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Immobilienfonds verstehen

Immobilienfonds bieten eine attraktive Möglichkeit, in den Immobilienmarkt zu investieren, ohne selbst Immobilien erwerben und verwalten zu müssen. Wir erklären die verschiedenen Arten, Chancen und Risiken dieser Anlageform.

8 min Lesezeit
Immobilienfonds verstehen

Immobilien gelten seit jeher als eine der stabilsten und inflationsgeschützten Anlageformen. Doch der direkte Kauf von Immobilien erfordert oft ein hohes Eigenkapital, birgt bürokratischen Aufwand und bindet Anleger langfristig. Immobilienfonds bieten hier eine attraktive Alternative, indem sie es Anlegern ermöglichen, sich mit kleineren Beträgen an einem professionell verwalteten Immobilienportfolio zu beteiligen. Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Immobilienfonds, welche Arten gibt es und worauf sollte man als Anleger achten? Dieser Ratgeber beleuchtet die Kernaspekte von Immobilienfonds, um Ihnen ein umfassendes Verständnis dieser speziellen Anlageform zu vermitteln.

Was sind Immobilienfonds?

Ein Immobilienfonds ist ein Investmentfonds, der das Kapital vieler Anleger bündelt, um dieses in Immobilien zu investieren. Statt eine einzelne Immobilie zu kaufen, erwirbt der Fonds eine Vielzahl von Objekten – von Wohnungen über Bürogebäude bis hin zu Einkaufszentren oder Logistikimmobilien. Die Verwaltung des Fonds und der darin enthaltenen Immobilien (Vermietung, Instandhaltung, An- und Verkauf) übernimmt eine spezialisierte Fondsgesellschaft. Anleger erwerben Anteile an diesem Fonds und partizipieren so an den Erträgen, die durch Mieteinnahmen oder den Verkauf von Immobilien generiert werden. Das Prinzip ist ähnlich dem eines Aktienfonds, nur dass die Investitionsobjekte hier physische Immobilien sind.

Die Erträge eines Immobilienfonds setzen sich in der Regel aus zwei Hauptkomponenten zusammen: den laufenden Mieteinnahmen der gehaltenen Objekte und den Wertsteigerungen der Immobilien, die sich bei einem späteren Verkauf realisieren lassen. Diese Erträge, abzüglich der Kosten für Verwaltung und Instandhaltung, werden anteilig an die Anleger ausgeschüttet oder im Fonds thesauriert, also reinvestiert, um das Fondsvermögen weiter aufzubauen. Das Ziel ist es, langfristig eine attraktive Rendite für die Anleger zu erzielen.

  • Kapitalbündelung von mehreren Anlegern
  • Investition in ein Portfolio von Immobilien
  • Professionelle Verwaltung durch eine Fondsgesellschaft
  • Einnahmen aus Mieten und Wertsteigerungen
  • Anteilige Beteiligung am Fondsvermögen

Offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds stellen die populärste Form der Immobilienbeteiligung für Privatanleger dar. Ihr zentrales Merkmal ist, dass Anleger ihre Anteile grundsätzlich jederzeit an die Fondsgesellschaft zurückgeben können, um ihr angelegtes Kapital zurückzuerhalten. Dies verleiht ihnen eine vergleichsweise hohe Liquidität im Vergleich zum direkten Immobilieneigentum. Offene Immobilienfonds investieren hauptsächlich in gewerbliche Objekte wie Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels oder Logistikzentren, oft auch international diversifiziert. Ziel ist eine breite Risikostreuung über verschiedene Immobilienarten, Regionen und Mieter.

Um die Liquidität und Stabilität solcher Fonds zu gewährleisten, gibt es gesetzliche Regelungen, die beispielsweise Mindesthaltefristen (aktuell 24 Monate) und Kündigungsfristen (meist 12 Monate) vorschreiben. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass es bei plötzlichen Massenrückgaben zu Liquiditätsengpässen kommt, die den Fonds zum Notverkauf von Immobilien zwingen könnten. Die Bewertung der Immobilien erfolgt regelmäßig durch unabhängige Gutachter, um einen fairen Anteilswert sicherzustellen. Offene Immobilienfonds gelten als vergleichsweise risikoarm und sind oft auf langfristige, stetige Erträge ausgerichtet.

