Boardinghouses planen
Planen Sie den Bau eines Boardinghouses? Dieser Ratgeber führt Sie durch die entscheidenden Schritte von der initialen Marktanalyse bis zur erfolgreichen Umsetzung und Betrieb.

Boardinghäuser, auch Serviced Apartments genannt, stellen eine attraktive und wachsende Nische im Immobilienmarkt dar. Sie bieten Langzeitgästen, wie Geschäftsreisenden, Projektmitarbeitern oder Expatriates, eine temporäre Wohnlösung, die Komfort und Privatsphäre einer Wohnung mit den Serviceleistungen eines Hotels verbindet. Die Planung und Realisierung eines Boardinghouse-Projekts erfordert jedoch eine detaillierte Vorbereitung und ein umfassendes Verständnis der spezifischen Anforderungen dieses Immobilientyps. Dieser Ratgeber begleitet Sie Schritt für Schritt durch den Planungsprozess und beleuchtet die wichtigsten Aspekte, die für den Erfolg Ihres Vorhabens entscheidend sind.
Was ist ein Boardinghouse und welche Zielgruppen werden angesprochen?
Ein Boardinghouse, oder auch Serviced Apartment, ist eine Wohnform, die den Charakter einer vollmöblierten Wohnung mit hotelähnlichen Dienstleistungen kombiniert. Im Gegensatz zu klassischen Hotels sind die Einheiten meist größer, verfügen über eine voll ausgestattete Küche oder Küchenzeile und sind auf längere Aufenthalte, typischerweise ab einigen Wochen bis zu mehreren Monaten, ausgelegt. Die vertragliche Gestaltung erfolgt meist über einen Mietvertrag, nicht über einen Gastaufnahmevertrag wie im Hotelgewerbe, was rechtliche und steuerliche Implikationen hat.
Die primären Zielgruppen für Boardinghäuser sind vielfältig und umfassen in erster Linie Personen und Unternehmen, die temporäre Wohnlösungen suchen:
- —Geschäftsreisende und Projektmitarbeiter: Personen, die für längere Projekte oder Schulungen in einer Stadt sind und eine wohnlichere Alternative zum Hotel suchen.
- —Expatriates: Ausländische Fachkräfte, die für eine Übergangszeit in Deutschland leben, während sie eine dauerhafte Wohnung suchen oder für einen begrenzten Zeitraum hier tätig sind.
- —Mitarbeiterwechsel/Umzug: Personen, die beruflich bedingt umziehen und für eine Übergangszeit eine möblierte Unterkunft benötigen.
- —Consultants und Berater: Oftmals wochenweise in verschiedenen Städten tätig, schätzen sie die Selbstversorgungsmöglichkeiten.
- —Messebesucher und Aussteller: Während großer Messen kann ein Serviced Apartment eine kostengünstigere und komfortablere Alternative sein.
- —Private Langzeitreisende: Seltener, aber auch Touristen, die einen längeren Aufenthalt planen und Unabhängigkeit schätzen.
Marktanalyse und Standortwahl
Eine fundierte Marktanalyse ist das A und O bei der Planung eines Boardinghouses. Sie hilft, die Nachfrage zu verstehen, potenzielle Wettbewerber zu identifizieren und den optimalen Standort zu bestimmen. Ohne eine detaillierte Analyse steigt das Risiko einer Fehlentscheidung erheblich. Dabei sollten Sie sowohl makroökonomische Faktoren (Wirtschaftswachstum, Bevölkerungsentwicklung) als auch mikroökonomische Aspekte (lokale Unternehmen, Infrastruktur) berücksichtigen.
Die Standortwahl ist für den Erfolg eines Boardinghouses von entscheidender Bedeutung. Ideale Standorte zeichnen sich durch eine gute Erreichbarkeit, Nähe zu wichtigen Zielgruppen und eine attraktive Infrastruktur aus. Hierbei ist oft ein Kompromiss zwischen zentraler Lage (höhere Kosten) und peripherer Lage (geringere Kosten, längere Wege) zu finden.
- —Verkehrsanbindung: Gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn, U-Bahn) und Zufahrt zu Hauptverkehrsstraßen.
- —Nähe zu Unternehmen: Standorte in der Nähe von Bürokomplexen, Industriegebieten oder Forschungseinrichtungen sind vorteilhaft.
