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Was ist die Solarthermie-Anlage?

Eine Solarthermie-Anlage nutzt Sonnenenergie, um Warmwasser zu erzeugen oder die Heizung zu unterstützen – ökologisch, effizient und langfristig kostensparend.

7 min Lesezeit
Was ist die Solarthermie-Anlage?

Eine Solarthermie-Anlage ist eine Technik, mit der Sonnenenergie direkt in nutzbare Wärme umgewandelt wird. Im Gegensatz zu einer Photovoltaik-Anlage, die Strom erzeugt, liefert eine Solarthermie-Anlage vor allem Wärme für Trinkwasser und Raumheizung. Sie gehört damit zu den etablierten Heizungstechnologien, die fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl entlasten und den CO₂-Ausstoß senken. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, wie eine Solarthermie-Anlage funktioniert, aus welchen Komponenten sie besteht, wofür sie eingesetzt wird und welche Vorteile und Grenzen sie hat.

Was bedeutet Solarthermie?

Der Begriff „Solarthermie“ setzt sich aus den Wörtern „Solar“ (Sonne) und „Thermie“ (Wärme) zusammen. Er beschreibt die Nutzung der Sonnenstrahlung, um Wärme zu erzeugen – etwa für Warmwasser oder Heizung. Die gewonnene Energie wird nicht in Strom umgewandelt, sondern direkt als thermische Energie genutzt. Solarthermie zählt zu den erneuerbaren Energien und ist in Deutschland seit Jahrzehnten im Einsatz.

In der Praxis bedeutet das: Auf dem Dach werden spezielle Kollektoren montiert, die die Sonnenstrahlung aufnehmen und in Wärme umwandeln. Diese Wärme wird über ein Flüssigkeitsmedium in den Keller oder Heizraum transportiert und dort in einem Speicher gesammelt. Von dort aus kann sie für Duschen, Baden oder das Heizen der Räume genutzt werden. Solarthermie ist damit eine Ergänzung zur bestehenden Heizung, die diese entlastet und den Energieverbrauch senkt.

Wie funktioniert eine Solarthermie-Anlage?

Das Grundprinzip einer Solarthermie-Anlage ist einfach: Sonnenstrahlung trifft auf die Kollektoren, wird dort in Wärme umgewandelt und über eine Flüssigkeit in einen Speicher transportiert. In diesem Speicher wird die Wärme gespeichert und steht dann für Warmwasser oder Heizung zur Verfügung. Der Kreislauf läuft automatisch und wird von einer Steuerung überwacht.

In den Kollektoren befindet sich eine Wärmeträgerflüssigkeit, meist ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Diese Flüssigkeit erwärmt sich, wenn die Sonne auf die Kollektoren scheint. Eine Pumpe fördert die erwärmte Flüssigkeit durch Rohrleitungen in den Solarspeicher. Dort gibt sie ihre Wärme über einen Wärmetauscher an das Trinkwasser oder an das Heizungswasser ab. Anschließend fließt die abgekühlte Flüssigkeit wieder zurück zu den Kollektoren, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Damit der Prozess sicher und effizient abläuft, ist eine Solarsteuerung (Solarregler) eingebaut. Sie misst die Temperaturen in Kollektor und Speicher und entscheidet, wann die Pumpe eingeschaltet wird. Dadurch wird verhindert, dass die Anlage unnötig läuft oder der Speicher überhitzen kann. Für den Nutzer ist dieser Vorgang unsichtbar – die Wärme steht einfach zur Verfügung.

Aufbau einer Solarthermie-Anlage

Eine Solarthermie-Anlage besteht aus mehreren zentralen Komponenten, die zusammenarbeiten. Die wichtigsten Bauteile sind die Kollektoren, der Solarspeicher, die Pumpe, die Rohrleitungen sowie die Steuerung und Sicherheitseinrichtungen. Jedes dieser Bauteile hat eine klar definierte Aufgabe.

Die Kollektoren sind die „Antennen“ der Anlage und werden meist auf dem Dach montiert. Sie fangen die Sonnenstrahlung ein und wandeln sie in Wärme um. Der Solarspeicher ist ein isolierter Behälter, in dem die Wärme gespeichert wird. Er kann als Trinkwasserspeicher oder als Pufferspeicher für die Heizung ausgeführt sein. Die Pumpe sorgt dafür, dass die Wärmeträgerflüssigkeit im Kreislauf zirkuliert. Die Rohrleitungen verbinden Kollektoren, Speicher und Heizung miteinander. Die Steuerung überwacht Temperaturen und schaltet die Pumpe ein oder aus.

