Schadstoffe in Altbauten erkennen
Schadstoffe in Altbauten können die Gesundheit beeinträchtigen und den Wert einer Immobilie mindern. Dieser Ratgeber hilft, potenzielle Gefahren zu erkennen und richtig einzuschätzen.

Altbauten verströmen einen besonderen Charme und erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch gerade ältere Gebäude können unerwünschte Altlasten in Form von verbauten Schadstoffen bergen. Diese Stoffe, die in der Vergangenheit oft unbedenklich galten und weitreichend eingesetzt wurden, können heute eine Gefahr für die Gesundheit der Bewohner darstellen. Eine sorgfältige Untersuchung potenzieller Schadstoffquellen ist daher sowohl beim Kauf als auch bei der Sanierung eines Altbaus unerlässlich, um kostenintensive Überraschungen und gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Der vorliegende Ratgeber klärt über die häufigsten Schadstoffe in Altbauten auf, zeigt Wege zur Erkennung auf und gibt Hinweise zum weiteren Vorgehen.
Asbest: Der lautlose Feind in vielen Baustoffen
Asbest ist aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften – Hitzebeständigkeit, Säureresistenz und Zugfestigkeit – in Deutschland bis 1993 in über 3.000 Produkten verwendet worden. Die feinen Asbestfasern sind krebserregend, wenn sie in die Lunge gelangen. Gerade in älteren Gebäuden ist Asbest noch sehr verbreitet. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen fest gebundenem Asbest (z.B. in Asbestzementplatten für Dächer, Fassaden oder Fensterbänke) und schwach gebundenem Asbest (z.B. in Spritzasbest, Leichtbauplatten oder in bestimmten Fußbodenbelägen wie Flex-Platten). Während fest gebundener Asbest bei intaktem Zustand meist keine akute Gefahr darstellt, ist schwach gebundener Asbest aufgrund der leichten Faserfreisetzung deutlich kritischer zu bewerten. Eine Beschädigung asbesthaltiger Materialien setzt die gefährlichen Fasern frei.
- —Gebäude, die vor 1993 errichtet oder saniert wurden.
- —Dach- und Fassadenplatten (Eternit), Fallrohre.
- —Fensterbänke, Blumenkästen, Rohrverkleidungen.
- —Brandschutzklappen, bestimmte Dämmstoffe.
- —Bestimmte Bodenbeläge (Flex-Platten, Floor-Flex), Klebstoffe.
PCB: Langlebige Schadstoffe in Farben und Fugen
Polychlorierte Biphenyle (PCB) wurden wegen ihrer Beständigkeit gegenüber Hitze, Flammen und Chemikalien bis Ende der 1980er Jahre in Baustoffen und technischen Geräten eingesetzt. Sie sind flüchtige organische Verbindungen (VOC) und können auch bei Raumtemperatur in die Luft abgegeben werden. PCB sind hochgiftig und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, das Nerven- und Immunsystem zu schädigen sowie die Zeugungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Typische Fundorte sind dauerelastische Fugenmassen, insbesondere in Fertigteilbauten, aber auch in bestimmten Lacken, Anstrichen, Kondensatoren in Leuchtstofflampen und Transformatoren. Eine Sanierung ist oft aufwendig, da die PCB auch in angrenzende Bauteile diffundieren können.
- —Elastische Fugen in Beton-Fertigteilen (Plattenbauten).
- —Bestimmte Wand- und Deckenanstriche der 1960er bis 1980er Jahre.
- —Als Weichmacher in Kunststoffen und Dichtungsmaterialien.
- —In alten Transformatoren und Kondensatoren von Elektrogeräten.
Formaldehyd: Der stechende Geruch aus Holzwerkstoffen
Formaldehyd ist eine chemische Verbindung, die bis in die 1980er Jahre hinein广泛 in Bau- und Möbelmaterialien, insbesondere in Holzwerkstoffen wie Spanplatten, Sperrholz oder Faserplatten, zu finden war. Es wurde als Bindemittel in den Harzen verwendet. Formaldehyd ist bekannt für seinen stechenden Geruch und kann schon in geringen Konzentrationen Augen, Atemwege und Haut reizen. Langfristig wird es als krebserregend eingestuft. Die Ausgasung ist oft in den ersten Jahren am höchsten und nimmt dann ab, kann aber bei höheren Temperaturen oder Feuchtigkeit wieder zunehmen. Gute Belüftung ist hier die erste Maßnahme zur Reduzierung der Belastung.
- —Spanplatten für Möbel, Wandverkleidungen, Decken.
- —Verleimte Holzprodukte (Sperrholz, Faserplatten).
- —Bestimmte Dämmstoffe aus Mineralfasern (ältere Produkte).
- —Klebstoffe für Teppichböden.
PAK: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Altlasten
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind eine Gruppe chemischer Verbindungen, die als Nebenprodukte bei unvollständigen Verbrennungsprozessen entstehen. Sie wurden jedoch auch bewusst in Baustoffen eingesetzt. Am häufigsten trifft man auf PAK in teerhaltigen Produkten, wie beispielsweise Teerkorkplatten, Teerpappe oder dem Kleber für Parkett- oder PVC-Böden (oft 'Schwarzteerpech' genannt). PAK sind krebserregend, mutagen und reproduktionstoxisch. Die Freisetzung erfolgt durch Abrieb oder Austrocknung der Materialien. Besonders kritisch sind Teerkleber unter Bodenbelägen, die über Jahre hinweg PAK in die Raumluft emittieren können.
- —Teerhaltige Klebstoffe unter Parkett oder PVC-Böden (schwarzer Kleber).
- —Teerpappe für Dachabdichtungen oder als Feuchtigkeitssperre.
