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Was kostet der Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist ein zentraler Anhaltspunkt für die Bewertung von Grundstücken und Immobilien. Wir erläutern seine Bedeutung, Berechnungsgrundlagen, Auswirkungen auf Eigentümer und Kaufinteressenten sowie wo er zu finden ist und welche Kosten damit verbunden sind.

8 min Lesezeit
Was kostet der Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist eine unverzichtbare Größe auf dem deutschen Immobilienmarkt. Er dient als Orientierungshilfe für den Wert eines unbebauten Grundstücks innerhalb einer bestimmten Zone und wird regelmäßig von Gutachterausschüssen ermittelt. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, wie wird er ermittelt, und welche Kosten sind gegebenenfalls mit seiner Abfrage verbunden? Dieser Ratgeber liefert Ihnen eine umfassende Erklärung und beleuchtet die Relevanz des Bodenrichtwerts für Immobilieneigentümer, Käufer und Verkäufer. Wir zeigen Ihnen, wo Sie den Bodenrichtwert finden, wie er sich von anderen Grundstückswerten wie dem Verkehrswert unterscheidet und welche Rolle er bei verschiedenen Prozessen wie der Immobilienbewertung, dem Kauf oder Verkauf, aber auch bei steuerlichen Angelegenheiten spielt.

Was ist der Bodenrichtwert und warum ist er wichtig?

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert des Bodens für eine Mehrheit von Grundstücken innerhalb eines abgegrenzten Gebiets (Bodenrichtwertzone), für das gleiche Nutzungsmöglichkeiten und Wertverhältnisse vorliegen. Er wird in Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche angegeben und bezieht sich auf ein fiktives, baureifes Standardgrundstück. Die für die Ermittlung zuständigen Gutachterausschüsse für Grundstückswerte veröffentlichen die Bodenrichtwerte mindestens alle zwei Jahre. Diese Werte haben eine hohe Bedeutung, da sie eine transparente und nachvollziehbare Basis für die Bewertung von Grundstücken und Gebäuden liefern. Sie dienen nicht nur der Marktübersicht, sondern auch als Berechnungsgrundlage für die Immobilienbesteuerung und können bei Kauf- oder Verkaufsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen. Ein tiefergehendes Verständnis des Bodenrichtwerts ist daher für jeden, der mit Immobilien zu tun hat, von großer Relevanz.

  • Transparenz: Schafft eine öffentliche Vergleichsbasis für Grundstückspreise.
  • Orientierung: Hilft Käufern und Verkäufern bei der Preisbildung.
  • Besteuerung: Dient als Grundlage für die Ermittlung verschiedener Steuern.
  • Bewertung: Wichtiger Faktor bei der Wertfindung von Immobilien und Grundstücken.

Die Ermittlung des Bodenrichtwerts durch Gutachterausschüsse

Die Ermittlung des Bodenrichtwerts ist eine hoheitliche Aufgabe der unabhängigen Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, die bei den Vermessungs- und Katasterämtern oder den kreisfreien Städten angesiedelt sind. Diese Ausschüsse bestehen aus sachverständigen und erfahrenen Personen aus den Bereichen Architektur, Bauwesen, Landwirtschaft, Bankwesen und dem Immobilienhandel. Sie sammeln und analysieren alle relevanten Kaufpreise von Grundstücken, die über Notare an die Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse gemeldet werden (Kaufpreissammlung). Anhand dieser Daten werden die Bodenrichtwerte für die jeweiligen Zonen abgeleitet. Dabei werden Faktoren wie die Art und das Maß der baulichen Nutzung, die Infrastruktur, die Lage und andere wertbeeinflussende Merkmale berücksichtigt. Die genaue Methodik ist in der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) und den Landesgesetzen geregelt. Die resultierenden Werte stellen keine Verkehrswerte dar, sondern sind statistisch abgeleitete Durchschnittswerte, die den allgemeinen Preisrahmen für Boden in einer bestimmten Region widerspiegeln.

