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Wann lohnt sich der Stromspeicher?

Ein Stromspeicher optimiert den Eigenverbrauch von Solarstrom und kann die Abhängigkeit vom öffentlichen Netz reduzieren. Wir beleuchten, wann sich diese Investition wirklich lohnt.

7 min Lesezeit
Wann lohnt sich der Stromspeicher?

Für viele Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage stellt sich die Frage: Lohnt sich die Anschaffung eines Stromspeichers? Die Technologie der Stromspeicherung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, und die Preise sind kontinuierlich gesunken. Dennoch ist ein Stromspeicher eine Investition, deren Wirtschaftlichkeit sorgfältig geprüft werden sollte. Dieser Ratgeber beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die bei der Entscheidung für oder gegen einen Stromspeicher eine Rolle spielen, erklärt Fachbegriffe und zeigt auf, wann sich diese Ergänzung zur Photovoltaikanlage tatsächlich rechnet.

Funktionsweise und Nutzen eines Stromspeichers

Ein Stromspeicher, oft auch Batteriespeicher genannt, ist eine Vorrichtung, die elektrischen Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben kann. Im Kontext einer Photovoltaikanlage bedeutet dies, dass der tagsüber von den Solarmodulen produzierte Strom, der nicht unmittelbar im Haushalt verbraucht wird, gespeichert wird, anstatt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen. Der gespeicherte Strom kann dann in den Abendstunden oder bei geringer Sonneneinstrahlung genutzt werden, wenn die Photovoltaikanlage selbst wenig oder keinen Strom erzeugt. Dies erhöht den Eigenverbrauchsanteil erheblich und reduziert den Bezug von teurem Netzstrom.

Der zentrale Nutzen eines Stromspeichers liegt in der Optimierung des Eigenverbrauchs. Ohne Speicher wird der Überschussstrom, der nicht direkt verbraucht wird, ins Netz eingespeist und vergütet. Die Einspeisevergütung ist jedoch meist deutlich geringer als der Preis für den Strombezug aus dem Netz. Durch die Speicherung und den späteren Eigenverbrauch wird dieser finanzielle Unterschied genutzt, was zu einer Reduzierung der Stromkosten führt. Technisch gesehen besteht ein Stromspeicher in der Regel aus mehreren Batteriezellen, einem Batteriemanagementsystem (BMS) zur Überwachung und Steuerung sowie einem Wechselrichter, der den Gleichstrom der Batterie in für den Haushalt nutzbaren Wechselstrom umwandelt.

  • Erhöhung des Eigenverbrauchsanteils des kostengünstig produzierten Solarstroms.
  • Reduzierung des Bezugs von teurem Netzstrom.
  • Größere Unabhängigkeit vom Energieversorger und eventuellen Strompreiserhöhungen.
  • Beitrag zum Klimaschutz durch höhere Nutzung erneuerbarer Energien.
  • In seltenen Fällen Notstromfunktion bei Netzausfall (nicht bei allen Systemen Standard).

Kosten und technische Kennzahlen

Die Kosten für einen Stromspeicher sind in den letzten Jahren gesunken, stellen aber immer noch eine bedeutende Investition dar. Sie hängen stark von der Speicherkapazität (angegeben in Kilowattstunden, kWh) und dem Hersteller ab. Auch die Installation durch einen Fachbetrieb ist ein relevanter Kostenfaktor. Aktuelle Systeme für Einfamilienhäuser liegen meist in einer Bandbreite von 5 kWh bis 15 kWh nutzbarer Kapazität. Die reinen Materialkosten ohne Installation bewegen sich hier oft im Bereich von einigen Tausend bis über zehn Tausend Euro.

Wichtige technische Kennzahlen sind die nutzbare Speicherkapazität, die Lade- und Entladeleistung (in Kilowatt, kW) und der Wirkungsgrad des Speichers. Der Wirkungsgrad gibt an, wie viel Energie bei der Speicherung und Entnahme verloren geht. Moderne Lithium-Ionen-Speicher erreichen oft Wirkungsgrade von über 90 %. Die Lebensdauer, angegeben in Zyklen oder Jahren, ist ebenfalls entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Ein Ladezyklus bedeutet, dass der Speicher einmal vollständig geladen und wieder entladen wurde. Viele Hersteller geben Garantien von zehn Jahren oder einer bestimmten Anzahl von Zyklen.

