← Ratgeber

Finanzierung mit Lebensversicherung kombinieren

Die Kombination einer Lebensversicherung mit der Immobilienfinanzierung bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Wir beleuchten, wie diese Konstellation in Deutschland funktioniert und worauf geachtet werden sollte.

7 min Lesezeit
Finanzierung mit Lebensversicherung kombinieren

Für viele Menschen ist der Traum vom Eigenheim untrennbar mit der Frage der Finanzierung verbunden. Dabei rücken oft nicht nur klassische Bankdarlehen in den Fokus, sondern auch alternative oder ergänzende Finanzierungsmodelle. Eine immer wieder diskutierte Option ist die Kombination der Immobilienfinanzierung mit einer Lebensversicherung. Diese Kopplung kann unter bestimmten Voraussetzungen attraktiv sein, birgt aber auch Komplexitäten und potenzielle Fallstricke, die es genau zu beleuchten gilt. Ziel dieses Ratgebers ist es, die Funktionsweise, Vor- und Nachteile sowie wichtige Aspekte dieser Finanzierungsstrategie verständlich darzulegen, damit Interessenten eine fundierte Entscheidung treffen können.

Grundlagen der Finanzierung mit Lebensversicherung

Wenn von der Kombination einer Immobilienfinanzierung mit einer Lebensversicherung die Rede ist, sind in der Regel zwei Hauptformen gemeint: das endfällige Darlehen mit Tilgungsträger und die Verwendung einer bereits bestehenden Lebensversicherung als Sicherheit. Bei einem endfälligen Darlehen zahlen Kreditnehmer während der Laufzeit lediglich die Zinsen für das aufgenommene Kapital. Die eigentliche Rückzahlung des Darlehens, die sogenannte Tilgung, erfolgt erst am Ende der Laufzeit in einer Summe. Diese Tilgung wird typischerweise durch eine gleichzeitig angesparte Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung gedeckt. Die Versicherung wird dabei als sogenannter Tilgungsträger eingesetzt. Das bedeutet, die monatlichen Beiträge zur Lebensversicherung dienen dem Aufbau eines Kapitals, das am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des Immobiliendarlehens ermöglichen soll.

Alternativ kann eine bereits bestehende Lebensversicherung als Sicherheit für ein Immobiliendarlehen dienen. In diesem Fall wird der Rückkaufswert oder eine bestimmte Summe aus der Versicherung an die Bank abgetreten. Dies kann beispielsweise geschehen, um günstigere Konditionen zu erhalten oder um den Beleihungswert der Immobilie zu erhöhen beziehungsweise eine niedrigere Eigenkapitalquote auszugleichen. Die Beiträge zur Lebensversicherung laufen in diesem Szenario unabhängig vom Darlehen weiter und das angesparte Kapital kann weiterhin für den ursprünglichen Zweck, beispielsweise die Altersvorsorge, verwendet werden, sofern die Versicherung nicht im Sicherungsfall verwertet wird.

Das endfällige Darlehen mit Tilgungsträger

Das endfällige Darlehen, auch Festzinsdarlehen oder Fälligkeitsdarlehen genannt, zeichnet sich dadurch aus, dass während der gesamten Laufzeit keine reguläre Tilgung stattfindet. Lediglich die Zinsen für das Darlehen werden fortlaufend beglichen. Parallel dazu wird eine Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung bespart. Die Ablaufleistung dieser Versicherung – also die Summe, die am Ende der Versicherungszeit ausgezahlt wird – dient der vollständigen Rückzahlung des Darlehens. Die Idee dahinter ist, dass die Rendite der Lebensversicherung höher ist als die Zinskosten des Darlehens, wodurch ein Überschuss erzielt werden kann, der die Gesamtbelastung senkt.

In der Vergangenheit wurde dieses Modell auch steuerlich bevorzugt, da die Erträge aus bestimmten Lebensversicherungen unter Umständen steuerfrei waren. Solche Vorteile wurden jedoch im Laufe der Zeit durch Gesetzesänderungen, insbesondere durch das Alterseinkünftegesetz, reduziert oder abgeschafft. Heutzutage unterliegen Erträge aus Kapitallebensversicherungen, die nach einem bestimmten Stichtag abgeschlossen wurden, der Abgeltungssteuer oder sind teilweise steuerpflichtig, falls die Voraussetzungen für eine Steuerfreiheit nicht mehr gegeben sind (z.B. Ablauf nach dem 60. beziehungsweise 62. Lebensjahr und mindestens 12 Jahre Laufzeit). Bei Rentenversicherungen wird in der Regel nur der Ertragsanteil besteuert.

