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Immobilienkredite vergleichen – Die wichtigsten Kriterien

Der Immobilienkreditvergleich ist entscheidend für den Hauserwerb. Dieser Ratgeber beleuchtet die wichtigsten Kriterien für die Auswahl der passenden Finanzierung und zeigt, wie man Fallstricke vermeidet.

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Immobilienkredite vergleichen – Die wichtigsten Kriterien

Der Kauf einer Immobilie ist für viele Menschen die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Entscheidung ist die Immobilienfinanzierung. Angesichts der komplexen Angebote auf dem Markt ist es unerlässlich, verschiedene Immobilienkredite sorgfältig zu vergleichen. Ein umfassender Vergleich ermöglicht es potenziellen Käufern, nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch eine Finanzierung zu finden, die optimal auf die individuellen Bedürfnisse und die persönliche Lebenssituation zugeschnitten ist. Die Wahl des richtigen Kredits kann über Jahrzehnte hinweg erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Dieser Ratgeber beleuchtet die wichtigsten Kriterien, die Kaufinteressenten beim Vergleich von Immobilienkrediten berücksichtigen sollten, und gibt praktische Hilfestellungen für eine fundierte Entscheidung.

Der Sollzinssatz und der Effektivzinssatz

Zentraler Bestandteil jedes Kreditvergleichs sind die Zinskonditionen. Hierbei ist es wichtig, zwischen dem Sollzinssatz und dem Effektivzinssatz zu unterscheiden. Der Sollzinssatz, oft auch Nominalzinssatz genannt, gibt den reinen Zinssatz an, den das Kreditinstitut für die Überlassung des Kapitals verlangt. Er berücksichtigt keine weiteren Kosten, die im Zusammenhang mit dem Kredit entstehen.

Der Effektivzinssatz hingegen ist die aussagekräftigere Kennzahl, da er über den reinen Sollzinssatz hinaus weitere Kostenbestandteile der Finanzierung berücksichtigt. Dazu gehören zum Beispiel Bearbeitungsgebühren, die bei einigen Banken anfallen können – obwohl diese für klassische Immobiliendarlehen in Deutschland seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs im Jahr 2014 unzulässig sind – sowie zum Teil Kosten für die Schätzung der Immobilie oder Kontoführungsgebühren und eventuell ein Disagio. Das Disagio, auch als Damnum bekannt, ist eine Vorauszahlung von Zinsen. Wird ein Disagio vereinbart, zahlt der Kreditnehmer zu Beginn der Darlehenslaufzeit einen bestimmten Prozentsatz des Kreditbetrages an die Bank, erhält dafür aber einen niedrigeren Sollzinssatz über die gesamte Zinsbindungsfrist. Der Effektivzinssatz ermöglicht einen realistischeren Vergleich der Gesamtkosten eines Kredits über die Zinsbindungsdauer hinweg. Es ist daher ratsam, immer den Effektivzinssatz als Vergleichsbasis heranzuziehen.

  • Sollzinssatz: Reiner Zinssatz für das geliehene Kapital.
  • Effektivzinssatz: Berücksichtigt Sollzins und zusätzliche Kosten, relevanter für den Vergleich.
  • Achten Sie auf mögliche Gebühren oder ein Disagio, die den Effektivzins beeinflussen.

Die Zinsbindungsfrist

Die Zinsbindungsfrist, auch Sollzinsbindungsfrist genannt, bezeichnet den Zeitraum, für den der vereinbarte Sollzinssatz festgeschrieben ist. Nach Ablauf dieser Frist wird in der Regel eine Anschlussfinanzierung benötigt, bei der neue Zinskonditionen mit der Bank verhandelt oder zu einem anderen Anbieter gewechselt werden muss. Die Länge der Zinsbindung hat erhebliche Auswirkungen auf die Planbarkeit der monatlichen Raten und das Zinsänderungsrisiko.

