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Wann ist eine Anschlussfinanzierung sinnvoll?

Eine Anschlussfinanzierung wird relevant, wenn die Zinsbindung eines Immobiliendarlehens endet. Sie sichert die weitere Finanzierung der Immobilie und bietet Chancen zur Optimierung der Konditionen.

7 min Lesezeit
Wann ist eine Anschlussfinanzierung sinnvoll?

Der Erwerb einer Immobilie stellt für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens dar. Entsprechend langfristig ist auch die Finanzierung angelegt. Während die anfängliche Finanzierung den Kauf oder Bau ermöglicht, kommt nach einigen Jahren ein entscheidender Moment: Das Ende der Zinsbindungsfrist. Dann stellt sich die Frage nach der Anschlussfinanzierung. Dieser Ratgeber beleuchtet, wann eine solche Anschlussfinanzierung sinnvoll ist, welche Optionen bestehen und worauf Immobilienbesitzer achten sollten, um die bestmöglichen Konditionen für die Restschuld zu sichern.

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Eine Anschlussfinanzierung dient dazu, die Restschuld eines Immobiliendarlehens nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist weiterzufinanzieren. Immobiliendarlehen werden in den meisten Fällen nicht über ihre gesamte Laufzeit mit einem festen Zinssatz versehen. Stattdessen wird eine Zinsbindungsfrist vereinbart, die typischerweise 5, 10 oder 15 Jahre beträgt. Nach Ablauf dieser Frist ist der Kredit noch nicht vollständig getilgt, sondern es verbleibt eine Restschuld. Diese Restschuld muss neu finanziert werden. Hier kommt die Anschlussfinanzierung ins Spiel.

Es gibt verschiedene Optionen, die zur Verfügung stehen. Die Wahl der richtigen Anschlussfinanzierung hängt von der individuellen finanziellen Situation, den aktuellen Marktzinsen und den persönlichen Zielen ab. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema ist unerlässlich, um Finanzierungsengpässe zu vermeiden und mögliche Einsparpotenziale zu nutzen.

Welche Formen der Anschlussfinanzierung gibt es?

Im Wesentlichen lassen sich drei Hauptformen der Anschlussfinanzierung unterscheiden: die Prolongation, der Umschuldung und das Forward-Darlehen. Jede dieser Optionen hat spezifische Merkmale und eignet sich für unterschiedliche Ausgangssituationen. Ein Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend für eine fundierte Entscheidung.

  • Prolongation: Bleiben Sie bei Ihrer Hausbank und verlängern Sie den bestehenden Kreditvertrag zu neuen Zinskonditionen.
  • Umschuldung: Wechseln Sie zu einem anderen Kreditinstitut, um bessere Zinskonditionen oder flexiblere Vertragsbedingungen zu erhalten.
  • Forward-Darlehen: Sichern Sie sich bereits heute die aktuellen Zinsen für eine Anschlussfinanzierung, die erst in der Zukunft beginnt.

Die Prolongation: Der einfache Weg

Die Prolongation ist die einfachste Form der Anschlussfinanzierung. Hierbei handelt es sich um die Verlängerung des bestehenden Darlehensvertrages bei der gleichen Bank. Kurz vor dem Ende der Zinsbindung unterbreitet die Bank ein Angebot für die Weiterfinanzierung der Restschuld. Dies ist oft der bequemste Weg, da keine erneute Bonitätsprüfung in vollem Umfang stattfindet und der bürokratische Aufwand vergleichsweise gering ist.

Obwohl die Prolongation bequem ist, sollte sie nicht unkritisch angenommen werden. Es empfiehlt sich dringend, das Angebot der Hausbank mit den aktuellen Konditionen anderer Anbieter zu vergleichen. Nur so lässt sich feststellen, ob das angebotene Prolongationsangebot tatsächlich wettbewerbsfähig ist. Eine Verhandlung mit der Hausbank auf Basis externer Vergleichsangebote kann oft zu besseren Konditionen führen.

