← Ratgeber

Kreditwürdigkeit verbessern vor dem Immobilienkauf

Die Kreditwürdigkeit ist entscheidend für den Immobilienkauf. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Bonität vor dem Hauskauf gezielt verbessern können, um bessere Konditionen zu erhalten.

7 min Lesezeit
Kreditwürdigkeit verbessern vor dem Immobilienkauf

Für viele Menschen ist der Erwerb einer Immobilie die größte Investition ihres Lebens. Doch bevor der Traum vom Eigenheim Wirklichkeit werden kann, steht eine wichtige Hürde an: die Finanzierungszusage der Bank. Diese hängt maßgeblich von der Kreditwürdigkeit, auch Bonität genannt, des potenziellen Käufers ab. Eine gute Bonität signalisiert den Kreditgebern, dass der Darlehensnehmer in der Lage ist, die monatlichen Raten zuverlässig zu begleichen. Wer seine Kreditwürdigkeit vorab gezielt verbessert, hat nicht nur größere Chancen auf eine Finanzierungszusage, sondern kann auch von besseren Konditionen profitieren, beispielsweise einem niedrigeren Zinssatz. Dieser Ratgeber beleuchtet umfassend, welche Faktoren die Bonität beeinflussen und welche konkreten Schritte Eigentumsinteressenten unternehmen können, um ihre Kreditwürdigkeit vor dem Immobilienkauf zu optimieren.

Was ist Kreditwürdigkeit und warum ist sie wichtig?

Die Kreditwürdigkeit ist eine Einschätzung der Fähigkeit und des Willens eines Kreditnehmers, seinen finanziellen Verpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Banken und andere Kreditinstitute nutzen diese Bewertung, um das Risiko eines Kreditausfalls zu beurteilen. Je höher die Kreditwürdigkeit, desto geringer das Risiko für den Kreditgeber und desto attraktiver sind in der Regel die angebotenen Kreditkonditionen. Bei einer Immobilienfinanzierung, die oft über Jahrzehnte läuft und hohe Summen umfasst, ist die Bonität von entscheidender Bedeutung. Sie entscheidet nicht nur darüber, ob ein Kredit überhaupt vergeben wird, sondern auch über die Höhe des möglichen Darlehens und den zu zahlenden Zinssatz. Ein Unterschied von wenigen Zehntelprozentpunkten beim Zins kann über die Jahre hinweg Zehntausende von Euro an Mehrkosten bedeuten.

Die Kreditwürdigkeit setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen: der persönlichen und der wirtschaftlichen Kreditwürdigkeit. Die persönliche Kreditwürdigkeit beurteilt den Charakter und die Zuverlässigkeit des Kreditnehmers, während die wirtschaftliche Kreditwürdigkeit die finanzielle Leistungsfähigkeit, also Einkommen und Vermögen, betrachtet.

Die Schufa-Auskunft: Ihr digitaler Bonitäts-Fingerabdruck

Ein zentraler Baustein der Kreditwürdigkeitsprüfung in Deutschland ist die Schufa-Auskunft. Die Schufa Holding AG sammelt und speichert Daten über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern. Dazu gehören Informationen über Girokonten, Kreditkarten, Ratenkredite, Leasingverträge, Mobilfunkverträge oder auch Online-Bestellungen auf Rechnung. Diese Daten werden zu einem sogenannten Schufa-Score zusammengefasst, der die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in Prozent angibt. Ein hoher Score signalisiert eine gute Bonität, ein niedriger Score deutet auf ein höheres Risiko hin.

  • Jeder Verbraucher hat das Recht auf eine kostenlose Datenkopie seiner Schufa-Daten nach Art. 15 DSGVO einmal pro Jahr. Dies sollte vor einem Immobilienvorhaben unbedingt genutzt werden.
  • Prüfen Sie alle Einträge sorgfältig auf Richtigkeit. Falsche oder veraltete Einträge können Ihre Bonität ungerechtfertigt verschlechtern.
  • Basierend auf den Informationen in Ihrer Selbstauskunft können Sie gezielt an der Verbesserung Ihres Scores arbeiten.

