss auf die Statik und somit auf die Kosten und die Bauzeit.

Die Möglichkeiten reichen von einem einfachen Ausbau des vorhandenen Daches mit Gauben bis hin zu einem kompletten Abriss des Dachstuhls und der Errichtung eines vollwertigen neuen Stockwerks. Die genaue Ausführung hängt von den baulichen Gegebenheiten, den zukünftigen Nutzungswünschen und den örtlichen Bauvorschriften ab.

Kostenfaktoren im Überblick

Die Kosten für eine Aufstockung setzen sich aus einer Vielzahl von Einzelposten zusammen. Eine genaue Kalkulation ist nur nach umfassender Planung und Begutachtung des Bestandsgebäudes möglich. Dennoch lassen sich die wesentlichen Kostenbereiche grob gliedern. Sie hängen unter anderem stark von der Größe der Aufstockung, der gewählten Bauweise, den Materialkosten und dem Umfang notwendiger Anpassungen am Bestandsgebäude ab.

  • Planungs- und Architektenleistungen
  • Statik und Baugenehmigung
  • Rückbau und Vorbereitung
  • Rohbaukosten (Fundament, Dach, Wände, Decken)
  • Ausbaukosten (Fenster, Türen, Elektro, Sanitär, Heizung, Bodenbeläge)
  • Baunebenkosten (Versicherungen, Erschließung, Gutachten)

Planungs- und Genehmigungskosten

Bevor der erste Stein gesetzt wird, fallen erhebliche Kosten für die Planung und die notwendigen Genehmigungen an. Ein Architekt ist in den meisten Fällen unerlässlich. Er erstellt die Entwurfsplanung, die Bauantragsunterlagen und begleitet das Projekt. Die Kosten für Architektenleistungen richten sich in der Regel nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) und sind prozentual an den Baukosten orientiert oder werden nach individuellem Aufwand berechnet.

Ein Statiker prüft die Tragfähigkeit der bestehenden Substanz und berechnet die notwendigen Verstärkungen. Die Prüfung der Statik ist ein entscheidender Punkt, da das Bestandsgebäude die zusätzliche Last des neuen Geschosses tragen muss. Ohne ein positives statisches Gutachten ist eine Baugenehmigung oft nicht zu erhalten. Die Kosten für die Baugenehmigung selbst variieren je nach Kommune und Umfang des Bauvorhabens. Hinzu kommen Gebühren für eventuell notwendige Gutachten, wie zum Beispiel ein Bodengutachten, falls das Gebäude auf einem schwierigen Baugrund steht.

Baukosten: Rohbau und Ausbau

Der größte Posten sind die eigentlichen Baukosten, die sich in Rohbau- und Ausbaukosten unterteilen lassen. Zum Rohbau gehören alle Leistungen, die die äußere Hülle des neuen Geschosses betreffen: Abriss des alten Daches, Errichtung der neuen tragenden Wände, Decken und des neuen Daches. Die Materialwahl spielt hier eine große Rolle. Eine Holzständerbauweise ist oft leichter und schneller zu errichten als eine massive Bauweise, was sich auf die Kosten des Rohbaus auswirken kann. Für die Rohbaukosten wird oft mit „schlüsselfertigen“ Preisen pro Quadratmeter gerechnet, die im oberen dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich liegen können, ohne den Innenausbau.

Die Ausbaukosten umfassen alle Arbeiten im Inneren des neuen Geschosses. Dazu gehören die Installation von Elektro- und Sanitäranlagen, Heizungstechnik, Fenster und Türen, Estrich und Bodenbeläge, Malerarbeiten sowie die Ausstattung von Badezimmern und Küchen. Hier lassen sich durch Eigenleistungen oder die Wahl der Ausstattungsvariante (Standard oder hochwertig) erhebliche Kostenschwankungen erzielen. Eine komplette Aufstockung in schlüsselfertigem Zustand kostet in der Regel je nach Region und Ausstattung zwischen 2.000 € und 4.000 € pro Quadratmeter Wohnfläche oder mehr. Bei größeren Wohnflächen kann der Quadratmeterpreis tendenziell etwas günstiger ausfallen.

  • Abriss des Vorgängerdachs und Entsorgung des Bauschutts
  • Erstellung des neuen Dachstuhls und der Außenwände
  • Einbau von Dachfenstern, Gauben oder bodentiefen Fenstern
  • Dämmarbeiten für Dach und Wände nach aktueller Energieeffizienzverordnung
  • Installation von Elektro-, Heizungs- und Sanitärtechnik
  • Wand- und Bodenbeläge, Innentüren, Sanitärobjekte und Kücheneinrichtung.

