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Was kostet der Hauskauf?

Der Kauf eines Hauses ist eine der größten finanziellen Entscheidungen im Leben. Erfahren Sie, welche Kosten auf Sie zukommen und wie Sie diese realistisch kalkulieren.

8 min Lesezeit
Was kostet der Hauskauf?

Der Traum vom Eigenheim ist für viele Menschen ein zentrales Lebensziel. Doch neben dem eigentlichen Kaufpreis der Immobilie fallen eine Reihe weiterer Kosten an, die oft unterschätzt werden. Diese Nebenkosten können einen beträchtlichen Anteil des Gesamtbudgets ausmachen und müssen von Anfang an präzise einkalkuliert werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Eine sorgfältige Finanzplanung ist daher unerlässlich, um den Hauskauf erfolgreich und ohne finanzielle Engpässe zu realisieren. Dieser Ratgeber beleuchtet alle relevanten Kostenpositionen, von den Erwerbsnebenkosten über Finanzierungskosten bis hin zu laufenden Ausgaben, und gibt Ihnen Hilfestellung für eine realistische Budgetierung.

Der Kaufpreis der Immobilie

Der Kaufpreis ist die offensichtlichste und meist größte Einzelposition bei einem Hauskauf. Er wird zwischen Verkäufer und Käufer verhandelt und im Kaufvertrag festgeschrieben. Dieser Preis bildet die Grundlage für die Berechnung vieler weiterer Nebenkosten. Die Höhe des Kaufpreises hängt von zahlreichen Faktoren ab, wie der Lage, Größe, dem Zustand und der Ausstattung der Immobilie sowie der aktuellen Marktlage.

Ein realistischer Kaufpreis lässt sich durch verschiedene Methoden ermitteln. Dazu gehören Gutachten von Sachverständigen, der Vergleich mit ähnlichen Objekten in der gleichen Region oder auch die Einschätzung durch erfahrene Immobilienmakler. Es ist ratsam, sich nicht nur auf den inserierten Preis zu verlassen, sondern den Wert der Immobilie kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls Nachverhandlungen zu führen. Eine fundierte Einschätzung des Verkehrswertes kann entscheidend dazu beitragen, nicht überteuert zu kaufen.

Grunderwerbsteuer – Eine große Positionsgröße

Die Grunderwerbsteuer ist eine der größten Nebenkosten beim Immobilienkauf. Sie wird einmalig fällig, wenn ein Grundstück, ein Grundstücksteil oder eine Immobilie erworben wird. Die Höhe dieser Steuer ist nicht bundeseinheitlich geregelt, sondern liegt im Ermessen der einzelnen Bundesländer. Dies bedeutet, dass die Grunderwerbsteuer je nach Bundesland erheblich variieren kann und einen deutlichen Unterschied in den Gesamtkosten ausmacht.

  • In Bundesländern wie Bayern oder Sachsen liegt der Satz bei 3,5%.
  • In anderen Bundesländern, beispielsweise Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg, kann der Satz bis zu 6,5% betragen.
  • Die Basis für die Berechnung ist der im notariellen Kaufvertrag festgelegte Kaufpreis der Immobilie.
  • Kosten für bewegliche Einrichtungsgegenstände (z.B. Einbauküche, Möbel) können unter Umständen vom Kaufpreis abgezogen werden, wenn sie gesondert ausgewiesen sind, da auf sie keine Grunderwerbsteuer anfällt.

Notar- und Gerichtskosten – Unverzichtbar für Rechtsgültigkeit

Ein Immobilienkauf ist in Deutschland nur dann rechtsgültig, wenn er notariell beurkundet wird. Der Notar ist dabei eine neutrale Vertrauensperson, die den Kaufvertrag aufsetzt, die Parteien über die rechtlichen Rahmenbedingungen aufklärt und die ordnungsgemäße Abwicklung des Kaufvertrags überwacht. Für diese Leistungen fallen Notarkosten an. Zusätzlich entstehen Gerichtskosten für die Eintragung der Eigentumsübertragung ins Grundbuch.

Die Höhe der Notar- und Gerichtskosten ist gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgeschrieben und richtet sich nach dem Kaufpreis der Immobilie. Sie beträgt in der Regel etwa 1,5% bis 2,0% des Kaufpreises. Dieser Prozentsatz beinhaltet üblicherweise die Kosten für die Beurkundung des Kaufvertrags, die Beantragung der Auflassungsvormerkung (Sicherung des Käuferanspruchs im Grundbuch) und die finale Umschreibung des Eigentums im Grundbuch.

  • Notarhonorar für Kaufvertragsbeurkundung und Betreuung.
  • Kosten für die Eintragung der Auflassungsvormerkung im Grundbuch.
  • Gebühren für die endgültige Eigentumsumschreibung im Grundbuch.
  • Gebühren für eventuell notwendige Löschungsbewilligungen alter Belastungen.
  • Bei Finanzierung kommen Notar- und Gerichtskosten für die Beurkundung der Grundschuld hinzu, meist weitere 0,8% bis 1,0% des Grundschuldbetrags.

