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Unterschied zwischen Forward-Darlehen und Anschlussfinanzierung bei der Hausbank einfach erklärt

Erfahren Sie den Unterschied zwischen Forward-Darlehen und Anschlussfinanzierung bei der Hausbank. Wir erklären die Funktionsweise, Vorteile und Nachteile beider Optionen für Ihre Immobilienfinanzierung.

8 min Lesezeit
Unterschied zwischen Forward-Darlehen und Anschlussfinanzierung bei der Hausbank einfach erklärt

Die Immobilienfinanzierung ist für viele Menschen die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Eine der zentralen Herausforderungen abseits des ursprünglichen Immobilienerwerbs ist die Sicherung attraktiver Konditionen für die Anschlussfinanzierung. Oftmals endet die Zinsbindungsfrist eines bestehenden Immobiliendarlehens nach zehn oder fünfzehn Jahren, und es stellt sich die Frage, wie die Restschuld danach zu finanzieren ist. An diesem Punkt treten zwei Begriffe in den Vordergrund, die häufig verwechselt oder missverstanden werden: das Forward-Darlehen und die klassische Anschlussfinanzierung. Beide dienen dazu, die Fortführung der Finanzierung zu gewährleisten, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihren Eigenschaften und im Zeitpunkt ihres Abschlusses. Dieser Ratgeber beleuchtet die Feinheiten beider Optionen, erklärt ihre Funktionsweisen, Vorteile und Nachteile, um Ihnen eine fundierte Entscheidung für Ihre individuelle Situation zu ermöglichen.

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Unter einer Anschlussfinanzierung versteht man im Allgemeinen die Ablösung eines bestehenden Immobiliendarlehens durch ein neues Darlehen, nachdem die Zinsbindungsfrist des ursprünglichen Kredits abgelaufen ist. Zu diesem Zeitpunkt wird die verbleibende Restschuld neu verhandelt und finanziert. Der Zeitpunkt für die Entscheidung fällt typischerweise kurz vor Ablauf der alten Zinsbindungsfrist, meist in den letzten zwölf bis sechs Monaten vor diesem Termin. Die Entscheidung für eine Anschlussfinanzierung kann sowohl bei der ursprünglichen Hausbank als auch bei einem neuen Kreditinstitut erfolgen. Letzteres wird als Umschuldung bezeichnet und kann neue Perspektiven bezüglich der Konditionen eröffnen.

Die Konditionen für die Anschlussfinanzierung richten sich nach dem aktuellen Zinsniveau am Kapitalmarkt. Dies bedeutet, dass die Höhe der monatlichen Raten sowie die Gesamtkosten des Darlehens entweder steigen oder sinken können, je nachdem, wie sich die Zinsen seit dem Abschluss des ersten Darlehens entwickelt haben. Eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema ist unerlässlich, um die bestmöglichen Bedingungen zu sichern und nicht unter Zeitdruck eine unvorteilhafte Entscheidung treffen zu müssen.

  • Ablösung eines bestehenden Darlehens nach Zinsbindungsende.
  • Entscheidung meist kurz vor Ablauf der Zinsbindungsfrist.
  • Konditionen basieren auf dem aktuellen Zinsniveau.
  • Kann bei der Hausbank oder einem neuen Anbieter abgeschlossen werden (Umschuldung).

Was ist ein Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen ist eine spezielle Form der Anschlussfinanzierung, die es Immobilienbesitzern ermöglicht, sich das aktuelle Zinsniveau für eine zukünftige Anschlussfinanzierung zu sichern. Das Besondere daran ist, dass der Vertrag bereits mehrere Monate oder sogar Jahre vor dem eigentlichen Ablauf der Zinsbindungsfrist des ursprünglichen Darlehens abgeschlossen wird. Der Darlehensbetrag wird jedoch erst zu einem späteren, vereinbarten Termin (dem Forward-Zeitpunkt) ausgezahlt, wenn das bestehende Darlehen fällig wird. Diese Vorlaufzeit, in der das Darlehen zwar vertraglich gebunden, aber noch nicht ausgezahlt ist, nennt man Forward-Periode. Sie kann in der Regel zwischen sechs Monaten und bis zu 60 Monaten, also fünf Jahren, betragen.

Der Vorteil eines Forward-Darlehens liegt klar darin, Planungssicherheit zu schaffen und sich vor steigenden Zinsen zu schützen. Wenn Immobilienbesitzer erwarten, dass die Zinsen in Zukunft steigen werden, können sie sich durch ein Forward-Darlehen das aktuell noch günstige Zinsniveau sichern. Für diese Zinsgarantie während der Forward-Periode verlangen die Banken in der Regel einen Zinsaufschlag. Dieser Aufschlag ist umso höher, je länger die Forward-Periode ist, da die Bank ein höheres Zinsänderungsrisiko trägt.

