← Ratgeber

Sollzins bei Immobilienkrediten: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist der Sollzins bei Immobilienkrediten? Wie unterscheidet er sich vom Effektivzins und welche Rolle spielt die Zinsbindung? Alle wichtigen Fragen und Antworten im Überblick.

5 min Lesezeit
Sollzins bei Immobilienkrediten: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Beim Kauf oder Bau einer Immobilie spielt der Zinssatz eine zentrale Rolle für die Gesamtkosten der Finanzierung. Häufig liest man von Sollzins, Effektivzins, Zinsbindung und Bauzinsen – doch was bedeuten diese Begriffe genau und wie wirken sie sich auf die monatliche Rate und die Gesamtkosten aus? In diesem Ratgeber werden die wichtigsten Fragen rund um den Sollzins bei Immobilienkrediten beantwortet, damit Sie die Angebote besser verstehen und fundierte Entscheidungen treffen können.

Was ist der Sollzins bei einem Immobilienkredit?

Der Sollzins ist der vertraglich festgelegte Zinssatz, den Sie für das geliehene Darlehen an die Bank zahlen. Er wird meist als Jahreszinssatz in Prozent angegeben und bildet die Grundlage für die Berechnung der Zinskosten. Der Sollzins wird daher auch als Nominalzins bezeichnet. Er beschreibt, wie viel Prozent der Kreditsumme Sie pro Jahr als Zinsen an die Bank überweisen müssen.

Der Sollzins bezieht sich ausschließlich auf die Verzinsung des Darlehens und berücksichtigt keine weiteren Nebenkosten wie Bearbeitungsgebühren, Bewertungsgebühren oder Kontoführungsgebühren. Diese zusätzlichen Kosten werden im Effektivzins berücksichtigt. Der Sollzins ist daher immer niedriger als der Effektivzins, da er nur die reinen Zinskosten abbildet.

Beispiel: Wenn Sie ein Darlehen von 200.000 Euro mit einem Sollzins von 4 % aufnehmen, zahlen Sie im ersten Jahr 8.000 Euro Zinsen (200.000 Euro × 0,04). Diese Zinsen werden auf die Restschuld berechnet, die sich durch die Tilgung im Laufe der Zeit verringert.

Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins

Der Effektivzins gibt an, wie teuer der Kredit insgesamt ist, wenn alle relevanten Kosten berücksichtigt werden. Er enthält neben dem Sollzins auch bestimmte Nebenkosten, die mit der Kreditvergabe verbunden sind. Der Effektivzins ist daher immer höher als der Sollzins und dient als Vergleichsmaßstab für verschiedene Kreditangebote.

Zu den Kosten, die im Effektivzins enthalten sind, gehören unter anderem Bearbeitungsgebühren, Kosten für die Immobilienbewertung, Vermittlungsgebühren und Kontoführungsgebühren. Nicht enthalten sind jedoch Bereitstellungszinsen, Gebühren für Sondertilgungen oder Vorfälligkeitsentschädigungen. Diese Kosten kommen zusätzlich zu den Zinskosten hinzu.

Beispiel: Ein Darlehen mit einem Sollzins von 4 % und einem Effektivzins von 4,3 % bedeutet, dass die zusätzlichen Kosten 0,3 % der Kreditsumme betragen. Bei 200.000 Euro Kreditsumme entspricht das 600 Euro pro Jahr an zusätzlichen Kosten.

Gebundener vs. ungebundener Sollzins

Bei Immobilienkrediten wird zwischen einem gebundenen und einem ungebundenen Sollzins unterschieden. Ein gebundener Sollzins bleibt über einen festgelegten Zeitraum unverändert, unabhängig von der allgemeinen Zinsentwicklung. Ein ungebundener Sollzins kann von der Bank angepasst werden, wenn sich die Marktlage ändert.

Ein gebundener Sollzins bietet Planungssicherheit, da die Zinskosten über die gesamte Zinsbindungsfrist konstant bleiben. Ein ungebundener Sollzins kann zu Beginn niedriger sein, birgt aber das Risiko, dass die Zinsen bei steigenden Marktzinsen ansteigen und die monatliche Rate erhöht wird.

Beispiel: Ein Darlehen mit einem gebundenen Sollzins von 4 % über 10 Jahre bedeutet, dass die Zinsen für diese 10 Jahre unverändert bleiben. Ein ungebundener Sollzins von 3 % kann nach einigen Jahren auf 5 % oder mehr ansteigen, wenn die Marktzinsen steigen.

