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Was ist die Anschlussfinanzierung?

Die Anschlussfinanzierung sichert nach Ablauf der Zinsbindung die weitere Finanzierung einer Immobilie – mit neuen Konditionen und vielen Gestaltungsoptionen für den Kreditnehmer.

6 min Lesezeit
Was ist die Anschlussfinanzierung?

Wenn die Zinsbindung eines Immobilienkredits ausläuft, ist die Kreditsumme in der Regel noch nicht vollständig getilgt. In diesem Fall wird eine Anschlussfinanzierung fällig, also eine neue Vereinbarung, mit der die Restschuld weiter finanziert wird. Viele Immobilienbesitzer beschäftigen sich erst kurz vor Ablauf der Zinsbindung mit diesem Thema – dabei lohnt es sich, frühzeitig zu planen und die verschiedenen Möglichkeiten zu verstehen. In diesem Ratgeber wird erklärt, was eine Anschlussfinanzierung ist, wie sie funktioniert, welche Varianten es gibt und wie sich Kreditnehmer optimal vorbereiten können.

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Eine Anschlussfinanzierung ist die Fortsetzung eines bestehenden Kredits nach Ablauf der vereinbarten Zinsbindungsfrist. Bei einer Baufinanzierung wird der Zinssatz in der Regel nur für einen begrenzten Zeitraum – häufig 10, 15 oder 20 Jahre – festgeschrieben. Danach besteht meist noch eine Restschuld, die weiter getilgt werden muss. Die Anschlussfinanzierung regelt, zu welchen neuen Konditionen diese Restschuld weiterläuft.

Dabei kann es sich um eine Prolongation bei der bisherigen Bank oder um eine Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut handeln. In beiden Fällen wird ein neuer Zinssatz vereinbart, oft auch eine angepasste Tilgung und eine neue Zinsbindungsfrist. Die ursprüngliche Kreditlaufzeit bleibt in der Regel unverändert; es wird lediglich die Zinsvereinbarung erneuert.

  • Fortsetzung eines bestehenden Kredits nach Ablauf der Zinsbindung
  • Neue Vereinbarung von Zinssatz, Tilgung und Zinsbindungsfrist
  • Meist noch eine Restschuld vorhanden
  • Kann als Prolongation bei der gleichen Bank oder als Umschuldung zu einer anderen Bank erfolgen

Wann wird eine Anschlussfinanzierung fällig?

Eine Anschlussfinanzierung wird notwendig, sobald die Zinsbindungsfrist eines Immobilienkredits endet und die Restschuld noch nicht vollständig getilgt ist. Typische Zinsbindungsfristen liegen bei 10, 15 oder 20 Jahren. Je nach vereinbarter Tilgung und Laufzeit kann es mehrere solcher Anschlussphasen geben. Wer beispielsweise eine 35‑jährige Baufinanzierung mit jeweils 10‑jährigen Zinsbindungen wählt, benötigt in der Regel drei Anschlussfinanzierungen.

Die Bank informiert den Kreditnehmer in der Regel einige Wochen vor Ablauf der Zinsbindung über die Möglichkeit einer Anschlussfinanzierung. Dann kann entschieden werden, ob man bei der bisherigen Bank bleibt oder zu einem anderen Kreditgeber wechselt. Wichtig ist, dass rechtzeitig geprüft wird, ob die angebotenen Konditionen noch wettbewerbsfähig sind.

  • Ende der vereinbarten Zinsbindungsfrist
  • Noch bestehende Restschuld auf dem Darlehen
  • Mehrere Anschlussphasen möglich, je nach Laufzeit
  • Bank macht in der Regel ein Angebot vor Ablauf der Zinsbindung

Prolongation vs. Umschuldung

Bei der Anschlussfinanzierung unterscheidet man grundsätzlich zwischen Prolongation und Umschuldung. Bei der Prolongation bleibt der Kreditnehmer bei der bisherigen Bank und verlängert die Zinsbindung mit neuen Konditionen. Die Bank bietet in der Regel ein neues Zinsangebot an, das sich am aktuellen Markt orientiert. Dieser Weg ist meist einfach und unkompliziert, da keine neuen Verträge mit einem anderen Institut abgeschlossen werden müssen.

Bei der Umschuldung wechselt der Kreditnehmer zu einem anderen Kreditinstitut. Die neue Bank übernimmt die Restschuld und ersetzt den bestehenden Kredit durch ein neues Darlehen. Dies kann sinnvoll sein, wenn die Konditionen der bisherigen Bank weniger günstig sind oder wenn der Kreditnehmer bessere Angebote auf dem Markt findet. Allerdings können bei einem Wechsel Gebühren oder Vorfälligkeitsentschädigungen anfallen.

  • Prolongation: Verbleib bei der bisherigen Bank mit neuer Zinsbindung
  • Umschuldung: Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut
  • Prolongation meist einfacher, Umschuldung potenziell günstiger
  • Bei Umschuldung auf mögliche Wechselkosten achten

Forward-Darlehen und andere Varianten

Neben der klassischen Anschlussfinanzierung gibt es auch spezielle Varianten wie das Forward-Darlehen. Beim Forward-Darlehen wird der Zinssatz für eine zukünftige Anschlussfinanzierung bereits heute festgelegt. Das Darlehen wird erst nach einer bestimmten Vorlaufzeit ausgezahlt, zum Beispiel zwei bis fünf Jahre später. Damit kann sich der Kreditnehmer gegen steigende Zinsen absichern und langfristig planen.

