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Kurzzeitvermietung über Plattformen: Kosten im Überblick

Kurzzeitvermietung über Plattformen lohnt sich nur, wenn alle Kosten im Blick sind – von Provisionen über Steuern bis zu Nebenkosten und Versicherungen.

8 min Lesezeit
Kurzzeitvermietung über Plattformen: Kosten im Überblick

Die Kurzzeitvermietung über Online-Plattformen wie Airbnb, Booking oder ähnliche Marktplätze hat sich in den vergangenen Jahren zu einer attraktiven Ergänzung oder sogar Hauptquelle für Mieteinnahmen entwickelt. Besonders in Städten mit hohem Touristen- oder Geschäftsreiseaufkommen können Eigentümer mit Ferienwohnungen, Zweitwohnungen oder einzelnen Zimmern deutlich höhere Einnahmen erzielen als mit einer klassischen Dauer-Mietvertragsvermietung. Doch hinter den oft verlockenden Bruttobeträgen verbergen sich zahlreiche Kostenfaktoren, die die tatsächliche Rendite erheblich schmälern können. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, lohnt sich ein genauer Blick auf alle Ausgaben – von der Plattformprovision über Steuern bis hin zu Versicherungen, Nebenkosten und Aufwendungen für Ausstattung und Pflege.

1. Plattformgebühren und Provisionen

Die wohl offensichtlichste Kostenkomponente bei der Kurzzeitvermietung sind die Gebühren der jeweiligen Plattform. Diese können je nach Anbieter und Modell als Gastgebühren, Servicegebühren oder Provisionen ausgewiesen werden und liegen in der Regel im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich des Mietpreises. Teilweise werden die Gebühren vom Gast getragen, teilweise vom Gastgeber – oder es gilt eine Mischform. Für die Kalkulation der tatsächlichen Nettoeinnahmen ist es daher entscheidend, zu prüfen, ob die angezeigten Preise bereits netto für den Vermieter sind oder ob noch Abzüge erfolgen.

Ein Beispiel: Wird eine Ferienwohnung für 100 Euro pro Nacht angeboten und die Plattform zieht 15 Prozent als Servicegebühr, verbleiben 85 Euro pro Nacht für den Vermieter. Bei 20 Miettagen im Monat wären das 1.700 Euro statt 2.000 Euro Brutto. Hinzu kommen können weitere Gebühren, etwa für zusätzliche Services wie professionelle Fotos, Premium-Listings oder Werbemaßnahmen. Diese Zusatzleistungen können die Sichtbarkeit erhöhen, schlagen aber zusätzlich auf die Kosten zu.

  • Plattformprovisionen in der Regel zwischen 3 und 15 Prozent des Mietpreises
  • Teilweise getrennte Gebühren für Gast und Gastgeber
  • Zusatzkosten für Premium-Features, Fotos oder Werbung
  • Wichtig: Immer den Nettoerlös pro Nacht kalkulieren, nicht den Brutto-Listenpreis

2. Steuern und Abgaben

Einnahmen aus der Kurzzeitvermietung unterliegen in der Regel der Einkommensteuer. Je nach Nutzungsdauer, Eigentumsverhältnissen und weiteren Einkünften kann die Vermietung als gewerblich oder als privater Vermietungsbetrieb eingestuft werden. Gewerbliche Vermietung bedeutet in der Regel, dass die Einnahmen als Einkünfte aus Gewerbebetrieb gelten und zusätzlich zur Einkommensteuer auch Gewerbesteuer anfällt. Bei privater Vermietung werden die Einnahmen als sonstige Einkünfte behandelt, wobei Freibeträge und bestimmte Grenzen gelten können.

Zusätzlich zur Einkommensteuer kann die Umsatzsteuer eine Rolle spielen. Für die Vermietung von Wohnraum gilt in Deutschland grundsätzlich die umsatzsteuerliche Befreiung, wenn es sich um eine Wohnraumvermietung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes handelt. Bei reinen Ferienwohnungen oder wenn die Vermietung gewerblich betrieben wird, kann die Umsatzsteuerpflicht bestehen. In diesem Fall muss der Vermieter die Umsatzsteuer an die Gäste weiterberechnen und an das Finanzamt abführen. Für die genaue Einordnung ist eine individuelle Prüfung oder eine Beratung durch einen Steuerberater sinnvoll.

  • Einkommensteuer auf Vermietungseinnahmen, je nach Einstufung als gewerblich oder privat
  • Mögliche Gewerbesteuer bei gewerblicher Vermietung
  • Umsatzsteuerpflicht je nach Art der Wohnung und Nutzung
  • Wichtig: Vorab klären, ob ein Gewerbe angemeldet werden muss und welche Steuern anfallen

3. Versicherungen und Haftung

Bei der Kurzzeitvermietung steigt das Risiko von Schäden, Unfällen oder Haftungsfällen, da die Wohnung häufiger gewechselt wird und die Nutzer nicht bekannt sind. Daher ist eine sorgfältige Absicherung unerlässlich. Eine klassische Hausratversicherung deckt in der Regel nur den regulären Wohnbetrieb ab und schließt gewerbliche oder häufige Vermietungen aus. Für Kurzzeitvermietungen ist daher eine spezielle Vermieterversicherung oder eine Zusatzversicherung für Ferienwohnungen sinnvoll.

