Bereitstellungszins: Wie lange dauert es?
Wie lange dauern Bereitstellungszinsen bei der Immobilienfinanzierung? Erfahren Sie, was die bereitstellungszinsfreie Zeit ist und wie Sie Kosten sparen können.

Bei der Finanzierung einer Immobilie stoßen Bauherren, Käufer und Modernisierer häufig auf den Begriff „Bereitstellungszinsen“. Diese Zusatzkosten entstehen, wenn ein Darlehen zwar bereitsteht, aber noch nicht vollständig abgerufen wird. Ein zentraler Punkt ist dabei die Frage: Wie lange dauert es, bis Bereitstellungszinsen fällig werden? Dieser Ratgeber erklärt, was Bereitstellungszinsen sind, wie lange die bereitstellungszinsfreie Zeit in der Regel dauert und wie Sie die Kosten gezielt minimieren können.
Was sind Bereitstellungszinsen bei der Immobilienfinanzierung?
Bereitstellungszinsen – auch Bereitstellungsprovision genannt – sind Zinsen, die eine Bank für einen noch nicht abgerufenen Teil eines Darlehens berechnet. Sobald der Kreditvertrag unterschrieben ist, stellt die Bank das vereinbarte Darlehen zur Verfügung. Wird der Betrag jedoch nicht sofort vollständig ausgezahlt, sondern nur schrittweise (zum Beispiel in Bauabschnitten oder bei mehreren Kaufzahlungen), entsteht für die Bank ein Finanzierungsaufwand. Dieser wird über Bereitstellungszinsen ausgeglichen.
Die Bereitstellungszinsen fallen erst nach Ablauf einer sogenannten bereitstellungszinsfreien Zeit an. In dieser Phase zahlt der Kreditnehmer nur Zinsen auf bereits ausgezahlte Beträge. Erst danach werden zusätzlich Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Teil des Darlehens berechnet. Typischerweise liegen diese Zinsen zwischen 0,15 und 0,25 Prozent pro Monat, was grob drei Prozent pro Jahr entspricht.
Wie lange ist die bereitstellungszinsfreie Zeit?
Die bereitstellungszinsfreie Zeit ist der Zeitraum, in dem keine Bereitstellungszinsen anfallen. Sie beginnt in der Regel mit dem Abschluss des Kreditvertrags oder im Folgemonat und endet, wenn der letzte Teil des Darlehens ausgezahlt wird. Die Dauer dieser Frist ist je nach Bank und Art des Vorhabens unterschiedlich.
Bei einem Hauskauf oder der Finanzierung einer Wohnung liegen die bereitstellungszinsfreien Zeiten meist bei zwei bis drei Monaten. Bei einem Neubau oder größeren Umbauten können Banken bis zu zwölf Monate, in seltenen Fällen sogar bis zu 24 Monate, ohne Bereitstellungszinsen gewähren. Förderdarlehen der KfW weisen je nach Programm unterschiedliche Fristen auf – etwa 12 Monate beim Programm „Altersgerecht Umbauen“ oder bereits nach sechs Monaten und zwei Bankarbeitstagen beim Programm „Erneuerbare Energien“.
- —Bei Hauskauf: meist 2–3 Monate bereitstellungszinsfreie Zeit.
- —Bei Neubau: häufig bis zu 12 Monate, teils bis 24 Monate.
- —Bei KfW-Förderprogrammen: je nach Programm 6–12 Monate.
- —Frist beginnt mit Vertragsabschluss oder im Folgemonat.
- —Dauer ist vertraglich festgelegt und variiert von Bank zu Bank.
Wann fallen Bereitstellungszinsen konkret an?
Bereitstellungszinsen werden erst nach Ablauf der bereitstellungszinsfreien Zeit fällig. Solange diese Frist läuft, zahlt der Kreditnehmer nur Zinsen auf die bereits ausgezahlten Beträge. Erst danach werden zusätzlich Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Teil des Darlehens berechnet.
Die Bereitstellungszinsen werden monatlich auf den noch nicht ausgezahlten Betrag berechnet. Mit jedem ausgezahlten Teil des Darlehens verringert sich der offene Betrag und damit auch die Bereitstellungszinsen. Mit der Auszahlung des letzten Teils endet die Zahlung von Bereitstellungszinsen.
- —Nach Ablauf der bereitstellungszinsfreien Zeit.
- —Auf den noch nicht ausgezahlten Teil des Darlehens.
- —Monatlich berechnet, bis der letzte Teil ausgezahlt ist.
- —Nur zusätzlich zu den Sollzinsen, nicht stattdessen.
- —Enden mit vollständiger Auszahlung des Darlehens.
Wie werden Bereitstellungszinsen berechnet? (Beispielrechnung)
Die Berechnung von Bereitstellungszinsen erfolgt nach einer einfachen Formel: nicht abgerufener Betrag × Monatszinssatz × Anzahl der Monate. Die Höhe des Monatszinssatzes liegt in der Regel zwischen 0,15 und 0,25 Prozent pro Monat.