Die Gutachterausschüsse passen die Bodenrichtwerte in der Regel alle zwei Jahre, zum Stichtag 31. Dezember eines geraden Jahres, an die aktuelle Marktentwicklung an. Diese Aktualisierung ist entscheidend, um die Relevanz und Genauigkeit der Werte zu gewährleisten, da sich die Marktbedingungen für Grundstücke kontinuierlich ändern können. Die Ergebnisse der Wertermittlung werden veröffentlicht und sind für jedermann zugänglich.

Bodenrichtwert vs. Verkehrswert: Wichtige Unterschiede

Es ist entscheidend, den Bodenrichtwert nicht mit dem Verkehrswert (oder Marktwert) eines Grundstücks gleichzusetzen. Obwohl sie in direktem Zusammenhang stehen, gibt es fundamentale Unterschiede. Der Verkehrswert ist der tatsächliche Preis, der zum Zeitpunkt der Wertermittlung im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. Er berücksichtigt alle individuellen Merkmale eines konkreten Grundstücks und seiner Bebauung, inklusive eventueller Mängel, Besonderheiten der Lage, Art der Bebauung, Zustand von Gebäuden, Mietverhältnisse und vieles mehr. Der Bodenrichtwert hingegen ist ein standardisierter Durchschnittswert für ein unbebautes, fiktives Referenzgrundstück in einer Zone. Er ignoriert individuelle Eigenschaften des einzelnen Grundstücks, wie beispielsweise seine genaue Form, seine individuelle Bebaubarkeit jenseits des Durchschnitts oder Altlasten.

Ein Verkehrswertgutachten, das oft von zertifizierten Sachverständigen erstellt wird, ist wesentlich detaillierter und verbindlicher für den konkreten Kauf oder Verkauf einer Immobilie. Der Bodenrichtwert dient hierfür lediglich als ein wichtiger Ausgangspunkt und Orientierungswert. Ein unbebautes Grundstück, das beispielsweise eine besonders ungünstige Form oder eine schlechte Anbindung hat, kann einen Verkehrswert aufweisen, der deutlich unter dem allgemeinen Bodenrichtwert der Zone liegt. Umgekehrt kann ein Grundstück mit außergewöhnlicher Aussicht und idealer Ausrichtung einen Verkehrswert aufweisen, der über dem jeweiligen Bodenrichtwert liegt.

  • Bodenrichtwert: Statistischer Durchschnittswert für ein Standardgrundstück in einer Zone.
  • Bodenrichtwert: Bezieht sich in der Regel auf unbebaute, baureife Grundstücke.
  • Verkehrswert: Individueller Wert eines konkreten Grundstücks inklusive Bebauung.
  • Verkehrswert: Berücksichtigt alle wertbeeinflussenden Faktoren des Einzelfalls.

Wo finde ich den Bodenrichtwert und welche Kosten entstehen?

Die Bodenrichtwerte sind öffentlich zugänglich. Die primäre Quelle ist das bundesweite Portal BORIS (Bodenrichtwertinformationssystem). Jedes Bundesland betreibt eine eigene BORIS-Plattform, zum Beispiel BORIS.NRW, BORIS-Berlin, BORIS.Hessen usw. Über diese Portale können Sie die aktuellen Bodenrichtwerte für nahezu jedes Grundstück in Deutschland kostenfrei online abfragen. Sie benötigen dazu in der Regel die Adresse oder die Gemarkungs- und Flurstücksnummer des betreffenden Grundstücks. Die Darstellung erfolgt oft über interaktive Karten, auf denen die einzelnen Bodenrichtwertzonen farblich abgegrenzt sind und beim Anklicken die jeweiligen Werte angezeigt werden. Diese Online-Abfragen sind sehr benutzerfreundlich gestaltet und bieten meist auch die Möglichkeit, einen einfachen Auszug als PDF herunterzuladen.