Zusätzlich sollte eine Haftpflichtversicherung vorhanden sein, die auch bei Schäden an Dritten oder an der Immobilie im Rahmen der Vermietung greift. In einigen Fällen kann auch eine Gebäudeversicherung angepasst werden müssen, wenn die Nutzung als Ferienwohnung die Risikobewertung verändert. Die Kosten für diese Versicherungen variieren je nach Objektgröße, Lage und gewähltem Deckungsumfang, liegen aber in der Regel im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich pro Jahr.

  • Spezielle Vermieterversicherung oder Ferienwohnungsversicherung statt klassischer Hausratversicherung
  • Haftpflichtversicherung mit Deckung für Vermietungsschäden
  • Prüfung der Gebäudeversicherung auf mögliche Risikoerhöhung
  • Jährliche Versicherungsbeiträge als feste Kostenposition einplanen

4. Nebenkosten und Betriebskosten

Im Gegensatz zur klassischen Dauer-Mietvermietung, bei der viele Nebenkosten auf den Mieter umgelegt werden, trägt der Vermieter bei der Kurzzeitvermietung in der Regel einen Großteil der laufenden Kosten selbst. Dazu gehören insbesondere Energiekosten (Strom, Gas, Wasser), Heizung, Müllentsorgung sowie ggf. Internet, Kabel-TV und andere Serviceleistungen. Je nach Auslastung und Nutzung kann der Energieverbrauch durch häufige Belegung deutlich höher liegen als bei einer regulären Wohnung.

Ein Beispiel: Eine Ferienwohnung mit durchschnittlich 20 Miettagen pro Monat und einem erhöhten Verbrauch an Strom und Warmwasser kann im Jahr deutlich höhere Energiekosten verursachen als eine dauerhaft vermietete Wohnung mit gleichem Grundverbrauch. Zusätzlich können Kosten für Reinigung, Wartung und kleinere Reparaturen anfallen, die ebenfalls vom Vermieter getragen werden. Diese Positionen sollten in der Kalkulation als variable, aber regelmäßige Ausgaben berücksichtigt werden.

  • Energiekosten (Strom, Gas, Wasser) meist vom Vermieter getragen
  • Heizung, Müllentsorgung und ggf. Internet als laufende Betriebskosten
  • Höhere Verbrauchswerte durch häufige Belegung möglich
  • Reinigung, Wartung und kleinere Reparaturen als zusätzliche Betriebskosten

5. Ausstattung, Einrichtung und Pflege

Für eine erfolgreiche Kurzzeitvermietung ist eine ansprechende und funktionale Ausstattung unerlässlich. Dazu gehören nicht nur Möbel und Haushaltsgeräte, sondern auch Bettwäsche, Handtücher, Küchenutensilien, WLAN, ggf. Parkplätze oder Fahrräder. Die Anschaffungskosten für eine vollständige Einrichtung können je nach Objektgröße und Ausstattungsstandard schnell in den mittleren bis hohen vierstelligen Bereich gehen. Diese Investitionen sind zwar nicht laufend, aber sie müssen in die Gesamtkalkulation einfließen, da sie die Grundlage für die Vermietbarkeit bilden.

Darüber hinaus entstehen laufende Kosten für die Pflege der Ausstattung: Waschen von Bettwäsche und Handtüchern, Ersatz von verschlissenen oder beschädigten Gegenständen, Reinigung der Wohnung zwischen den Mietperioden. Wer diese Arbeiten nicht selbst übernimmt, muss Reinigungsdienste oder Serviceanbieter beauftragen, was zusätzliche monatliche oder pro Buchung anfallende Kosten verursacht. Eine saubere, gut gepflegte Wohnung erhöht die Bewertungen und die Auslastung, schlägt aber auch auf die Kosten zu.

  • Anschaffungskosten für Möbel, Haushaltsgeräte und Ausstattung
  • Bettwäsche, Handtücher, Küchenutensilien und WLAN als Standard
  • Laufende Kosten für Reinigung, Wartung und Ersatz von Verschleißteilen
  • Möglichkeit von Servicekosten für Reinigungsdienste oder Hausmeister

6. Marketing, Buchungsmanagement und Service

Neben den direkten Kosten für die Plattform und die Ausstattung entstehen auch indirekte Aufwendungen für Marketing, Buchungsmanagement und Service. Dazu gehören beispielsweise Zeit und ggf. Honorare für die Erstellung von Texten und Fotos, die Pflege der Inserate, die Beantwortung von Anfragen und die Koordination von Schlüsselübergaben oder Check-ins. Wer diese Aufgaben selbst übernimmt, spart Geld, investiert aber Zeit und Arbeitskraft. Wer externe Dienstleister beauftragt, erhält Unterstützung, muss dafür aber Provisionen oder Stundensätze zahlen.