  • Jederzeitige Anteilsrückgabe an die Fondsgesellschaft möglich (mit Fristen)
  • Hohe Liquidität für den Anleger
  • Primär Investition in gewerbliche Immobilien
  • Anlagestrategie auf breite Risikostreuung ausgelegt
  • Regulierte Mindesthalte- und Kündigungsfristen

Geschlossene Immobilienfonds

Im Gegensatz zu offenen Immobilienfonds sind geschlossene Immobilienfonds nur für eine begrenzte Anzahl von Anlegern und für eine vorab definierte Investitionssumme offen. Sobald die benötigte Kapitalmenge – beispielsweise für den Bau eines bestimmten Gebäudes oder den Kauf eines spezifischen Immobilienprojekts – erreicht ist, wird der Fonds geschlossen. Eine spätere Anteilsrückgabe an die Fondsgesellschaft ist hier in der Regel nicht vorgesehen. Anleger beteiligen sich, oft als Kommanditisten, direkt an einer Projektgesellschaft und werden Miteigentümer des jeweiligen Immobilienprojekts.

Geschlossene Immobilienfonds konzentrieren sich oft auf einzelne, große Projekte oder eine kleine Anzahl von Objekten, was zu einer geringeren Risikodiversifikation führt. Die Laufzeiten sind meist fest约定 und können zehn Jahre oder länger betragen. Die Ausschüttungen können hier sehr unterschiedlich ausfallen; in manchen Phasen, etwa während der Bauphase, gibt es möglicherweise keine Ausschüttungen, während nach Fertigstellung und Vermietung hohe Erträge fliessen können. Geschlossene Fonds sind in der Regel mit höheren Risiken, aber potenziell auch mit höheren Renditechancen verbunden als offene Fonds. Sie richten sich eher an erfahrene Anleger mit einem entsprechend langen Anlagehorizont und einer höheren Risikobereitschaft.

  • Feste Anzahl von Anlegern und definierte Investitionssumme
  • Keine reguläre Anteilsrückgabe an die Fondsgesellschaft
  • Direkte Beteiligung an spezifischen Immobilienprojekten
  • Weniger Diversifikation, potenziell höhere Risiken/Chancen
  • Lange, oft feste Fondslaufzeiten

REITs – Real Estate Investment Trusts

REITs (Real Estate Investment Trusts) stellen eine weitere Form der indirekten Immobilieninvestition dar, die sich jedoch deutlich von klassischen Immobilienfonds unterscheidet. Ein REIT ist ein Unternehmen, das Immobilien besitzt, betreibt oder finanziert und dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Sie sind also keine Fonds im klassischen Sinne, sondern börsennotierte Immobiliengesellschaften, die bestimmte gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen, um den REIT-Status zu erhalten. Eine zentrale Vorschrift ist, dass ein Großteil (meist über 90%) der Gewinne als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden muss, oft sind sie auch von der Körperschaftsteuer befreit, was zu attraktiven Ausschüttungsquoten führt.

Der Vorteil von REITs liegt in ihrer hohen Liquidität, da ihre Anteile börsentäglich wie normale Aktien gehandelt werden können. Anleger profitieren von Kursgewinnen und den regelmäßigen Dividendenausschüttungen, die direkt an die Mieteinnahmen der gehaltenen Immobilien gekoppelt sind. REITs decken ein breites Spektrum an Immobilienarten ab, von Wohn- und Büroimmobilien über Hotels und Einkaufszentren bis hin zu Rechenzentren und Mobilfunktürmen. Sie bieten somit eine sehr flexible Möglichkeit, am Immobilienmarkt zu partizipieren, wobei die Kursentwicklung jedoch auch den Schwankungen des Aktienmarktes unterliegt.

