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Was ist der Beleihungswert?

Der Beleihungswert ist eine zentrale Größe bei der Immobilienfinanzierung und bestimmt maßgeblich die Kreditkonditionen. Er schützt Banken vor Wertverlusten und ist entscheidend für Ihre Darlehensentscheidung.

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Was ist der Beleihungswert?

Wenn Sie über den Kauf oder Bau einer Immobilie nachdenken und dafür eine Finanzierung benötigen, werden Sie unweigerlich mit dem Begriff „Beleihungswert“ konfrontiert. Dieser Wert ist von entscheidender Bedeutung für Banken und Kreditinstitute, da er die Grundlage für die Höhe des Immobiliendarlehens bildet, das Sie erhalten können. Er spiegelt nicht den Kaufpreis oder den Verkehrswert wider, sondern eine konservativ ermittelte Größe, die den langfristigen, nachhaltigen Wert einer Immobilie abbildet. Für Kreditgeber ist er eine Absicherung gegen mögliche Verluste, falls der Darlehensnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und die Immobilie zwangsversteigert werden muss. Das Verständnis des Beleihungswertes hilft Ihnen nicht nur, die Entscheidungen der Bank nachzuvollziehen, sondern auch Ihre eigene Finanzierungsstrategie optimal zu planen.

Definition: Was genau ist der Beleihungswert?

Der Beleihungswert, oft auch als Bankenbeleihungswert bezeichnet, ist der Wert einer Immobilie, der von Kreditinstituten bei der Vergabe von Hypothekendarlehen zugrunde gelegt wird. Er ist gesetzlich im § 16 des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) für Pfandbriefbanken definiert und wird auch von anderen Banken analog angewendet. Im Gegensatz zum Kaufpreis oder Verkehrswert zielt der Beleihungswert darauf ab, einen langfristig erzielbaren Verkaufspreis darzustellen, der auch unter ungünstigen Marktbedingungen realisierbar wäre. Es handelt sich um eine vorsichtige, zukunftsorientierte Einschätzung, bei der potenzielle Risiken und Schwankungen des Immobilienmarktes Berücksichtigung finden.

Ziel ist es, die Sicherheit für das Kreditinstitut zu gewährleisten. Selbst wenn der Immobilienmarkt zwischenzeitlich einbricht, soll der Beleihungswert noch eine weitgehende Deckung des Darlehens ermöglichen. Aus diesem Grund liegt er in der Regel niedriger als der aktuelle Verkehrswert oder der Kaufpreis. Die Differenz zwischen Verkehrswert und Beleihungswert dient als Sicherheitspuffer für die Bank.

  • Rechtliche Grundlage: § 16 Pfandbriefgesetz.
  • Ziel: Langfristige Wertermittlung unter vorsichtigen Annahmen.
  • Sicherheitsgedanke: Schutz des Kreditgebers vor Wertverlusten.
  • Unterschied: Meist niedriger als Kaufpreis oder Verkehrswert.

Beleihungswert vs. Verkehrswert (Marktwert) vs. Kaufpreis

Es ist entscheidend, den Beleihungswert von anderen häufig verwendeten Werten im Immobilienkontext abzugrenzen:

  • Der Kaufpreis ist der tatsächlich zwischen Käufer und Verkäufer vereinbarte und im Kaufvertrag festgeschriebene Preis. Er ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage am Markt zum Zeitpunkt des Verkaufs und kann durch individuelle Verhandlungssituationen beeinflusst werden.
  • Der Verkehrswert (Marktwert) ist definiert als der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den Eigenschaften, der Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks oder des Gebäudes ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse tatsächlich zu erzielen wäre. Er wird oft von Gutachtern nach der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) ermittelt und gibt einen realistischen Marktwert wider. Der Verkehrswert kann dem Kaufpreis recht nahekommen, muss es aber nicht.
  • Der Beleihungswert ist eine konservative Ableitung des Verkehrswertes. Er berücksichtigt, wie bereits erwähnt, primär die risikounabhängige und wertbeständige Seite der Immobilie und wird durch strikte Regeln der Banken und des Pfandbriefgesetzes bestimmt. Ziel ist ein über einen langen Zeitraum stabiler Wert.

