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Was ist das Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen sichert heute günstige Zinsen für die zukünftige Anschlussfinanzierung und schützt vor steigenden Marktzinsen – mit klaren Vor- und Nachteilen.

7 min Lesezeit
Was ist das Forward-Darlehen?

Viele Immobilienbesitzer kennen das Szenario: Die Zinsbindung ihres Baudarlehens läuft in einigen Jahren aus, und niemand kann sicher sagen, wie hoch die Zinsen dann sein werden. Ein Forward-Darlehen bietet hier eine Möglichkeit, sich bereits heute einen festen Zinssatz für die Anschlussfinanzierung zu sichern – und damit Planungssicherheit zu gewinnen. In diesem Ratgeber wird erklärt, wie ein Forward-Darlehen funktioniert, wann es sinnvoll ist und welche Risiken und Kosten damit verbunden sind.

Was ist ein Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen ist eine spezielle Form der Anschlussfinanzierung für ein bestehendes Baudarlehen. Es handelt sich um einen Kredit, dessen Zinssatz bereits heute festgelegt wird, obwohl das Darlehen erst in der Zukunft ausgezahlt wird – typischerweise nach Ablauf der aktuellen Zinsbindung. Der Begriff „Forward“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „nach vorne“; gemeint ist damit die Sicherung von Konditionen für die Zeit nach der laufenden Zinsbindung.

Praktisch bedeutet das: Sie schließen heute einen verbindlichen Darlehensvertrag für die Anschlussfinanzierung ab, ohne dass bereits Zinsen oder Tilgung fällig wären. Erst wenn die alte Zinsbindung endet, wird das Forward-Darlehen ausgezahlt und ersetzt den bisherigen Kredit. Bis dahin läuft der bestehende Kredit ganz normal weiter. Ein Forward-Darlehen wird daher auch als „Zinsversicherung“ für die zukünftige Anschlussfinanzierung bezeichnet.

  • Ein Forward-Darlehen ist ein Baukredit, dessen Zinssatz schon Jahre vor der Auszahlung festgelegt wird.
  • Es dient als Anschlussfinanzierung für ein bestehendes Baudarlehen.
  • Zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung liegt die sogenannte Forward-Periode.
  • Während dieser Zeit fallen für das Forward-Darlehen weder Zinsen noch Tilgung an.
  • Der Kreditnehmer sichert sich damit heutige Zinsen für die Zukunft.

Wie funktioniert ein Forward-Darlehen?

Die Funktionsweise eines Forward-Darlehens lässt sich in wenigen Schritten beschreiben. Zunächst wird der zukünftige Kreditbetrag festgelegt – in der Regel entspricht er der Restschuld des bestehenden Darlehens zum Zeitpunkt des Ablaufs der Zinsbindung. Dann vereinbaren Sie mit der Bank einen festen Zinssatz, eine Laufzeit und eine Tilgung für das Forward-Darlehen. Dieser Vertrag ist bereits jetzt rechtlich verbindlich, auch wenn das Geld erst später fließt.

Der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung wird als Forward-Periode bezeichnet. In dieser Phase zahlen Sie für das Forward-Darlehen weder monatliche Raten noch Bereitstellungszinsen. Stattdessen läuft Ihr aktuelles Darlehen weiter, und Sie bedienen es wie gewohnt. Erst am Ende der Forward-Periode wird das Forward-Darlehen ausgezahlt, mit dem die Restschuld des alten Kredits abgelöst wird. Ab diesem Zeitpunkt gelten die vereinbarten Konditionen – unabhängig davon, wie sich die Marktzinsen inzwischen entwickelt haben.

  • Festlegung des zukünftigen Kreditbetrags (meist Restschuld).
  • Vereinbarung von Zinssatz, Laufzeit und Tilgung für das Forward-Darlehen.
  • Forward-Periode: Zeit zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung.
  • Während der Forward-Periode keine Zinsen oder Tilgung für das Forward-Darlehen.
  • Auszahlung und Ablösung des alten Kredits am Ende der Forward-Periode.

Vorteile eines Forward-Darlehens

Der größte Vorteil eines Forward-Darlehens liegt in der Planungssicherheit. Wer heute einen niedrigen Zinssatz sichert, muss sich später nicht mit möglicherweise deutlich höheren Marktzinsen auseinandersetzen. Das ist besonders dann wertvoll, wenn die aktuelle Zinsphase kurz vor dem Ende steht und die Zinsen tendenziell steigen. Wer sich frühzeitig für ein Forward-Darlehen entscheidet, kann sein Haushaltsbudget langfristig besser planen, weil die zukünftige Monatsrate bereits heute feststeht.

Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität bei der Wahl des Zeitpunkts. Viele Banken erlauben es, ein Forward-Darlehen bis zu mehreren Jahren vor Ablauf der Zinsbindung abzuschließen – je nach Institut bis zu fünf oder sogar 5,5 Jahren. Das bedeutet, dass Sie nicht erst kurz vor Ende der Zinsbindung reagieren müssen, sondern bereits in einem frühen Stadium handeln können. Zudem ist ein Forward-Darlehen in der Regel ein klassisches Annuitätendarlehen, also ein Kredit mit gleichbleibender Monatsrate, was die Haushaltsplanung zusätzlich erleichtert.

  • Sicherung aktuell niedriger Zinsen für die Zukunft.
  • Schutz vor steigenden Marktzinsen und damit vor höheren Monatsraten.
  • Hohe Planungssicherheit für das Haushaltsbudget.
  • Möglichkeit, das Darlehen mehrere Jahre vor Ablauf der Zinsbindung abzuschließen.
  • Klare Struktur durch festgelegte Zinsbindung, Laufzeit und Tilgung.

Nachteile und Risiken

Ein Forward-Darlehen ist kein Risikofrei-Garant. Der wichtigste Nachteil ist die Bindung an die vereinbarten Konditionen. Sollten die Zinsen nach Abschluss des Forward-Darlehens fallen, bleibt der Kreditnehmer trotzdem an den höheren, bereits festgelegten Zinssatz gebunden. In diesem Fall wäre eine Anschlussfinanzierung zu den aktuellen Marktkonditionen günstiger, doch der Forward-Vertrag schließt das in der Regel aus. Es ist daher wichtig, sich bewusst zu machen, dass ein Forward-Darlehen vor allem dann sinnvoll ist, wenn mit steigenden Zinsen gerechnet wird.

Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Für die Zinssicherheit berechnen Banken in der Regel einen Forward-Aufschlag, der auf den aktuellen Zinssatz aufgeschlagen wird. Dieser Aufschlag kann je nach Länge der Forward-Periode und je nach Bank unterschiedlich hoch ausfallen. Zudem ist ein Forward-Darlehen ein verbindlicher Vertrag: Wer sich später umentscheidet, kann in der Regel nicht einfach „aussteigen“, ohne dass das mit finanziellen Konsequenzen verbunden ist. Es lohnt sich daher, die Konditionen genau zu prüfen und gegebenenfalls mehrere Angebote zu vergleichen.

  • Bindung an die vereinbarten Konditionen, auch wenn Zinsen später fallen.
  • Möglicherweise höhere Zinsen als der spätere Marktzins.
  • Forward-Aufschlag erhöht die effektiven Kosten.
  • Verbindlicher Vertrag mit eingeschränkter Flexibilität.
  • Risiko, dass sich die persönliche finanzielle Situation bis zur Auszahlung ändert.

Forward-Aufschlag und Kosten

Der Forward-Aufschlag ist die Prämie, die für die Zinssicherheit gezahlt wird. Er wird auf den aktuellen Zinssatz des Darlehens aufgeschlagen und sorgt dafür, dass die vereinbarten Konditionen auch bei steigenden Marktzinsen gelten. Je länger die Forward-Periode ist, desto höher fällt der Aufschlag in der Regel aus, da das Zinsänderungsrisiko für die Bank über einen längeren Zeitraum besteht. Der Aufschlag kann beispielsweise einige Zehntelprozentpunkte betragen, je nach Bank und Laufzeit.

Um die tatsächlichen Kosten zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Gesamtkosten des Darlehens. Ein Beispiel: Angenommen, der aktuelle Zinssatz für ein Baudarlehen liegt bei 3,0 %, und der Forward-Aufschlag beträgt 0,3 %. Dann würde der effektive Zinssatz für das Forward-Darlehen bei 3,3 % liegen. Bei einer Restschuld von 200.000 Euro und einer Laufzeit von 10 Jahren ergibt sich daraus eine höhere Gesamtbelastung als bei einem Kredit ohne Forward-Aufschlag. Es ist daher wichtig, die Kosten im Vergleich zu einer späteren Anschlussfinanzierung zu bewerten und abzuschätzen, ob die Planungssicherheit diese Mehrkosten rechtfertigt.