- —Teerhaltige Anstriche im Kellerbereich.
- —Teerkorkplatten als Dämmung.
Schimmelpilze: Unsichtbare Gefahr durch Feuchtigkeit
Schimmelpilze sind biologische Schaderreger und stellen eine häufige Problematik in Altbauten dar, oft verursacht durch bauphysikalische Mängel oder falsches Nutzerverhalten in Bezug auf Lüften und Heizen. Sie gedeihen überall dort, wo ausreichend Feuchtigkeit und ein organisches Nährmedium vorhanden sind. Schimmel ist nicht nur optisch störend, sondern kann auch zu erheblichen gesundheitlichen Beschwerden führen, darunter Atemwegserkrankungen, Allergien, Hautreizungen und Kopfschmerzen. Wichtig ist es, nicht nur den sichtbaren Schimmel zu entfernen, sondern vor allem die Ursache der Feuchtigkeit dauerhaft zu beseitigen. Häufige Ursachen sind undichte Dächer, Wasserschäden, aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich oder Kondenswasserbildung an Wärmebrücken.
- —Dunkle Flecken an Wänden, Decken, in Ecken und hinter Möbeln.
- —Moderiger oder erdiger Geruch im Raum.
- —Verfärbungen an Tapeten, Putz oder Silikonfugen.
- —Feuchte Stellen an Bauteilen, besonders nach Wasserschäden.
Mineralfasern: Künstliche Stoffe mit Risikopotenzial
Künstliche Mineralfasern (KMF) wurden und werden als Dämmstoffe (z.B. Glaswolle, Steinwolle) eingesetzt. Während moderne Produkte biolöslich sind und als unbedenklich gelten, können ältere KMF-Produkte (hergestellt bis etwa 1995/1996) feine, lungengängige Fasern freisetzen, die als potenziell krebserregend eingestuft werden. Die Gefahr besteht vor allem bei der Bearbeitung oder Beschädigung der Dämmmaterialien, wenn Fasern in die Raumluft gelangen. Optisch sind bedenkliche von unbedenklichen KMF oft nicht zu unterscheiden, sodass bei Sanierungsarbeiten an Dämmmaterial älterer Gebäude Vorsicht geboten ist und eine Materialanalyse sinnvoll sein kann.
- —Dämmungen in Dachschrägen, Zwischensparren.
- —Hohlraumdämmungen in Wänden.
- —Dämmungen an Rohrleitungen und Lüftungskanälen.
- —Akustikplatten und Brandschutzbekleidungen.
Schwermetalle: Blei und Cadmium in älteren Materialien
Schwermetalle wie Blei und Cadmium wurden in der Vergangenheit in verschiedenen Baustoffen verwendet. Bleirohre zur Trinkwasserinstallation sind ein klassisches Beispiel aus Altbauten, insbesondere vor 1973 verlegt. Blei kann ins Trinkwasser gelangen und zu Gesundheitsschäden, insbesondere bei Kindern (Entwicklungsstörungen) und Schwangeren führen. Cadmium wurde unter anderem in Pigmenten für Farben und Lacke sowie in PVC-Produkten als Stabilisator eingesetzt. Auch wenn die Exposition im Wohnraum meist geringer ist als bei Blei im Wasser, können diese Metalle bei Renovierungsarbeiten durch Staub freigesetzt werden. Eine Analyse des Trinkwassers ist bei Bleiverdacht dringend anzuraten.
- —Bleirohre für die Trinkwasserinstallation (vor ca. 1973).
- —Bleihaltige Farben und Lacke (oft auf Metallbauteilen).
- —Cadmium in Pigmenten und als Stabilisator in älterem PVC.
- —Manchmal in Dachabdeckungen und Fensterrahmen (Blech).
Professionelle Erkennung und Sanierung
Die eigenständige Identifizierung von Schadstoffen ist für Laien oft schwierig und birgt Risiken. Eine professionelle Schadstoffanalyse durch Sachverständige für Immobilien oder spezialisierte Labore ist daher in vielen Fällen unerlässlich. Diese können Materialproben entnehmen und analysieren oder Raumluftmessungen durchführen. Die Kosten für eine solche Untersuchung variieren stark je nach Umfang und den zu analysierenden Stoffen. Eine umfassende Begehung mit orientierenden Materialanalysen kann zum Beispiel zwischen einigen Hundert bis zu mehreren Tausend Euro liegen, je nach Gebäudegröße und Detailtiefe. Die Sanierung selbst muss dann von zertifizierten Fachbetrieben unter Einhaltung strenger Schutzvorschriften durchgeführt werden. Unsachgemäße Sanierungsversuche können die Gefahr der Schadstofffreisetzung massiv erhöhen.
- —Beauftragung eines anerkannten Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe.
- —Gezielte Materialprobenahme und Laboranalyse.
- —Raumluftmessungen zur Bestimmung der aktuellen Belastung.
- —Erstellung eines Sanierungskonzepts durch Fachplaner.
- —Beauftragung zertifizierter Sanierungsunternehmen für die fachgerechte Entfernung.
Fazit
Der Kauf oder die Sanierung eines Altbaus kann eine lohnende Investition sein, birgt aber auch das Potenzial für unerwünschte Schadstoffbelastungen. Eine frühzeitige und gründliche Untersuchung durch Fachleute ist der beste Weg, um potenzielle Risiken zu identifizieren, sich und seine Familie zu schützen und die langfristige Werthaltigkeit der Immobilie zu sichern. Das Wissen über die typischen Schadstoffe in Altbauten und die richtigen Schritte zur Erkennung und Sanierung ermöglicht eine informierte Entscheidungsfindung und trägt maßgeblich zu einem gesunden und sicheren Wohnklima bei.