Diese Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil der Bank der Beleihungswert als maximale Obergrenze für die Kreditvergabe dient, nicht der Kaufpreis, den Sie möglicherweise vereinbart haben. Haben Sie beispielsweise einen Kaufpreis von 500.000 Euro vereinbart, kann es sein, dass die Bank den Beleihungswert nur bei 450.000 Euro ansetzt. Die Differenz müssen Sie dann aus Eigenmitteln bestreiten oder über eine zusätzliche, oft teurere Finanzierung überbrücken.

Methoden zur Ermittlung des Beleihungswertes

Die Ermittlung des Beleihungswertes erfolgt durch Gutachter der Bank oder unabhängige Sachverständige. Dabei kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, die sich an der Art der Immobilie orientieren. Die Wahl der Methode und die daraus resultierende Gewichtung der Faktoren folgen strengen Vorgaben, um die Konservativität der Wertermittlung sicherzustellen. Typischerweise werden folgende Verfahren angewendet:

  • Sachwertverfahren: Dieses Verfahren kommt häufig bei eigengenutzten Immobilien zum Einsatz. Es berechnet sich aus den gewöhnlichen Herstellungskosten des Gebäudes, zuzüglich des Bodenwertes und abzüglich altersbedingter Wertminderungen. Hier werden also die physische Substanz und die Baukosten neu bewertet.
  • Ertragswertverfahren: Dieses Verfahren ist für vermietete Objekte wie Mehrfamilienhäuser oder Gewerbeimmobilien relevant. Es basiert auf den nachhaltig erzielbaren jährlichen Mieteinnahmen oder Pachterlösen der Immobilie, abzüglich der Bewirtschaftungskosten. Diese Einnahmen werden über einen bestimmten Zeitraum kapitalisiert, um den objektiven Reinertrag und daraus den Ertragswert zu ermitteln.
  • Vergleichswertverfahren: Hierbei wird der Wert der Immobilie durch den Vergleich mit ähnlichen, kürzlich verkauften Immobilien in vergleichbarer Lage und Ausstattung bestimmt. Dies setzt eine ausreichende Anzahl vergleichbarer Transaktionen voraus und ist besonders im Wohnungseigentumsbereich oder bei Einfamilienhäusern anwendbar. Oft dienen die Kaufpreise dieser Vergleichsobjekte als Basis für die Ableitung des Beleihungswertes, wobei entsprechende Abschläge vorgenommen werden.

Die Gutachter führen in der Regel eine Kombination der Verfahren durch und treffen dann eine begründete Einschätzung. Wichtig ist, dass spekulative Elemente oder temporäre Aufwertungen des Marktes bei der Beleihungswertermittlung unberücksichtigt bleiben.

Faktoren, die den Beleihungswert beeinflussen

Der Beleihungswert wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die sich auf den langfristigen und nachhaltigen Wert einer Immobilie auswirken können. Diese Faktoren werden von den Gutachtern genau analysiert und in ihre Bewertung einbezogen:

  • Lage der Immobilie: Die Mikrolage (z.B. direkte Nachbarschaft, Anbindung an Infrastruktur) und Makrolage (z.B. wirtschaftliche Stärke der Region, Bevölkerungsentwicklung) sind von größter Bedeutung. Eine gute Lage sichert eine langfristig hohe Nachfrage und Wertstabilität.
  • Zustand und Bauqualität: Alter, Bauweise, Ausstattung und Instandhaltungszustand der Immobilie spielen eine große Rolle. Sanierungsstau oder Mängel mindern den Wert, während moderne Ausstattung und guter Pflegezustand ihn positiv beeinflussen.
  • Größe und Grundriss: Optimale Raumaufteilung, angemessene Wohnfläche und die Funktionalität des Grundrisses sind entscheidend für die Vermietbarkeit oder Verkäuflichkeit. Ungewöhnliche oder schwer nutzbare Grundrisse können den Wert mindern.
  • Nutzungsmöglichkeiten: Die Art der Nutzung (Wohnen, Gewerbe, gemischt) sowie die Möglichkeit einer flexiblen Umnutzung können den Wert beeinflussen. Eine breitere Nutzungsflexibilität ist oft positiv zu bewerten.
  • Energieeffizienz: Aspekte wie Dämmung, Heizsystem und allgemeine Energiebilanz der Immobilie gewinnen zunehmend an Bedeutung und wirken sich auf die Betriebskosten und damit auf den langfristigen Wert aus.
  • Rechtliche Gegebenheiten: Eine saubere Grundbucheintragung, das Fehlen von aufwändigen Wegerechten oder anderen Belastungen sind ebenso wichtig wie die planungsrechtliche Situation (z.B. Bebauungsplan).

Im Idealfall wird die Immobilie als „Allerweltsimmobilie“ angesehen, also als ein Objekt, das aufgrund seiner Merkmale für eine breite Masse an Nutzern oder Käufern attraktiv ist und problemlos wieder veräußert werden kann. Exotische oder sehr spezielle Immobilien haben oft einen geringeren Beleihungswert, da ihre Verwertbarkeit im Ernstfall schwieriger ist.

Der Beleihungsauslauf und seine Bedeutung

Eng mit dem Beleihungswert verknüpft ist der sogenannte Beleihungsauslauf (LTV – Loan to Value), der in Prozent angegeben wird. Er beschreibt das Verhältnis zwischen der Höhe des Darlehens und dem Beleihungswert der Immobilie. Eine gängige Faustformel für viele Banken besagt, dass der Beleihungsauslauf in der Regel bei maximal 60 %, 70 % oder 80 % des Beleihungswertes liegen darf, um als erstrangig besichert zu gelten und somit günstigere Zinsen zu erhalten.

Ein niedriger Beleihungsauslauf bedeutet ein geringeres Risiko für die Bank, da ein größerer Sicherheitspuffer vorhanden ist. Dies wird in der Regel mit besseren Konditionen, d.h. niedrigeren Zinsen, belohnt. Ein höherer Beleihungsauslauf hingegen führt zu einem erhöhten Risiko für die Bank und damit zu schlechteren Konditionen. Darlehen, die über einen bestimmten Beleihungsauslauf (z.B. 60 % oder 80 %) hinausgehen, werden oft als nachrangig eingestuft und sind teurer.

Berechnungsbeispiel:Angenommen, der Beleihungswert Ihrer Immobilie wurde mit 400.000 Euro festgestellt und Sie beantragen ein Darlehen über 320.000 Euro.Dann beträgt Ihr Beleihungsauslauf:(320.000 € / 400.000 €) * 100 % = 80 %Ein Darlehen mit 80 % Beleihungsauslauf wird von vielen Banken noch zu guten Konditionen angeboten. Wenn Sie jedoch ein Darlehen von 360.000 Euro beantragen würden, läge der Beleihungsauslauf bei 90 % ((360.000 € / 400.000 €) * 100 % = 90 %). Hier müssten Sie mit einem deutlichen Zinsaufschlag rechnen, da das Risiko für die Bank entsprechend steigt.

  • Beleihungsauslauf = (Darlehenshöhe / Beleihungswert) × 100 %.
  • Niedriger Beleihungsauslauf = Geringeres Risiko für die Bank = Bessere Zinskonditionen.
  • Hoher Beleihungsauslauf = Höheres Risiko für die Bank = Höhere Zinskonditionen.