Die Umschuldung: Chancen auf bessere Konditionen

Eine Umschuldung bedeutet, dass die Restschuld bei einem anderen Kreditinstitut finanziert wird. Dies ist oft die attraktivste Option, wenn der aktuelle Marktzins deutlich unter dem liegt, was die Hausbank für eine Prolongation anbietet. Durch den Wechsel zu einem neuen Anbieter können Immobilienbesitzer potenziell erhebliche Zinskosten über die neue Zinsbindungsfrist einsparen. Allerdings ist der administrative Aufwand bei einer Umschuldung höher als bei einer Prolongation. Es wird eine erneute Kreditprüfung durchgeführt, und es können Gebühren für Notar und Grundbucheintrag anfallen, falls eine Abtretung oder Löschung der bestehenden Grundschuld notwendig wird.

Diese Nebenkosten müssen in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden. Eine Umschuldung lohnt sich in der Regel, wenn die Zinsersparnis die zusätzlichen Kosten deutlich übersteigt. Eine detaillierte Berechnung, die alle Kostenpunkte berücksichtigt, ist hierbei unerlässlich. Es ist ratsam, sich mehrere Angebote von verschiedenen Banken einzuholen und diese sorgfältig zu vergleichen.

Das Forward-Darlehen: Zinsen frühzeitig sichern

Ein Forward-Darlehen ermöglicht es, sich die aktuellen Zinskonditionen für eine Anschlussfinanzierung bereits Monate oder sogar Jahre im Voraus zu sichern. Dies ist besonders interessant, wenn man steigende Zinsen erwartet und sich das niedrige Zinsniveau von heute für die Zukunft bewahren möchte. Die neue Zinsbindungsphase beginnt dabei erst nach Ablauf der alten Zinsbindung. Für diese Zinsgarantie in die Zukunft verlangen Banken in der Regel einen Zinsaufschlag, den sogenannten Forward-Aufschlag.

Die Entscheidung für ein Forward-Darlehen ist eine Wette auf die zukünftige Zinsentwicklung. Fallen die Zinsen entgegen den Erwartungen, hat man sich zu einem ungünstigeren Zinssatz gebunden. Steigen sie hingegen, hat man eine kluge Entscheidung getroffen. Die Forward-Periode, also der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung, kann meist bis zu 60 Monate betragen. Je länger dieser Zeitraum, desto höher ist in der Regel der Zinsaufschlag. Eine genaue Beobachtung der Zinsmärkte sowie eine Einschätzung der eigenen Risikobereitschaft sind hierbei von Bedeutung.

Der richtige Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung

Die optimale Vorbereitung auf die Anschlussfinanzierung beginnt nicht erst wenige Wochen vor dem Ende der Zinsbindung, sondern idealerweise ein bis drei Jahre zuvor. Besonders bei einem Forward-Darlehen ist eine frühzeitige Planung entscheidend, um günstige Zinsen zu sichern. Aber auch für eine Umschuldung oder Prolongation ist es sinnvoll, frühzeitig Vergleichsangebote einzuholen.

  • Mindestens 12-24 Monate vor Zinsbindungsende: Aktuelle Marktzinsen beobachten und erste Angebote einholen.
  • 6-12 Monate vor Zinsbindungsende: Intensive Gespräche mit der Hausbank und Vergleichsbanken führen. Entscheidung für Forward-Darlehen treffen, falls gewünscht.
  • 3-6 Monate vor Zinsbindungsende: Finale Angebote einholen und die Entscheidung für Prolongation oder Umschuldung treffen.
  • Bis zum Zinsbindungsende: Vertrag abschließen und notwendige Formalitäten erledigen.

Wichtige Faktoren bei der Entscheidung

Bei der Wahl der passenden Anschlussfinanzierung spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die über den reinen Zinssatz hinausgehen. Eine ganzheitliche Betrachtung der eigenen finanziellen Situation und Zukunftsplanung ist ratsam.

Überlegen Sie, wie sich Ihre Lebensumstände in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln werden. Planen Sie beispielsweise, die Immobilie in absehbarer Zeit zu verkaufen, könnte eine kurze Zinsbindungsfrist sinnvoll sein. Steht eine größere Erbschaft oder eine Bonuszahlung an, könnten Sondertilgungsoptionen oder eine anfänglich höhere Tilgung attraktiv sein.

