← Ratgeber

Teilverkauf der Immobilie: Vor- und Nachteile

Der Teilverkauf einer Immobilie bietet eine Option, Liquidität zu schaffen, ohne das Zuhause vollständig aufgeben zu müssen. Wir beleuchten die Vor- und Nachteile dieses Modells detailliert.

8 min Lesezeit
Teilverkauf der Immobilie: Vor- und Nachteile

Für viele Immobilieneigentümer stellt das eigene Heim den größten Vermögenswert dar – oft über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und gepflegt. Insbesondere im Rentenalter kann es jedoch vorkommen, dass trotz hoher Sachwerte die nötige Liquidität für größere Ausgaben, die Altersvorsorge oder die Erfüllung lang gehegter Wünsche fehlt. Ein Verkauf der gesamten Immobilie kommt für viele nicht in Frage, da sie ihr vertrautes Wohnumfeld nicht verlassen möchten. Hier bietet sich der Teilverkauf der Immobilie als eine alternative Lösung an. Dieses Modell ermöglicht es, einen Teil des Eigentums zu veräußern und dafür Kapital zu erhalten, während man weiterhin im eigenen Zuhause wohnen bleiben kann. Doch wie funktioniert ein solcher Teilverkauf genau, und welche Aspekte sollten Immobilieneigentümer dabei unbedingt berücksichtigen? Dieser Ratgeber beleuchtet die Vor- und Nachteile ausführlich, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Was ist ein Immobilien-Teilverkauf?

Beim Immobilien-Teilverkauf veräußern Sie einen prozentualen Anteil Ihrer Immobilie an ein spezialisiertes Unternehmen. Sie bleiben weiterhin Miteigentümer und behalten in der Regel das Nießbrauchrecht für den gesamten Besitz. Das bedeutet, dass Sie die Immobilie weiterhin uneingeschränkt nutzen und bewohnen dürfen, so als ob Sie Alleineigentümer wären. Für diesen verkauften Anteil erhalten Sie sofort Liquidität. Im Gegenzug zahlt der Verkäufer dem Unternehmen ein monatliches Nutzungsentgelt oder eine Art Miete für den verkauften Anteil. Dieses Nutzungsentgelt ist vergleichbar mit einer Miete und wird für den Anteil fällig, den Sie nicht mehr besitzen, aber weiterhin nutzen.

Der Teilverkauf ist somit eine Zwischenlösung zwischen dem vollständigen Verkauf und einer Beleihung der Immobilie. Er richtet sich primär an ältere Eigentümer, die den Wert ihrer Immobilie zu Lebzeiten nutzbar machen möchten, ohne ihren Lebensmittelpunkt aufzugeben. Die Höhe des verkauften Anteils ist dabei flexibel und orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen des Eigentümers sowie am Wert der Immobilie.

Das Nießbrauchrecht als zentrales Element

Das Nießbrauchrecht ist ein entscheidender Bestandteil des Teilverkaufsmodells und gesetzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert (§§ 1030 ff. BGB). Es sichert Ihnen als ursprünglichem Eigentümer das Recht zu, die Immobilie in vollem Umfang zu nutzen und die Nutzungen, also beispielsweise Mieteinnahmen bei Vermietung, zu ziehen. Im Gegenzug sind Sie für die Erhaltung der Immobilie verantwortlich und tragen die laufenden Kosten wie beispielsweise Grundsteuer, Versicherungen und Instandhaltung. Das Nießbrauchrecht wird notariell beurkundet und im Grundbuch eingetragen. Diese Eintragung ist von großer Bedeutung, da sie das Nießbrauchrecht gegenüber Dritten absichert und den Verkäufer vor eventuellen Rechtsgeschäften des Miteigentümers schützt.

Durch das Nießbrauchrecht behalten Sie die Kontrolle über Ihre Wohnsituation und können sicherstellen, dass Sie bis an Ihr Lebensende in Ihrer gewohnten Umgebung verbleiben können, ohne sich Sorgen um einen Auszug machen zu müssen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Sie mit der Eintragung des Nießbrauchrechts auch die Pflichten der Immobilie übernehmen, die über die reine Nutzung hinausgehen.

  • Sichert das Recht auf lebenslange Nutzung der gesamten Immobilie.
  • Wird notariell beurkundet und im Grundbuch eingetragen.
  • Schützt den ursprünglichen Eigentümer vor dem Zugriff Dritter auf den verkauften Anteil.
  • Umfasst die Verantwortung für die Instandhaltung und die laufenden Kosten der Immobilie.