Ein Beispiel: Ein professioneller Fotograf für hochwertige Aufnahmen der Wohnung kann einmalig einige Hundert Euro kosten, erhöht aber die Attraktivität des Inserats und damit die Auslastung. Ein Vermietungsmanagement-Service, der Buchungen, Kommunikation und Reinigung koordiniert, kann monatlich oder pro Buchung eine Gebühr erheben. Diese Kosten müssen gegen die erwartete Steigerung der Auslastung und der Mietpreise abgewogen werden.

  • Kosten für Fotos, Texte und Inseratpflege
  • Zeitaufwand oder Honorare für Buchungsmanagement und Kommunikation
  • Möglichkeit von Vermietungsmanagement- oder Concierge-Services
  • Kosten-Nutzen-Abwägung: Eigenleistung vs. externe Dienstleister

7. Rechtliche Rahmenbedingungen und Genehmigungen

Bevor eine Wohnung überhaupt über Plattformen angeboten werden kann, müssen rechtliche Rahmenbedingungen geprüft werden. In vielen Städten gelten Beschränkungen oder Verbote für die Kurzzeitvermietung, insbesondere in Wohngebieten. Teilweise ist eine Genehmigung der zuständigen Behörde erforderlich, oder es müssen bestimmte Auflagen erfüllt werden, etwa zur Lärmbelästigung, Müllentsorgung oder Sicherheit. Verstöße gegen diese Vorschriften können zu Bußgeldern oder der Sperrung der Wohnung führen.

Zusätzlich können Hausordnungen oder Eigentümergemeinschaften Einschränkungen vorsehen. In Eigentumswohnungen kann die Vermietung an Feriengäste ausgeschlossen oder nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt sein. Wer gegen diese Regelungen verstößt, riskiert Abmahnungen oder Schadensersatzansprüche. Die Prüfung dieser rechtlichen Rahmenbedingungen kann Zeit und ggf. Beratungskosten verursachen, ist aber ein notwendiger Schritt, um spätere Probleme zu vermeiden.

  • Prüfung kommunaler Vorschriften und Genehmigungspflichten
  • Mögliche Beschränkungen durch Hausordnungen oder Eigentümergemeinschaften
  • Risiko von Bußgeldern oder rechtlichen Konsequenzen bei Verstößen
  • Notwendigkeit rechtlicher oder kommunaler Beratung vor Aufnahme der Vermietung

8. Auslastung, saisonale Schwankungen und Leerstand

Ein entscheidender Faktor für die Rentabilität der Kurzzeitvermietung ist die tatsächliche Auslastung. Während in touristischen Hochburgen die Auslastung über das Jahr relativ stabil sein kann, gibt es in vielen Regionen starke saisonale Schwankungen. In der Nebensaison kann die Auslastung deutlich sinken, was die Einnahmen reduziert, während die meisten Kosten weiterhin anfallen. Leerstand bedeutet in diesem Fall reine Kosten ohne Gegenleistung.

Ein Beispiel: Eine Ferienwohnung, die im Sommer 80 Prozent ausgelastet ist, aber im Winter nur 20 Prozent, erzielt über das Jahr deutlich weniger Einnahmen als eine Wohnung mit gleichmäßig hoher Auslastung. Um die Rentabilität zu sichern, muss daher nicht nur der durchschnittliche Mietpreis, sondern auch die erwartete Auslastung realistisch kalkuliert werden. Dazu gehören auch Puffer für unvorhergesehene Leerstände, etwa durch Umbauten, Sanierungen oder unerwartete Reparaturen.

  • Saisonale Schwankungen der Auslastung je nach Lage und Nutzung
  • Leerstand führt zu laufenden Kosten ohne Einnahmen
  • Realistische Auslastungsannahmen in die Kalkulation einbeziehen
  • Puffer für unvorhergesehene Leerstände und Ausfälle planen

Fazit

Die Kurzzeitvermietung über Plattformen kann eine lukrative Ergänzung oder sogar eine Hauptquelle für Mieteinnahmen sein, setzt aber eine sorgfältige Kalkulation aller Kosten voraus. Neben den offensichtlichen Plattformgebühren spielen Steuern, Versicherungen, Nebenkosten, Ausstattung, Pflege und rechtliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Wer diese Faktoren im Blick behält und realistische Annahmen zur Auslastung trifft, kann die tatsächliche Rendite der Kurzzeitvermietung besser einschätzen und fundierte Entscheidungen treffen. Eine detaillierte Aufstellung der erwarteten Einnahmen und Ausgaben pro Jahr hilft dabei, zu prüfen, ob sich die Vermietung über Plattformen für die jeweilige Immobilie tatsächlich lohnt.

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