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Beleihungswert: Wer zahlt was?

Der Beleihungswert ist entscheidend für Immobilienfinanzierungen. Erfahren Sie, was dieser Wert bedeutet, wie er ermittelt wird und welche Kosten für die Wertermittlung anfallen.

6 min Lesezeit
Beleihungswert: Wer zahlt was?

Wenn es um die Finanzierung einer Immobilie geht, stößt man unweigerlich auf den Begriff des Beleihungswerts. Dieser Wert spielt eine zentrale Rolle für Banken und andere Kreditinstitute, da er die maximale Höhe des Darlehens maßgeblich beeinflusst. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, wie wird er ermittelt und wer trägt eigentlich die Kosten für diese Wertermittlung? Dieser Artikel beleuchtet die Facetten des Beleihungswerts im Kontext von Immobilienfinanzierungen und klärt auf, was Immobilienkäufer und -eigentümer wissen müssen.

Was ist der Beleihungswert einer Immobilie?

Der Beleihungswert ist ein spezieller Wert, den Kreditinstitute für eine Immobilie ermitteln, um die maximale Höhe eines Darlehens festzulegen. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Kaufpreis, dem Verkehrswert oder dem Marktwert. Während der Kaufpreis das ist, was für eine Immobilie tatsächlich bezahlt wurde, und der Verkehrswert (Marktwert) den am freien Markt erzielbaren Preis darstellt, ist der Beleihungswert ein aus Sicht des Kreditgebers konservativer Wert. Er soll auch unter ungünstigen Marktbedingungen langfristig stabil sein und das Risiko der Bank absichern, sollte der Kreditnehmer zahlungsunfähig werden und die Immobilie zwangsversteigert werden müssen.

Die gesetzliche Grundlage für die Ermittlung des Beleihungswerts bildet § 16 des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) und die Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV). Diese Vorschriften stellen sicher, dass die Ermittlung methodisch und transparent erfolgt, um die Sicherheit der Pfandbriefe zu gewährleisten, die auf diesen Beleihungswerten basieren.

  • Der Beleihungswert ist bankintern relevant und nicht gleichbedeutend mit Kauf- oder Verkehrswert.
  • Er dient der Absicherung der Bank bei einer Immobilienfinanzierung.
  • Die Ermittlung erfolgt nach strengen gesetzlichen Vorgaben (PfandBG, BelWertV).
  • Der Wert soll auch unter ungünstigen Marktbedingungen langfristig beständig sein.
  • Typischerweise liegt der Beleihungswert unter dem Kaufpreis oder Marktwert.

Wie wird der Beleihungswert ermittelt?

Die Ermittlung des Beleihungswerts ist ein komplexer Prozess, der von spezialisierten Gutachtern des Kreditinstituts oder externen Sachverständigen durchgeführt wird. Dabei werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, um einen nachhaltigen und konservativen Wert zu erhalten. Das Ziel ist es, einen Wert zu finden, der langfristig, also über die gesamte Laufzeit des Darlehens, Bestand hat und der Bank im Falle einer Verwertung der Immobilie die Rückzahlung des Darlehens ermöglicht.

Die Gutachter wenden hierfür spezielle Wertermittlungsverfahren an, die sich am Sachwert-, Ertragswert- oder Vergleichswertverfahren orientieren. Oftmals werden diese Methoden kombiniert, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Dabei werden nicht nur der aktuelle Zustand und die Ausstattung der Immobilie bewertet, sondern auch ihre Lage, die Bausubstanz, die mögliche Vermietbarkeit sowie rechtliche Gegebenheiten wie Baulasten oder Dienstbarkeiten. Zukünftige Entwicklungen des Immobilienmarktes fließen ebenfalls in die Betrachtung ein, wobei eher eine vorsichtige Annahme getroffen wird.

  • Ermittlung durch interne Gutachter der Bank oder externe Sachverständige.
  • Verwendung von Sachwert-, Ertragswert- und Vergleichswertverfahren (oft kombiniert).
  • Berücksichtigung von Lage, Bausubstanz, Ausstattung und Vermietbarkeit.
  • Analyse von rechtlichen Gegebenheiten (z.B. Baulasten).
  • Einfluss von konservativen zukünftigen Markteinschätzungen.
  • Der Fokus liegt auf langfristiger Stabilität des Wertes.

Beleihungswert vs. Marktwert: Die feinen Unterschiede

Obwohl beide Werte den Wert einer Immobilie beziffern, unterscheiden sich Beleihungswert und Marktwert (oder Verkehrswert) in ihrer Definition und Zielsetzung erheblich. Der Marktwert ist der Preis, der zum Bewertungsstichtag auf dem freien Markt voraussichtlich erzielt werden könnte. Er spiegelt die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation wider und kann stärkeren Schwankungen unterliegen.

Der Beleihungswert hingegen ist, wie bereits erwähnt, ein vorsichtigerer Wert. Er wird oft als ein bestimmter Prozentsatz des Marktwerts angesetzt, wobei „sicher“ bedeutet, dass dieser Wert auch bei einem Abschwung des Immobilienmarktes Bestand haben soll. Die Differenz zwischen Marktwert und Beleihungswert stellt somit eine Sicherheitspuffer für die Bank dar. In der Regel liegt der Beleihungswert bei etwa 60 bis 80 Prozent des aktuellen Marktwertes, kann aber je nach Objekt und Bank variieren.

  • Marktwert: Aktuell auf dem freien Markt erzielbarer Verkaufspreis der Immobilie.
  • Beleihungswert: Konservativer, langfristig stabiler Wert für die Bank.
  • Der Beleihungswert ist in der Regel niedriger als der Marktwert.
  • Die Differenz dient der Bank als Sicherheitspuffer.
  • Prozentualer Abschlag vom Marktwert ist branchenüblich.