Weitere Varianten sind die Ablösung des bestehenden Kredits durch ein neues Darlehen oder die Nutzung eines Bauspardarlehens als Anschlussfinanzierung. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der individuellen finanziellen Situation, der Restschuld, der gewünschten Laufzeit und der Risikobereitschaft ab. Ein Forward-Darlehen bietet Planungssicherheit, kann aber mit einem Zinsaufschlag verbunden sein.

  • Forward-Darlehen: Zinsen für zukünftige Anschlussfinanzierung heute sichern
  • Ablösung: Restschuld durch neues Darlehen ersetzen
  • Bauspardarlehen als Anschlussfinanzierung nutzen
  • Wahl der Variante abhängig von Restschuld, Laufzeit und Risikobereitschaft

Wie wirkt sich die Anschlussfinanzierung auf die Monatsrate aus?

Die Anschlussfinanzierung kann die monatliche Rate deutlich verändern, je nachdem, wie hoch der neue Zinssatz und die vereinbarte Tilgung sind. Steigen die Zinsen, kann die Rate ansteigen, auch wenn die Tilgung gleich bleibt. Sinken die Zinsen, kann die Rate sinken oder die Tilgung erhöht werden, um die Immobilie schneller abzubezahlen. Beispiel: Bei einer Restschuld von 150.000 Euro und einem neuen Zinssatz von 3,5 Prozent ergibt sich eine andere Monatsrate als bei 4,5 Prozent, selbst bei gleicher Tilgung.

Kreditnehmer können bei der Anschlussfinanzierung oft zwischen verschiedenen Tilgungssätzen wählen. Eine höhere Tilgung verkürzt die Gesamtlaufzeit und senkt die Zinsbelastung, erhöht aber die monatliche Belastung. Eine niedrigere Tilgung senkt die Rate, verlängert aber die Laufzeit und die Gesamtzinsen. Wichtig ist, die neue Rate im Haushaltsbudget zu prüfen und sicherzustellen, dass sie langfristig tragbar bleibt.

  • Neuer Zinssatz und Tilgung bestimmen die Monatsrate
  • Steigende Zinsen können die Rate erhöhen
  • Sinkende Zinsen können Rate senken oder Tilgung erhöhen
  • Höhere Tilgung verkürzt Laufzeit, erhöht aber die Rate

Vorteile und Risiken der Anschlussfinanzierung

Eine Anschlussfinanzierung bietet mehrere Vorteile. In einer Niedrigzinsphase kann ein günstiger Zinssatz für die Restschuld gesichert werden, was die Zinsbelastung senkt. Zudem kann die Tilgung angepasst werden, um die Immobilie schneller abzubezahlen oder die monatliche Belastung zu reduzieren. Auch veränderte Lebensumstände, wie ein höheres Einkommen oder ein geplanter Umzug, können in die neue Finanzierung einfließen.

Risiken bestehen vor allem, wenn die Zinsen steigen und die neue Rate deutlich höher ausfällt. Zudem können bei einem Wechsel zu einem anderen Kreditinstitut Gebühren oder Vorfälligkeitsentschädigungen anfallen. Auch die Bonität des Kreditnehmers spielt eine Rolle: Verschlechtert sich die Bonität, können die Konditionen weniger günstig ausfallen. Daher ist eine frühzeitige Prüfung der Optionen wichtig.

  • Günstige Zinsen in Niedrigzinsphasen sichern
  • Tilgung an aktuelle Lebensumstände anpassen
  • Planungssicherheit durch neue Zinsbindung
  • Risiko steigender Zinsen und höherer Monatsraten
  • Mögliche Wechselkosten bei Umschuldung

Wie bereitet man sich auf die Anschlussfinanzierung vor?

Um die Anschlussfinanzierung optimal zu gestalten, sollte rechtzeitig geplant werden. Empfehlenswert ist es, sich bereits ein bis drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung mit den Optionen zu beschäftigen. Dazu gehört die Prüfung der eigenen finanziellen Situation, der Restschuld und der aktuellen Zinsentwicklung. Ein Kreditvergleich verschiedener Angebote kann helfen, die besten Konditionen zu finden.

Wichtig ist auch, die Unterlagen des bestehenden Kredits bereitzuhalten, etwa den aktuellen Kreditvertrag, die Restschuld und die Tilgung. So können Banken oder Berater realistische Angebote erstellen. Zudem sollte geprüft werden, ob eine Umschuldung sinnvoll ist oder ob eine Prolongation bei der bisherigen Bank ausreicht. Bei komplexen Situationen kann eine Beratung durch einen unabhängigen Finanzexperten hilfreich sein.

  • Zeitig mit der Planung beginnen, idealerweise ein bis drei Jahre vor Ablauf
  • Eigene finanzielle Situation und Restschuld prüfen
  • Kreditvergleich verschiedener Angebote durchführen
  • Unterlagen des bestehenden Kredits bereithalten
  • Prüfen, ob Umschuldung oder Prolongation sinnvoll ist

Fazit

Die Anschlussfinanzierung ist ein wichtiger Baustein bei der langfristigen Finanzierung einer Immobilie. Sie ermöglicht es, die Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung weiter zu tilgen und dabei neue Konditionen zu vereinbaren. Ob Prolongation bei der bisherigen Bank oder Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut – entscheidend ist, die Optionen frühzeitig zu prüfen und die eigene finanzielle Situation genau zu analysieren. Mit einer sorgfältigen Vorbereitung lässt sich die Anschlussfinanzierung nutzen, um Zinsen zu sparen, die Tilgung anzupassen und langfristig planungssicher zu bleiben.

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