  • Kosten pro kWh Speicherkapazität als wichtiger Vergleichswert.
  • Installationskosten durch Fachbetrieb berücksichtigen.
  • Hoher Wirkungsgrad (über 90%) für geringe Energieverluste.
  • Ausreichende Lade- und Entladeleistung für den Haushaltsbedarf.
  • Lange Lebensdauer und Garantiebedingungen beachten.

Die Bedeutung des Eigenverbrauchsanteils

Der Eigenverbrauchsanteil ist der Prozentsatz des selbst erzeugten Solarstroms, der direkt im Haushalt verbraucht wird und nicht ins öffentliche Netz eingespeist werden muss. Ohne Stromspeicher liegt dieser Anteil bei vielen Haushalten oft nur bei 20 % bis 35 %, da die meiste Stromproduktion mittags stattfindet, während der Hauptverbrauch in den Morgen- und Abendstunden liegt. Ein Stromspeicher kann diesen Eigenverbrauchsanteil auf 60 % bis 80 % und in manchen Fällen sogar darüber hinaus steigern. Dies ist der primäre Hebel für die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers.

Je höher der Preis für den Netzstrom und je niedriger die Einspeisevergütung, desto attraktiver wird die Steigerung des Eigenverbrauchs. Die Ersparnis pro selbst verbrauchter Kilowattstunde entspricht der Differenz zwischen dem aktuellen Strombezugspreis und der Einspeisevergütung abzüglich eventueller Betriebskosten des Speichers. Um den Eigenverbrauch zu maximieren, ist es sinnvoll, große Stromverbraucher wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler bevorzugt dann einzuschalten, wenn die Solaranlage viel Strom produziert und der Speicher nicht voll ist. Intelligente Energiemanagementsysteme können hierbei unterstützen, indem sie Verbraucher steuern und den optimalen Zeitpunkt für die Speicherung oder den Verbrauch ermitteln.

  • Eigenverbrauchsanteil ohne Speicher meist 20-35%.
  • Mit Speicher Steigerung auf 60-80% möglich.
  • Finanzielle Ersparnis = (Strombezugspreis - Einspeisevergütung) pro kWh.
  • Intelligente Steuerung von Verbrauchern maximiert den Nutzen.
  • Je höher der Strompreis, desto größer der Sparanreiz.

Wirtschaftlichkeitsberechnung: Ein Beispiel

Um die Entscheidung für oder gegen einen Stromspeicher fundiert treffen zu können, ist eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung unerlässlich. Hierfür benötigt man die Jahresstromproduktion der PV-Anlage, den Jahresstromverbrauch des Haushalts, den aktuellen Strombezugspreis, die Einspeisevergütung sowie die Anschaffungs- und Installationskosten des Speichers. Als Beispiel nehmen wir an:

  • Jahresstromverbrauch: 4.500 kWh
  • Jahresstromproduktion PV-Anlage: 5.000 kWh
  • Strombezugspreis: 35 Cent/kWh
  • Einspeisevergütung: 8 Cent/kWh
  • Anschaffung und Installation eines 7 kWh Speichers: 8.000 Euro

Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei etwa 30%, also 1.350 kWh. 3.650 kWh müssen vom Netz bezogen werden (3.650 kWh * 0,35 € = 1.277,50 €). 3.650 kWh werden eingespeist (3.650 kWh * 0,08 € = 292 €). Netto-Stromkosten: 1.277,50 € - 292 € = 985,50 €. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf ca. 70%, also 3.150 kWh. Es müssen nur noch 1.350 kWh vom Netz bezogen werden (1.350 kWh * 0,35 € = 472,50 €). Es werden 1.850 kWh eingespeist (1.850 kWh * 0,08 € = 148 €). Netto-Stromkosten: 472,50 € - 148 € = 324,50 €. Die jährliche Ersparnis beträgt in diesem Beispiel rund 661 € (985,50 € - 324,50 €). Bei einer Investition von 8.000 € würde sich der Speicher in diesem konstruierten Beispiel rechnerisch nach etwa 12 Jahren amortisieren. Zu diesen Zahlen kommen noch mögliche Wartungskosten und ein Austausch des Speichers nach seiner Lebensdauer hinzu.

Förderprogramme und staatliche Unterstützung

Die Amortisationszeit eines Stromspeichers kann durch staatliche Förderprogramme erheblich verkürzt werden. Auf Bundesebene standen zeitweise Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung, die zinsgünstige Kredite oder Tilgungszuschüsse boten. Darüber hinaus gibt es in vielen Bundesländern und Kommunen eigene Förderprogramme für Batteriespeicher. Diese reichen von einmaligen Zuschüssen pro Kilowattstunde Speicherkapazität bis hin zu Pauschalbeträgen.