In Phasen niedriger Zinsen kann eine lange Zinsbindung (z.B. 10, 15 oder 20 Jahre) sinnvoll sein, um sich die günstigen Konditionen langfristig zu sichern. Dies bietet Planungssicherheit, da die monatliche Rate über einen langen Zeitraum konstant bleibt. In Zeiten höherer Zinsen oder bei Erwartung sinkender Zinsen könnte eine kürzere Zinsbindung (z.B. 5 Jahre) vorteilhafter sein, um bei der Anschlussfinanzierung von möglicherweise niedrigeren Sätzen zu profitieren. Allerdings birgt dies das Risiko, dass die Zinsen bis dahin weiter steigen. Die Entscheidung für eine bestimmte Zinsbindungsfrist hängt maßgeblich von der persönlichen Risikobereitschaft und der individuellen Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung ab. Ein Kompromiss kann eine Zinsbindung sein, die einen Mittelweg darstellt und sowohl Planbarkeit als auch Flexibilität ermöglicht.

  • Kurze Zinsbindung: Mehr Flexibilität, höheres Zinsänderungsrisiko.
  • Lange Zinsbindung: Hohe Planungssicherheit, guter Schutz vor Zinsanstieg.
  • Wählen Sie die Zinsbindung passend zu Ihrer Risikobereitschaft und Zinserwartung.

Höhe der Tilgung

Die Tilgung ist der Anteil der monatlichen Rate, der zur Rückzahlung des tatsächlich geliehenen Kapitals (der Darlehenssumme) verwendet wird. Je höher der anfänglich gewählte Tilgungssatz, desto schneller ist das Darlehen abbezahlt und desto geringer fallen die insgesamt zu zahlenden Zinsen aus. Viele Kreditinstitute bieten anfängliche Tilgungssätze von 1 Prozent an, was jedoch zu einer sehr langen Laufzeit und hohen Gesamtzinskosten führt. Ein höherer Tilgungssatz von beispielsweise 2 oder 3 Prozent kann die Darlehenslaufzeit deutlich verkürzen.

Es ist wichtig, eine Tilgungshöhe zu wählen, die einerseits zu den eigenen finanziellen Möglichkeiten passt, andererseits aber auch eine realistische und zeitlich überschaubare Abzahlung des Kredits ermöglicht. Eine Faustregel besagt, dass eine Tilgung von mindestens 2 Prozent angestrebt werden sollte, um die Laufzeit in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Berücksichtigen Sie bei der Festlegung des Tilgungssatzes auch Ihre gesamte finanzielle Belastbarkeit und mögliche zukünftige Ausgaben. Ein zu hoch gewählter Tilgungssatz kann zu finanziellen Engpässen führen, während ein zu niedriger Satz die Darlehenslaufzeit unnötig verlängert und die Zinslast erhöht. Die monatliche Rate setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen, wobei der Zinsanteil mit abnehmender Restschuld sinkt und der Tilgungsanteil entsprechend steigt (Annuitätendarlehen).

Sondertilgungsoptionen

Sondertilgungen sind zusätzliche Rückzahlungen, die über die reguläre monatliche Rate hinausgehen und direkt zur Reduzierung der Restschuld verwendet werden. Diese Option kann Ihnen erhebliche Flexibilität verschaffen und die gesamte Darlehenslaufzeit sowie die Zinslast deutlich reduzieren. Viele Kreditinstitute bieten die Möglichkeit, jährliche Sondertilgungen in einer bestimmten Höhe (z.B. 5 oder 10 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme) kostenlos vorzunehmen. Manche Verträge erlauben auch unbegrenzte Sondertilgungen oder solche gegen einen kleinen Aufpreis.

Durch die Option von Sondertilgungen können unerwartete Einnahmen, wie zum Beispiel Bonuszahlungen, Erbschaften oder Steuererstattungen, direkt zur schnelleren Schuldentilgung genutzt werden. Dies reduziert nicht nur die Restschuld, sondern auch die Zinslast für die verbleibende Laufzeit. Bei einem Kreditvergleich sollte daher nicht nur auf die Möglichkeit der Sondertilgungen geachtet werden, sondern auch auf deren Umfang und etwaige Kosten. Eine flexible Sondertilgungsoption kann ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des passenden Darlehens sein und sollte vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn unregelmäßige, höhere Geldeingänge zu erwarten sind. Sie bietet eine wertvolle Absicherung und Beschleunigung der Rückzahlung.