Die Bedeutung des Beleihungswerts für die Finanzierung

Der Beleihungswert ist von zentraler Bedeutung für die Höhe der Darlehenssumme, die eine Bank bereit ist zu vergeben. Die meisten Banken finanzieren nur einen bestimmten Prozentsatz des Beleihungswerts, den sogenannten Beleihungsauslauf. Ein gängiger Beleihungsauslauf liegt bei 60 bis 80 Prozent des Beleihungswerts. Dies bedeutet, dass der darüber hinausgehende Finanzierungsbedarf durch Eigenkapital des Käufers abgedeckt werden muss oder durch eine separate Finanzierung mit schlechteren Konditionen. Je höher der Beleihungswert im Verhältnis zum Kaufpreis ist, desto günstiger sind oft die Konditionen für das Darlehen, da das Risiko für die Bank geringer ist.

Beispiel: Möchten Sie eine Immobilie für 400.000 Euro kaufen und die Bank ermittelt einen Beleihungswert von 360.000 Euro bei einem Beleihungsauslauf von 80%. Dann erhalten Sie maximal 80% von 360.000 Euro, also 288.000 Euro. Die restlichen 112.000 Euro müssten Sie aus Eigenkapital aufbringen oder anderweitig finanzieren.

  • Der Beleihungswert bestimmt die mögliche Kreditvolumenhöhe.
  • Der Beleihungsauslauf ist der Prozentsatz des Beleihungswerts, der finanziert wird.
  • Höherer Beleihungswert gegenüber dem Kaufpreis kann zu besseren Zinskonditionen führen.
  • Eigenkapital deckt die Differenz zwischen Kaufpreis und Darlehenshöhe ab.
  • Eine höhere Beleihung bedeutet für die Bank ein höheres Risiko und höhere Zinsen.

Wer trägt die Kosten für die Wertermittlung?

Die Kosten für die Ermittlung des Beleihungswerts werden in der Regel vom Darlehensnehmer, also dem Immobilienkäufer oder Eigentümer, getragen. Diese Kosten fallen für das Gutachten an, das die Bank zur Absicherung ihrer Finanzierung benötigt. Die Höhe der Kosten variiert je nach Umfang des Gutachtens, der Komplexität der Immobilie und dem vereinbarten Honorar des Sachverständigen. Bei vielen Banken sind diese Kosten pauschal in den Bearbeitungsgebühren für die Baufinanzierung enthalten oder werden gesondert ausgewiesen.

Es ist ratsam, sich bereits zu Beginn der Finanzierungsgespräche über die anfallenden Kosten für die Wertermittlung zu informieren. Manchmal bieten Banken auch an, diese Kosten zu übernehmen oder zu subventionieren, insbesondere bei größeren Finanzierungen oder im Rahmen von Sonderaktionen. Die Kosten für ein Beleihungswertgutachten können, je nach Art und Umfang der Immobilie, von wenigen hundert Euro bis zu über tausend Euro reichen.

  • Grundsätzlich trägt der Darlehensnehmer die Kosten für die Beleihungswertermittlung.
  • Die Kosten fallen für das Gutachten des Sachverständigen an.
  • Sie können in den Bearbeitungsgebühren der Finanzierung inkludiert sein oder separat berechnet werden.
  • Die Höhe variiert je nach Immobilie und Gutachtenaufwand.
  • Informationen über anfallende Kosten sollten frühzeitig eingeholt werden.

Beleihungswertermittlung bei Sanierung und Neubau

Auch bei Sanierungsvorhaben oder einem Neubau spielt der Beleihungswert eine wichtige Rolle. Bei einer umfassenden Sanierung wird der zukünftige Wert der Immobilie nach Abschluss der Maßnahmen prognostiziert. Dies berücksichtigt die Wertsteigerungen durch Modernisierungen, Umbauten oder Erweiterungen. Die Bank beurteilt hierbei das Sanierungskonzept, die voraussichtlichen Kosten und die zu erwartende Wertentwicklung.

Im Neubaufall wird der Beleihungswert auf Basis der geplanten Baumaßnahmen, der Bau- und Planungsunterlagen sowie des Grundstückswerts ermittelt. Hierbei ist es wichtig, dass alle relevanten Baupläne, Genehmigungen und Kalkulationen detailliert vorliegen, damit der Gutachter einen realistischen Beleihungswert prognostizieren kann. Auch hier wird ein Risikozuschlag berücksichtigt, da der Wert noch nicht realisiert ist und Bauverzögerungen oder -mängel Einfluss nehmen könnten.

  • Bei Sanierungen wird der zukünftige Wert nach den Maßnahmen prognostiziert.
  • Das Sanierungskonzept und die Kosten fließen in die Bewertung ein.
  • Bei Neubau basiert der Wert auf Grundstück, Planung und Bauunterlagen.
  • Detaillierte Baupläne und Genehmigungen sind entscheidend.
  • Es werden Risikofaktoren wie Bauverzögerungen einkalkuliert.

Fazit

Der Beleihungswert ist ein unverzichtbares Instrument in der Immobilienfinanzierung. Er schützt die Bank vor übermäßigen Risiken und bildet die Basis für die Kreditvergabe. Für den Darlehensnehmer ist es wichtig, den Unterschied zwischen Beleihungswert und Marktwert zu verstehen und die Bedeutung dieses Wertes für die Konditionen der Finanzierung zu erkennen. Die Kosten für die Wertermittlung trägt in der Regel der Darlehensnehmer. Eine fundierte Kenntnis dieser Zusammenhänge ermöglicht eine bessere Planung und transparentere Verhandlungsprozesse bei der Realisierung des Immobilieneigentums.

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