- —Infrastruktur: Einkaufsmöglichkeiten (Supermärkte), Restaurants, Freizeiteinrichtungen (Fitnessstudios, Parks) in der Nähe.
- —Wettbewerb: Analyse bestehender Boardinghäuser und Hotels in der Umgebung hinsichtlich deren Angebot und Auslastung.
- —Zukunftsplanung der Stadt: Geplante Infrastrukturprojekte oder Unternehmensansiedlungen, die die Nachfrage beeinflussen könnten.
- —Attraktivität des Quartiers: Ein ansprechendes, sicheres und lebendiges Umfeld steigert die Attraktivität.
Konzeption und Ausstattung der Einheiten
Die Konzeption der Einheiten muss auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten sein. Ein Boardinghouse unterscheidet sich hier deutlich von einem Hotelzimmer. Die Gäste bleiben länger und benötigen daher mehr Stauraum, eine Möglichkeit zur Selbstversorgung und einen Arbeitsbereich. Die Einrichtung sollte funktional, langlebig und gleichzeitig ansprechend sein. Ein ansprechendes Design trägt maßgeblich zur Wohlfühlatmosphäre bei und rechtfertigt gegebenenfalls auch höhere Mietpreise.
Neben der Grundausstattung spielen auch die angebotenen Dienstleistungen eine wichtige Rolle. Während grundlegende Services wie Reinigung und WLAN standardmäßig erwartet werden, können zusätzliche Angebote die Attraktivität steigern und einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
- —Größe der Einheiten: Typischerweise 25-50 qm für Studios, größere Einheiten für Familien oder spezielle Anforderungen.
- —Küchenausstattung: Mindestens eine Küchenzeile mit Herdplatten, Mikrowelle, Kühlschrank, Spüle und Grundausstattung an Geschirr und Kochutensilien.
- —Möblierung: Hochwertige, funktionale Möbel, ausreichend Stauraum (Kleiderschrank, Kommode), bequemer Arbeitsplatz mit Stuhl.
- —Technik: Schnelles und stabiles WLAN, Smart-TV, gegebenenfalls Telefon.
- —Badezimmer: Modern und funktional, ausreichend Ablagefläche.
- —Zusätzliche Services: Wöchentliche Reinigung, Bettwäsche-/Handtuchwechsel, Wäscheraum mit Waschmaschinen und Trocknern, optional: Frühstücksservice, Fitnessbereich, Concierge-Dienste.
Rechtliche und Genehmigungsrechtliche Aspekte
Die rechtliche Einordnung eines Boardinghouses ist komplex und hängt maßgeblich von der Art der Nutzung ab. Es gilt zu klären, ob es als Wohnraum, Beherbergungsbetrieb oder als Mischform eingestuft wird. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Baurecht, Mietrecht, Steuerrecht und die einzuhaltenden Auflagen. Eine frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Behörden (Bauamt, Gewerbeamt) und die Einholung rechtlichen Rats sind unerlässlich, um Verzögerungen oder sogar ein Scheitern des Projekts zu vermeiden.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem gewerblich vermieteten Boardinghouse und einer normalen Wohnungsvermietung. Dies beeinflusst unter anderem die Anwendung des Mietrechts (Mieterschutz vs. gewerbliche Miete) und die Umsatzsteuerpflicht. Auch die Einhaltung von Brand- und Immissionsschutzvorschriften sowie gegebenenfalls speziellen Anforderungen an Beherbergungsbetriebe muss gewährleistet sein.
- —Baurecht: Klärung der Nutzungsart (Wohnen, Gewerbe, Sondergebiet) gemäß Bebauungsplan und Landesbauordnung.
- —brandschutz: Einhaltung der Brandschutzauflagen für Beherbergungsbetriebe, gegebenenfalls RWA-Anlagen, Brandmelder, Fluchtwege.
- —Mietrecht: Erstellung von Mietverträgen, die die spezifischen Anforderungen langer Aufenthalte und optionaler Services berücksichtigen.
- —Gewerbeanmeldung: Erforderlich für den Betrieb eines Boardinghouses.
- —Datenschutz: Einhaltung der DSGVO, insbesondere bei der Verarbeitung von Kundendaten.
- —Ortstaxe/Tourismusabgabe: Je nach Stadt und Bundesland können Abgaben auf Übernachtungen anfallen.
