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Was ist der Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag kombiniert Sparen und Immobilienfinanzierung: So sichern Sie sich frühzeitig günstige Zinsen und staatliche Förderungen für Ihr Eigenheim.

7 min Lesezeit
Was ist der Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag ist ein klassisches Finanzprodukt, mit dem sich viele Menschen in Deutschland ihren Traum von Wohneigentum erfüllen. Er verbindet Elemente eines Sparvertrags mit einem Immobiliendarlehen und bietet vor allem Planungssicherheit, da Zinsen für Sparguthaben und Darlehen meist über die gesamte Laufzeit festgeschrieben sind. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, wie ein Bausparvertrag funktioniert, welche Phasen er durchläuft, welche Vorteile und Nachteile er bietet und für wen er sinnvoll sein kann.

Was genau ist ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag ist ein gemischter Vertrag, der zwei Komponenten vereint: einen Sparvertrag und einen Kreditvertrag. Der Sparer – auch Bausparer genannt – schließt den Vertrag mit einer Bausparkasse ab und vereinbart eine sogenannte Bausparsumme. Diese Summe setzt sich aus dem anzusparenden Guthaben und dem späteren Bauspardarlehen zusammen. Mit dem Vertrag erwirbt der Bausparer den Anspruch, nach Erreichen bestimmter Voraussetzungen ein zweckgebundenes Darlehen für Wohnimmobilien zu erhalten.

Rechtsgrundlage für Bausparverträge ist das Bausparkassengesetz (BauSpkG) sowie die Bausparkassen-Verordnung (BauSpkV). Diese Regelungen schützen die Bausparer und legen fest, wie Bausparkassen arbeiten müssen. Typischerweise spart der Bausparer rund 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme an; den Rest erhält er als Darlehen. Das angesparte Guthaben dient dabei als Eigenkapital und zugleich als Refinanzierung für die Darlehen anderer Bausparer innerhalb der gleichen Bausparkasse.

Wichtige Begriffe im Überblick:

  • Bausparsumme: Der Gesamtbetrag, der für Bau- oder Kaufvorhaben zur Verfügung stehen soll (Sparanteil + Darlehen).
  • Bausparguthaben: Der Teil der Bausparsumme, den der Bausparer selbst anspart.
  • Bauspardarlehen: Der Kreditanteil, den die Bausparkasse nach Zuteilung auszahlt.
  • Zuteilungsreife: Zustand, wenn Mindestsparguthaben und Bewertungszahl erreicht sind und das Darlehen abgerufen werden kann.
  • Sparphase: Zeitraum, in dem regelmäßig eingezahlt wird, bis der Vertrag zuteilungsreif ist.
  • Darlehensphase: Zeitraum, in dem das Bauspardarlehen zurückgezahlt wird.

Die drei Phasen eines Bausparvertrags

Ein Bausparvertrag durchläuft in der Regel drei klar definierte Phasen: die Sparphase, die Zuteilung und die Darlehensphase. In der Sparphase zahlt der Bausparer regelmäßig eine vereinbarte Sparrate ein, bis ein Mindestsparguthaben erreicht ist. Dieses Guthaben wächst durch Zinsen und gegebenenfalls staatliche Förderungen. Erst wenn dieses Mindestguthaben sowie eine bestimmte Bewertungszahl erreicht sind, gilt der Vertrag als zuteilungsreif.

In der Zuteilungsphase entscheidet die Bausparkasse, wann der Bausparer das Darlehen erhält. Die Zuteilung erfolgt nicht automatisch, sondern nach einem Bewertungssystem, das Guthaben, Sparleistung und Dauer der Sparphase berücksichtigt. Nach der Zuteilung beginnt die Darlehensphase: Das Bauspardarlehen wird ausgezahlt und der Bausparer tilgt es in monatlichen Raten zurück. Während dieser Phase bleiben die vereinbarten Darlehenszinsen in der Regel unverändert.

Kernmerkmale der Phasen:

  • Sparphase: Aufbau von Eigenkapital, Zinsen auf Guthaben, ggf. Förderungen.
  • Zuteilung: Prüfung der Zuteilungsreife und Entscheidung über Auszahlung des Darlehens.
  • Darlehensphase: Auszahlung des Bauspardarlehen und regelmäßige Rückzahlung mit festen Zinsen.