  • Der Forward-Aufschlag ist eine Prämie für die Zinssicherheit.
  • Er wird auf den aktuellen Zinssatz aufgeschlagen.
  • Je länger die Forward-Periode, desto höher der Aufschlag.
  • Der Aufschlag erhöht die effektiven Zinskosten des Darlehens.
  • Die Gesamtkosten sollten im Vergleich zur späteren Anschlussfinanzierung bewertet werden.

Wann ist ein Forward-Darlehen sinnvoll?

Ein Forward-Darlehen ist vor allem dann sinnvoll, wenn mit steigenden Zinsen gerechnet wird und die Planungssicherheit einen hohen Stellenwert hat. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die aktuelle Zinsphase kurz vor dem Ende steht und die Zinsen bereits tendenziell anziehen. Wer sichergehen möchte, dass die Monatsrate für die Anschlussfinanzierung nicht deutlich steigt, kann mit einem Forward-Darlehen dieses Risiko reduzieren.

Ein weiterer sinnvoller Einsatz ist die langfristige Planung. Wer bereits heute weiß, dass die Zinsbindung in mehreren Jahren ausläuft, kann ein Forward-Darlehen nutzen, um die Konditionen frühzeitig zu fixieren. Das ist besonders dann interessant, wenn die persönliche finanzielle Situation stabil ist und sich in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht grundlegend ändert. Wer hingegen mit sinkenden Zinsen rechnet oder unsicher ist, ob sich die eigene finanzielle Situation ändern könnte, sollte ein Forward-Darlehen eher kritisch prüfen.

  • Wenn mit steigenden Zinsen gerechnet wird.
  • Wenn hohe Planungssicherheit für die Monatsrate gewünscht ist.
  • Wenn die Zinsbindung in absehbarer Zeit ausläuft.
  • Wenn die finanzielle Situation langfristig stabil ist.
  • Wenn die Mehrkosten durch den Forward-Aufschlag akzeptabel sind.

Alternativen zum Forward-Darlehen

Ein Forward-Darlehen ist nicht die einzige Möglichkeit, sich gegen steigende Zinsen abzusichern. Eine Alternative ist die Verlängerung der bestehenden Zinsbindung, falls die Bank dies anbietet. Dabei wird die Zinsbindung des aktuellen Darlehens verlängert, und die Konditionen werden neu vereinbart. Dies kann sinnvoll sein, wenn die Zinsen noch moderat sind und eine längere Bindung gewünscht wird.

Eine weitere Option ist die vorzeitige Anschlussfinanzierung, also die Umschuldung des Darlehens bereits vor Ablauf der Zinsbindung. Dabei wird der bestehende Kredit vorzeitig abgelöst, und ein neuer Kredit mit neuen Konditionen aufgenommen. Dies kann vorteilhaft sein, wenn die Zinsen deutlich gesunken sind oder wenn die Bank für die vorzeitige Kündigung akzeptable Konditionen bietet. Schließlich kann auch eine Kombination aus verschiedenen Strategien sinnvoll sein, etwa eine Teilfinanzierung mit Forward-Darlehen und eine Teilfinanzierung mit einem späteren Kredit.

  • Verlängerung der bestehenden Zinsbindung.
  • Vorzeitige Anschlussfinanzierung (Umschuldung).
  • Teilweise Forward-Darlehen und teilweise späterer Kredit.
  • Flexible Kreditvarianten mit variabler Zinsbindung.
  • Kombination aus verschiedenen Finanzierungsstrategien.

Fazit

Ein Forward-Darlehen ist ein nützliches Instrument, um sich heute günstige Zinsen für die zukünftige Anschlussfinanzierung zu sichern und vor steigenden Marktzinsen geschützt zu sein. Es bietet hohe Planungssicherheit und kann helfen, die Monatsrate langfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig bringt es Nachteile mit sich, insbesondere die Bindung an die vereinbarten Konditionen und die zusätzlichen Kosten durch den Forward-Aufschlag. Wer ein Forward-Darlehen in Betracht zieht, sollte daher die eigenen Zinsprognosen, die persönliche finanzielle Situation und die verfügbaren Alternativen sorgfältig abwägen und gegebenenfalls mehrere Angebote vergleichen, um die beste Lösung für die eigene Immobilienfinanzierung zu finden.

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