Maklerprovision – Der Preis für die Vermittlung

Wird eine Immobilie über einen Makler gekauft, fällt in der Regel eine Maklerprovision an, auch als Courtage bezeichnet. Seit dem 23. Dezember 2020 gibt es in Deutschland eine Neuregelung zur Maklerprovision, die besagt, dass Käufer und Verkäufer die Maklerkosten in der Regel zu gleichen Teilen tragen müssen, sofern der Makler beide Parteien vertritt. Wenn der Makler ausschließlich für den Verkäufer tätig wird, kann die Provision vollständig vom Verkäufer getragen werden.

Die Höhe der Maklerprovision ist nicht bundeseinheitlich festgelegt und variiert je nach Bundesland und Verhandlung. Sie bewegt sich meist zwischen 3,57% und 7,14% des Kaufpreises, inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Es ist wichtig, vor der Beauftragung eines Maklers oder vor dem Kaufabschluss die genaue Höhe und die Teilung der Provision schriftlich zu vereinbaren, um Missverständnisse zu vermeiden.

  • Provisiohnsatz je nach Bundesland und Verhandlung (meist 3,57% bis 7,14% inkl. MwSt.).
  • Neuere Regelung: Käufer und Verkäufer teilen sich die Provision in der Regel hälftig.
  • Fällt nur an, wenn ein Makler eingeschaltet ist.
  • Basis der Berechnung ist der Netto-Kaufpreis der Immobilie.

Kosten der Immobilienfinanzierung – Zinsen und Gebühren

Die meisten Immobilienkäufer benötigen für die Finanzierung ein Darlehen. Mit dem Immobilienkredit entstehen weitere Kosten, die über die Rückzahlung des reinen Darlehensbetrags hinausgehen. Die entscheidende Größe sind hierbei die Zinsen. Sie sind der Preis, den die Bank für die Bereitstellung des Kapitals verlangt und über die gesamte Laufzeit des Darlehens gezahlt werden müssen.

Neben den Zinsen können weitere Gebühren im Zusammenhang mit der Finanzierung anfallen. Dazu gehören beispielsweise Schätzkosten für die Wertermittlung der Immobilie durch die Bank, wenn diese nicht im Zins inbegriffen sind, oder auch Bereitstellungszinsen, wenn das Darlehen nach einer bestimmten Frist noch nicht vollständig abgerufen wurde. Es ist essenziell, die Konditionen verschiedener Anbieter genau zu vergleichen und den effektiven Jahreszins zu berücksichtigen, der alle gebundenen Kosten mit einbezieht.

  • Darlehenszinsen: Langfristige Kostenposition über die gesamte Laufzeit der Finanzierung.
  • Bereitstellungszinsen: Können anfallen, wenn das Darlehen nicht innerhalb einer bestimmten Frist abgerufen wird (meist nach 3 bis 6 Monaten zinsfreier Zeit).
  • Schätzkosten: Kosten für die Bewertung der Immobilie durch die Bank (nicht immer gesondert berechnet).
  • Kontoführungsgebühren für das Darlehen: Heutzutage seltener, aber möglich.
  • Gebühren für die Grundschuldbestellung beim Notar und Grundbuchamt (bereits unter Notar- und Gerichtskosten genannt, aber im Zusammenhang mit der Finanzierung wichtig).

Unerwartete Kosten und Modernisierungsbedarf

Beim Kauf einer Bestandsimmobilie ist es selten, dass keine zusätzlichen Ausgaben für Renovierungen, Reparaturen oder Modernisierungen anfallen. Selbst scheinbar gut erhaltene Objekte können versteckte Mängel aufweisen oder einfach nicht den individuellen Vorstellungen oder modernen energetischen Standards entsprechen. Es empfiehlt sich daher dringend, vor dem Kauf eine professionelle Begutachtung durch einen Bausachverständigen durchführen zu lassen, um den Zustand der Bausubstanz und den Modernisierungsbedarf realistisch einschätzen zu können.

Ein Puffer für unerwartete Reparaturen ist ebenfalls ratsam. Eine Heizung kann ausfallen, ein Dach undicht werden oder ein Wasserschaden auftreten. Solche Eventualitäten können schnell hohe Kosten verursachen. Planen Sie daher lieber großzügig und legen Sie einen finanziellen Sicherheitspuffer für unvorhergesehene Ausgaben an, der über die reine Kaufpreissumme und die bekannten Nebenkosten hinausgeht.

  • Renovierungskosten: Streichen, Bodenbeläge, Bäder, Küchen.
  • Modernisierungskosten: Energetische Sanierung (Dämmung, Fenster, Heizung), Elektrik, Wasserleitungen.
  • Umzugskosten: Spedition, Transport, neue Möbel.
  • Garten- und Außenanlagen: Reparaturen, Neuanlage.
  • Puffermittel für unvorhergesehene Reparaturen oder Mängel.