  • Zinsniveau: Entwickelt sich der Marktzins nach oben oder nach unten?
  • Restschuld: Wie hoch ist die verbleibende Schuldsumme?
  • Tilgung: Soll die monatliche Rate gleich bleiben, erhöht oder reduziert werden? Sind Sondertilgungen geplant?
  • Zinsbindungsfrist: Welche Dauer ist für die nächsten Jahre sinnvoll? Kurz bei erwarteten sinkenden Zinsen, lang bei erwarteten steigenden Zinsen.
  • Flexibilität: Benötigen Sie Optionen für Ratenanpassungen oder Sondertilgungen?
  • Nebenkosten: Welche Gebühren entstehen bei einer Umschuldung (Notar, Grundbuch etc.)?

Sondertilgungen und Ratenanpassungen

Moderne Darlehensverträge bieten oft flexible Optionen, die über die reine Zinsbindung hinausgehen. Sondertilgungsrechte erlauben es, außerplanmäßige Zahlungen auf das Darlehen zu leisten, meist bis zu einem bestimmten Prozentsatz der Restschuld pro Jahr. Dies kann die Restschuld schneller reduzieren und somit die Zinslast über die gesamte Laufzeit senken. Auch die Möglichkeit, die monatliche Tilgungsrate während der Laufzeit anzupassen (Tilgungssatzwechsel), kann wertvoll sein, um auf veränderte Einkommenssituationen reagieren zu können.

Achten Sie bei der Wahl Ihrer Anschlussfinanzierung genau auf diese Flexibilitätsoptionen. Sie können einen höheren Zinssatz unter Umständen rechtfertigen, wenn sie Ihnen eine größere finanzielle Handlungsfreiheit ermöglichen. Im Zweifel ist eine etwas höhere Flexibilität oft mehr wert als eine marginale Zinsersparnis, die zu unflexiblen Konditionen führt.

Beispielrechnung zur Veranschaulichung

Nehmen wir an, Sie haben noch eine Restschuld von 150.000 Euro, und Ihre aktuelle Zinsbindung läuft in 12 Monaten aus. Die anfangs vereinbarten 4,0% Zinsen sowie 2% Tilgung enden.

Situation 1: Hausbank bietet eine Prolongation zu 3,0% Zinsen bei 2,5% Tilgung an. Die monatliche Rate würde sich auf 687,50 Euro belaufen (150.000 * (3,0% + 2,5%) / 12). Keine zusätzlichen Kosten.

Situation 2: Eine andere Bank bietet eine Umschuldung zu 2,7% Zinsen bei 2,5% Tilgung an. Die monatliche Rate läge bei 657,50 Euro (150.000 * (2,7% + 2,5%) / 12). Die Zinsersparnis pro Monat beträgt 30 Euro. Über eine Zinsbindungsfrist von 10 Jahren ergibt dies eine Gesamtersparnis von 3.600 Euro. Nebenkosten für die Umschuldung (Notar, Grundbuchamt etc.) werden auf ca. 800 Euro geschätzt. Die tatsächliche Ersparnis wäre dann 2.800 Euro. In diesem Fall wäre die Umschuldung trotz der Kosten vorteilhafter.

Situation 3: Der Immobilienbesitzer erwartet steigende Zinsen und möchte die aktuellen 2,7% für die Umschuldung bereits 12 Monate im Voraus sichern (Forward-Darlehen). Die Bank verlangt hierfür einen Forward-Zuschlag von 0,05% pro Monat. Der effektive Zinssatz für das Forward-Darlehen würde dann (12 Monate * 0,05% + 2,7%) = 3,3% betragen. Die monatliche Rate läge bei 725 Euro (150.000 * (3,3% + 2,5%) / 12).

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, alle Optionen durchzurechnen und die individuelle Situation sowie die Markterwartungen in die Entscheidung einzubeziehen.

Fazit

Die Anschlussfinanzierung ist ein strategisch wichtiger Schritt im Leben eines Immobilienbesitzers. Eine frühzeitige und sorgfältige Planung sowie der intensive Vergleich verschiedener Angebote können maßgeblich zur Senkung der Gesamtkosten des Immobiliendarlehens beitragen. Ob Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen – die Wahl der richtigen Option hängt von vielen Faktoren ab. Es empfiehlt sich, unabhängigen Rat einzuholen und sich nicht nur auf das Angebot der Hausbank zu verlassen, um die Immobilie langfristig und zu optimalen Konditionen weiterzufinanzieren.

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