Wie setzt sich die Bausparsumme zusammen?

Die Bausparsumme ist der zentrale Eckpfeiler eines Bausparvertrags. Sie entspricht dem Betrag, den der Bausparer für sein Immobilienprojekt insgesamt einsetzen möchte – zum Beispiel für den Kauf einer Wohnung, den Bau eines Hauses oder Modernisierungsmaßnahmen. Die Bausparsumme setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem anzusparenden Bausparguthaben und dem Bauspardarlehen. In der Praxis liegt der Sparanteil häufig bei etwa 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme.

Beispielrechnung (vereinfacht): Angenommen, die Bausparsumme beträgt 200.000 Euro. Der Bausparer vereinbart, 45 Prozent anzusparen, also 90.000 Euro. Die restlichen 110.000 Euro erhält er als Bauspardarlehen. Das angesparte Guthaben dient als Eigenkapital und kann die Finanzierung insgesamt günstiger machen, da weniger Fremdkapital benötigt wird. Die Bausparkasse nutzt das angesparte Guthaben der Bausparer als Refinanzierung für die Darlehen anderer Kunden.

Wichtige Aspekte bei der Festlegung der Bausparsumme:

  • Klare Einschätzung des Finanzierungsbedarfs für das geplante Immobilienprojekt.
  • Berücksichtigung der eigenen monatlichen Sparmöglichkeiten, um die Sparrate realistisch zu wählen.
  • Flexibilität: Viele Bausparkassen erlauben Sonderzahlungen, um die Sparphase zu verkürzen.

Staatliche Förderungen beim Bausparen

Ein besonderer Vorteil von Bausparverträgen ist die Möglichkeit, staatliche Förderungen zu nutzen. Bausparen zählt zu den vermögenswirksamen Leistungen, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten können. Wer vermögenswirksame Leistungen in einen Bausparvertrag einzahlt, kann unter bestimmten Voraussetzungen die Arbeitnehmersparzulage und die Wohnungsbauprämie erhalten. Diese Zulagen erhöhen das effektive Guthaben und senken die tatsächlichen Kosten der Finanzierung.

Zusätzlich kann der Bausparvertrag in das Riester-System integriert werden („Wohn-Riester“). In der Spar- und Darlehensphase können Riester-Förderungen genutzt werden, sofern die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind. Diese Förderungen sind in der Regel einkommensunabhängig und werden direkt auf das Bausparguthaben gutgeschrieben. Wichtig ist, dass die Förderungen an bestimmte Bedingungen geknüpft sind, etwa die Verwendung des Darlehens für wohnwirtschaftliche Zwecke.

Typische Fördermöglichkeiten im Überblick:

  • Arbeitnehmersparzulage: Zuschuss des Staates zu vermögenswirksamen Leistungen, wenn bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden.
  • Wohnungsbauprämie: Zuschuss für Bausparverträge, die bestimmte Sparleistungen erfüllen.
  • Riester-Förderung (Wohn-Riester): Förderung für Bausparverträge, die in ein Riester-Produkt integriert sind.
  • Ggf. zusätzliche Förderprogramme von Ländern oder Kommunen, die Bausparen unterstützen.

Vorteile eines Bausparvertrags

Bausparverträge bieten mehrere Vorteile, die sie für viele Menschen attraktiv machen. Ein zentraler Punkt ist die Zinsbindung: Sowohl die Guthabenzinsen als auch die Darlehenszinsen werden in der Regel für die gesamte Vertragslaufzeit festgeschrieben. Das schafft Planungssicherheit, insbesondere in Zeiten steigender Zinsen. Der Bausparer weiß von Anfang an, wie hoch die monatlichen Belastungen in der Darlehensphase sein werden.

Ein weiterer Vorteil ist die Kombination aus Sparen und Finanzierung. Während der Sparphase baut der Bausparer Eigenkapital auf, das später die Immobilienfinanzierung stärkt. Zudem können staatliche Förderungen das Guthaben erhöhen und die Gesamtkosten senken. Viele Bausparkassen bieten zudem flexible Konditionen, etwa die Möglichkeit, die Sparrate anzupassen oder Sonderzahlungen zu leisten, um die Sparphase zu verkürzen.