  • Börsennotierte Immobilienunternehmen
  • Hohe Liquidität durch täglichen Handel an der Börse
  • Verpflichtung zur Ausschüttung eines Großteils der Gewinne (Dividenden)
  • Vorteile durch mögliche Steuerbefreiungen auf Unternehmensebene
  • Umfassen ein breites Spektrum an Immobilienarten

Chancen und Vorteile von Immobilienfonds

Die Investition in Immobilienfonds bietet eine Reihe von attraktiven Vorteilen, insbesondere für Anleger, die nicht direkt in Immobilien investieren möchten oder können. Einer der größten Vorteile ist die Diversifikation. Statt in eine einzelne Immobilie zu investieren, die von lokalen Marktschwankungen und spezifischen Risiken betroffen sein kann, verteilt ein Fonds das Kapital auf viele verschiedene Objekte. Diese Streuung minimiert das Einzelobjektrisiko erheblich und verteilt es über verschiedene Standorte, Nutzungsarten und Mieter.

Ein weiterer Pluspunkt ist die professionelle Verwaltung. Fondsmanager verfügen über umfassendes Fachwissen und Erfahrung im Immobilienmarkt. Sie kümmern sich um den An- und Verkauf von Objekten, die Vermietung, die Instandhaltung und die Wertentwicklung des Portfolios. Anleger entlasten sich vom Verwaltungsaufwand, der bei direktem Immobilieneigentum anfällt. Zudem ermöglichen Immobilienfonds eine geringere Einstiegsschwelle. Während der Kauf einer Immobilie oft hunderttausende von Euros erfordert, können Anteile an offenen Immobilienfonds bereits mit geringen Beträgen erworben werden, was die Anlageform auch für Kleinanleger zugänglich macht. Die Möglichkeit, von den Mieterträgen und Wertsteigerungen eines diversifizierten Immobilienportfolios zu profitieren, ohne sich um die operativen Belange kümmern zu müssen, macht Immobilienfonds zu einer interessanten Anlageoption.

  • Breite Risikostreuung durch Diversifikation des Portfolios
  • Professionelles Management der Immobilien durch Experten
  • Geringere Einstiegshürden im Vergleich zum Direktkauf
  • Kein eigener Verwaltungsaufwand (z.B. Vermietung, Instandhaltung)
  • Potenziell stabile und regelmäßige Erträge

Risiken, die man kennen sollte

Trotz der genannten Vorteile sind Immobilienfonds nicht gänzlich risikofrei. Auch wenn das Immobilieninvestment generell als stabil gilt, unterliegen Immobilienmärkte konjunkturellen Schwankungen. Ein Rückgang der Wirtschaft kann sich negativ auf Mieteinnahmen und Immobilienwerte auswirken. Leerstandsrisiken sind ebenfalls zu beachten; wenn Objekte nicht dauerhaft vermietet werden können, schmälert dies die Erträge des Fonds. Bei Fondsschließungen, insbesondere im Notfall, können Anleger vorübergehend nicht auf ihr Kapital zugreifen, was ein Liquiditätsrisiko darstellt. Dies betrifft primär offene Immobilienfonds, die bei starken Kapitalabzügen in Liquiditätsengpässe geraten könnten, auch wenn die gesetzlichen Regelungen hier vorbeugen sollen.

Ein weiteres Risiko sind die Kosten. Immobilienfonds erheben Gebühren wie Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren und gegebenenfalls Performance-Gebühren. Diese können die Rendite schmälern und sollten vor der Anlage sorgfältig geprüft werden. Bei geschlossenen Immobilienfonds kommt hinzu, dass eine geringere Diversifikation ein höheres Objektrisiko bedeutet. Scheitert ein spezifisches Projekt oder entwickelt es sich negativ, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Rendite des gesamten Fonds haben. Zudem ist die Veräußerung von Anteilen an geschlossenen Fonds oft schwierig, da kaum ein regulierter Zweitmarkt existiert. Anleger sollten sich daher stets der Spezifika der jeweiligen Fondsform bewusst sein und ihre Risikobereitschaft kritisch prüfen.