Vorteile des Immobilien-Teilverkaufs

Der Teilverkauf einer Immobilie bietet mehrere attraktive Vorteile, die ihn für bestimmte Zielgruppen zu einer interessanten Option machen. Der offensichtlichste Vorteil ist die Schaffung von Liquidität. Sie können einen Teil Ihres gebundenen Immobilienvermögens in Bargeld umwandeln, ohne Ihr Zuhause verlassen zu müssen. Dies kann beispielsweise für folgende Zwecke genutzt werden:

  • Finanzierung von altersgerechten Umbauten im Eigenheim.
  • Erfüllung privater Wünsche, die im Alter realisiert werden sollen.
  • Steigerung des monatlich verfügbaren Einkommens oder Aufstockung der Rente.
  • Begleichung von Schulden oder Unterstützung der Familie.
  • Sicherung gegen unvorhergesehene Ausgaben oder Pflegekosten.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie Miteigentümer der Immobilie bleiben und somit weiterhin von einer potenziellen Wertsteigerung des nicht verkauften Anteils profitieren können. Gleichzeitig entfällt der Stress eines vollständigen Umzugs, oft verbunden mit hohen Kosten und emotionalen Belastungen. Der Teilverkauf ermöglicht es Ihnen, in Ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Die Abwicklung erfolgt in der Regel unkompliziert, da keine Bonitätsprüfung im herkömmlichen Sinne für die Auszahlung des Kapitals notwendig ist, wie es bei einem Kredit oft der Fall wäre.

Nachteile und Risiken des Immobilien-Teilverkaufs

Trotz der genannten Vorteile birgt der Teilverkauf auch Nachteile und Risiken, die sorgfältig abgewogen werden sollten. Der prominenteste Nachteil sind die monatlichen Nutzungsentgelte. Diese sind vergleichbar mit Mieten für den verkauften Anteil und fallen über die gesamte Vertragslaufzeit an. Die Höhe des Nutzungsentgelts wird meist als prozentualer Anteil des aktuellen Marktwertes des verkauften Immobilienanteils berechnet und kann sich über die Jahre summieren. Dies verringert die neu gewonnene Liquidität wieder und kann zu einer langfristigen finanziellen Belastung werden.

Ein weiteres Risiko besteht in der oft hohen Kostenstruktur. Neben dem Nutzungsentgelt fallen Gebühren für die Abwicklung des Teilverkaufs an, wie Notar- und Gerichtskosten für die Grundbucheintragung, Kosten für die Immobilienbewertung und eventuelle Bearbeitungsgebühren des Anbieters. Diese Kosten können einen nicht unerheblichen Teil des ausgezahlten Betrages ausmachen. Zudem ist zu beachten, dass Sie bei einem späteren Gesamtverkauf der Immobilie, beispielsweise durch Ihre Erben, den dann aktuellen Marktwert zum Abgleich heranziehen müssen. Sollte der Wert der Immobilie stark gestiegen sein, wirkt sich dies positiv auf den Restanteil aus, der Ihnen verbleibt, jedoch sind Sie an den Verkaufspreis des Anbieters gebunden für dessen Anteil.

  • Regelmäßige monatliche Nutzungsentgelte, die die Liquidität schmälern.
  • Abgabe von Miteigentum und damit von einem Teil der Entscheidungshoheit.
  • Kosten und Gebühren für Notar, Gutachten und Abwicklung, die den ausgezahlten Betrag mindern.
  • Potenziell geringerer Erlös im Vergleich zum vollständigen Verkauf, wenn der spätere Gesamtwert der Immobilie betrachtet wird.
  • Bindung an einen Vertragspartner mit möglicherweise weniger Flexibilität bei späteren Entscheidungen.

Kosten und Beispielrechnung

Die Kosten eines Teilverkaufs setzen sich in der Regel aus mehreren Komponenten zusammen. Neben dem bereits erwähnten Nutzungsentgelt fallen Einmalkosten an. Dazu gehören die Notar- und Grundbuchkosten für die Eintragung des Nießbrauchrechts und den Kaufvertrag des Teilanteils, die Kosten für ein externes Wertgutachten, welches den Immobilienwert objektiv feststellt, sowie eventuelle Bearbeitungsgebühren des Anbieters. Das Nutzungsentgelt wird häufig als fester Zinssatz auf den Verkaufspreis des Anteils berechnet und ist monatlich fällig.