  • Sondertilgungen reduzieren Restschuld und Zinslast.
  • Achten Sie auf Umfang (Prozentsatz des Darlehensbetrags) und Kosten der Sondertilgungen.
  • Nützlich bei erwarteten Bonuszahlungen oder Erbschaften.

Möglichkeiten des Tilgungssatzwechsels und Ratenanpassung

Die Lebensumstände können sich im Laufe einer langen Darlehensphase ändern. Ein flexibler Immobilienkredit sollte daher die Möglichkeit bieten, die monatliche Tilgungsrate an veränderte finanzielle Verhältnisse anzupassen. Die Option eines Tilgungssatzwechsels erlaubt es dem Kreditnehmer, den anfänglich vereinbarten Tilgungssatz zu erhöhen oder zu senken, wenn sich beispielsweise das Einkommen ändert oder unerwartete größere Ausgaben anfallen. Die Möglichkeit, die Tilgung anzupassen, ist ein wichtiges Kriterium für die langfristige finanzielle Stabilität.

Einige Banken bieten an, den Tilgungssatz während der Zinsbindungsfrist ein- oder mehrmals kostenlos zu ändern. Andere Institute gestatten dies nur gegen eine Gebühr oder gar nicht. Gerade in unsicheren Zeiten oder bei unregelmäßigen Einkommen kann diese Flexibilität entscheidend sein. Eine Senkung der Tilgungsrate kann vorübergehend die monatliche Belastung reduzieren, während eine Erhöhung die schnellere Entschuldung fördert. Informieren Sie sich daher genau über die Konditionen zur Ratenanpassung und Tilgungssatzwechsel, bevor Sie sich für ein Angebot entscheiden. Dies schützt Sie vor finanziellen Engpässen und ermöglicht eine bestmögliche Anpassung an Ihre individuelle Situation über die gesamte Laufzeit.

  • Flexibilität bei der Tilgung: Anpassung an veränderte Lebensumstände.
  • Prüfen Sie Häufigkeit und Kosten für einen Tilgungssatzwechsel.
  • Wichtig für langfristige finanzielle Stabilität und Anpassungsfähigkeit.

Bereitstellungszinsen

Bereitstellungszinsen sind Zinsen, die die Bank für einen noch nicht abgerufenen Kreditbetrag verlangt. Sie fallen in der Regel an, wenn das Darlehen nicht innerhalb einer bestimmten Frist nach Zusage (der sogenannten bereitstellungszinsfreien Zeit) vollständig ausgezahlt wird. Diese Frist beträgt meist zwischen 3 und 6 Monaten, kann aber je nach Anbieter variieren. Nach Ablauf dieser Frist werden Bereitstellungszinsen auf den noch nicht in Anspruch genommenen Kreditteil erhoben, was zu zusätzlichen Kosten führen kann.

Bereitstellungszinsen sind besonders relevant bei Neubauvorhaben, da hier die Auszahlung des Kredits oft in Teilschritten und über einen längeren Zeitraum erfolgt, entsprechend dem Baufortschritt. Auch bei Bestandsimmobilien, wenn der Kaufprozess länger dauert oder Sanierungsarbeiten geplant sind, bevor die vollständige Auszahlung erfolgt, können Bereitstellungszinsen eine Rolle spielen. Vergleichen Sie daher unbedingt die bereitstellungszinsfreien Zeiten der verschiedenen Angebote. Eine längere Phase ohne Bereitstellungszinsen kann gerade bei Bauvorhaben erhebliche Kosten sparen und bietet mehr zeitliche Flexibilität bei der Abwicklung des Projekts. Informieren Sie sich frühzeitig über diese Konditionen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

  • Bereitstellungszinsen fallen für nicht abgerufene Kreditbeträge an.
  • Relevant bei Neubau und langen Kaufprozessen.
  • Längere bereitstellungszinsfreie Zeiten können Kosten sparen.