Wichtige Vorteile im Überblick:

  • Feste Zinsen für Sparguthaben und Darlehen über die gesamte Laufzeit.
  • Aufbau von Eigenkapital während der Sparphase.
  • Möglichkeit, staatliche Förderungen wie Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie und Riester-Förderung zu nutzen.
  • Planungssicherheit für zukünftige Immobilienfinanzierung.
  • Flexibilität bei Sparraten und Sonderzahlungen.

Nachteile und Risiken

Trotz der Vorteile gibt es auch Nachteile und Risiken, die bei einem Bausparvertrag berücksichtigt werden sollten. Ein zentrales Risiko ist die lange Laufzeit. Die Sparphase kann mehrere Jahre dauern, bis der Vertrag zuteilungsreif ist. In dieser Zeit sind die eingezahlten Beträge in der Regel weniger flexibel nutzbar als bei einem normalen Tagesgeldkonto. Zudem können die Guthabenzinsen im Vergleich zu anderen Anlageformen eher moderat ausfallen.

Ein weiterer Punkt ist die Abhängigkeit von der Bausparkasse. Die Zuteilung des Darlehens erfolgt nach einem internen Bewertungssystem, das nicht immer transparent ist. Es kann vorkommen, dass ein Vertrag erst nach längerer Wartezeit zuteilungsreif wird. Zudem sind Bausparverträge oft mit Abschluss- und Verwaltungskosten verbunden, die die Gesamtkosten erhöhen können. Es ist wichtig, diese Kosten im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen zu prüfen.

Typische Nachteile und Risiken:

  • Lange Laufzeit und eingeschränkte Liquidität während der Sparphase.
  • Moderate Guthabenzinsen im Vergleich zu anderen Anlageformen.
  • Abhängigkeit von der Zuteilungspolitik der Bausparkasse.
  • Mögliche Abschluss- und Verwaltungskosten.
  • Bindung an wohnwirtschaftliche Zwecke für das Darlehen.

Für wen ist ein Bausparvertrag sinnvoll?

Ein Bausparvertrag kann für verschiedene Zielgruppen sinnvoll sein. Besonders geeignet ist er für Menschen, die langfristig planen und bereits wissen, dass sie in einigen Jahren eine Immobilie finanzieren möchten. Wer regelmäßig sparen kann und Wert auf Zinsbindung und Planungssicherheit legt, profitiert von den Vorteilen des Bausparens. Auch Personen, die staatliche Förderungen nutzen möchten, können von einem Bausparvertrag profitieren.

Für junge Erwachsene, die noch nicht über ausreichend Eigenkapital verfügen, kann ein Bausparvertrag eine gute Möglichkeit sein, schrittweise Eigenkapital aufzubauen. Ebenso können Familien, die ein Eigenheim planen, von der Kombination aus Sparen und Finanzierung profitieren. Wichtig ist, dass die monatliche Sparrate realistisch gewählt wird und in das Budget passt. Wer kurzfristig flexibel über sein Geld verfügen möchte, sollte eher andere Anlageformen in Betracht ziehen.

Typische Zielgruppen:

  • Menschen mit langfristiger Immobilienplanung (z.B. Hausbau oder -kauf in 5–10 Jahren).
  • Personen, die regelmäßig sparen können und Wert auf Zinsbindung legen.
  • Nutzer staatlicher Förderungen wie Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie oder Riester-Förderung.
  • Junge Erwachsene, die schrittweise Eigenkapital aufbauen möchten.
  • Familien, die ein Eigenheim finanzieren wollen.

Fazit

Ein Bausparvertrag ist ein etabliertes Finanzprodukt, das Sparen und Immobilienfinanzierung miteinander verbindet. Er bietet vor allem Planungssicherheit durch feste Zinsen und die Möglichkeit, staatliche Förderungen zu nutzen. Gleichzeitig erfordert er eine langfristige Bindung und regelmäßige Einzahlungen. Ob ein Bausparvertrag sinnvoll ist, hängt von den individuellen Zielen, der finanziellen Situation und der Bereitschaft ab, über einen längeren Zeitraum zu sparen. Wer diese Faktoren sorgfältig abwägt, kann mit einem Bausparvertrag einen strukturierten Weg zum eigenen Wohneigentum gehen.

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