Beispielrechnung (fiktiv): Familie Müller besitzt eine Immobilie im Wert von 500.000 Euro. Sie entscheidet sich, 20% zu verkaufen, um 100.000 Euro Liquidität zu erhalten. Angenommen, das jährliche Nutzungsentgelt beträgt 3% des verkauften Anteils. Das sind 3.000 Euro pro Jahr oder 250 Euro pro Monat. Zu diesem Betrag kommen die Notar- und Gerichtskosten (ca. 1,5% des Verkaufspreises, hier 1.500 Euro) und ein Wertgutachten (typischerweise 500-1.000 Euro). Insgesamt müssen Familie Müller also dauerhaft mit 250 Euro monatlich für das Nutzungsentgelt rechnen, zuzüglich der einmaligen Nebenkosten. Diese Zahlen dienen als vereinfachtes Beispiel, die tatsächlichen Konditionen können je nach Anbieter und individueller Situation stark variieren.

Alternativen zum Immobilien-Teilverkauf

Bevor man sich für einen Teilverkauf entscheidet, sollten andere Optionen zur Liquiditätsbeschaffung geprüft werden. Eine Möglichkeit ist die Leibrente. Hierbei verkaufen Sie Ihre gesamte Immobilie und erhalten im Gegenzug eine monatliche oder einmalige Rentenzahlung sowie oft ein lebenslanges Wohnrecht. Der Vorteil ist, dass Sie keine Miete mehr zahlen und sich nicht um die Instandhaltung kümmern müssen. Der Nachteil ist, dass Sie das Eigentum vollständig abgeben und nicht mehr von Wertsteigerungen profitieren. Eine weitere Alternative ist die Umkehrhypothek bzw. Immobilienverrentung, bei der Sie Ihre Immobilie beleihen und das Darlehen nicht zurückzahlen, sondern die Zinsen und Tilgung erst mit dem Verkauf oder Erbfall anfallen. Allerdings ist die monatliche Auszahlung oft geringer und die Kosten können hoch sein. Auch der traditionelle Immobilienkredit oder ein Annuitätendarlehen kann eine Option sein, sofern die Bonität und die monatlichen Einkünfte für die Kreditrückzahlung ausreichen. Die Entscheidung für die beste Lösung hängt stark von der individuellen finanziellen Situation, dem Alter, dem Gesundheitszustand und den persönlichen Präferenzen ab.

  • Leibrente: Verkauf der Immobilie gegen Rente und Wohnrecht (vollständige Eigentumsaufgabe).
  • Umkehrhypothek: Beleihung der Immobilie, Rückzahlung erst bei Auszug/Verkauf (geringere monatliche Auszahlung).
  • Klassischer Immobilienkredit: Aufnahme eines Darlehens mit monatlicher Rückzahlung (erfordert ausreichende Bonität).
  • Privatkredit oder Ratenkredit: Bei geringerem Kapitalbedarf (oft höhere Zinsen und kürzere Laufzeiten).

Wichtige Überlegungen vor dem Teilverkauf

Ein Teilverkauf ist eine weitreichende Entscheidung, die gut überlegt sein sollte. Es ist ratsam, verschiedene Angebote von Teilverkaufsanbietern einzuholen und diese sorgfältig zu vergleichen. Achten Sie dabei nicht nur auf den ausgezahlten Betrag, sondern insbesondere auf die Höhe des monatlichen Nutzungsentgelts, die Vertragslaufzeit, die Regelungen für einen späteren Gesamtverkauf und die anfallenden Nebenkosten. Eine unabhängige Beratung durch einen Finanzexperten, einen Notar oder einen Anwalt ist dringend zu empfehlen. Diese können Ihnen helfen, den Vertrag zu verstehen, die finanziellen Auswirkungen langfristig zu beurteilen und mögliche Fallstricke zu erkennen. Auch die Einbindung der Familie, insbesondere der potenziellen Erben, kann sinnvoll sein, um Missverständnisse und spätere Konflikte zu vermeiden. Der Teilverkauf sollte als eine individuelle Lösung betrachtet werden, die zu den persönlichen Lebensumständen und Zielen passt.

Fazit

Der Teilverkauf der Immobilie kann eine attraktive Möglichkeit sein, Liquidität aus dem Eigenheim zu schöpfen, ohne das geliebte Zuhause aufgeben zu müssen. Das Modell bietet die Chance, finanzielle Engpässe im Alter zu überbrücken oder lang gehegte Wünsche zu realisieren. Gleichzeitig sind die langfristigen Kosten in Form von Nutzungsentgelten sowie die vertraglichen Bindungen und die Abgabe eines Teils des Eigentums nicht zu unterschätzen. Eine umfassende Information über die Vor- und Nachteile, ein Vergleich verschiedener Anbieter sowie eine unabhängige Beratung sind essentielle Schritte, um eine fundierte und individuell passende Entscheidung treffen zu können. Prüfen Sie sorgfältig, ob der Teilverkauf Ihren Bedürfnissen entspricht oder ob alternative Modelle möglicherweise besser geeignet sind, Ihre finanziellen Ziele zu erreichen.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München