Laufende Kosten nach dem Kauf

Mit dem Eigentum an einer Immobilie gehen auch diverse laufende Kosten einher, die monatlich oder jährlich zu entrichten sind. Diese Posten sollten bei der langfristigen Finanzplanung ebenso berücksichtigt werden wie die einmaligen Anschaffungskosten, da sie einen erheblichen Teil der monatlichen Belastung ausmachen können. Eine detaillierte Aufstellung hilft, den Überblick zu behalten.

Neben den direkten Aufwendungen für das Eigenheim können auch Versicherungen eine Rolle spielen. Eine Wohngebäudeversicherung schützt vor Schäden am Gebäude selbst, während eine Hausratversicherung den Inhalt des Hauses absichert. Eine Haftpflichtversicherung für Haus- und Grundbesitzer ist ebenfalls empfehlenswert, um sich gegen Ansprüche Dritter abzusichern. Diese Posten addieren sich und sollten nicht vernachlässigt werden.

  • Grundsteuer: Jährliche Abgabe an die Kommune, Höhe abhängig vom Hebesatz und Einheitswert/Grundsteuerwert.
  • Betriebskosten: Heizung, Wasser, Strom, Müllabfuhr, Schornsteinfeger, gegebenenfalls Kosten für einen Verwalter bei Eigentumswohnungen.
  • Versicherungen: Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, Haftpflichtversicherung für Haus- und Grundbesitzer.
  • Instandhaltungsrücklage: Ersparnisse für zukünftige Reparaturen und Sanierungen am Objekt (eigenes Haus) oder Pflichtbeitrag bei Eigentumswohnungen.
  • Kosten für Telekommunikation (Internet, Telefon), GEZ-Gebühren.

Beispielrechnung für die Gesamtkosten

Um die verschiedenen Kostenpositionen zu verdeutlichen, betrachten wir ein fiktives Beispiel (Die Angaben dienen nur der Veranschaulichung und können in der Realität abweichen):

  • Kaufpreis Immobilie: 400.000 Euro
  • Grunderwerbsteuer (angenommen 6,0%): 24.000 Euro
  • Notar- und Gerichtskosten (angenommen 1,8% inkl. Grundschuldbestellung): 7.200 Euro
  • Maklerprovision (angenommen 3,57% des Käuferanteils): 14.280 Euro
  • Summe der Nebenkosten: 45.480 Euro
  • Gesamtinvestition (ohne Finanzierungskosten und Renovierung): 445.480 Euro
  • Eigenkapitalanteil empfohlen (mind. Nebenkosten + 10% des Kaufpreises): ca. 85.000 Euro

Zusätzlich zu diesen einmaligen Kosten kämen noch die Zinszahlungen für ein Darlehen hinzu, potenzielle Bereitstellungszinsen und der oben genannte Puffer für Renovierungen und Unvorhergesehenes. Es wird sehr deutlich, dass die Nebenkosten einen substanziellen Anteil der gesamten Investition ausmachen und nicht unterschätzt werden dürfen.

Finanzierungsstrategien für den Hauskauf

Eine solide Finanzierungsstrategie ist der Grundstein für einen erfolgreichen Hauskauf. Es ist ratsam, einen wesentlichen Teil der Kaufnebenkosten aus Eigenmitteln zu bestreiten. Banken verlangen in der Regel einen Eigenkapitalanteil, der oft bei mindestens 10-20% des Kaufpreises liegt, idealerweise aber höher sein sollte, um bessere Konditionen zu erhalten und die monatliche Belastung zu senken. Je höher das Eigenkapital, desto geringer ist das Risiko für die Bank und desto attraktiver sind meist die Zinssätze für den Kreditnehmer.

Neben dem klassischen Annuitätendarlehen gibt es weitere Finanzierungsmodelle und staatliche Förderungen, die je nach individueller Situation sinnvoll sein können. Dazu gehören beispielsweise Bausparverträge, Kredite der KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) für energieeffizientes Bauen oder Sanieren, oder auch Kombinationen mit Riester-Förderung. Eine umfassende Beratung durch unabhängige Finanzexperten oder Banken ist hier dringend anzuraten, um die optimale Finanzierungslösung zu finden und langfristig eine tragfähige monatliche Rate zu gewährleisten.

Fazit

Der Kauf eines Hauses ist ein komplexes Vorhaben, das weit über den reinen Kaufpreis der Immobilie hinausgeht. Eine präzise und realistische Kalkulation aller anfallenden Kosten – von der Grunderwerbsteuer über Notar- und Gerichtskosten, Maklerprovision, Finanzierungskosten bis hin zu laufenden Ausgaben und einem Puffer für Renovierungen – ist entscheidend für den finanziellen Erfolg. Eine frühzeitige, detaillierte Planungsphase und gegebenenfalls die Unterstützung durch Fachleute schaffen die notwendige Sicherheit und Transparenz, um den Traum vom Eigenheim dauerhaft und ohne finanzielle Überraschungen zu verwirklichen.

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Michael Freitag
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