Wichtig ist, dass die Schufa keine Informationen über Einkommen, Vermögen oder den Besitz von Immobilien speichert. Sie liefert lediglich eine Einschätzung des bisherigen Zahlungsverhaltens. Dennoch ist der Schufa-Score für Kreditgeber ein wichtiges Indiz und kann maßgeblich darüber mitentscheiden, ob eine Finanzierung bewilligt wird.

Einkommen und Beschäftigungsverhältnis: Stabilität zählt

Das Einkommen ist im Rahmen der wirtschaftlichen Kreditwürdigkeit der vielleicht wichtigste Faktor. Banken möchten sicherstellen, dass die monatlichen Kreditraten problemlos aus dem laufenden Einkommen bedient werden können. Ein hohes, stabiles und sicheres Einkommen verbessert die Bonität erheblich. Hierbei spielen nicht nur die Höhe des Gehalts, sondern auch die Art des Beschäftigungsverhältnisses eine Rolle. Festangestellte mit unbefristeten Arbeitsverträgen werden in der Regel positiver bewertet als Selbstständige oder Personen mit befristeten Verträgen.

  • Unbefristetes Arbeitsverhältnis: Dies ist der Idealfall für Kreditgeber, da es Planungssicherheit bietet.
  • Ausreichendes und regelmäßiges Nettoeinkommen: Das Gehalt sollte die monatliche Belastung durch den Kredit und die Lebenshaltungskosten decken.
  • Nebenverdienste und Kapitalerträge: Können das Einkommen aufbessern, müssen aber sicher und nachweisbar sein.

Für Selbstständige ist die Finanzierung oft schwieriger, da ihr Einkommen stärker schwanken kann. Sie müssen meist detailliertere Nachweise über ihre Einnahmen der letzten Jahre (oft drei Jahre) erbringen und höhere Eigenkapitalanteile vorweisen, um ihre Bonität zu untermauern. Auch Nebeneinkünfte, beispielsweise Mieteinnahmen aus einer vermieteten Immobilie oder Kapitalerträge aus Wertpapieren, können die Kreditwürdigkeit positiv beeinflussen, sofern sie regelmäßig und nachweisbar sind.

Eigenkapital: Das Fundament Ihrer Finanzierung

Eigenkapital ist das Geld, das der Kaufinteressent selbst in die Finanzierung einbringt und nicht von der Bank leiht. Es reduziert nicht nur die Höhe des benötigten Darlehens und damit die monatliche Belastung, sondern signalisiert der Bank auch ein geringeres Risiko. Je mehr Eigenkapital ein Käufer mitbringt, desto solider erscheint seine Finanzplanung. Als Faustregel gilt, dass mindestens die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten, Maklerprovision) aus eigener Tasche bezahlt werden sollten. Diese können in Deutschland je nach Bundesland 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen.

Experten empfehlen, idealerweise 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital aufzubringen, um besonders günstige Konditionen zu erhalten. Hohes Eigenkapital stärkt nicht nur Ihre Verhandlungsposition bei der Bank, es schützt Sie auch vor zu hohen Zinsbelastungen und gibt Ihnen finanziellen Spielraum. Es ist das beste Argument, um der Bank Ihre Kreditwürdigkeit zu demonstrieren und Ihr persönliches Risiko zu minimieren.

Finanzielle Verpflichtungen abbauen: Eine Lastenreduktion

Bestehende finanzielle Verpflichtungen können Ihre Kreditwürdigkeit erheblich mindern, da sie Ihr verfügbares Einkommen reduzieren und somit Ihre Fähigkeit, neue Darlehen zu bedienen. Dazu gehören nicht nur andere Kredite wie Ratenkredite für ein Auto oder Konsumentendarlehen, sondern auch Leasingverträge, Unterhaltszahlungen oder Bürgschaften. Bevor Sie den Prozess der Immobilienfinanzierung starten, ist es ratsam, so viele dieser Verpflichtungen wie möglich zu reduzieren oder ganz abzubauen.

