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Disagio bei Immobilienkrediten: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was bedeutet Disagio bei Immobilienkrediten? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um Abgeld, Damnum und Zinsvorauszahlung in der Baufinanzierung und zeigen Vor- und Nachteile auf.

5 min Lesezeit
Disagio bei Immobilienkrediten: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Bei der Finanzierung einer Immobilie stoßen Käuferinnen und Käufer immer wieder auf den Begriff Disagio. Häufig wird er mit „Damnum“ oder „Abgeld“ übersetzt und klingt auf den ersten Blick kompliziert. In der Praxis handelt es sich beim Disagio um eine Form der Zinsvorauszahlung, die sich direkt auf die Kreditsumme und die monatliche Belastung auswirkt. In diesem Ratgeber werden die wichtigsten Fragen rund um Disagio bei Immobilienkrediten beantwortet, damit Sie verstehen, wann ein solches Darlehen sinnvoll sein kann und welche Punkte Sie vor der Entscheidung prüfen sollten.

Was ist ein Disagio bei Immobilienkrediten?

Ein Disagio ist ein Abschlag, der bei der Auszahlung eines Immobilienkredits vom Nennwert des Darlehens abgezogen wird. Das bedeutet: Der Kreditnehmer erhält weniger Geld ausgezahlt, als im Vertrag als Kreditsumme vereinbart ist. Die Differenz zwischen dem vereinbarten Kreditbetrag und dem tatsächlich ausgezahlten Betrag wird als vorgezogener Zins oder Zinsvorauszahlung angesehen. In der Praxis spricht man auch von Damnum oder Abgeld.

Beispiel: Bei einem Immobilienkredit über 200.000 Euro mit 5 Prozent Disagio werden nur 190.000 Euro ausgezahlt. Dennoch muss der Kreditnehmer die vollen 200.000 Euro zurückzahlen. Die 10.000 Euro Differenz gelten als bereits bezahlte Zinsen. Disagio wird in der Regel als Prozentsatz des Nennbetrags angegeben oder indirekt über den Auszahlungskurs (z.B. 95 Prozent) ausgewiesen.

  • Disagio = Abschlag vom Nennwert des Darlehens
  • Kreditnehmer erhält weniger ausgezahlt als vereinbart
  • Differenz gilt als vorgezogener Zins
  • Synonyme: Damnum, Abgeld, Abschlag

Wie funktioniert ein Darlehen mit Disagio?

Bei einem Immobilienkredit mit Disagio behält die Bank den Disagio-Betrag bereits bei der Auszahlung ein. Der Kreditnehmer bekommt also nur den sogenannten Netto-Darlehensbetrag ausgezahlt, während die Rückzahlung auf Basis des vollen Nennbetrags erfolgt. Dadurch sinkt in der Regel der vereinbarte Sollzins, weil ein Teil der Zinsen bereits zu Beginn gezahlt wird.

Beispiel: Ein Darlehen über 250.000 Euro mit 4 Prozent Disagio bedeutet, dass die Bank 10.000 Euro einbehält und nur 240.000 Euro auszahlt. Der Kreditnehmer zahlt aber weiterhin Zinsen auf 250.000 Euro und tilgt den vollen Betrag. Der Effektivzins bleibt in der Regel ähnlich wie bei einem vergleichbaren Darlehen ohne Disagio, da die Bank die Zinsbelastung durch die vorgezogene Zahlung kompensiert.

  • Bank behält Disagio bei Auszahlung ein
  • Auszahlungsbetrag ist niedriger als Nennbetrag
  • Rückzahlung erfolgt auf Basis des vollen Nennbetrags
  • Sollzins sinkt, Effektivzins bleibt meist gleich

Warum nutzen Banken Disagio bei Immobilienkrediten?

Banken setzen Disagio ein, um die Zinsbelastung für den Kreditnehmer zu reduzieren und gleichzeitig ihre Kreditkosten zu sichern. Durch die vorgezogene Zinszahlung erhält die Bank einen Teil der Zinsen bereits zu Beginn der Laufzeit, was das Risiko für die Bank senkt. Gleichzeitig kann der Kreditnehmer von einem niedrigeren Sollzins profitieren, was die monatliche Belastung verringern kann.

Disagio war früher bei Baufinanzierungen weit verbreitet, heute sind solche Kredite seltener anzutreffen. Dennoch bieten einige Banken sie an, insbesondere bei speziellen Finanzierungsmodellen oder für Kapitalanleger. Die Banken nutzen Disagio auch, um die Gesamtkosten des Kredits zu optimieren und die Beleihungsquote zu beeinflussen.