  • Marktrisiko: Konjunkturelle Schwankungen des Immobilienmarktes
  • Leerstandsrisiko: Unvermietete Objekte mindern die Einnahmen
  • Liquiditätsrisiko: Eingeschränkter Zugang zum Kapital bei Fondsschließungen
  • Kostenrisiko: Gebühren und Aufschläge schmälern die Rendite
  • Objektrisiko: Bei geschlossenen Fonds höhere Konzentration auf Einzelprojekte

Kosten und Gebühren bei Immobilienfonds

Wie bei allen Investmentfonds fallen auch bei Immobilienfonds verschiedene Kosten und Gebühren an, die beachtet werden sollten, da sie die erzielbare Rendite maßgeblich beeinflussen. Der typische Ausgabeaufschlag, auch Agio genannt, wird beim Kauf der Fondsanteile fällig und liegt in der Regel zwischen 3% und 5% des Anlagebetrags. Er dient dazu, die Vertriebs- und Marketingkosten des Fonds zu decken. Hinzu kommt die jährliche Verwaltungsgebühr, die vom Fondsvermögen abgezogen wird und die laufenden Kosten für das Fondsmanagement, die Immobilienverwaltung, Buchhaltung und Berichterstattung deckt. Diese liegt meist zwischen 0,5% und 2% pro Jahr.

Je nach Fonds können weitere Kostenpunkte anfallen. Dazu gehören Performance-Gebühren, die fällig werden, wenn der Fonds eine bestimmte Renditevorgabe übertrifft, oder erfolgsabhängige Vergütungen für die Fondsmanager. Auch Kosten für die Bewertung der Immobilien, Maklerprovisionen bei An- und Verkäufen sowie Kosten für die Wirtschaftsprüfung und Depotgebühren können indirekt die Rendite schmälern. Für Anleger ist es unerlässlich, das vollständige Kostenverzeichnis (Total Expense Ratio, TER) eines Fonds im Vorfeld detailliert zu prüfen. Eine detaillierte Aufstellung aller Kosten ist im Verkaufsprospekt oder den wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) des Fonds zu finden. Transparenz über die Kostenstruktur ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl des passenden Immobilienfonds.

  • Ausgabeaufschlag (Agio) beim Kauf der Anteile
  • Laufende Verwaltungsgebühren (jährlich vom Fondsvermögen)
  • Mögliche Performance- oder erfolgsabhängige Gebühren
  • Kosten für Bewertung, Maklerprovisionen und Wirtschaftsprüfung
  • Transparente Prüfung der Total Expense Ratio (TER) dringend empfohlen

Fazit

Immobilienfonds bieten eine zugängliche und oft effektive Möglichkeit, am Immobilienmarkt zu partizipieren und von dessen potenziellen Renditen zu profitieren, ohne die Last des direkten Immobilieneigentums tragen zu müssen. Offene Immobilienfonds eignen sich für Anleger, die Wert auf Diversifikation, professionelles Management und eine gewisse Liquidität legen. Geschlossene Fonds sprechen eher Anleger mit höherer Risikobereitschaft und einem sehr langen Anlagehorizont an, die sich an spezifischen Projekten beteiligen möchten. REITs wiederum verbinden Immobilieninvestment mit der Flexibilität des Aktienmarktes. Es ist entscheidend, die individuellen Anlageziele, die persönliche Risikobereitschaft und den Anlagehorizont sorgfältig abzuwägen und die spezifischen Merkmale, Chancen und Risiken sowie die Kostenstruktur jedes Fonds gründlich zu prüfen. Eine fundierte Entscheidung, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Finanzexperten, ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Immobilieninvestment via Fonds.

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Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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