Bedeutung für die Eigenkapitalplanung

Das Bewusstsein für den Beleihungswert ist für Ihre Eigenkapitalplanung von größter Bedeutung. Da der Beleihungswert fast immer unter dem Kaufpreis liegt, müssen Sie die Differenz sowie die anfallenden Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten, Maklerprovision) aus eigenen Mitteln aufbringen. Diese Nebenkosten können je nach Bundesland und Maklerprovision schnell 10 % bis 15 % des Kaufpreises ausmachen.

Planen Sie als Faustregel immer ein ausreichendes Eigenkapital ein, das idealerweise nicht nur die Nebenkosten, sondern auch einen Teil des Kaufpreises abdeckt, damit Sie den Beleihungsauslauf möglichst gering halten können. Dies verbessert nicht nur Ihre Verhandlungsposition bei der Bank, sondern schützt Sie auch vor zu hohen Zinskosten über die gesamte Laufzeit des Darlehens. Viele Finanzexperten empfehlen, mindestens 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital mitzubringen, besser sind 30 % und mehr, um auch den Eigenkapitalanteil oberhalb des Beleihungswertes abzudecken.

  • Differenz zum Kaufpreis: Muss durch Eigenkapital oder teurere Nachrangfinanzierung gedeckt werden.
  • Nebenkosten: Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten müssen in voller Höhe aus Eigenkapital bezahlt werden.
  • Zinskonditionen: Ein höherer Eigenkapitaleinsatz führt zu einem geringeren Beleihungsauslauf und damit zu besseren Zinskonditionen.
  • Empfehlung: Planen Sie mindestens 20-30% des Kaufpreises als Eigenkapital ein.

Wie der Beleihungswert den Zins beeinflusst

Der Beleihungswert hat einen direkten und signifikanten Einfluss auf die Höhe des Zinssatzes, den Sie für Ihr Immobiliendarlehen zahlen müssen. Banken kalkulieren ihre Zinsen auf Grundlage des Risikos, das sie mit der Darlehensvergabe eingehen. Ein geringeres Risiko wird mit niedrigeren Zinsen belohnt, ein höheres Risiko führt zu höheren Zinsen. Der Beleihungsauslauf ist dabei der zentrale Indikator für dieses Risiko.

Je näher die Darlehenssumme am Beleihungswert liegt (also je höher der Beleihungsauslauf ist), desto kleiner ist der Sicherheitspuffer der Bank. Im schlimmsten Fall einer Zwangsversteigerung könnte es sein, dass der Erlös nicht ausreicht, um das gesamte Darlehen zu decken. Um dieses erhöhte Ausfallrisiko abzufedern, verlangen Banken höhere Zinsen. Kreditnehmer mit einem Beleihungsauslauf von beispielsweise 60 % erhalten in der Regel deutlich bessere Konditionen als solche mit 90 % Beleihungsauslauf. Über die gesamte Laufzeit eines Immobiliendarlehens können hierdurch Zehntausende von Euro an Zinskosten gespart oder zusätzlich anfallen.

Fazit

Der Beleihungswert ist für jeden, der eine Immobilie finanzieren möchte, ein grundlegender Begriff. Er ist nicht einfach der aktuelle Marktwert oder der Kaufpreis, sondern eine konservative, langfristig orientierte Wertermittlung der Banken, die als Fundament für die Kreditvergabe dient. Ein tiefgehendes Verständnis des Beleihungswertes ermöglicht es Ihnen, realistische Erwartungen an Ihre Finanzierung zu entwickeln, ausreichend Eigenkapital zu planen und letztlich bessere Zinskonditionen für Ihr Immobiliendarlehen zu verhandeln. Es lohnt sich, frühzeitig einen Finanzierungsberater zu konsultieren, um den potenziellen Beleihungswert Ihrer Wunschimmobilie einschätzen zu lassen und Ihre Finanzierungsstrategie darauf aufzubauen.

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Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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