Finanzierungsplanung und Wirtschaftlichkeitsberechnung
Ein solides Finanzierungskonzept ist die Basis für jedes Immobilienprojekt. Die Investitionskosten für ein Boardinghouse umfassen den Grundstückskauf, Baukosten, Einrichtungskosten, Erschließungskosten und Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler). Hinzu kommen Betriebskosten wie Personalkosten, Energiekosten, Instandhaltung, Marketing und Versicherungen.
Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung ist unerlässlich, um die Rentabilität des Projekts zu beurteilen. Dabei werden die erwarteten Einnahmen (Mieterträge) den Ausgaben gegenübergestellt. Eine realistische Annahme der Auslastung und der durchschnittlichen Mietpreise ist hierbei entscheidend. Auch Szenarioanalysen für unterschiedliche Auslastungs- und Preisentwicklungen sollten vorgenommen werden, um Risiken abzuschätzen.
- —Investitionskosten: Grundstück, Bau/Bestandssanierung, Ausstattung, Erschließung, Baunebenkosten, Puffer für Unvorhergesehenes.
- —Finanzierungsstruktur: Eigenkapitalanteil, Fremdkapital (Bankdarlehen), mögliche Förderprogramme.
- —Einnahmen: Prognostizierte Mieteinnahmen pro Einheit und Monat, basierend auf Marktanalyse und Zielgruppe.
- —Betriebskosten: Personalkosten (Rezeption, Reinigung, Facility Management), Energiekosten, Instandhaltung, Marketing, Versicherungen, Verwaltungskosten.
- —Cashflow-Analyse: Monatliche Betrachtung von Einnahmen und Ausgaben zur Sicherstellung der Liquidität.
- —Break-Even-Analyse: Bestimmung der Mindestauslastung, bei der das Projekt kostendeckend arbeitet.
Betrieb und Management
Der erfolgreiche Betrieb eines Boardinghouses erfordert ein professionelles Management. Dies kann entweder durch Eigenregie oder durch die Beauftragung eines erfahrenen Betreibers erfolgen. Bei der Eigenregie sind umfassende Kenntnisse in den Bereichen Hotelmanagement, Marketing, Personal und Facility Management gefragt. Bei der Vergabe an einen Betreiber ist die Auswahl des richtigen Partners von entscheidender Bedeutung; ein guter Betreiber kann maßgeblich zum Projekterfolg beitragen.
Das Personal ist das Aushängeschild Ihres Boardinghouses. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Professionalität sind essenziell für die Zufriedenheit der Langzeitgäste. Auch das Marketing spielt eine wichtige Rolle, um eine hohe Auslastung zu gewährleisten und die Zielgruppen effektiv zu erreichen. Digitale Kanäle wie Buchungsplattformen, Website und Social Media sind hierbei heutzutage unverzichtbar.
- —Personal: Rezeptionsmitarbeiter, Reinigungskräfte, Haustechniker; bei Bedarf externes Personal für spezialisierte Aufgaben.
- —Marketing und Vertrieb: Eigene Website, Online-Buchungsplattformen (OTAs), Corporate Clients, Social Media, PR-Arbeit.
- —Gästeservice: Check-in/Check-out, Problemlösung, Bereitstellung von Informationen, zusätzliche Serviceleistungen.
- —Facility Management: Regelmäßige Wartung, kleinere Reparaturen, Hausmeisterdienste, Gartenpflege.
- —Reinigung: Regelmäßige Reinigung der Einheiten und Gemeinschaftsbereiche, Wäscheservice.
- —Technologie: Property Management System (PMS), Buchungssysteme, Key-Card-Systeme, Smart-Home-Lösungen.
Fazit
Die Planung und Umsetzung eines Boardinghouse-Projekts ist ein komplexes Unterfangen, das eine sorgfältige Analyse, detaillierte Planung und ein tiefes Verständnis des Marktes erfordert. Mit einer fundierten Marktanalyse, einem durchdachten Konzept, einer soliden Finanzierungsbasis und einem professionellen Management kann ein Boardinghouse jedoch eine äußerst attraktive und renditestarke Investition im Immobiliensegment darstellen. Es gilt, die spezifischen Anforderungen dieser Nutzungsart zu erkennen und von Anfang an strategisch zu berücksichtigen, um langfristigen Erfolg zu sichern.