Beispielrechnung: Angenommen, ein Darlehen von 200.000 Euro wird nur zu 100.000 Euro ausgezahlt. Die bereitstellungszinsfreie Zeit ist abgelaufen. Der Monatszinssatz beträgt 0,25 Prozent. Dann betragen die Bereitstellungszinsen pro Monat 250 Euro (100.000 Euro × 0,25 %). Bei drei Monaten wären das insgesamt 750 Euro.
- —Formel: nicht abgerufener Betrag × Monatszinssatz × Monate.
- —Typischer Monatszinssatz: 0,15–0,25 %.
- —Beispiel: 100.000 Euro offener Betrag × 0,25 % = 250 Euro/Monat.
- —Kosten steigen mit der Dauer und Höhe des offenen Betrags.
- —Mit jeder Auszahlung sinken die Bereitstellungszinsen.
Wie kann man Bereitstellungszinsen vermeiden oder reduzieren?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, Bereitstellungszinsen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die geschickte Nutzung der bereitstellungszinsfreien Zeit. Bauprojekte sollten so geplant werden, dass die Auszahlung des Darlehens innerhalb dieser Frist abgeschlossen wird.
Zusätzlich können längere bereitstellungszinsfreie Zeiten mit der Bank ausgehandelt werden, insbesondere bei längeren Bauzeiten. Alternativ können Bausparverträge genutzt werden, bei denen in der Regel keine Bereitstellungszinsen anfallen. Auch die genaue Abstimmung mit Bauunternehmen und Handwerkern, um Auszahlungen termingerecht zu planen, hilft, unerwartete Verzögerungen und damit zusätzliche Kosten zu vermeiden.
- —Bereitstellungszinsfreie Zeit optimal nutzen.
- —Längere Frist mit der Bank vereinbaren.
- —Projektplanung auf Auszahlungstermine abstimmen.
- —Bausparvertrag als Alternative prüfen.
- —Verträge mit Bauunternehmen klar terminieren.
- —Unvorhergesehene Verzögerungen frühzeitig kommunizieren.
Welche Rolle spielt die Art des Vorhabens?
Die Art des Immobilienprojekts hat einen direkten Einfluss auf die Dauer der bereitstellungszinsfreien Zeit. Bei einem Hauskauf oder der Finanzierung einer Wohnung sind die Prozesse in der Regel schneller abgeschlossen, daher liegen die Fristen meist bei zwei bis drei Monaten.
Bei einem Neubau, einem größeren Umbau oder einer Sanierung dauern die Arbeiten länger. Banken berücksichtigen dies und gewähren häufig längere bereitstellungszinsfreie Zeiten, um den Kreditnehmern Flexibilität zu bieten. Förderprogramme der KfW passen die Fristen je nach Programm an – etwa längere Zeiten bei umfangreichen Modernisierungen oder altersgerechten Umbauten.
- —Hauskauf: meist 2–3 Monate.
- —Neubau: bis zu 12 Monate, teils 24 Monate.
- —Umbau/Sanierung: je nach Umfang angepasst.
- —KfW-Programme: unterschiedliche Fristen je nach Ziel.
- —Längere Bauzeiten erfordern längere Fristen.
Praktische Tipps für Bauherren und Käufer
Für Bauherren und Käufer ist es wichtig, die bereitstellungszinsfreie Zeit genau im Blick zu behalten. Die Planung des Bauablaufs oder der Kaufabwicklung sollte so gestaltet sein, dass die Auszahlung des Darlehens innerhalb dieser Frist erfolgt. Termine mit Bauunternehmen, Handwerkern und Notaren sollten frühzeitig festgelegt und dokumentiert werden.
Zudem empfiehlt es sich, die Konditionen verschiedener Banken zu vergleichen und gegebenenfalls eine längere bereitstellungszinsfreie Zeit auszuhandeln. Bei Förderdarlehen sollte die jeweilige Frist des Programms berücksichtigt werden. Eine sorgfältige Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten hilft, unerwartete Kosten durch Bereitstellungszinsen zu vermeiden.
- —Bereitstellungszinsfreie Zeit im Vertrag prüfen.
- —Bauablauf auf Auszahlungstermine abstimmen.
- —Mit Bank längere Fristen vereinbaren.
- —Konditionen verschiedener Anbieter vergleichen.
- —Förderprogramme und deren Fristen berücksichtigen.
- —Alle Termine schriftlich festhalten.
Fazit
Bereitstellungszinsen sind ein wichtiger Bestandteil der Immobilienfinanzierung, der bei der Planung eines Bauvorhabens oder eines Hauskaufs nicht unterschätzt werden sollte. Die bereitstellungszinsfreie Zeit liegt je nach Art des Vorhabens und der Bank zwischen zwei und zwölf Monaten, teils sogar länger. Durch eine sorgfältige Planung, die Nutzung dieser Frist und gegebenenfalls längere Vereinbarungen mit der Bank können Kosten effektiv reduziert werden. Bauherren und Käufer sollten die Konditionen genau prüfen und alle Beteiligten frühzeitig einbinden, um unerwartete Zusatzkosten zu vermeiden.

