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Wann lohnt sich der Zwischenkredit?

Ein Zwischenkredit überbrückt kurzfristige Finanzierungslücken beim Immobilienkauf oder -bau. Erfahren Sie, wann sich diese Vorfinanzierung wirklich lohnt und welche Risiken bestehen.

6 min Lesezeit
Wann lohnt sich der Zwischenkredit?

Beim Kauf oder Bau einer Immobilie kommt es häufig vor, dass das benötigte Eigenkapital noch nicht vollständig verfügbar ist. Ein Zwischenkredit – auch Überbrückungskredit oder Zwischenfinanzierung genannt – kann in solchen Situationen helfen, zeitliche Lücken zu schließen und den Kauf oder Baubeginn nicht unnötig zu verzögern. Doch wann lohnt sich ein solcher kurzfristiger Kredit wirklich? Und welche Faktoren sollten vor der Entscheidung genau geprüft werden? Dieser Ratgeber erklärt, in welchen Fällen eine Zwischenfinanzierung sinnvoll ist, welche Kosten und Risiken bestehen und wie sich der Einsatz eines Zwischenkredits auf die Gesamtfinanzierung auswirkt.

Was ist ein Zwischenkredit?

Ein Zwischenkredit ist ein kurzfristiger Kredit, der dazu dient, eine zeitlich begrenzte Finanzierungslücke zu überbrücken. Typischerweise wird er im Rahmen einer Immobilienfinanzierung eingesetzt, wenn Eigenkapital noch gebunden ist oder erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar wird. Der Kredit wird in der Regel nach wenigen Monaten bis maximal zwei Jahren durch ein langfristiges Darlehen abgelöst.

Zwischenkredite sind meist endfällig, das heißt, während der Laufzeit werden in der Regel nur die Zinsen gezahlt. Die eigentliche Kreditsumme wird am Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Dadurch bleibt die monatliche Belastung überschaubar, während das benötigte Kapital sofort zur Verfügung steht. Häufig wird der Zwischenkredit als Teil des Eigenkapitals in die Baufinanzierung eingestuft, was sich positiv auf die Konditionen des Hauptdarlehens auswirken kann.

  • Kurzfristiger Kredit zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen
  • Laufzeit meist wenige Monate bis maximal 24 Monate
  • Endfällige Rückzahlung mit laufenden Zinszahlungen
  • Wird durch ein langfristiges Darlehen abgelöst
  • Kann als Eigenkapital in die Baufinanzierung eingestuft werden

Typische Einsatzszenarien

Zwischenkredite kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Eigenkapital noch nicht vollständig verfügbar ist, der Kauf oder Bau der Immobilie aber bereits beginnen soll. Häufige Szenarien sind der Verkauf einer bestehenden Immobilie, die noch nicht abgeschlossen ist, oder ein Bausparvertrag, der erst zu einem späteren Zeitpunkt zuteilungsreif wird.

Ein weiteres Beispiel ist der Umzug in eine andere Stadt, bei dem die neue Immobilie bereits gekauft werden soll, während die alte noch nicht verkauft ist. In solchen Fällen kann ein Zwischenkredit die nötige finanzielle Flexibilität schaffen, ohne dass der Kauf der neuen Immobilie verzögert werden muss. Auch bei Anschlussfinanzierungen kann ein Zwischenkredit sinnvoll sein, wenn in naher Zukunft Eigenkapital erwartet wird.

  • Verkauf einer bestehenden Immobilie, die noch nicht abgeschlossen ist
  • Bausparvertrag noch nicht zuteilungsreif
  • Umzug in eine andere Stadt mit noch nicht verkaufter Immobilie
  • Anschlussfinanzierung mit erwartetem Eigenkapital
  • Kauf einer neuen Immobilie vor Verkauf der alten

Vorteile eines Zwischenkredits

Ein Zwischenkredit bietet mehrere Vorteile, die ihn in bestimmten Situationen zu einer sinnvollen Lösung machen können. Er ermöglicht es, den Kauf oder Bau der Immobilie zeitnah zu realisieren, ohne auf die Verfügbarkeit des Eigenkapitals warten zu müssen. Dies kann insbesondere bei attraktiven Immobilienangeboten oder steigenden Preisen von Vorteil sein.

Durch den Einsatz eines Zwischenkredits kann die Eigenkapitalquote für das Hauptdarlehen erhöht werden, was sich positiv auf die Konditionen auswirkt. Ein höherer Eigenkapitalanteil führt in der Regel zu einem günstigeren Zinssatz und damit zu einer geringeren Gesamtzinslast über die Laufzeit der Immobilienfinanzierung. Zudem kann der Zwischenkredit jederzeit zurückgezahlt werden, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt.

  • Möglichkeit, Kauf oder Bau zeitnah zu realisieren
  • Erhöhung der Eigenkapitalquote für das Hauptdarlehen
  • Günstigere Konditionen für das Hauptdarlehen
  • Keine Vorfälligkeitsentschädigung bei Rückzahlung
  • Schnelle Auszahlung der Kreditsumme

Kosten und Risiken

Trotz der Vorteile sollte der Einsatz eines Zwischenkredits sorgfältig geprüft werden, da er mit Kosten und Risiken verbunden ist. Zwischenkredite haben in der Regel höhere Zinsen als langfristige Immobiliendarlehen, da sie kurzfristig und oft flexibel gestaltet sind. Die Zinsen können variabel sein und sich an den Marktbedingungen orientieren.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die erwartete Verfügbarkeit des Eigenkapitals verzögert wird. Wenn beispielsweise der Verkauf der bestehenden Immobilie länger dauert als geplant, kann die Laufzeit des Zwischenkredits verlängert werden, was die Gesamtkosten erhöht. Es ist daher wichtig, realistische Zeiträume zu planen und Sicherheitsreserven einzuplanen.