  • Abschluss bis zu 5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung möglich.
  • Sichert aktuelle Zinsen für die zukünftige Finanzierung.
  • Auszahlung erfolgt erst nach Ende der Forward-Periode.
  • Für die Zinsgarantie wird ein Zinsaufschlag fällig.

Der Hauptunterschied: Der Zeitpunkt der Entscheidung und Zinsbindung

Der fundamentalste Unterschied zwischen einem Forward-Darlehen und einer klassischen Anschlussfinanzierung liegt im Zeitpunkt, wann man sich für welche Option entscheidet und wann die Zinsen festgelegt werden. Bei einer klassischen Anschlussfinanzierung legt man die Konditionen fest, wenn das ursprüngliche Darlehen kurz vor dem Auslaufen steht. Die Zinsen orientieren sich dann am aktuellen Marktzins zu diesem Zeitpunkt.

Ein Forward-Darlehen hingegen ermöglicht es, die Zinsen weit im Voraus festzuschreiben – eben in der Forward-Periode. Dies bietet Schutz vor unerwarteten Zinserhöhungen. Wer sich Sorgen um steigende Zinsen macht, kann diese Sicherheit mit einem Forward-Darlehen kaufen. Fällt die Wahl auf ein Forward-Darlehen, so ist man an die vereinbarten Konditionen gebunden, auch wenn die Zinsen bis zum Ablauf der Zinsbindung tatsächlich fallen sollten. Dieses Risiko muss bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

  • Anschlussfinanzierung: Zinsfestschreibung kurz vor Ablauf des bestehenden Darlehens.
  • Forward-Darlehen: Zinsfestschreibung bis zu 5 Jahre im Voraus.
  • Forward bietet Sicherheit vor steigenden Zinsen, aber kein Profitieren von fallenden Zinsen.
  • Klassische Anschlussfinanzierung profitiert von fallenden Zinsen kurz vor dem Ende der Zinsbindung.

Vorteile und Nachteile der klassischen Anschlussfinanzierung

Die klassische Anschlussfinanzierung bietet Flexibilität in Bezug auf die Wahl des Zeitpunktes, um die finalen Konditionen festzulegen. Dies ermöglicht es Kreditnehmern, bis kurz vor dem Ablauf der Zinsbindung das Marktgeschehen zu beobachten und bei fallenden Zinsen von diesen niedrigeren Konditionen zu profitieren. Zudem fallen bei einer klassischen Anschlussfinanzierung in der Regel keine zusätzlichen Zinsaufschläge an, wie sie typisch für ein Forward-Darlehen sind.

Allerdings birgt die flexible Natur auch ein gewisses Risiko: Sollten die Zinsen bis zum Ende der Zinsbindung steigen, muss man die höheren Konditionen akzeptieren, was die monatliche Belastung erhöhen kann. Man ist dem Zinsänderungsrisiko bis zum Zeitpunkt der Neuverhandlung ausgesetzt. Eine fehlende Strategie kann hier zu Nachteilen führen, besonders in einem Umfeld steigender Zinstrends.

  • Vorteil: Potenzial zur Nutzung sinkender Zinsen.
  • Vorteil: Keine Zinsaufschläge für eine Vorlaufzeit.
  • Nachteil: Risiko steigender Zinsen bis zum Verhandlungszeitpunkt.
  • Nachteil: Geringere Planungssicherheit bei volatilen Zinsmärkten.

Vorteile und Nachteile des Forward-Darlehens

Der größte Vorteil eines Forward-Darlehens ist die Zinsabsicherung. Man sichert sich das aktuelle Zinsniveau für die Zukunft und gewinnt damit hohe Planungssicherheit. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn ein Anstieg der Zinsen erwartet wird. Kreditnehmer können so frühzeitig ihre zukünftigen Raten kalkulieren und budgetieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich um die Finanzierung keine Gedanken mehr machen muss, sobald der Vertrag unterzeichnet ist.

Dem gegenüber stehen jedoch auch Nachteile. Der offensichtlichste ist der Zinsaufschlag, der für die Forward-Periode anfällt. Dieser kann je nach Länge der Periode spürbare Mehrkosten verursachen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass man nicht von fallenden Zinsen profitieren kann, wenn diese nach Abschluss des Forward-Darlehens sinken sollten. Man ist an den vertraglich vereinbarten, möglicherweise höheren Zins gebunden. Zudem kann es schwierig sein, den Abschluss des Forward-Darlehens rückgängig zu machen, selbst wenn sich die persönliche oder die Marktsituation gravierend ändern sollte, da man bereits einen Vertrag mit der Bank eingegangen ist.