  • Monatliche Belastung: Zinsen für das Darlehen + Beiträge für die Lebensversicherung.
  • Komplette Tilgung des Darlehens erfolgt am Ende durch die Auszahlung der Lebensversicherung.
  • Potenzieller Vorteil bei hoher Rendite der Lebensversicherung und gleichbleibendem Zinsniveau.
  • Steuerliche Rahmenbedingungen sollten stets geprüft und aktuell berücksichtigt werden.

Vorteile der Kombination

Die Kombination einer Baufinanzierung mit einer Lebensversicherung, insbesondere im Rahmen eines endfälligen Darlehens, kann in bestimmten Konstellationen Vorteile bieten. Ein wesentlicher Aspekt war in der Vergangenheit die Möglichkeit, die Steuervorteile der Lebensversicherung zu nutzen. Obwohl diese weitgehend weggefallen sind, existieren unter Umständen noch Altfälle oder spezielle Produktgestaltungen, die weiterhin steuerliche Optimierungspotenziale bieten könnten. Ein weiterer potenzieller Vorteil ist die Beitragsfreistellung oder Anpassung der Versicherungsbeiträge in bestimmten Lebensphasen, was eine Flexibilität in finanziell angespannten Zeiten ermöglichen kann, solange die Gesamtstrategie nicht gefährdet wird.

Durch die Trennung von Zinszahlung und Tilgung – bei einem endfälligen Darlehen – kann die Liquidität während der Darlehenslaufzeit geschont werden, da die monatlichen Raten tendenziell geringer ausfallen, als bei einem Annuitätendarlehen mit anfänglicher Tilgung. Diese anfängliche Liquiditätsschonung kann genutzt werden, um zum Beispiel in andere Bereiche zu investieren oder größere Rücklagen zu bilden. Zudem bietet die Lebensversicherung selbst einen Todesfallschutz, der die Familie im Falle des Ablebens des Kreditnehmers absichert und verhindert, dass die Angehörigen mit der gesamten Restschuld belastet werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt der finanziellen Absicherung bei größeren Investitionen wie einem Hauskauf.

  • Potenzielle Liquiditätsschonung durch niedrigere monatliche Belastung im Vergleich zu einem Annuitätendarlehen (nur Zinsen + Versicherungsbeiträge).
  • Eingebauter Todesfallschutz für die Hinterbliebenen.
  • Mögliche steuerliche Vorteile bei älteren Verträgen oder spezifischen Konstellationen.
  • Flexibilität bei der Gestaltung der Tilgung am Ende der Laufzeit durch das angesparte Kapital.

Risiken und Nachteile

Trotz der potenziellen Vorteile birgt die Kombination von Finanzierung und Lebensversicherung auch erhebliche Risiken. Das größte Risiko besteht darin, dass die Ablaufleistung der Lebensversicherung am Ende der Laufzeit nicht ausreicht, um das Darlehen vollständig zu tilgen. Dies kann passieren, wenn die Überschussbeteiligungen der Versicherung geringer ausfallen als prognostiziert – ein nicht unübliches Szenario in Zeiten niedriger Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheiten. In einem solchen Fall muss der Kreditnehmer den fehlenden Betrag aus eigenen Mitteln aufbringen oder eine Anschlussfinanzierung vereinbaren, was zu unerwarteten Mehrkosten führen kann.

Ein weiterer Nachteil ist die mangelnde Flexibilität bei vorzeitiger Kündigung der Lebensversicherung. Der Rückkaufswert einer Lebensversicherung ist in den ersten Jahren in der Regel sehr gering, da die Abschlusskosten noch nicht amortisiert sind. Eine Kündigung kann zu erheblichen Verlusten führen und die Gesamtfinanzierungsstrategie gefährden. Zudem sind die Kosten einer Kapitallebensversicherung – insbesondere die Abschluss- und Verwaltungskosten – oft höher als die reinen Kosten für ein Darlehen. Dies schmälert die potenzielle Rendite und erhöht die Gesamtbelastung. Hinzu kommt das Zinsänderungsrisiko: Sollten die Zinsen für das Darlehen während der Laufzeit steigen, während die Rendite der Lebensversicherung stagniert oder sinkt, kann das Modell wirtschaftlich unattraktiv werden.

  • Risiko, dass die Ablaufleistung der Lebensversicherung nicht zur vollständigen Darlehenstilgung ausreicht.
  • Geringe Flexibilität bei vorzeitiger Kündigung und potenziell hohe Verluste beim Rückkauf.
  • Oft hohe Kostenstrukturen (Abschluss- und Verwaltungskosten) der Lebensversicherung.
  • Abhängigkeit von den Überschüssen der Versicherung, deren Entwicklung schwer prognostizierbar ist.
  • Zinsänderungsrisiko: steigende Darlehenszinsen bei stagnierender oder sinkender Versicherungsrendite.