Baunebenkosten und Unvorhergesehenes

Neben den direkten Bau- und Planungskosten fallen sogenannte Baunebenkosten an. Diese Posten werden oft unterschätzt, können aber einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Dazu gehören Kosten für Baustellenabsicherung, Bauversicherungen (Bauherrenhaftpflicht, Bauleistungsversicherung), die Einrichtung der Baustelle, die Gestellung von Gerüsten, Strom- und Wasserverbrauch während der Bauzeit sowie Müllentsorgung. Auch die Kosten für das eventuelle Anpassen von Außenanlagen oder Wegen können hierunter fallen.

Ein wichtiger Punkt sind oft unvorhergesehene Kosten. Bei Arbeiten am Bestand lassen sich nicht immer alle Gegebenheiten im Vorfeld zuverlässig klären. So können beispielsweise marode Holzbalken, Asbestfunde oder unerwartete Leitungsführungen zusätzliche Arbeiten und Kosten verursachen. Es ist daher ratsam, einen Puffer von 10-15% der geschätzten Gesamtkosten für unvorhergesehene Ausgaben einzuplanen.

Fördermöglichkeiten und Einsparungspotenziale

Eine Dachaufstockung kann auch mit energetischen Sanierungsmaßnahmen kombiniert werden. Durch eine umfassende Dämmung und die Installation moderner Fenster kann der Energieverbrauch des gesamten Gebäudes deutlich gesenkt werden. Für solche Maßnahmen gibt es oft Fördermöglichkeiten, beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder regionale Förderprogramme. Diese können in Form von zinsgünstigen Darlehen oder direkten Zuschüssen gewährt werden und die finanzielle Belastung deutlich reduzieren.

Einsparungspotenziale bestehen auch durch die Wahl des richtigen Bausystems und durch Eigenleistungen. Eine Aufstockung in Modulbauweise oder Fertigbauweise kann die Bauzeit verkürzen und somit indirekt Kosten sparen. Wer bestimmte Ausbauarbeiten wie Malerarbeiten, Bodenverlegung oder den Einbau von Türen selbst übernimmt, kann ebenfalls Geld sparen, muss aber die fachgerechte Ausführung sicherstellen. Es ist jedoch wichtig, realistisch einzuschätzen, welche Arbeiten man selbst übernehmen kann und wann professionelle Hilfe unerlässlich ist, um spätere Mängel oder Folgeschäden zu vermeiden.

  • Prüfung von Fördermöglichkeiten (z.B. KfW, Landesbanken)
  • Vergleich verschiedener Bauweisen und Angebote
  • Übernahme von Eigenleistungen bei handwerklichem Geschick
  • Optimale Materialauswahl (Preis-Leistungs-Verhältnis)
  • Ganzheitliche energetische Sanierung zur langfristigen Kostenersparnis

Beispielrechnung zur Orientierung (fiktiv)

Um die verschiedenen Kostenpunkte besser zu veranschaulichen, hier eine fiktive Beispielrechnung für eine Aufstockung um ein Geschoss mit ca. 80 Quadratmetern Wohnfläche in mittlerer Ausstattung:

  • Architekt und Statiker: ca. 12.000 € – 18.000 €
  • Baugenehmigung und Nebenkosten Planung: ca. 1.000 € – 3.000 €
  • Rohbau (Abriss, neues Dach, Außenwände): ca. 80.000 € – 120.000 €
  • Ausbau (Heizung, Sanitär, Elektro, Fenster, Türen, Böden): ca. 80.000 € – 140.000 €
  • Baunebenkosten (Gerüst, Baustellenversorgung, Versicherungen): ca. 8.000 € – 15.000 €
  • Puffer für Unvorhergesehenes (10%): ca. 18.000 € – 29.600 €

Basierend auf dieser Beispielrechnung könnten die Gesamtkosten für eine 80 qm Aufstockung somit zwischen etwa 189.000 € und 325.600 € liegen. Dies ergibt einen Quadratmeterpreis von rund 2.360 € bis 4.070 €. Bitte beachten Sie, dass dies lediglich eine grobe Schätzung ist und die tatsächlichen Kosten stark abweichen können. Regionale Preisunterschiede, die individuelle Ausstattung, die Komplexität des Bestandsgebäudes und die aktuelle Marktsituation beeinflussen die finalen Kosten erheblich.

Fazit

Eine Dachaufstockung ist eine weitreichende Entscheidung mit großem Potenzial zur Wohnraumerweiterung und Wertsteigerung. Die Kosten sind jedoch komplex und erfordern eine sorgfältige Planung und Kostenkontrolle. Es empfiehlt sich, frühzeitig einen Architekten und Statiker hinzuzuziehen und mehrere Angebote von Bauunternehmen einzuholen. Durch die Berücksichtigung aller Kostenfaktoren, die Nutzung von Fördermöglichkeiten und eine realistische Einschätzung der Eigenleistungen kann das Projekt erfolgreich und im gesteckten Budgetrahmen umgesetzt werden. Eine Aufstockung ist eine Investition in die Zukunft, die sich bei guter Planung langfristig auszahlen kann.

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