  • Solarkollektoren: fangen Sonnenstrahlung ein und erwärmen die Wärmeträgerflüssigkeit.
  • Solarspeicher: speichert die Wärme für Warmwasser oder Heizung.
  • Pumpe: treibt den Solarkreislauf an und fördert die Flüssigkeit.
  • Rohrleitungen: verbinden Kollektoren, Speicher und Heizung.
  • Solarsteuerung: regelt den Betrieb und schützt vor Überhitzung.
  • Sicherheitsarmaturen: verhindern Überdruck, Überhitzung und Frostschäden.

Kollektoren: Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren?

Bei Solarthermie-Anlagen werden vor allem zwei Kollektortypen eingesetzt: Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren. Beide wandeln Sonnenstrahlung in Wärme um, unterscheiden sich aber in Aufbau, Effizienz und Einsatzgebiet. Die Wahl hängt von Dachneigung, Ausrichtung, Klima und gewünschtem Anwendungsbereich ab.

Flachkollektoren bestehen aus einer dunklen Absorberfläche, die von einer Glasabdeckung geschützt wird. Sie sind relativ einfach aufgebaut, robust und kostengünstig. Sie eignen sich gut für die Warmwasserbereitung und in Regionen mit viel Sonnenschein. Vakuumröhrenkollektoren bestehen aus mehreren Glasröhren, in denen sich Absorberrohre befinden. Zwischen den Glasröhren herrscht Vakuum, das Wärmeverluste stark reduziert. Dadurch erreichen sie auch bei schwächerer Sonneneinstrahlung und niedrigeren Außentemperaturen hohe Wirkungsgrade.

Vakuumröhrenkollektoren sind in der Regel effizienter, aber auch teurer als Flachkollektoren. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Anlage auch im Winter zur Heizungsunterstützung beitragen soll oder wenn das Dach ungünstig ausgerichtet ist. Für reine Warmwasseranlagen reichen häufig Flachkollektoren aus, insbesondere bei guter Dachausrichtung nach Süden.

Einsatzbereiche: Warmwasser oder Heizungsunterstützung?

Solarthermie-Anlagen werden in der Regel für zwei Hauptaufgaben eingesetzt: zur Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung. In vielen Fällen kombiniert eine Anlage beides, indem sie sowohl den Warmwasserbedarf deckt als auch die Heizung im Übergangsbereich entlastet.

Eine reine Trinkwasseranlage dient vor allem der Erwärmung von Dusch- und Brauchwasser. Sie kann je nach Größe und Verbrauch einen erheblichen Teil des jährlichen Warmwasserbedarfs decken. In typischen Einfamilienhäusern sind Anteile von mehr als der Hälfte durchaus realistisch, in besonders gut ausgelegten Systemen sogar deutlich mehr. Eine Heizungsunterstützungsanlage liefert zusätzlich Wärme für die Raumheizung, etwa über einen Pufferspeicher, der die Heizung entlastet.

In der Praxis bedeutet das: Im Sommer kann die Solarthermie-Anlage den Großteil des Warmwasserbedarfs decken und die Heizung komplett ausschalten. Im Winter übernimmt die Heizung den Hauptteil, während die Solarthermie die Anlage entlastet und den Brennstoffverbrauch senkt. Je besser das Gebäude gedämmt ist und je größer die Kollektorfläche ist, desto höher ist der solare Deckungsanteil.

  • Reine Warmwasseranlage: deckt vor allem Dusch- und Brauchwasser ab.
  • Heizungsunterstützungsanlage: entlastet die Heizung im Übergangsbereich.
  • Kombianlage: liefert sowohl Warmwasser als auch Heizungsunterstützung.
  • Großanlagen: können in gut gedämmten Neubauten einen hohen Anteil des Wärmebedarfs decken.
  • Kleinanlagen: eignen sich für Ferienhäuser oder Nebengebäude mit geringem Bedarf.

Vorteile und Grenzen der Solarthermie

Solarthermie bietet eine Reihe von Vorteilen: Sie nutzt eine kostenlose, erneuerbare Energiequelle, senkt den Verbrauch fossiler Brennstoffe und reduziert die Heizkosten. Zudem ist die Technik ausgereift, langlebig und relativ wartungsarm. Die Anlage kann mit vielen bestehenden Heizsystemen kombiniert werden, etwa mit Gas-, Öl- oder Pelletkesseln sowie mit Wärmepumpen.

Zu den Grenzen gehört, dass die Sonne nicht gleichmäßig scheint. In den Wintermonaten ist die Sonneneinstrahlung geringer, sodass die Solarthermie-Anlage in dieser Zeit nur einen Teil des Wärmebedarfs decken kann. Zudem benötigt sie ausreichend Platz auf dem Dach und eine sinnvolle Ausrichtung. Bei ungünstiger Dachneigung oder starkem Schattenwurf sinkt der Ertrag deutlich. Auch die Investitionskosten sind nicht unerheblich, auch wenn sich die Anlage über die Jahre amortisieren kann.