  • Vorteil: Hohe Planungssicherheit durch Zinsfestschreibung.
  • Vorteil: Absicherung gegen steigende Zinsen.
  • Nachteil: Zinsaufschlag für die Forward-Periode.
  • Nachteil: Man profitiert nicht von potenziell sinkenden Zinsen.
  • Nachteil: Geringere Flexibilität nach Vertragsabschluss.

Die Rolle der Hausbank bei der Anschlussfinanzierung

Viele Kreditnehmer neigen dazu, ihre Anschlussfinanzierung automatisch bei ihrer Hausbank zu tätigen. Dies kann durchaus Vorteile bieten, insbesondere wenn bereits eine langjährige und vertrauensvolle Geschäftsbeziehung besteht. Die Hausbank kennt die finanziellen Verhältnisse und die Historie des Kreditnehmers, was den Prozess vereinfachen und beschleunigen kann. Oftmals werden Bestandskunden auch spezielle Konditionen oder ein vereinfachter Dokumentationsaufwand angeboten.

Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, sich nicht blind auf die Angebote der Hausbank zu verlassen. Auch wenn der Komfort einer bekannten Bank verlockend ist, sind die Konditionen potenziell bei anderen Anbietern günstiger. Es empfiehlt sich dringend, stets Vergleichsangebote einzuholen, um sicherzustellen, dass man die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung erhält. Eine Umschuldung zu einer anderen Bank kann, trotz des etwas höheren administrativen Aufwands, erhebliche Einsparungen über die Laufzeit des Darlehens bedeuten. Die Hausbank sollte als eine von mehreren Optionen betrachtet werden, nicht als die einzige.

  • Vorteil: Vertraute Geschäftsbeziehung und bekannte Abläufe.
  • Vorteil: Potenzielle Vereinfachung des Kreditprüfungsprozesses.
  • Nachteil: Gefahr, nicht die günstigsten Marktkonditionen zu erhalten.
  • Nachteil: Angebote müssen kritisch mit Konkurrenzangeboten verglichen werden.

Wann ist welches Modell sinnvoll? Eine Entscheidungshilfe

Die Entscheidung zwischen einem Forward-Darlehen und einer klassischen Anschlussfinanzierung hängt maßgeblich von der persönlichen Risikobereitschaft, den Zinsmarktprognosen und der verbleibenden Zeit bis zum Ablauf der Zinsbindung ab. Wenn Sie erwarten, dass die Zinsen in Zukunft steigen werden, oder wenn Ihnen Planungssicherheit wichtiger ist als die Möglichkeit, von weiter fallenden Zinsen zu profitieren, könnte ein Forward-Darlehen die richtige Wahl sein. Besonders bei einer Restlaufzeit des aktuellen Darlehens von ein bis drei Jahren kann ein Forward-Darlehen attraktiv sein, um sich günstigere Konditionen zu sichern.

Wenn die Zinsen aktuell hoch sind oder Sie eine fallende Tendenz erwarten, ist es oft ratsamer, eine klassische Anschlussfinanzierung zu wählen. Sie warten dann bis kurz vor Ablauf der Zinsbindung, um die neuen Konditionen zu verhandeln. Auch wenn die Zinsbindungsfrist Ihres aktuellen Darlehens nur noch wenige Monate beträgt, ist eine klassische Anschlussfinanzierung meist die praktikabelste Option. Ein Vergleich am Markt ist in jedem Fall unerlässlich, um die besten Konditionen zu finden, die zu Ihren Bedürfnissen passen.

  • Forward-Darlehen sinnvoll bei erwarteten Zinsanstiegen und Wunsch nach Planungssicherheit.
  • Klassische Anschlussfinanzierung sinnvoll bei erwarteten Zinsrückgängen oder aktuellen Hochzinsen.
  • Lange Restlaufzeit des bestehenden Darlehens spricht eher für Forward-Darlehen.
  • Kurze Restlaufzeit spricht eher für klassische Anschlussfinanzierung.
  • Ein unabhängiger Vergleich alternativer Angebote ist in jedem Fall ratsam.

Fazit

Die Wahl zwischen einem Forward-Darlehen und einer klassischen Anschlussfinanzierung ist eine strategische Entscheidung, die wohlüberlegt sein sollte. Beide Optionen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die je nach individueller Situation und Markterwartung unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. Während das Forward-Darlehen vor allem Planungssicherheit und Schutz vor steigenden Zinsen bietet, ermöglicht die klassische Anschlussfinanzierung Flexibilität, um von potenziell fallenden Zinsen vor Ende der Zinsbindung zu profitieren. Es ist entscheidend, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, die persönlichen Prioritäten festzulegen und stets verschiedene Angebote – sowohl von der Hausbank als auch von anderen Anbietern – einzuholen und gründlich zu vergleichen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Anschlussfinanzierung optimal auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist und langfristig die besten Konditionen gesichert werden.

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Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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