  • Höhere Zinsen als bei langfristigen Immobiliendarlehen
  • Mögliche Zinsänderungen bei variablen Konditionen
  • Risiko einer Verlängerung der Laufzeit
  • Erhöhte Gesamtkosten bei verzögerter Verfügbarkeit des Eigenkapitals
  • Notwendigkeit realistischer Planung und Sicherheitsreserven

Planung und Laufzeit

Die Laufzeit eines Zwischenkredits sollte sorgfältig geplant werden, um unnötige Kosten zu vermeiden. In der Regel liegt die Laufzeit zwischen wenigen Monaten und maximal zwei Jahren. Die genaue Dauer sollte an die erwartete Verfügbarkeit des Eigenkapitals angepasst werden.

Beispielsweise kann bei einem erwarteten Verkauf der bestehenden Immobilie innerhalb von sechs Monaten ein Zwischenkredit mit einer Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten sinnvoll sein. Es ist wichtig, die tatsächlichen Verkaufszeiten realistisch einzuschätzen und nicht zu optimistisch zu planen. Eine zu kurze Laufzeit kann zu Verlängerungen führen, während eine zu lange Laufzeit unnötige Zinsen verursacht.

  • Laufzeit zwischen wenigen Monaten und maximal 24 Monaten
  • Anpassung an erwartete Verfügbarkeit des Eigenkapitals
  • Realistische Einschätzung der Verkaufszeiten
  • Vermeidung unnötiger Verlängerungen
  • Minimierung von Zinskosten durch passende Laufzeit

Beispielrechnung

Um die Auswirkungen eines Zwischenkredits auf die Gesamtfinanzierung zu veranschaulichen, kann eine Beispielrechnung hilfreich sein. Angenommen, ein Käufer möchte eine Immobilie im Wert von 300.000 Euro erwerben und verfügt über 60.000 Euro Eigenkapital, das jedoch erst in sechs Monaten verfügbar wird. Ein Zwischenkredit in Höhe von 60.000 Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten und einem Zinssatz von 5 Prozent pro Jahr wird aufgenommen.

Die Zinsen für den Zwischenkredit betragen in diesem Beispiel 1.500 Euro (60.000 Euro * 5 Prozent * 0,5 Jahre). Gleichzeitig erhöht der Einsatz des Zwischenkredits die Eigenkapitalquote für das Hauptdarlehen auf 20 Prozent, was zu einem günstigeren Zinssatz führt. Angenommen, der Zinssatz für das Hauptdarlehen sinkt von 3,5 auf 3,0 Prozent, ergibt sich über die Laufzeit von 20 Jahren eine erhebliche Ersparnis bei der Gesamtzinslast.

  • Zwischenkredit: 60.000 Euro, 6 Monate, 5 Prozent Zinsen
  • Zinsen für Zwischenkredit: 1.500 Euro
  • Erhöhung der Eigenkapitalquote auf 20 Prozent
  • Senkung des Zinssatzes für das Hauptdarlehen von 3,5 auf 3,0 Prozent
  • Erhebliche Ersparnis bei der Gesamtzinslast über 20 Jahre

Alternativen prüfen

Bevor ein Zwischenkredit abgeschlossen wird, sollten immer auch alternative Lösungen geprüft werden. Dazu gehören beispielsweise die vorzeitige Kündigung von Sparverträgen oder Versicherungen, die jedoch mit Abschlägen verbunden sein können. Es ist wichtig, die Kosten und Folgen solcher Maßnahmen genau zu berechnen und mit den Zinsen eines Zwischenkredits zu vergleichen.

Eine weitere Alternative kann die Verzögerung des Kaufs oder Baus sein, bis das Eigenkapital vollständig verfügbar ist. Dies kann jedoch in Situationen, in denen Immobilienpreise steigen oder attraktive Angebote bestehen, nachteilig sein. Eine sorgfältige Abwägung der Optionen ist daher unerlässlich.

  • Vorzeitige Kündigung von Sparverträgen oder Versicherungen
  • Vergleich der Abschläge mit Zinsen eines Zwischenkredits
  • Verzögerung des Kaufs oder Baus
  • Abwägung der Optionen in steigenden Märkten
  • Individuelle Beratung durch Finanzexperten

Fazit

Ein Zwischenkredit kann in vielen Situationen eine sinnvolle Lösung sein, um kurzfristige Finanzierungslücken beim Immobilienkauf oder -bau zu überbrücken. Er ermöglicht es, den Kauf oder Bau zeitnah zu realisieren und kann durch die Erhöhung der Eigenkapitalquote zu günstigeren Konditionen für das Hauptdarlehen führen. Allerdings sollten die Kosten, Risiken und Alternativen sorgfältig geprüft werden, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Eine realistische Planung der Laufzeit und die Einhaltung von Sicherheitsreserven sind entscheidend, um den Einsatz eines Zwischenkredits erfolgreich zu gestalten.

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