Es ist zwingend erforderlich, sich vor der Anschaffung über aktuelle Förderrichtlinien zu informieren und die Anträge fristgerecht einzureichen, oft bevor die Bestellung oder Installation erfolgt. Die Konditionen und Verfügbarkeit von Förderprogrammen ändern sich regelmäßig. Eine umfassende Recherche bei der KfW, den jeweiligen Landesenergieagenturen oder bei der lokalen Gemeindeverwaltung ist daher ratsam. Ein fachkundiger Installateur oder Energieberater kann ebenfalls Auskunft über aktuelle Fördermöglichkeiten geben und bei der Antragsstellung helfen.

  • Informationen zu KfW-Programmen prüfen.
  • Landesspezifische Förderungen der Bundesländer recherchieren.
  • Kommunale Zuschüsse bei Städten und Gemeinden erfragen.
  • Fristen und Antragsmodalitäten genau beachten.
  • Professionelle Beratung kann bei der Identifizierung passender Förderungen helfen.

Die Rolle der Netzparität und zukünftige Entwicklungen

Der Begriff 'Netzparität' beschreibt den Punkt, an dem der Strompreis aus der eigenen Photovoltaikanlage inklusive Speicher die Kosten für den Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz erreicht oder sogar unterschreitet. Diese Netzparität ist für viele Endverbraucher bereits erreicht oder in greifbarer Nähe, insbesondere wenn man die steigenden Strompreise und die sinkenden Kosten für Speichertechnologien berücksichtigt. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Batterietechnologien verspricht höhere Wirkungsgrade, längere Lebensdauern und eine weitere Reduzierung der Anschaffungskosten. Dies wird die Wirtschaftlichkeit von Stromspeichern in Zukunft weiter verbessern.

Zukünftig könnten Stromspeicher auch eine größere Rolle in intelligenten Stromnetzen ('Smart Grids') spielen, indem sie zum Beispiel Regelenergie bereitstellen und damit zusätzliche Einnahmen generieren. Auch die Kopplung mit Elektromobilität, bei der Elektrofahrzeuge als mobile Speicher dienen ('Vehicle-to-Grid' oder 'Vehicle-to-Home'), ist eine spannende Perspektive. Die Entscheidung für einen Stromspeicher ist somit nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine strategische, die auf zukünftige Entwicklungen im Energiesektor ausgerichtet sein kann.

Für wen lohnt sich ein Stromspeicher?

Ein Stromspeicher ist nicht für jeden Haushalt und jede Photovoltaikanlage pauschal die richtige Lösung. Es gibt jedoch bestimmte Konstellationen, in denen sich die Investition besonders lohnt:

  • Haushalte mit hohem Eigenstromverbrauch, insbesondere in den Abend- und Morgenstunden, um den Bezug von teurem Netzstrom zu minimieren.
  • Eigentümer von Photovoltaikanlagen, deren Einspeisevergütung deutlich unter dem Strombezugspreis liegt.
  • Personen, die eine hohe Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz und steigenden Strompreisen anstreben.
  • Haushalte, die Förderprogramme für die Anschaffung von Stromspeichern nutzen können.
  • Besitzer von Bestandsanlagen, deren Einspeisevergütung in den nächsten Jahren ausläuft oder bereits niedrig ist.

Weniger geeignet ist ein Stromspeicher, wenn der Stromverbrauch des Haushalts bereits optimal auf die Solarstromproduktion abgestimmt werden kann, zum Beispiel durch den Einsatz von Verbrauchern zu Spitzenproduktionszeiten. Auch bei sehr kleinen PV-Anlagen kann der Kosten-Nutzen-Faktor zu gering sein. Eine fundierte Beratung durch einen Energieexperten oder den Installateur der Photovoltaikanlage ist hier stets die beste Grundlage für eine Entscheidung.

Fazit

Die Entscheidung für oder gegen einen Stromspeicher ist komplex und hängt von individuellen Gegebenheiten ab. Während die Anschaffungskosten gesunken sind und die Vorteile in Form von höherem Eigenverbrauch und Unabhängigkeit offensichtlich sind, muss die Wirtschaftlichkeit stets durch eine detaillierte Berechnung und unter Berücksichtigung aktueller Förderprogramme geprüft werden. In vielen Fällen ist der Stromspeicher eine sinnvolle Ergänzung zur Photovoltaikanlage, die nicht nur finanzielle Vorteile bringt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leistet und langfristig zur Energiestrategie eines Eigenheims gehört.

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