Ein weiterer Aspekt ist die Integration in die bestehende Heizung. Die Anlage muss fachgerecht geplant und installiert werden, damit sie effizient arbeitet und die Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Eine falsche Dimensionierung kann dazu führen, dass der Speicher im Sommer überhitzen kann oder im Winter zu wenig Wärme liefert.

  • Nutzung kostenloser Sonnenenergie und Reduktion fossiler Brennstoffe.
  • Senkung der Heiz- und Warmwasserkosten über die Lebensdauer.
  • Geringe Betriebskosten und lange Lebensdauer der Komponenten.
  • Kombinierbar mit vielen Heizungssystemen und Wärmepumpen.
  • Abhängigkeit von Sonneneinstrahlung und Witterung.
  • Benötigt ausreichend Dachfläche und gute Ausrichtung.

Planung, Dimensionierung und Beispielrechnung

Die Planung einer Solarthermie-Anlage sollte immer individuell erfolgen und auf den konkreten Bedarf des Hauses abgestimmt sein. Entscheidend sind der Warmwasserbedarf, der Heizwärmebedarf, die Dachfläche, die Ausrichtung und die gewünschte Deckungsquote. Ein Fachbetrieb kann diese Faktoren analysieren und eine passende Anlage vorschlagen.

Als grobe Orientierung gilt: Für eine reine Warmwasseranlage werden in der Regel etwa 1–1,5 Quadratmeter Kollektorfläche pro Person angesetzt. Für eine Anlage mit Heizungsunterstützung sind es eher 1,5–2 Quadratmeter pro Person. Ein Einfamilienhaus mit vier Personen könnte also beispielsweise eine Kollektorfläche von 4–8 Quadratmetern benötigen, je nach Zielsetzung.

Als Beispielrechnung (nur zur Veranschaulichung): Angenommen, ein Haushalt verbraucht 3.000 kWh pro Jahr für Warmwasser. Eine gut ausgelegte Solarthermie-Anlage könnte davon im Laufe eines Jahres etwa 1.500–2.000 kWh durch Sonnenenergie bereitstellen. Das entspricht einem solaren Deckungsanteil von rund 50–70 Prozent. Der Rest muss weiterhin von der Heizung bereitgestellt werden. Die Einsparung an Brennstoffen und CO₂ hängt von der Art der Heizung und den Energiepreisen ab.

Kosten, Förderung und Wirtschaftlichkeit

Die Kosten einer Solarthermie-Anlage setzen sich aus den Komponenten, der Montage, der Planung und eventuellen Anpassungen an die bestehende Heizung zusammen. Reine Warmwasseranlagen sind in der Regel günstiger als Kombianlagen mit Heizungsunterstützung. Die Investition liegt typischerweise im vierstelligen Bereich, kann aber je nach Größe und Aufwand deutlich höher sein.

In vielen Fällen gibt es staatliche Förderprogramme oder regionale Zuschüsse, die einen Teil der Investitionskosten übernehmen. Diese Förderungen können die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern und die Amortisationszeit verkürzen. Wichtig ist, sich vorab über aktuelle Programme zu informieren und die Anlage entsprechend zu planen.

Die Wirtschaftlichkeit hängt von mehreren Faktoren ab: von den Investitionskosten, den laufenden Betriebskosten, den Einsparungen bei Brennstoffen und Strom sowie von der Nutzungsdauer der Anlage. In der Regel amortisiert sich eine gut geplante Solarthermie-Anlage über mehrere Jahre, insbesondere wenn sie mit Fördermitteln unterstützt wird und in einem Haus mit hohem Warmwasserbedarf eingesetzt wird.

Fazit

Eine Solarthermie-Anlage ist eine etablierte Technik, die Sonnenenergie direkt in nutzbare Wärme umwandelt und damit Warmwasser bereitstellt oder die Heizung unterstützt. Sie besteht aus Kollektoren, Speicher, Pumpe, Rohrleitungen und Steuerung und arbeitet weitgehend automatisch. Die Technik ist ausgereift, ökologisch sinnvoll und kann langfristig Heizkosten senken. Entscheidend für den Erfolg sind eine sorgfältige Planung, eine passende Dimensionierung und eine fachgerechte Installation. Wer sich für Solarthermie entscheidet, investiert in eine nachhaltige Ergänzung zur bestehenden Heizung und trägt aktiv zur Energiewende bei.

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