Vergleich mit Annuitätendarlehen

Um die Vor- und Nachteile der Finanzierung mit Lebensversicherung besser einordnen zu können, ist ein Vergleich mit dem klassischen Annuitätendarlehen notwendig. Beim Annuitätendarlehen zahlt der Kreditnehmer über die gesamte Laufzeit eine gleichbleibende monatliche Rate, die sich aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammensetzt. Mit jeder Rate sinkt der Zinsanteil und der Tilgungsanteil steigt, wodurch die Restschuld kontinuierlich abgebaut wird. Der große Vorteil des Annuitätendarlehens liegt in seiner Transparenz und Planbarkeit. Die Schuldreduktion ist direkt sichtbar, und am Ende der Laufzeit ist das Darlehen vollständig getilgt.

Im Gegensatz dazu bleibt beim endfälligen Darlehen die Schuld über die gesamte Laufzeit bestehen und wird erst am Ende in einer Summe getilgt. Dies kann einen psychologischen Nachteil darstellen, da die Schuldenlast lange Zeit unverändert bleibt. Wirtschaftlich ist das Annuitätendarlehen oft die sicherere Wahl, insbesondere in einem Umfeld niedriger Zinsen oder wenn die Prognosen für die Überschussbeteiligungen von Lebensversicherungen unsicher sind. Das höhere Zinsrisiko beim endfälligen Darlehen, das sich aus der längeren Zinsbindung für einen Großteil des Kapitals ergeben kann, ist ebenfalls ein entscheidender Faktor.

  • Annuitätendarlehen: Konstante Rate, kontinuierliche Tilgung, hohe Planungssicherheit.
  • Endfälliges Darlehen: Zinszahlung und Tilgung getrennt, Tilgung am Ende der Laufzeit.
  • Geringere Komplexität und höhere Transparenz beim Annuitätendarlehen.
  • Oft geringere Gesamtkosten beim Annuitätendarlehen durch den Effekt der Zinseszinsen auf die Tilgung.

Wichtige Überlegungen vor dem Abschluss

Bevor eine Entscheidung für die Kombination der Finanzierung mit einer Lebensversicherung getroffen wird, sollten verschiedene Aspekte sorgfältig geprüft werden. Zunächst ist eine realistische Einschätzung der Ablaufleistung der Lebensversicherung unerlässlich. Man sollte sich nicht allein auf die prognostizierten Überschüsse verlassen, sondern mit konservativen Annahmen rechnen. Es ist ratsam, verschiedene Szenarien durchzurechnen, um mögliche Deckungslücken zu identifizieren und entsprechende Vorkehrungen treffen zu können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die detaillierte Analyse der Kosten beider Produkte: sowohl die Zinsen für das Darlehen als auch die Abschluss- und Verwaltungskosten der Lebensversicherung. Diese Kosten können die Rendite erheblich schmälern. Zudem sollte die individuelle Risikobereitschaft und finanzielle Flexibilität berücksichtigt werden. Wer kein hohes Risiko eingehen möchte oder nur begrenzte finanzielle Puffer hat, sollte eher von einem endfälligen Darlehen mit Tilgungsträger Abstand nehmen. Eine unabhängige Beratung durch Finanzexperten, die alle Optionen umfassend vergleichen, ist in jedem Fall empfehlenswert.

  • Realistische Einschätzung der Ablaufleistung der Lebensversicherung und Berücksichtigung von Risikopuffern.
  • Detaillierte Analyse aller anfallenden Kosten und Gebühren, sowohl für das Darlehen als auch die Versicherung.
  • Berücksichtigung der persönlichen Risikobereitschaft und finanziellen Sicherheitsnetze.
  • Vergleich verschiedener Finanzierungsmodelle und Einholung unabhängiger Beratung.
  • Prüfung der steuerlichen Auswirkungen der gewählten Konstruktion auf die individuelle Situation.

Fazit

Die Kombination einer Baufinanzierung mit einer Lebensversicherung ist ein komplexes Finanzierungsmodell, das unter spezifischen Voraussetzungen Vorteile bieten kann, aber auch mit nicht zu unterschätzenden Risiken behaftet ist. Während das endfällige Darlehen mit Tilgungsträger in der Vergangenheit aufgrund von Steuervorteilen und hohen prognostizierten Renditen attraktiv erschien, haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Die Unsicherheit bezüglich der Überschussbeteiligung von Lebensversicherungen, gepaart mit tendenziell niedrigeren Zinsen und der Abschaffung vieler Steuervorteile, macht diese Variante für viele Kreditnehmer heute weniger interessant als das klassische Annuitätendarlehen. Eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Analyse und eine unabhängige Beratung sind daher unabdingbar, um die individuell beste und sicherste Finanzierungsstrategie für das eigene Eigenheim zu finden.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München