Zinsbindung und Zinsbindungsfrist

Die Zinsbindungsfrist ist der Zeitraum, für den der Sollzins festgeschrieben ist. Übliche Zinsbindungsfristen bei Immobilienkrediten betragen 5, 10 oder 15 Jahre. Längere Bindungen bis zu 30 Jahren bieten mehr Sicherheit, können aber höhere Zinssätze bedeuten.

Während der Zinsbindungsfrist darf die Bank den Zinssatz nicht ändern, auch wenn die Leitzinsen deutlich ansteigen. Nach Ablauf der Zinsbindung muss in der Regel eine Anschlussfinanzierung abgeschlossen werden, bei der ein neuer Zinssatz vereinbart wird.

Beispiel: Eine Zinsbindungsfrist von 10 Jahren bedeutet, dass der vereinbarte Sollzins für 10 Jahre unverändert bleibt. Danach kann die Bank einen neuen Zinssatz festlegen, der sich an den aktuellen Marktzinsen orientiert.

Aktuelle Bauzinsen und Sollzinsen

Die aktuellen Bauzinsen für Immobilienkredite liegen je nach Zinsbindung und Bonität zwischen etwa 3,5 und 4,5 Prozent. Für 10-jährige Darlehen bewegen sich die Zinsen meist in einem Korridor von rund 3,5 bis 4 Prozent.

Die Höhe des Sollzinses hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der aktuelle Leitzins, die Bonität des Kreditnehmers, die Beleihungsgrenze und die Dauer der Zinsbindung. Eine niedrige Beleihung (z.B. 60–70 % des Beleihungswerts) kann zu günstigeren Zinssätzen führen.

Beispiel: Ein Darlehen mit 80 % Beleihung und 10-jähriger Zinsbindung kann einen Sollzins von etwa 3,8 % haben, während ein Darlehen mit 90 % Beleihung denselben Zeitraum einen Sollzins von 4,2 % aufweisen kann.

Wie beeinflusst der Sollzins die monatliche Rate?

Die monatliche Rate bei einem Immobilienkredit setzt sich aus Zinsen und Tilgung zusammen. Der Sollzins bestimmt den Zinsanteil der Rate, während die Tilgung den Anteil ist, der zur Verringerung der Restschuld beiträgt. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Rate über die gesamte Laufzeit konstant, während sich die Zusammensetzung aus Zinsen und Tilgung verändert.

Zu Beginn der Laufzeit sind die Zinszahlungen hoch und die Tilgung niedrig. Mit der Zeit sinken die Zinsen und die Tilgung steigt, da die Restschuld abnimmt. Der Sollzins beeinflusst daher direkt die Höhe der monatlichen Rate und die Gesamtkosten der Finanzierung.

Beispiel: Ein Darlehen von 200.000 Euro mit einem Sollzins von 4 % und einer anfänglichen Tilgung von 2 % ergibt eine monatliche Rate von etwa 1.000 Euro. Bei einem Sollzins von 5 % steigt die Rate auf etwa 1.167 Euro.

Wichtige Punkte bei der Wahl des Sollzinses

Bei der Auswahl eines Immobilienkredits sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden, um den passenden Sollzins zu finden. Dazu gehören die Zinsbindung, die Bonität, die Beleihungsgrenze und die individuelle finanzielle Situation.

  • Wählen Sie eine Zinsbindung, die zu Ihrer Planung passt. Eine längere Bindung bietet mehr Sicherheit, kann aber höhere Zinssätze bedeuten.
  • Prüfen Sie Ihre Bonität und verbessern Sie sie, wenn möglich, um günstigere Zinssätze zu erhalten.
  • Achten Sie auf eine niedrige Beleihung, da dies zu besseren Konditionen führen kann.
  • Vergleichen Sie mehrere Angebote und achten Sie sowohl auf den Sollzins als auch auf den Effektivzins.
  • Berücksichtigen Sie zusätzliche Kosten wie Bereitstellungszinsen und Gebühren für Sondertilgungen.

Fazit

Der Sollzins ist ein zentraler Bestandteil eines Immobilienkredits und bestimmt maßgeblich die Höhe der Zinskosten und der monatlichen Rate. Er unterscheidet sich vom Effektivzins, der alle relevanten Nebenkosten berücksichtigt. Ein gebundener Sollzins bietet Planungssicherheit, während ein ungebundener Sollzins flexibler, aber riskanter ist. Die Wahl des richtigen Sollzinses hängt von der Zinsbindung, der Bonität, der Beleihungsgrenze und der individuellen finanziellen Situation ab. Durch einen sorgfältigen Vergleich verschiedener Angebote und eine fundierte Beratung können Sie die für Sie passende Finanzierung finden und die Gesamtkosten Ihrer Immobilie optimieren.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München