Vorfälligkeitsentschädigung

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Gebühr, die eine Bank verlangen kann, wenn ein Kreditvertrag vorzeitig beendet wird, beispielsweise durch einen Immobilienverkauf oder eine unerwartet hohe Sondertilgung, die über das vertraglich vereinbarte Maß hinausgeht. Die Bank erleidet in diesem Fall einen Zinsverlust, da sie mit festen Zinseinnahmen kalkuliert hatte, die durch die vorzeitige Rückzahlung entfallen. Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung wird anhand komplexer finanzmathematischer Modelle berechnet und kann erheblich sein.

Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB haben Kreditnehmer in Deutschland in der Regel ein Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren Laufzeit (ab Vollauszahlung des Darlehens), unabhängig von der vereinbarten Zinsbindungsfrist. In diesem Fall kann der Vertrag mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ohne Vorfälligkeitsentschädigung gekündigt werden. Dennoch ist es wichtig, die Regelungen zur Vorfälligkeitsentschädigung im Kreditvertrag genau zu prüfen. Zwar gibt es gesetzliche Rahmenbedingungen, aber die Methodik zur Berechnung kann variieren. Insbesondere wenn Sie die Möglichkeit in Betracht ziehen, eine Immobilie vor Ablauf der Zinsbindung wieder zu verkaufen, sollten Sie sich über die Konditionen zur Vorfälligkeitsentschädigung informieren. Transparente und faire Regelungen sind hier ein Qualitätsmerkmal des Kreditgebers.

  • Gebühr bei vorzeitiger Kreditablösung.
  • Relevant bei Immobilienverkauf vor Zinsbindungsende.
  • Beachten Sie das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren.

Kreditprüfung und Bonität

Bevor ein Kredit vergeben wird, prüft jede Bank die Bonität des Antragstellers, also dessen Kreditwürdigkeit. Diese Prüfung basiert auf verschiedenen Faktoren, die Aufschluss über die finanzielle Situation und die Fähigkeit zur Rückzahlung des Darlehens geben. Zu den wichtigsten Kriterien gehören das regelmäßige Einkommen, bestehende Schulden (z. B. aus anderen Krediten oder Kreditkarten), die Höhe des Eigenkapitals, die berufliche Situation und die Schufa-Auskunft. Eine positive Bonität ist entscheidend für die Genehmigung eines Immobilienkredits und kann sich auch auf die angebotenen Zinskonditionen auswirken.

Ein hohes, stabiles Einkommen, ein geringes Verhältnis von Schulden zu Einkommen und ein guter Schufa-Score verbessern die Chancen auf günstige Konditionen. Umgekehrt können geringes Einkommen, hohe Vorbelastungen oder negative Einträge in der Schufa zu schlechteren Konditionen oder gar einer Ablehnung führen. Es ist ratsam, vor der Beantragung eines Immobilienkredits die eigene Bonität zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern – beispielsweise durch die Reduzierung kleinerer Kredite oder die Korrektur fehlerhafter Schufa-Einträge. Kreditinstitute bewerten die Bonität unterschiedlich, daher kann es sinnvoll sein, Angebote bei verschiedenen Anbietern einzuholen, auch wenn die eigene Bonität nicht als optimal eingeschätzt wird.

  • Bonität ist entscheidend für Kreditgenehmigung und Konditionen.
  • Wichtige Faktoren: Einkommen, Eigenkapital, Schulden, Schufa-Score.
  • Eigene Bonität vorab prüfen und ggf. optimieren.

Fazit

Der Vergleich von Immobilienkrediten erfordert einen umfassenden Blick auf eine Vielzahl von Kriterien, die weit über den bloßen Sollzinssatz hinausgehen. Effektivzinssatz, Zinsbindungsfrist, Tilgungshöhe, Sondertilgungsoptionen, Möglichkeiten des Tilgungssatzwechsels und die bereitstellungszinsfreie Zeit sind nur einige der Faktoren, die sorgfältig geprüft werden sollten. Eine fundierte Entscheidung bildet die Basis für eine solide und langfristig tragfähige Immobilienfinanzierung. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für den Vergleich und scheuen Sie sich nicht, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Nur so finden Sie das Angebot, das optimal auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist und Sie finanziell über viele Jahre entlastet.

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Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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