  • Kleinere Ratenkredite oder Kreditrahmen können oft vorzeitig getilgt werden.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit, nicht mehr benötigte Kreditkarten zu kündigen, um das Potenzial für eine hohe Verschuldung zu reduzieren.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Girokonten keine Überziehungen aufweisen. Ein dauerhaft überzogenes Konto wird von Banken negativ bewertet.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies: Angenommen, Sie haben einen Autokredit mit einer monatlichen Rate von 250 Euro und ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro. Ohne diesen Kredit stehen Ihnen 2.500 Euro für die Immobilienrate zur Verfügung. Mit dem Autokredit reduziert sich dieser Betrag auf 2.250 Euro, was sich signifikant auf die maximal mögliche Darlehenshöhe auswirkt. Die Bank kalkuliert Ihre individuelle Tragfähigkeit basierend auf dem 'frei verfügbaren' Einkommen. Jeder Euro, der bereits für andere Verpflichtungen gebunden ist, fehlt Ihnen bei der Berechnung Ihrer maximalen Kreditrate für die Immobilie.

Umsichtiges Zahlungsverhalten und Finanzen organisieren

Ein konsistentes und umsichtiges Zahlungsverhalten ist ein klares Indiz für finanzielle Zuverlässigkeit. Dies bedeutet, dass Rechnungen und Kreditraten immer pünktlich beglichen werden und keine Mahnungen oder Inkassoverfahren auftreten. Solche Negativmerkmale werden in der Schufa und anderen Auskunfteien gespeichert und können Ihre Bonität für mehrere Jahre stark beeinträchtigen.

Darüber hinaus sollten Sie Ihre Finanzen transparent und nachvollziehbar organisieren. Sammeln Sie alle relevanten Unterlagen, die für eine Kreditprüfung notwendig sind, wie Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, Steuerbescheide und bestehende Kreditverträge. Eine gut geführte Einnahmen-Überschuss-Rechnung (für Selbstständige) oder eine detaillierte Aufstellung aller Ausgaben für Angestellte kann ebenfalls hilfreich sein, um den Bankberater von Ihrer finanziellen Disziplin zu überzeugen.

  • Zahlen Sie Rechnungen und Raten stets pünktlich, um Negativmerkmale zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie häufige Girokonto-Überziehungen oder ungedeckte Lastschriften.
  • Führen Sie Buch über Ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben, um einen klaren Überblick zu haben.
  • Halten Sie wichtige Finanzdokumente immer aktuell und griffbereit, um den Antragsprozess zu beschleunigen.

Frühzeitige Beratung und Planung

Beginnen Sie so früh wie möglich mit der Vorbereitung auf den Immobilienkauf, idealerweise ein bis zwei Jahre vor dem geplanten Kauf. Eine frühzeitige und umfassende Beratung durch einen unabhängigen Finanzierungsberater oder bei Ihrer Hausbank kann Ihnen helfen, potenzielle Schwachstellen in Ihrer Bonität zu identifizieren und konkrete Maßnahmen zu deren Behebung zu ergreifen. Ein Experte kann Ihre finanzielle Situation objektiv beurteilen, Sie über Fördermöglichkeiten informieren und Ihnen realistische Einschätzungen zur maximal möglichen Darlehenshöhe geben.

Im Rahmen dieser Beratung können Sie auch die Frage klären, welche Dokumente die Bank genau benötigt und welche weiteren Aspekte zur Stärkung der Bonität beitragen können, wie zum Beispiel Lebensversicherungen oder Bausparverträge, die als Sicherheiten dienen können. Eine gute Planung nimmt Ihnen nicht nur Stress ab, sondern erhöht auch Ihre Chancen auf die Wunschimmobilie zu den bestmöglichen Konditionen.

Fazit

Die Verbesserung der Kreditwürdigkeit vor einem Immobilienkauf ist eine Investition, die sich in jedem Fall auszahlt. Sie erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kreditantrag bewilligt wird, sondern ermöglicht Ihnen auch den Zugang zu günstigeren Zinskonditionen, wodurch Sie über die Laufzeit des Darlehens erhebliche finanzielle Vorteile erzielen können. Durch das Prüfen der Schufa-Auskunft, den Aufbau von Eigenkapital, den Abbau bestehender Schulden und ein diszipliniertes Finanzmanagement legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Immobilienfinanzierung. Eine frühzeitige und umfassende Planung sowie die Inanspruchnahme professioneller Beratung sind dabei entscheidende Schritte auf dem Weg zum Eigenheim. Wer diese Aspekte berücksichtigt, steht bei den Verhandlungen mit der Bank auf einer deutlich stärkeren Position und kann dem Traum von den eigenen vier Wänden gelassen entgegenblicken.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München