Neben den BORIS-Portalen können Bodenrichtwerte auch bei den Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte direkt eingesehen oder angefragt werden. Dies kann in manchen Fällen sinnvoll sein, wenn Sie spezifischere Informationen benötigen, die über die Standardabfrage hinausgehen. Die Abfrage bei den Gutachterausschüssen kann je nach Bundesland und Art der Auskunftgebühr mit Kosten verbunden sein. Ein einfacher schriftlicher Auszug aus der Bodenrichtwertkarte kann eine geringe Gebühr verursachen, während komplexere Auskünfte oder amtliche Bestätigungen höhere Kosten nach sich ziehen. Die genauen Gebührenordnungen sind bei den jeweiligen Geschäftsstellen oder den zuständigen Behörden (meist Vermessungsämter) einzusehen. Für die meisten privaten Zwecke ist die kostenlose Online-Abfrage über die BORIS-Portale jedoch völlig ausreichend.

  • BORIS-Portale der Länder: Kostenlose Online-Abfrage mittels Adresse oder Flurstück.
  • Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse: Persönliche oder schriftliche Anfrage, eventuell gebührenpflichtig.
  • Amtliche Auszüge: Können je nach Umfang und Bundesland Kosten verursachen.
  • Kostenfrei für private Nutzung: In der Regel sind die Basis-Informationen kostenfrei online verfügbar.

Auswirkungen des Bodenrichtwerts auf Immobilienbewertung und Finanzierung

Der Bodenrichtwert spielt eine wichtige Rolle bei der umfassenden Bewertung einer Immobilie. In Sachwertverfahren oder Ertragswertverfahren wird der Bodenwert als separater Bestandteil der Gesamtbewertung ermittelt und fließt maßgeblich in den Verkehrswert des Grundstücks ein. Ein hoher Bodenrichtwert in einer attraktiven Lage kann den Wert einer Immobilie deutlich steigern, auch wenn die Bebauung älter ist. Umgekehrt kann ein niedriger Bodenrichtwert einen insgesamt geringeren Immobilienwert zur Folge haben. Für Kaufinteressenten bietet der Bodenrichtwert eine erste Indikation, ob der geforderte Kaufpreis für den Bodenanteil angemessen erscheint.

Auch im Bereich der Immobilienfinanzierung hat der Bodenrichtwert eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Banken und Kreditinstitute nutzen ihn als einen von mehreren Parametern zur Einschätzung des Beleihungswertes eines Grundstücks. Ein stabiler und ausreichend hoher Bodenrichtwert kann positive Auswirkungen auf die Kreditkonditionen haben, da der Beleihungswert des Grundstücks ohne die Berücksichtigung der aufstehenden Gebäude einen wichtigen Sicherheitenanteil darstellt. Er hilft den Banken, das Risiko besser einzuschätzen und somit über die Vergabe und die Konditionen eines Darlehens zu entscheiden. Es ist jedoch zu beachten, dass Banken für ihre interne Bewertung oftmals eigene, noch detailliertere Bewertungsverfahren anwenden, die über den reinen Bodenrichtwert hinausgehen.

Bodenrichtwert und steuerliche Aspekte

Einer der wichtigsten Anwendungsbereiche des Bodenrichtwerts liegt im Steuerrecht. Er dient als eine wesentliche Grundlage für die Ermittlung verschiedener Steuern, die im Zusammenhang mit Grundbesitz stehen. Zu nennen sind hier insbesondere die Grunderwerbsteuer, die Grundsteuer und in bestimmten Fällen auch die Erbschaft- oder Schenkungsteuer. Obwohl die genauen Berechnungsmethoden je nach Steuerart variieren, bildet der Bodenrichtwert immer einen Ausgangspunkt für die Bewertung des Grund und Bodens durch die Finanzämter.