  • Vorgezogene Zinszahlung sichert Banken Einnahmen
  • Senkt das Risiko für die Bank
  • Kreditnehmer profitiert von niedrigerem Sollzins
  • Wird heute seltener, aber gezielt eingesetzt

Vorteile eines Immobilienkredits mit Disagio

Ein Immobilienkredit mit Disagio bietet vor allem dann Vorteile, wenn der Kreditnehmer die Immobilie vermietet oder als Kapitalanlage nutzt. In diesen Fällen kann das Disagio als Werbungskosten steuerlich abgesetzt werden, was die effektiven Kosten des Kredits senkt. Zudem kann der niedrigere Sollzins die monatliche Belastung reduzieren und die Finanzierung erleichtern.

Beispiel: Ein Kapitalanleger finanziert eine vermietete Wohnung mit 200.000 Euro Kredit und 5 Prozent Disagio. Die 10.000 Euro Disagio können als Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben werden, was die steuerliche Belastung senkt. Gleichzeitig profitiert der Anleger von einem niedrigeren Sollzins, was die Mieteinnahmen weniger belastet.

  • Disagio kann als Werbungskosten abgesetzt werden
  • Senkt effektive Kosten bei vermieteten Immobilien
  • Niedrigerer Sollzins reduziert monatliche Belastung
  • Kann Beleihungsquote verbessern

Nachteile und Risiken eines Disagios

Ein Disagio erhöht die benötigte Darlehenssumme, da der Kreditnehmer weniger Geld ausgezahlt bekommt, aber den vollen Betrag zurückzahlen muss. Dies kann die Beleihungsquote verschlechtern und die Finanzierung erschweren. Zudem muss der Kreditnehmer die Differenz aus eigenen Mitteln finanzieren, was die Liquidität belastet.

Beispiel: Bei einem Kredit über 250.000 Euro mit 4 Prozent Disagio erhält der Kreditnehmer nur 240.000 Euro. Die fehlenden 10.000 Euro müssen aus Eigenkapital oder anderen Quellen stammen. Zudem kann das Disagio die Flexibilität bei einer späteren Anschlussfinanzierung oder Umschuldung beeinträchtigen, da die Banken die vorgezogenen Zinsen nicht zurückzahlen.

  • Erhöht benötigte Darlehenssumme
  • Verschlechtert Beleihungsquote
  • Belastet Liquidität durch fehlende Auszahlung
  • Keine Rückzahlung bei Anschlussfinanzierung

Wann ist ein Disagio sinnvoll?

Ein Disagio ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Immobilie vermietet oder als Kapitalanlage genutzt wird. In diesen Fällen kann das Disagio steuerlich abgesetzt werden, was die effektiven Kosten senkt. Zudem kann der niedrigere Sollzins die monatliche Belastung reduzieren und die Finanzierung erleichtern.

Für Eigennutzer kann ein Disagio weniger attraktiv sein, da die steuerlichen Vorteile entfallen und die Beleihungsquote verschlechtert wird. Hier sollten Kreditnehmer prüfen, ob die niedrigeren Zinsen die Nachteile ausgleichen. Eine Beratung durch einen Finanzexperten kann helfen, die individuelle Situation zu bewerten.

  • Sinnvoll bei vermieteten Immobilien
  • Steuerliche Absetzbarkeit als Werbungskosten
  • Niedrigere Zinsen erleichtern Finanzierung
  • Für Eigennutzer weniger attraktiv

Wie berechnet man das Disagio?

Die Berechnung des Disagios ist einfach: Der Disagio-Betrag ergibt sich aus dem Prozentsatz des Nennbetrags. Der Auszahlungsbetrag ist der Nennbetrag minus Disagio. Die Rückzahlung erfolgt auf Basis des vollen Nennbetrags.

Beispiel: Ein Kredit über 200.000 Euro mit 5 Prozent Disagio ergibt einen Disagio-Betrag von 10.000 Euro. Der Auszahlungsbetrag beträgt 190.000 Euro. Der Kreditnehmer zahlt jedoch die vollen 200.000 Euro zurück. Die Formel lautet: Disagio = Nennbetrag × Disagio-Prozentsatz.

  • Disagio = Nennbetrag × Disagio-Prozentsatz
  • Auszahlungsbetrag = Nennbetrag minus Disagio
  • Rückzahlung auf Basis des vollen Nennbetrags
  • Einfache Berechnung, klare Transparenz

Fazit

Ein Disagio bei Immobilienkrediten ist eine Form der Zinsvorauszahlung, die den Sollzins senkt, aber die Beleihungsquote verschlechtert. Für Kapitalanleger kann es steuerliche Vorteile bieten, während Eigennutzer die Nachteile genau abwägen sollten. Eine sorgfältige Prüfung der individuellen Situation und eine Beratung durch einen Finanzexperten sind empfehlenswert, um die richtige Entscheidung zu treffen.

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