Mit der Grundsteuerreform, die schrittweise in Deutschland umgesetzt wird, hat der Bodenrichtwert eine noch zentralere Bedeutung erlangt. Für die neue Grundsteuerberechnung, die ab dem Jahr 2025 gilt, ist der Bodenrichtwert in vielen Bundesländern ein entscheidender Faktor, um den Wert des Grund und Bodens festzustellen. Das Finanzamt nutzt den Bodenrichtwert des 1. Januar 2022 als Ausgangswert für die Berechnung der Grundsteuer B (für bebaute und unbebaute Grundstücke). Es ist daher für jeden Grundstückseigentümer von großem Interesse, den aktuellen Bodenrichtwert seines Grundstücks zu kennen, da dieser direkt die Höhe der zukünftigen Grundsteuer beeinflussen kann. Eine genaue Kenntnis kann auch helfen, die Bescheide des Finanzamtes zu überprüfen und gegebenenfalls Einspruch einzulegen.

  • Grundsteuer: Zentraler Faktor für die Neuberechnung, besonders ab 2025.
  • Grunderwerbsteuer: Kann indirekt den Kaufpreis und damit die Steuer beeinflussen.
  • Erbschaft-/Schenkungsteuer: Grundlage für die Bewertung des vererbten/geschenkten Bodens.
  • Finanzamt: Nutzt den Bodenrichtwert als offizielle Bewertungsgrundlage.

Die Bedeutung für Käufer und Verkäufer von Immobilien

Für Kaufinteressenten bietet der Bodenrichtwert eine wertvolle Orientierung im oft undurchsichtigen Immobilienmarkt. Er ermöglicht eine erste Einschätzung, ob der angebotene Preis für ein Grundstück oder eine Immobilie realistisch ist. Wenn der geforderte Kaufpreis für den reinen Bodenanteil signifikant vom Bodenrichtwert abweicht, sollte dies genauer hinterfragt werden. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass der Bodenrichtwert lediglich ein Durchschnittswert ist und individuelle Besonderheiten des Grundstücks nicht berücksichtigt. Ein Käufer sollte immer auch die spezifischen Verhältnisse des Objekts, wie die genaue Lage innerhalb der Zone, die Bebaubarkeit, den Zuschnitt und die Erschließung, in seine Überlegungen einbeziehen.

Verkäufer können den Bodenrichtwert nutzen, um einen fairen Ausgangspunkt für ihre Preisverhandlungen zu finden. Er kann als Argumentationsgrundlage dienen, muss aber durch weitere individuelle Merkmale des Verkaufsobjekts ergänzt werden, um einen marktgerechten Verkaufspreis zu erzielen. Ein zu hoch angesetzter Preis, der weit über dem Bodenrichtwert liegt, kann potenzielle Käufer abschrecken, es sei denn, individuelle wertsteigernde Faktoren rechtfertigen dies klar. Umgekehrt kann ein zu niedriger Preis dazu führen, dass der Verkäufer unter Wert verkauft. Es empfiehlt sich daher, den Bodenrichtwert als ersten Schritt in der Preisfindung zu betrachten und diesen durch eine professionelle Immobilienbewertung zu ergänzen, um den optimalen Angebotspreis zu ermitteln.

Fazit

Der Bodenrichtwert ist ein fundamentaler Baustein im deutschen Immobilienwesen. Er ist mehr als nur eine Zahl; er ist ein Indikator für den Wert von Grund und Boden, eine wichtige Größe bei der Immobilienbewertung, ein entscheidender Faktor für die Besteuerung und eine wertvolle Orientierungshilfe für alle Beteiligten am Immobilienmarkt. Die kostenfreie und unkomplizierte Abfrage über die bundesweiten BORIS-Portale macht ihn zu einem leicht zugänglichen Werkzeug für jedermann. Obwohl er keinen individuellen Verkehrswert ersetzt, liefert er eine unverzichtbare Basis für fundierte Entscheidungen rund um den Kauf, Verkauf, die Finanzierung und die Besteuerung von Grundstücken und Immobilien. Ein Verständnis seiner Bedeutung und seiner Funktionsweise ist daher für Eigentümer und Interessenten gleichermaßen unerlässlich, um informierte und wirtschaftlich sinnvolle Dispositionen treffen zu können.

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